Business English: Verhandlungssicher ohne falsche Freunde

Let’s face it: Wer in einem international agierenden Unternehmen arbeiten und dabei auf der Karriereleiter weiterkommen möchte, der muss heute fit in Business Englisch (oder besser: Business English) sein. Gute Schulnoten in Englisch sind dabei nicht unbedingt ausschlaggebend, denn im beruflichen Alltag kommt man mit dem Schulenglisch häufig nicht allzu weit. Fachvokabular sowie bestimmte Umgangsformen und kulturelles Wissen sind ebenso erforderlich – ohne diese kommen die wenigsten im Umgang mit Geschäftspartnern aus aller Welt nicht aus…

Business English: Verhandlungssicher ohne falsche Freunde

False friends im Business English

Das geht schon beim klassischen Wortschatz los. Selbst diejenigen, die zum Beispiel auf gutes Schulenglisch aufbauen können, unterliegen das ein oder andere Mal der Versuchung, auf sogenannte false friends, zu Deutsch falsche Freunde, hereinzufallen. Als False Friends werden etwa jene Wörter bezeichnet, von denen man meint, sie direkt aus dem Deutschen ins Englische übernehmen zu können. Also typische Angliszismen, die im hiesigen Geschäftsalltag und in Meetings ständig fallen.

Zwei Drittel der Berufstätigen können kaum Business Englisch

Wie gut sprechen Sie Englisch? Eine repräsentative GfK-Studie hat ergeben, dass zwei Drittel der Berufstätigen in Deutschland (65,5 Prozent) mangelhafte Englischkenntnisse besitzen, in der Gesamtbevölkerung sind es sogar 70,3 Prozent.

Vor allem unter den 40- bis 49-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die sagen müssten „Sorry, I don’t speak English“ besonders hoch: 30,5 Prozent gaben an, allenfalls über geringe Englischkenntnisse zu verfügen. 29,5 Prozent der 30- bis 39-Jährigen könnten sich so eben verständigen, vermeiden dies aber. Lediglich 2,1 Prozent der Arbeitnehmer sprechen verhandlungssicheres Englisch.

Ganz anders sieht es beim Nachwuchs aus: Von den Berufseinsteigern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren gab mehr als jeder Zweite (54 Prozent) an, gute bis exzellente Englischkenntnisse zu besitzen.

Gut so! Denn um sich mit Kunden, Partnern und Zulieferern rund um den Globus verständigen zu können, brauchen immer mehr Mitarbeiter Englischkenntnisse, die zumindest grobe Verhandlungen ermöglichen.

Natürlich sind nicht alle Anglizismen falsche Freunde, aber doch mehr als manchen bewusst ist. Handy etwa ist den Angelsachsen als Synonym für ein Smartphone unbekannt. Dort heißt es mobile phone oder schlicht mobile.

Oder folgende Situation: Sie sollen bei Partnern in Großbritannien die neue Produktlinie Ihrer Firma präsentieren. Für die Präsentation hätten Sie gerne einen Beamer

  • „Excuse me, I need a beamer“, lautet ihre höfliche Anfrage. Leider versteht das aber keiner dort, denn der Beamer heißt im Englischen „projector„.
  • Wenn Sie wiederum auf ihren Vorgesetzten verweisen, dann bitte immer mit „my boss„. Was leider auch vorkommt: Der Mitarbeiter spricht von seinem „chief“, was übersetzt Häuptling heißt, oder vom „chef“, was den Vorgesetzten zum Küchenchef degradiert. Immerhin: den Lacher haben Sie dann auf Ihrer Seite.
  • Auch wenn Sie mit IT-Kollegen auf der Insel über die Einrichtung einer zentralen Rufnummer für Anwender-Fragen, also einer Hotline sprechen, werden sie möglicherweise auf Unverständnis stoßen. Obwohl die Hotline sehr Englisch klingt, ist sie ein falscher Freund. Korrekterweise spricht man im Englischen von einer „Helpline“.
  • Und mit einem Kompliment vom Typ „That costume looks good on you“ können Sie Ihre sensible Geschäftspartnerin gar in eine Sinnkrise stürzen – es sei denn, sie ist wirklich verkleidet. „Costume“ ist nicht etwa das englische Wort für ein schickes Kostüm, sondern eben für eine Verkleidung. „That suit looks really good on you“ ist da als Kompliment schon wesentlich zweckdienlicher.

Business Englisch Redewendungen: Immer höflich bleiben!

Business Englisch beinhaltet aber nicht nur den richtigen Gebrauch von Vokabeln. Im Business gilt es schließlich auch, sich in der Zweitsprache am Verhandlungstisch durchsetzen zu können. Aber wie zum Beispiel gibt man den Geschäftspartnern höflich, aber bestimmt zu verstehen, dass man jetzt ein wenig abgeschweift sei und gerne wieder zum Thema zurückkehren würde?

Folgende Redewendungen wären eine elegante Lösung:

I’m sorry to interrupt, but I think we’re getting a bit off the agenda. I would like us to come back to issue of…

Oder:

I think the current line of discussion is not bringing us forward with the decisions we have to make. I’d like to suggest we re-focus our effort by discussing…

Klar, auch hier macht Übung den Meister. Je länger man im Beruf steht und je öfter man es mit Geschäftspartnern aus dem Ausland zu tun hat, desto sicherer wird man auch im Gebrauch der Sprache.

Personalberater bestätigen allerdings auch, dass für Festanstellungen des mittleren und gehobenen Managements 95 Prozent der Kandidaten Business Englisch beherrschen müssen. Gut die Hälfte der Stellen ist auf Arbeitnehmer ausgelegt, die sicher präsentieren können und auch in der Durchführung von Telefonkonferenzen geübt sind. Die andere Hälfte muss darüber hinaus nicht nur Fachvokabular beherrschen, sondern auch verhandlungssicher damit umgehen können.

Auslandsaufenthalte während des Studiums, aber auch laufende Fort- und Weiterbildungen werden von Arbeitgebern daher begrüßt.

Nicht zuletzt, weil sich damit die sogenannte interkulturelle Kompetenz trainieren lässt – insbesondere im Rahmen von Sprachaufenthalten oder Sprachreisen. Geschärft wird dabei vor allem das Bewusstsein dafür, dass das Gegenüber aus einer anderen Kultur stammt und unter Umständen andere Auffassungen von Höflichkeit hat als wir Deutschen.

Während ein Aufenthalt im Ausland, sowie die Hinweise von muttersprachlichen Lehrern die Basis für diese interkulturelle Kompetenz bilden können, verfestigt sich dieses Wissen erst durch langjährige Erfahrungen.

Gerade erfahrene Kollegen haben diesbezüglich immer ein paar Verhaltenstipps auf Lager. Wenn Sie also Ihre ersten Gehversuche auf internationalem Parkett starten, sind diese ein entsprechend guter Anlaufpunkt.

Stay tuned!

[Bildnachweis: Ditty_about_summer by Shutterstock.com]
13. Dezember 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px


Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!