Liste deutscher Redewendungen von A bis Z
Die folgende Liste zeigt die bekanntesten deutschen Redewendungen, alphabetisch sortiert. Die enthaltenen Links führen zu ausführlichen Erklärungen:
- Bedeutung: Die Redewendung „0815“ (ausgesprochen: nullachtfünfzehn) beschreibt ein minderwertiges oder bestenfalls durchschnittliches Produkt.
- Herkunft: Der Ausdruck stammt von dem deutschen Maschinengewehr 08/15 aus dem Jahr 1908. Das war jedoch nur schlechte Massenware.
- Bedeutung: Der Ausdruck „Ach du grüne Neune!“ drückt große Überraschung über ein meist negatives Ereignis aus.
- Herkunft: Die Herkunft ist nicht eindeutig. Vermutet wird, dass die Spielkarte „Pik 9“ auch als „Grüne 9“ bezeichnet wurde und laut Aberglauben großes Pech verhieß.
- Bedeutung: Wenn jemand sagt, dass „alles in Butter“ ist, beschreibt er oder sie damit eine Situation, die ruhig, stabil und ohne Schwierigkeiten verläuft. Synonym: „Alles ok!“
- Herkunft: Der Ursprung wird im Mittelalter vermutet. Damals wurden wertvolle Gläser für den Transport über die Alpen in Fässern mit flüssiger Butter eingegossen. So gingen sie nicht zu Bruch.
- Bedeutung: Wer redensartlich „alte Zöpfe abschneiden“ will, macht sich für Veränderungen stark und hält nicht weiter an überholten Traditionen fest.
- Herkunft: Mutmaßlich stammt diese Redewendung aus der Zeit der preußischen Armee: Diese trug seit dem 16. Jahrhundert Zöpfe als offizielle Haartracht. Unter Friedrich II. wurden die eher hinderlichen Zöpfe abgeschnitten.
- Bedeutung: Bei dem Spruch geht es nicht um Obst, sondern darum, dass jemand zwei völlig verschiedene, unvergleichliche Dinge miteinander vergleicht.
- Herkunft: Ein Vorläufer der Redewendung ist der Spruch „Ich frage nach Äpfeln und du antwortest mir von Birnen.“ Dieser findet sich bereits in einer Sprichwörtersammlung aus dem Jahre 1810.
- Bedeutung: Das Idiom „auf 180“ beschreibt einen Menschen, der binnen Sekunden enorm wütend und in Rage ist.
- Herkunft: Die Herkunft des Ausdrucks liegt sowohl bei Rasern, die mit 180 km/h über die Autobahn brettern, und im hohen Blutdruck, der bei Zorn und Aufregung steigt.
- Bedeutung: Wer „auf den Hund gekommen“ ist, dem geht es nicht gut, sondern hundeelend – gesundheitlich oder finanziell.
- Herkunft: Eine Erklärung lautet, dass, wer früher bettelarm war und sich keinen Ochsen oder kein Pferd leisten konnte, einen Hund vor seinen Karren spannen musste, um ihn zu ziehen – und war „auf den Hund gekommen.“
- Bedeutung: Wer Risiken vermeiden und kluge Entscheidungen treffen will, geht umgangssprachlich „auf Nummer sicher„.
- Herkunft: Der Spruch stammt aus dem Gefängnis. Die Zellen sind dort durchnummeriert – so wissen die Wärter genau, welcher Übeltäter in welcher Nummer „sicher“ sitzt.
- Bedeutung: Der Spruch bezeichnet Menschen, die Geheimnisse preisgeben und ausplaudern, die der Öffentlichkeit eigentlich verborgen bleiben sollen.
- Herkunft: Das „Nähkästchen“ galt Frauen früher als sicherer Aufbewahrungsort – zum Beispiel für Liebesbriefe von Verehrern. In Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ kommen solche Geheimnisse aus dem Nähkästchen zum Vorschein und führen zur Katastrophe.
- Bedeutung: Wer „aus dem Stegreif“ etwas schafft, vollbringt ein kleines Kunststück – noch dazu gänzlich unvorbereitet und ohne lange darüber nachzudenken.
- Herkunft: Die Redewendung „Stegreif“ ist eine alte Bezeichnung für einen Steigbügel. Wer etwas aus dem Stegreif vollbringen konnte, muss dafür nicht einmal vom Pferd absteigen.
- Bedeutung: Der wenig versöhnliche Ausdruck meint, jedes Leid mit gleichem Leid zu vergelten. Im Alltag steht es jedoch dafür, dass ein Schadensverursacher eine angemessene Wiedergutmachung leisten muss.
- Herkunft: Die Redensart geht auf die Bibel und das „Alte Testament“ zurück. In der damaligen Zeit wurde noch Blut mit Blut gerächt.
- Bedeutung: Wenn jemand nur noch „Bahnhof“ versteht, hat er oder sie ein Verständnisproblem – und versteht von der Antwort gar nichts oder will etwas anderes hören.
- Herkunft: Die Redensart stammt aus dem Ersten Weltkrieg und bezieht sich auf die vom jahrelangen Krieg zermürbten Soldaten. Die wollten nur noch „Bahnhof“ hören und verstehen, sodass sie heimfahren durften.
- Bedeutung: Ein blaues Wunder erleben, bedeutet nie etwas Gutes. Betroffene machen Bekanntschaft mit einer unangenehmen, bösen Überraschung.
- Herkunft: Die Farbe Blau galt im 16. Jahrhundert als Farbe der Täuschung und Lüge. Das blaue Wunder entsprach einer bösen Überraschung.
- Bedeutung: Der Spruch drückt aus, dass etwas für jemanden ein komplettes Rätsel ist, das unverständlich und unlösbar erscheint.
- Herkunft: Der Ausdruck stammt aus der Bibel, genauer aus der Offenbarung des Johannes. Dort geht es um ein solches Buch, das die endzeitlichen Ereignisse auf der Erde schildert. Niemand kann es öffnen, um Details zu erfahren.
- Bedeutung: Das Sprichwort mahnt, eine Aufgabe rechtzeitig zu beginnen oder früh an einem Ort zu sein, weil das Vorteile bringt.
- Herkunft: Der Ausdruck „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ stammt ursprünglich aus dem Englischen. Die Herkunft spielt darauf an, dass für einen Vogel am frühen Morgen die Chancen auf einen Wurm größer sind, weil der Boden noch feucht ist und Würmer nahe der Oberfläche kriechen.
- Bedeutung: Die Redewendung meint, dass man etwas kauft, ohne den Inhalt oder die Qualität genau zu kennen.
- Herkunft: Die Redensart verweist auf betrügerische Händler. Diese jubelten ihren Kunden früher auf Märkten wertlose Katzen in einem Sack unter – statt der ausgemachten Ferkel, Hasen oder Hühner.
- Bedeutung: Das Adverb dito bedeutet „ebenso“ oder „gleichfalls“. Damit bekräftigen Sie, dass eine vorherige Aussage auch auf Sie zutrifft.
- Herkunft: Der Begriff stammt vom lateinischen „dicere“ = „sagen“. Später wurde daraus im Italienischen „detto“, was mit „schon gesagt“ übersetzt wird.
- Bedeutung: Die Redewendung hat nichts mit einer Diät zu tun, sondern beschreibt die Fähigkeit, auch in schweren Zeiten zusammenzuhalten und einander beizustehen (siehe Beispiele).
- Herkunft: Der Ursprung reicht bis ins 14. Jahrhundert. „Dick“ meinte ein „dichtes“ Gestrüpp und einen schwer passierbaren Weg; „dünn“ war eine gut passierbare Passage.
- Bedeutung: Das geflügelte Wort „Eine Hand wäscht die andere“ ist ein Appell zur gegenseitigen Unterstützung und erinnert daran, einen Gefallen zu erwidern.
- Herkunft: Der Ausdruck findet sich schon bei den Römern und beim Philosophen Seneca: „Manus manum lavat“ – auf Deutsch: „Eine Hand wäscht die andere.“
- Bedeutung: Umgangssprachlich bedeutet der Ausdruck, die Konsequenzen für etwas tragen zu müssen, das man selbst oder jemand anderer verursacht hat.
- Herkunft: Früher gingen mehrere Menschen nacheinander in eine Badewanne. Wer zuletzt in die Wanne stieg, musste in kaltes und dreckiges Wasser steigen und „ausbaden“ – also das Bad auch noch leeren und reinigen.
- Bedeutung: Wer heute einen Gang nach Canossa macht, muss sich unter persönlich oft als demütigend empfundenen Bedingungen bei einer anderen Person entschuldigen.
- Herkunft: Die Redewendung bezieht sich auf den römisch-deutschen Kaiser Heinrich IV. Der hatte sich im 11. Jahrhundert mit dem Papst überworfen und wurde exkommuniziert. Um Absolution zu erhalten, musste er zur Burg Canossa reisen, wo sich der Papst aufhielt.
- Bedeutung: Die Wendung „gegen Windmühlen kämpfen“ beschreibt einen aussichtslosen, meist sinnlosen Kampf.
- Herkunft: Der Ausdruck geht auf den spanischen Roman „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes aus dem 17. Jahrhundert zurück. Der tragische Held Don Quijote sieht in Windmühlen gefährliche Riesen, die er besiegen muss.
- Bedeutung: „Geld stinkt nicht“ sagt, dass die Herkunft des Geldes oder die Art, wie es verdient wurde, keine Rolle spielt. Es macht in jedem Fall reich.
- Herkunft: Der Spruch – Latein: „pecunia non olet“ – stammt von Kaiser Vespasian. Der ließ die Nutzung öffentlicher Latrinen. Als sein Sohn Titus das kritisierte, hielt Vespasian ihm etwas Steuergeld unter die Nase und erfand das geflügelte Wort.
- Bedeutung: Wenn etwas gut werden soll, brauchen Sie Zeit und Geduld. Genau diese Erkenntnis steckt hinter der deutschen Redewendung „Gut Ding will Weile haben„.
- Herkunft: Die exakte Herkunft lässt sich nicht feststellen. Als deutsche Volksweisheit reichen erste Fundstellen bis ins 17. Jahrhundert zurück.
- Bedeutung: Die Redewendung „Hals- und Beinbruch“ ist ironisch gemeint und wünscht einem Menschen vielmehr Glück und gutes Gelingen bei einer wichtigen Prüfung oder einem Wettkampf.
- Herkunft: Die Formulierung kommt vom Jiddischen. Juden wünschen sich „hatslokhe un brokhe“, was „Glück und Segen“ bedeutet. Weil niemand die Redewendung im Deutschen verstand, wurde daraus der ähnlich klingende Spruch.
- Bedeutung: Das Idiom „Hinz und Kunz“ beschreibt eine breite, oft unspezifische Gruppe von Menschen oder vollkommen austauschbare Personen.
- Herkunft: „Hinz“ und „Kunz“ sind die Kurzformen der im 11. Jh. beliebten Vornamen „Heinrich“ und „Konrad“. Weil in dieser Zeit nahezu „jedermann“ so hieß, wurde es ein Sammelbegriff für die gewöhnlichen Leute.
- Bedeutung: Der Spruch sagt lediglich, dass jemandem etwas kaputtgeht oder verloren geht.
- Herkunft: Der Ursprung liegt in der Jägersprache. Binsen sind stabile Grasgewächse, in die sich das Wild flüchtete. Oft verloren die Jagdhunde dabei die Spur.
- Bedeutung: Jemandem „die Leviten lesen“ bedeutet, die Person ordentlich zu schimpfen und ein Fehlverhalten mit deutlichen Worten anzusprechen.
- Herkunft: Im Mittelalter wurden bei den Bußübungen der Benediktinermönche oft Texte aus dem „Levitikus“ (Buch der Bibel) vorgelesen, um das untugendhafte Verhalten der Mönche zu tadeln.
- Bedeutung: Die Fügung „nah am Wasser gebaut sein“ beschreibt Menschen, die schnell den Tränen nahe sind.
- Herkunft: Der Ausdruck ist eine Metapher für die Lage eines Hauses, das nahe am Ufer gebaut wurde und daher nahe am Wasser bzw. „Tränensee“ steht.
- Bedeutung: Hinter der Redewendung steckt die Vorstellung, dass der Eidotter das Beste am Ei ist. Wenn etwas also nicht „das Gelbe vom Ei“ ist, ist es nur das Zweitbeste, nicht das Nonplusultra oder Optimum.
- Herkunft: Die Herkunft ist nicht klar. Vermutlich ist es eine allgemeine Volksweisheit aus dem Mittelalter.
- Bedeutung: Wer anderen Paroli bietet, setzt sich entschieden zur Wehr und geht in die Offensive – körperlich oder verbal.
- Herkunft: Die Redewendung stammt ursprünglich aus dem Kartenspiel „Pharao“. Dabei kann ein Spieler nach einer gewonnenen Runde seinen Gewinn stehen lassen und den Einsatz verdoppeln. Diese Strategie heißt im Spiel: Paroli bieten.
- Bedeutung: Wer seinen Job „(nach) Schema F“ erledigt, arbeitet nach dem immer gleichen Muster – standardisiert, schematisch, gedankenlos, ohne jede Abwechslung.
- Herkunft: Das „Schema F“ wurde 1861 von der preußischen Armee entwickelt – mit „F“ für „Frontrapport“. Der sollte die Ausstattung einer Truppeneinheit mit Soldaten und Waffen erfassen und sicherstellen, dass Soldaten stets einsatzbereit waren.
- Bedeutung: Die Formel „Steter Tropfen höhlt den Stein“ ist eine Erinnerung daran, dass sich Ausdauer und Beharrlichkeit in allen Lebensbereichen auszahlen.
- Herkunft: Die Ursprünge lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Schon in Ovids „Epistolae“ heißt es auf Latein: „Gutta cavat lapidem“ – auf Deutsch: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.
- Bedeutung: Die Redewendung „Tabula rasa (machen)“ steht dafür, mit einer Situation oder seinem Leben gründlich aufzuräumen und endlich klare Verhältnisse zu schaffen.
- Herkunft: Die Römer schrieben früher Notizen auf Wachstäfelchen – die Tabulas (= Tafel). „Rasa“ beschreibt das Glätten oder Abschaben der Oberfläche, um sie neu beschreiben zu können.
- Bedeutung: Wer Tacheles redet, spricht keine Fremdsprache, sondern macht eine unverblümte, klare Ansage – ohne zu beschönigen und direkt auf den Punkt.
- Herkunft: Ursprünglich stammt die Redewendung aus der jüdischen Sprache und bedeutet übersetzt so viel wie „Ziel“ oder „Zweck“. Wer Tacheles spricht, redet ziel- oder zweckorientierten Klartext.
- Bedeutung: Diese Phrase bedeutet, dass ein Mensch stirbt oder etwas kaputtgeht.
- Herkunft: Die Redewendung stammt aus der Bibel. Bevor das Volk Israel ins gelobte Land Kanaan konnte, musste es 40 Jahre durch eine Wüste wandern und schließlich den Fluss Jordan überqueren. Dieser steht gleichzeitig für den Einzug ins Himmelreich.
- Bedeutung: Die Redensart drückt aus, dass etwas grottenschlecht ist und damit jeder Beschreibung spottet.
- Herkunft: Die Redensart ist ein schönes Beispiel für eine sprachliche Verballhornung. Es geht mitnichten um ein Geschütz, sondern um den lateinischen „Canon“ – die Notenskala von 1 bis 6. Mit „sub omni canone“ drückte man aus, dass etwas schlechter als die schlechtestmögliche Note war.
- Bedeutung: Wer vom Regen in die Traufe kommt, gerät von einer unguten Situation oder misslichen Lage in eine noch schlimmere. Die Redewendung beschreibt damit eine Art Pechsträhne.
- Herkunft: Das Wort „Traufe“ bezeichnete im Althochdeutschen die Tropfkante eines Daches. Wer genau darunter stand, bekam bei Regen nicht nur einzelne Tropfen ab, sondern den Wasserschwall vom ganzen Dach – und wurde noch nasser.
- Bedeutung: Die deutsche Redewendung „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ drückt aus, dass jemand, der zuerst da war, auch zuerst dran ist. Wer zu spät kommt, muss entsprechend warten oder geht leer aus.
- Herkunft: Das Sprichwort geht auf das 13. Jh. zurück. Damals brachten die Bauern ihr Getreide zu den Mühlen, um es mahlen zu lassen. Wer zuerst kam, durfte auch zuerst mahlen lassen. Vordrängeln war strikt untersagt.
- Bedeutung: Die Redensart „Zuckerbrot und Peitsche“ steht für zwei Extreme: eine süße Belohnung einerseits – harte Strafen andererseits. Ein Wechselbad zwischen Strenge und Güte.
- Herkunft: Die Redewendung geht auf Reichskanzler Otto von Bismarck zurück. Der wurde damit auf Flugblättern für seine Sozialgesetzgebung beschimpft. Der Text: „Sein Zuckerbrot verachten wir, seine Peitsche zerbrechen wir.“
„08/15“
„Ach du grüne Neune“
„Alles in Butter“
„Alte Zöpfe abschneiden“
„Äpfel mit Birnen vergleichen“
„Auf 180 sein“
„Auf den Hund gekommen“
„Auf Nummer sicher gehen“
„Aus dem Nähkästchen plaudern“
„Aus dem Stegreif“
„Auge um Auge, Zahn um Zahn“
„Bahnhof verstehen“
„Sein blaues Wunder erleben“
„Buch mit 7 Siegeln“
„Der frühe Vogel fängt den Wurm“
„Die Katze im Sack kaufen“
„Dito“
„Durch dick und dünn gehen“
„Eine Hand wäscht die andere“
„Etwas ausbaden müssen“
„Gang nach Canossa“
„Gegen Windmühlen kämpfen“
„Geld stinkt nicht“
„Gut Ding will Weile haben“
„Hals- und Beinbruch“
„Hinz und Kunz“
„In die Binsen gehen“
„Leviten lesen“
„Nah am Wasser gebaut“
„Nicht das Gelbe vom Ei“
„Paroli bieten“
„Schema F“
„Steter Tropfen höhlt den Stein“
„Tabula rasa“
„Tacheles reden“
„Über den Jordan gehen“
„Unter aller Kanone“
„Vom Regen in die Traufe“
„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“
„Zuckerbrot und Peitsche“
Die Redewendungen-Liste können Sie sich zusätzlich hier kostenlos als PDF herunterladen.
Redewendung oder Sprichwort?
Im Gegensatz zu Redewendungen bestehen Sprichwörter meist aus einem vollständigen Satz und enthalten in der Regel Lebensweisheiten oder eine philosophische Moral. Redewendungen haben dagegen einen übertragenen Sinn. Beispiele: Das Sprichwort „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ bedeutet: Wer anderen etwas Böses zufügen will, schadet sich am Ende selbst. Die Redewendung „sich etwas abschminken“ meint hingegen nicht, Make-up zu entfernen, sondern ist eine Metapher dafür, eine Hoffnung aufzugeben.
Redensarten-Index: 300 Redewendungen mit Bedeutung
Das ist längst nicht alles: In Deutschland gibt es viele verschiedene Redewendungen und kurze Aussagen, deren Bedeutung nicht immer auf den ersten Blick deutlich wird. Unsere große Liste als Tabelle hilft weiter:
Redewendung |
Bedeutung |
| A und O | Das absolut Wichtigste |
| Abfuhr erteilen | Jemanden abweisen und Nein sagen |
| Abwarten und Tee trinken | Ruhig und geduldig bleiben |
| Ach du grüne Neune | Ausdruck von großem Erstaunen |
| Ach und Krach | Etwas gerade so schaffen |
| Affenzirkus veranstalten | Übertriebenes Getue oder Chaos |
| Alles in Butter | Es ist alles in Ordnung |
| Alle Register ziehen | Jede Möglichkeit ausprobieren |
| Alte Leier | Ständig wiederholte Information |
| Am Ball bleiben | Ziele hartnäckig verfolgen |
| An den Kragen gehen | Eine Auseinandersetzung beginnen |
| An den Pranger stellen | Andere öffentlich beschuldigen |
| Auf Biegen und Brechen | Unbedingt um jeden Preis |
| Auf dem Holzweg sein | Sich komplett irren |
| Auf den Schlips treten | Andere verletzten und kränken |
| Auf Heller und Pfennig | Ganz genau und vollständig |
| Auf keinen grünen Zweig kommen | Keinen Erfolg haben |
| Aus allen Wolken fallen | Völlig überrascht und fassungslos |
| Bach runtergehen | Etwas läuft schieft |
| Bären aufbinden | Jemandem Unwahrheiten erzählen |
| Bauernopfer | Unwichtiges aufgeben, Wichtiges schützen |
| Bis in die Puppen | Bis spät in die Nacht |
| Blaumachen | Ohne Grund fehlen oder schwänzen |
| Blut und Wasser schwitzen | Große Angst vor etwas haben |
| Brett vor dem Kopf | Offensichtliches nicht verstehen |
| Chemie stimmt | Eine harmonische Beziehung |
| Chuzpe haben | Mut zur Frechheit |
| Da ist Hopfen und Malz verloren | Keine Chance mehr haben |
| Das kommt mir Spanisch vor | Etwas merkwürdig finden |
| Drahtseilackt | Einen riskanten Plan haben |
| Dreck am Stecken | Keine reine Weste haben |
| Drei Kreuze machen | Erleichtert über überstandene Gefahr |
| Durch die Lappen gehen | Etwas knapp verpassen |
| Ei der Daus | Ausdruck freudiger Überraschung |
| Ei des Kolumbus | Eine einfache Lösung |
| Eier haben | Mutig sein |
| Elefant im Porzellanladen | Ungeschicktes Verhalten |
| Ende im Gelände | Etwas ist vorbei |
| Eselsbrücke bauen | Lern- und Merkhilfe erstellen |
| Etwas im Schilde führen | Heimlich Böses planen |
| Etwas springen lassen | Anderen etwas ausgeben |
| Faden verlieren | Logischen Anschluss vergessen |
| Farbe bekennen | Seinen Standpunkt nennen |
| Fähnlein im Wind | Seine Meinung ständig anpassen |
| Faust aufs Auge | Etwas passt perfekt zusammen |
| Fels in der Brandung | Eine zuverlässige Person |
| Fersengeld geben | Vor etwas weglaufen |
| Flausen im Kopf | Unrealistische Ideen haben |
| Flinte ins Korn werfen | Frühzeitig aufgeben |
| Finger verbrennen | Schlechte Erfahrungen machen |
| Frosch im Hals | Kratzen im Hals haben |
| Fuchsteufelswild sein | Große Wut empfinden |
| Fünfe gerade sein lassen | Nicht so genau nehmen |
| Fünf vor zwölf | Es wird höchste Zeit |
| Gang nach Canossa | Demütig um Vergebung bitten |
| Gang runterschalten | Sich etwas beruhigen |
| Gedeih und Verderb | Um jeden Preis |
| Gegen Windmühlen kämpfen | Aussichtsloses Vorhaben |
| Gift und Galle spucken | Frust und Ärger laut kundtun |
| Gewehr bei Fuß stehen | Sofort und jederzeit bereit sein |
| Gras darüber wachsen lassen | Etwas vergessen |
| Grün hinter den Ohren | Noch sehr unerfahren sein |
| Haare auf den Zähnen haben | Sehr streitlustig sein |
| Haar in der Suppe | Absichtlich Fehler suchen |
| Hals und Beinbruch | Viel Glück wünschen |
| Hals über Kopf | Überstüzt und unüberlegt handeln |
| Halt die Ohren steif | Pass auf dich auf |
| Hände in Unschuld waschen | Sich unschuldig fühlen |
| Hängen und Würgen | Etwas gerade so schaffen |
| Hempels unterm Sofa | Sehr unordentlich |
| Hieb- und stichfest | Unwiderlegbar und sicher |
| Im Sande verlaufen | Etwas führt zu nichts |
| Im Stich lassen | Jemandem nicht helfen |
| Inneren Schweinehund überwinden | Disziplin haben und sich aufraffen |
| In trockenen Tüchern | Etwas ist abgeschlossen |
| Jacke wie Hose | Etwas macht keinen Unterschied |
| Jägerlatein | Übertriebene und unwahre Geschichten |
| Jungfrau zum Kind | Etwas passiert unvorbereitet |
| Kalter Kaffee | Schon bekannte Information |
| Katze aus dem Sack lassen | Ein Geheimnis offenbaren |
| Katze im Sack kaufen | Unüberlegte Entscheidung treffen |
| Kauderwelsch reden | Unverständliche Dinge sagen |
| Kein Blatt vor den Mund | Offen und ehrlich reden |
| Kirche im Dorf lassen | Mit etwas nicht übertreiben |
| Knall und Fall | Etwas passiert plötzlich |
| Kopf aus der Schlinge ziehen | Eine Gefahr abwenden |
| Kopf in den Sand stecken | Bei einer Sache aufgeben |
| Kopf und Kragen | Es geht um etwas Wichtiges |
| Kraut und Rüben | Großes Chaos |
| Krawatte haben | Genervt und verärgert sein |
| Kuh vom Eis holen | Eine brenzlige Situation retten |
| Lanze brechen | Jemanden verteidigen |
| Laufpass geben | Sich von jemandem trennen |
| Laus über die Leber gelaufen | Verärgert und wütend sein |
| Licht unter den Scheffel stellen | Sich unter Wert verkaufen |
| Luft nach oben haben | Potenzial noch nicht ausschöpfen |
| Luftschlösser bauen | Unrealistische Pläne schmieden |
| Lunte riehen | Einen Verdacht haben |
| Mantel des Schweigens | Eine Sache verheimlichen |
| Mäusemelken | Etwas ist völlig absurd |
| Mehrere Eisen im Feuer | Verschiedene Chancen haben |
| Mit allen Wassern gewaschen | Sehr schlau und gerissen |
| Mit seinem Latein am Ende | Keine Lösung mehr wissen |
| Nadel im Heuhaufen suchen | Kaum eine Chance haben |
| Nagelprobe bestehen | Eine wichtige Prüfung schaffen |
| Nahe am Wasser gebaut | Jemand muss schnell weinen |
| Narrenfreiheit genießen | Alles machen können |
| Neben der Spur sein | Sich nicht konzentrieren können |
| Nicht lange fackeln | Besonders schnelles Handeln |
| Niemandem Rechenschaft ablegen | Alleine frei entscheiden |
| Oberwasser haben | Einen Vorteil haben |
| Obulus entrichten | Einen kleinen Beitrag bezahlen |
| Ochs vorm Berg | Keine Idee, wie es weiter geht |
| Öl ins Feuer gießen | Einen Konflikt weiter anfachen |
| Paroli bieten | Entschlossen Widerstand leisten |
| Phönix aus der Asche | Neu und stärker wiederkommen |
| Pi mal Daumen | Etwas ungefähr schätzen |
| Perlen vor die Säue werfen | Etwas verschwenden, Wertvolles nicht schätzen |
| Pferd von hinten aufzäumen | In falscher Reihenfolge handeln |
| Quadratur des Kreises | Etwas Unmögliches versuchen |
| Qual der Wahl | Schwierige Entscheidung treffen |
| Quitt sein | Alle Schulden begleichen |
| Quittung erhalten | Konsequenzen für etwas tragen |
| Rad neu erfinden wollen | Unnötige Lösungen suchen |
| Reibach machen | Einen großen Gewinn erzielen |
| Revue passieren lassen | Vergangenes gedanklich durchgehen |
| Ross und Reiter nennen | Direkt und konkret ansprechen |
| Roter Faden | Leitmotiv einer Erzählung |
| Rote Laterne | Letzter im Wettbewerb |
| Rücken zur Wand | Eine ausweglose Situation |
| Salz in der Suppe | Die wichtigste Besonderheit |
| Sand am Meer | Im Überfluss vorhanden |
| Salz in die Wunde | Etwas noch schlimmer machen |
| Schief gewickelt sein | Falsche Vorstellungen haben |
| Schnee von gestern | Veraltet und langweilig |
| Schnitzer machen | Einen Fehler begehen |
| Schuss in den Ofen | Einen Misserfolg erleben |
| Schuss nicht gehört | Eine Veränderung nicht bemerken |
| Schusters Rappen | Zu Fuß gehen |
| Schwein haben | Unerwartet Glück haben |
| Stein und Bein schwören | Felsenfest und aufrichtig beteuern |
| Süßholz raspeln | Jemandem Komplimente machen |
| Tacheles reden | Ungeschönte Wahrheit sagen |
| Teufel an die Wand malen | Das Schlimmste erwarten |
| Tischtuch zerschneiden | Eine Freundschaft beenden |
| Tomaten auf den Augen | Offensichtliche Dinge übersehen |
| Treulose Tomate | Eine unzuverlässige Person |
| Tropfen auf den heißen Stein | Wirkungslose Bemühen |
| Über den Jordan gehen | Jemand stirbt |
| Über den Tellerrand schauen | Offen für Neues sein |
| Über Wasser halten | Finanziell gerade so auskommen |
| Um den heißen Brei herumreden | Nicht zum Kernthema kommen |
| Unter aller Kanone | Ungenügende, schlechte Qualität |
| Unter Dach und Fach | Etwas ist erfolgreich abgeschlossen |
| Unter der Gürtellinie | Unfaire, persönliche Angriffe |
| Unter ferner liefen | Weit abgeschlagen sein |
| Verflixt und zugenäht | Fluchen bei einem Missgeschick |
| Verschlimmbessern | Etwas gut meinen, aber verschlechtern |
| Vogel abgeschossen | Erwartungen übertroffen |
| Vom Leder ziehen | Über andere meckern |
| Vom Regen in die Traufe | Schlimme Lage weiter verschlechtern |
| Wald vor lauter Bäumen | Wesentliches total übersehen |
| Wasser bis zum Hals | Eine bedrohliche Situation |
| Wasser in den Wein gießen | Eine Freude dämpfen |
| Weiße Weste | Nichts zu schulden kommen lassen |
| Wind davon bekommen | Geheime Dinge erfahren |
| Wink mit dem Zaunpfahl | Deutliche Hinweise machen |
| Wolf im Schafspelz | Böse Absichten verstecken |
| Würfel sind gefallen | Entscheidung ist unwiderruflich |
| Zahn zulegen | Etwas schneller machen |
| Zähne ausbeißen | Eine Aufgabe nicht schaffen |
| Zapfenstreich | Ende einer Veranstaltung |
| Zeter und Mordio schreien | Lauf und heftig protestieren |
| Zünglein an der Waage | Der entscheidende Faktor |
Häufige Fehler: Redewendungen richtig nutzen
Redewendungen können eine Aussage verdeutlichen – oder für einen peinlichen Moment sorgen, wenn diese falsch genutzt werden. Häufige Fehler sind:
1. Gemischte Redewendungen
Das Gehirn vermischt gerne Redewendungen zu neuen Formulierungen, die es gar nicht gibt. Das klingt dann unfreiwillig komisch oder unwissend. Beispiele:
- Falsch: „Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.“
- Richtig: „Das setzt dem Ganzen die Krone auf“ (Steigerung) oder „Das schlägt dem Fass den Boden aus“ (Unverschämtheit).
- Falsch: „Wir müssen an einem Strang sitzen.“
- Richtig: „An einem Strang ziehen“ (zusammenarbeiten) oder „im selben Boot sitzen“ (in der gleichen Lage sein).
2. Übertriebene Nutzung
Redewendungen und ihre Sprachbilder können eine Aussage lebendiger machen und geben Sätzen die Würze. Wer es damit aber übertreibt, reiht irgendwann nur noch Floskeln aneinander. Negativ-Beispiel: „Jetzt mal Butter bei die Fische: Wir müssen Nägel mit Köpfen machen. Das Projekt steht auf der Kippe, aber wenn wir jetzt alle Hebel in Bewegung setzen und an einem Strang ziehen, kriegen wir die Kuh vom Eis.“
3. Falsche Zielgruppe
Nicht jede Redewendung ist für jedem Kontext geeignet. Unter Freunden oder in der Familie sind lockere Formulierungen kein Problem, im Job sollten Sie besser nicht davon sprechen, dass sich alle für das Projekt „den Arsch aufreißen“. Angebrachter wäre, dass alle „volles Engagement und Initiative zeigen“ – das klingt professioneller.
Redensarten nach Kategorien
Sie suchen Redensarten für bestimmte Bereiche und Kategorien? Dann nutzen Sie gerne die folgende Auswahl:
- Am Ball bleiben: Eine Sache beharrlich verfolgen.
- Alle Register ziehen: Alle verfügbaren Mittel nutzen.
- Butter bei die Fische: Direkt zum Kern der Sache kommen.
- Den Karren aus dem Dreck ziehen: Eine schwierige, festgefahrene Situation retten.
- In trockenen Tüchern sein Ein Projekt oder Geschäft erfolgreich abschließen.
- Auf Wolke sieben schweben: Überglücklich oder frisch verliebt sein.
- Jemanden auf Händen tragen: Eine Person übermäßig verwöhnen und verehren.
- Ein Stein vom Herzen fallen: Sehr erleichtert sein.
- Nah am Wasser gebaut sein Sehr emotional reagieren und schnell weinen.
- Jemanden in den Wind schießen Eine Beziehung abrupt beenden.
- Gift und Galle spucken: Seinem Ärger aggressiv Luft machen.
- Jemanden auf die Palme bringen: Eine andere Person provozieren.
- Das Haar in der Suppe suchen: Kleinlich nach Fehlern oder Problemen suchen.
- Jemandem den Kopf waschen: Eine andere Person zurechtweisen.
- In der Tinte sitzen: In einer misslichen Lage oder in Schwierigkeiten sein.
- Alles unter Dach und Fach haben: Etwas ist fertig organisiert oder gesichert.
- Den Nagel auf den Kopf treffen: Eine Sache exakt richtig benennen oder erklären.
- Mit der Tür ins Haus fallen: Ein Anliegen ohne Umschweife oder Vorwarnung vorbringen.
- Den Teufel an die Wand malen: Eine Situation schwärzer sehen, als sie ist.
- Schuster, bleib bei deinen Leisten: Sich selbst nicht überschätzen.
- Die Katze aus dem Sack lassen: Ein Geheimnis endlich preisgeben.
- Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zwei Ziele durch eine einzige Handlung erreichen.
- Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul: Geschenke sollte man nicht kritisieren.
- Wie ein Elefant im Porzellanladen: Sich extrem ungeschickt oder unsensibel verhalten.
- Wissen, wie der Hase läuft: Über alle Abläufe und Regeln genau Bescheid wissen.
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