Pech gehabt? Nutzen Sie Ihre Pannen!

Das Schöne am Leben ist ja, dass es nach dem Happy End weitergeht. Nach der Vergeblichkeit allen Herumwurschtelns allerdings auch. Sagen wir es, wie es ist: Zur Dialektik des Lebens gehören nun mal die Berg- und Talfahrten des Existenzialismus und die Zustände des freien Falls. Beide – Sieg und Niederlage – sind letztlich Seiten derselben Medaille: Handeln. Wer aktiv den Erfolg anpeilt, muss mögliche Pleiten und Pannen einkalkulieren. Und was noch wichtiger ist: sie überwinden. Nur wer nichts tut, kann nicht scheitern. Er ist allerdings dann auch schon ein Versager…

Pech gehabt? Nutzen Sie Ihre Pannen!

Fallstudie: Pannen sind ein Happening der Möglichkeiten

Ein Beispiel. Der Unfall passierte im Jahre 1903. Der französische Chemiker Edouard Benedictus stieß in seinem Labor an ein Regal und eine Glasflasche zu Boden. Er hörte das Glas springen, aber es zerbrach nicht. Alle Scherben klebten aneinander. Da fiel ihm ein, dass er Nitrocellulose, eine Art flüssiges Plastik, in der Flasche gelagert hatte. Es war längst verdunstet, hatte aber einen eingetrockneten Film auf der Flaschenwand hinterlassen, der die Scherben zusammenhielt. Voilà, das Sicherheitsglas war erfunden.

Klebt man mehrere solche Glas-Folien-Scheiben übereinander, entsteht sogar schusssicheres Panzerglas.

Jahre später, in den frühen Vierzigern, ging der Schweizer Ingenieur George de Mestral mit seinem Hund spazieren. Als er zurückkehrte, bemerkte er an seinen Hosen und im Fell des Hundes zahlreiche Früchte der Arctium lappa, der Großen Klette. Die Kugeln waren extrem nervig, da sie sich aus dem Fell nur durch Reißen entfernen ließen.

Und auch danach ließen die anhänglichen Dinger Mestral nicht los: Er legte sie unter sein Mikroskop und entdeckte winzige, elastische Häkchen, die selbst beim gewaltsamen Entfernen nicht abrissen. Rund acht Jahre forschte er an einer textilen Kopie des Prinzips, dann war der Klettverschluss fertig. 1951 meldete er ihn zum Patent an.

Machen Sie was aus dem Mist

Beide Beispiele sind zwar Jahre her, trotzdem kann man die Entdecker immer noch „Scheiße!“ rufen hören (PS: Ich glaube nicht, dass sie eine vornehmere Ausdrucksweise wählten). Ihre Erfolgsgeschichten begannen allesamt mit Pleiten, Pech und Pannen.

Ob Ungelenkigkeit oder Zufall – beide spielten ihnen übel mit. So wie uns allen irgendwann.

Der Unterschied zwischen Pechvögeln und Siegern ist nur: Letztere machen was aus dem Mist.

Dumme Zufälle sind ein Happening der Möglichkeiten. Wer die Biografien der Erfolgreichen und der angeblich vom Glück Verfolgten studiert, stellt fest, dass viele von ihnen ehrlicherweise Störfälle überwanden. Sie wählten nur jedes Mal einen anderen Zugang als die meisten:

Sie waren…

  • aufmerksamer
  • neugieriger
  • analysierten die Umstände des Schadens gewissenhafter und
  • nutzten ihn so zum Vorteil.

Misserfolge sind da letztlich wie Krebs: Werden sie vorzeitig erkannt, ist einiges zu retten. Selbst das ehrliche Eingeständnis nutzt dem Fortkommen, wenn man den Fall ehrlich analysiert.

Warum denselben Fehler zweimal machen? Ein wirklicher Neubeginn kann ohnehin nur dem gelingen, der beherzt Abschied vom Alten nimmt und den Blick nach vorn richtet.

Vor allem jammern solche Geister nicht. Allenfalls ein Scheiße! kommt über ihre Lippen. Irgendwie menschlich, oder?

Ups! Die 10 schlimmsten Jobinterview-Pannen

Pleiten Pech Pannen HilfeAngeblich sagt knapp jeder zweite Personaler (48 Prozent), er oder sie könne schon nach den ersten fünf Minuten eines Vorstellungsgesprächs sagen, ob der Kandidat zum Unternehmen und zur Position passt oder nicht. Ganze 87 Prozent der Personaler wollen das spätestens nach 15 Minuten erkennen können. Die Macht des ersten Eindrucks – sie offenbart sich bereits in der ersten Phase eines Bewerbungsgesprächs.

Und manchmal geht das gewaltig schief. Insbesondere dann, wenn Bewerber komplett den Bogen überspannen und jegliches Verständnis für die Situation und professionelles Auftreten vermissen lassen. In einer Careerbuilder-Umfrage sollten einmal 2200 Recruiter ihre kuriosesten Erlebnisse und größten Pleiten, Pech und Pannen mit Kandidaten nennen. Ergebnis…

  • Ein Bewerber warnte den Interviewer, er hätte so viel Valium geschluckt, dass das Vorstellungsgespräch unmöglich noch seine wahre Persönlichkeit reflektieren könne.
  • Ein Bewerber tat so, als bekäme er währenddessen ein telefonisches Angebot von einem Konkurrenzunternehmen.
  • Ein Bewerber kommunizierte während des Gesprächs per Smartphone mit seinen Freunden auf Facebook.
  • Ein anderer Bewerber nahm während des gesamten Interviews nicht die Kopfhörer aus seinem Ohr.
  • Ein Bewerber erschien im Star Trek Kostüm.
  • Ein Bewerber kam im Jogginganzug, weil er nach dem Bewerbungsgespräch gleich laufen wollte.
  • Als der Personaler den Bewerber bat, ihn zu beeindrucken, zündete der dessen Zeitung auf dem Schreibtisch an.
  • Ein Bewerber fiel auf, als er heimlich das Vorstellungsgespräch aufzeichnen wollte.
  • Ein Bewerber bat um die Telefonnummer der Empfangsdame – weil die ihm sehr gut gefalle.
  • Ein Bewerber fuhr zum Termin (versehentlich) mit dem Auto in das Büro des Arbeitgebers.

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[Bildnachweis: Kues, HomeArt by Shutterstock.com]
25. Juni 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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