Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Konjunkturindikatoren sind messbare wirtschaftliche Kennzahlen, die Aufschluss über den aktuellen Zustand einer Volkswirtschaft geben und Prognosen für die weitere Entwicklung erlauben.
- Frühindikatoren: Vorausschauende Gradmesser (z.B. Aufträge oder Aktienindex). Sie zeigen Wendepunkte und deuten wirtschaftliche Entwicklungen frühzeitig an.
- Präsenzindikatoren: Aktuelle Kennzahlen zur Wirtschaftslage (z.B. BIP oder Sparquote). Sie spiegeln die gegenwärtige wirtschaftliche Situation.
- Spätindikatoren: Nachlaufende Messgrößen (z.B. Arbeitslosenquote oder Insolvenzen). Sie reagieren mit zeitlicher Verzögerung auf wirtschaftliche Veränderungen.
- Qualität: Verlässliche Indikatoren müssen repräsentativ, ökonomisch fundiert sowie aktuell sein und eine hohe Aussagekraft haben. Wichtig ist die größe der Datensätze und die korrekte Bestimmung kausaler Zusammenhänge.
Konjunkturindikatoren des Statistischen Bundesamts zeigen momentan eine schwache Phase für die deutsche Wirtschaft. Das erwartete Wachstum liegt bei lediglich 0,4 % bis 0,6 %. Die Produktion in der Volkswirtschaft sinkt aktuell (-0,7 %), besonders betroffen sind die Investitions- und Konsumgüter. Auch der Arbeitsmarkt reagiert als Spätindikator: Die Arbeitslosenquote ist mit 6,4 % auf einem Höchststand der letzten Jahre.
Was sind Konjunkturindikatoren genau?
Konjunkturindikatoren sind wichtige Messgrößen und Kennzahlen, die zur Beschreibung und Voraussage der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes genutzt werden. Sie sind Anzeichen für die verschiedenen Konjunkturphasen und geben Hinweis auf aktuelle oder zukünftige Konjunkturschwankungen. Die Daten und Informationen dazu werden von Unternehmen, Instituten und der Politik genutzt, um passende Maßnahmen für Wirtschaftsaktivitäten abzuleiten. Privatpersonen können die Zahlen bei Investitionen am Kapitalmarkt berücksichtigen.
Synonyme Begriffe zu Konjunkturindikatoren
Synonym werden die Bezeichnungen volkswirtschaftliche Indikatoren oder makroökonomische Kennzahlen verwendet. Im Englischen heißt es „economic indicators“.
Arten von Konjunkturindikatoren: Früh-, Spät- + Präsenzindikatoren
Eine wichtige Unterscheidung ist der Zeitpunkt, wann die Messgrößen auftreten und wann diese veröffentlicht werden. Einige Kennzahlen können zu mehreren Zeitpunkten genutzt werden. Typisch ist eine Unterteilung in drei Arten: Frühindikatoren, Präsenzindikatoren und Spätindikatoren…
- Gewinnerwartung von Unternehmen
- Auftragslage
- Lagerbestände
- Umsätze im Einzelhandel
- Aktienindex
- Zinsstrukturkurve
- Geschäftsklimaindex
- ZEW-Index
- Bruttoinlandsprodukt
- Wirtschaftswachstum
- Kapazitätsauslastung
- Sparquote bei Privathaushalten
- Preisniveau
- Offene Stellen am Arbeitsmarkt
- Arbeitslosenquote
- Inflation / Inflationsrate
- Bruttoinlandsprodukt
- Insolvenzen von Unternehmen
- Preisniveau
- Steuereinnahmen
- Zinsniveau (EZB)
1. Frühindikatoren der Konjunktur
Frühindikatoren helfen bei der Prognose der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes – für einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten. Zu den Frühindikatoren zählen vorhandene Daten und Informationen, aus denen eine Vorhersage abgeleitet wird, ebenso Erwartungen und Einschätzungen von Experten. Durch solche frühen makroökonomischen Kennzahlen können zum Beispiel Änderungen im Konjunkturzyklus rechtzeitig erkannt und vorausgesagt werden. Aner_ Frühindikatoren sind unsicher und zum Teil Spekulation. Sie liefern trotzdem gute Anhaltspunkte und sind ein erstes Signal für folgende Präsenz- und Spätindikatoren sein. Beispiele:
2. Präsenzindikatoren der Konjunktur
Präsenzindikatoren zeigen die aktuelle Lage einer Volkswirtschaft. Sie zeichnen ein Bild des Ist-Zustandes in der Konjunktur und der Auswirkungen derzeitiger makroökonomischer Trends. Wichtigste Kennzahl ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Auswertung von Präsenzindikatoren zeigt, ob Frühindikatoren richtig lagen. Zeigen frühe Messgrößen beispielsweise einen Konjunkturanstieg, liefern aktuelle Zahlen die Kontrolle, ob die Prognose stimmt. Beispiele für Präsenzindikatoren:
3. Spätindikatoren der Konjunktur
Spätindikatoren beschreiben und erklären einen Konjunkturverlauf im Nachhinein. Sie treten erst später auf und helfen zu einem besseren Verständnis der Entwicklung aus der Vergangenheit. Rückblickend liefern sie Erkenntnisse und ermöglichen so für die Zukunft bessere Prognosen. Späte volkswirtschaftliche Indikatoren sind die Folge der vorangegangenen Trends und damit auch früherer Indikatoren. Das macht sie ebenfalls zu einem Kontrollmechanismus für die Genauigkeit vorheriger Einschätzungen. Beispiele:
Übersicht: Konjunkturindikatoren als Tabelle
Unsere Tabelle zeig die Konjunkturindikatoren in der Übersicht:
| Früh | Präsenz | Spät |
| Gewinnerwartung Auftragslage Umsätze im Einzelhandel Aktienindex Zinsstrukturkurve Geschäftsklimaindex ZEW-Index |
Bruttoinlandsprodukt Wirtschaftswachstum Kapazitätsauslastung Industrieproduktion Sparquote Preisniveau Offene Stellen |
Arbeitslosenquote Inflation Bruttoinlandsprodukt Insolvenzen Preisniveau Steuereinnahmen Zinsniveau |
Was sind Mengen- und Preisindikatoren?
Eine andere Unterteilung richtet sich nicht nach der Zeit, sondern teilt Messgrößen in Mengen- und Preisindikatoren. Die einen analysieren die Mengenentwicklung verschiedener Kennzahlen (zum Beispiel Zahl der Arbeitslosen oder Auftragslage in Unternehmen), die anderen vergleichen die Preisentwicklung (zum Beispiel Lebenshaltungskosten oder Inflationsrate und allgemeines Preisniveau). Die Beispiele zeigen schon hier, dass es dabei Überschneidungen gibt: Mengen- und Preisindikatoren können bei chronologischer Betrachtung auch zu den Früh-, Präsenz- oder Spätindikatoren zählen.
Beispiele: Die wichtigsten Konjunkturindikatoren im Überblick
Es gibt viele Konjunkturindikatoren, die Aussagen über die wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Besonders wichtig und in der Praxis gut nachvollziehbar sind vor allem diese makroökonomischen Kennzahlen, die häufig genutzt werden:
Bruttoinlandsprodukt
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als wichtigster Indikator in einer Volkswirtschaft. Es misst den Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft produziert werden. Ein steigendes BIP zeigt ein Wirtschaftswachstum (Aufschwung). Sinkt das Bruttoinlandsprodukt, befindet sich das Land in einer Rezession (Abschwung).
Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote zeigt die Unterauslastung des Arbeitskräfteangebots. Es ist das Verhältnis der arbeitslosen Menschen in einem Land zu den potenziellen Erwerbspersonen. Bei einer hohen Arbeitslosenquote hat ein größerer Teil der Bevölkerung aktuell keinen Arbeitsplatz. Unternehmen entlassen Mitarbeiter, Privathaushalte haben weniger Geld und können entsprechend weniger ausgeben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Ein Signal für eine negative Entwicklung der Konjunktur.
Geschäftsklimaindex
Der ifo-Geschäftsklimaindex ist ein monatliches Stimmungsbild und beruht auf den Angaben von rund 9000 Unternehmen in Deutschland. Im Kern steht die Beurteilung der aktuellen Lage und der zukünftigen Entwicklung. Der Geschäftsklimaindex liefert Einblicke in die Geschäftslage bei Unternehmen und deren Erwartungen für die kommenden Monate. Er gilt als wichtiger und zuverlässiger Frühindikator, kann aber kurzfristige Faktoren und Ereignisse nicht vorhersehen.
Inflation
Inflation ist der allgemeine Preisanstieg in einer Volkswirtschaft und der damit verbundene Kaufkraftverlust der Währung. Bei einer hohen Inflationsrate können die Menschen zum Beispiel mit 100 Euro weniger kaufen als noch vor einem Jahr. Hohe Inflation ist deutliches Signal einer unsicheren Wirtschaftslage.
Private Konsumausgaben
Eng verbunden mit anderen Konjunkturindikatoren sind die privaten Konsumausgaben. Einfach formuliert: Wie viel Geld geben Privathaushalte in Deutschland für Konsum und Lebenshaltungskosten aus? Geringe Ausgaben deuten auf eine schwache Konjunktur hin, da weniger Geld in die Wirtschaft fließt, sondern als Sparquote auf dem Konto bleibt.
Qualitätskriterien für Indikatoren
Nicht jede Zahl im Wirtschaftskontext taugt als verlässlicher Indikator. Damit Ökonomen und Entscheidungsträger mit den Daten arbeiten können, müssen die Konjunkturindikatoren strenge Qualitätskriterien erfüllen:
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Repräsentativität
Ein Indikator muss einen signifikanten Teil der wirtschaftlichen Realität abbilden. Werden nur 20 Luxusautohändler nach ihren Erwartungen und Umsatzzahlen befragt, ist das nicht repräsentativ für die gesamte deutsche Wirtschaft. Die Stichproben müssen groß und breit gefächert sein.
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Rechtzeitigkeit und Aktualität
Wirtschaftsdaten verlieren rasant an Wert. Innerhalb kurzer Zeit kann sich die wirtschaftliche Lage deutlich verändern. Deshalb sollten Konjunkturindikatoren in regelmäßigen Intervallen erhoben, aktualisiert und veröffentlicht werden.
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Revisionsarmut
Statistische Daten werden oftmals zunächst als „vorläufige Schätzung“ herausgegeben und später korrigiert. Wenn ein Indikator im Nachhinein aber regelmäßig komplett revidiert werden muss (aus einem gemeldeten Wachstum von +2 % wird plötzlich ein korrigierter Wert von -1 %), verliert er seine Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.
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Ökonomische Fundierung
Es muss einen logischen, kausalen Zusammenhang zwischen dem Indikator und dem Konjunkturverlauf geben. Wichtig ist der Unterschied zwischen zufälligen Korrelationen und echter ökonomischer Kausalität.
3 skurrile Konjunkturindikatoren
Neben den klassischen und seriösen Konjunkturindikatoren gibt es einige skurrile Messgrößen, die ebenfalls Aufschluss über die wirtschaftliche Lage des Landes geben können. Hier drei Beispiele:
Minirock-Index
Zusammengefasst besagt der Minirock-Index: Je besser die Konjunktur im Land, desto kürzer die Röcke, die getragen werden. Das ist kein Zufall, sondern ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang über viele Jahrzehnte. Der Minirock-Index ist ein Spätindikator, weil die Mode sich erst mit einer Verzögerung von bis zu 3 Jahren anpasst.
Lippenstift-Index
Einen Zusammenhang zwischen äußerem Erscheinungsbild und Wirtschaftslage zeigt auch der Lippenstift-Index. Sarah E. Hill belegte in ihren Studien, dass in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs mehr Geld für Kosmetikprodukte und Schminke (insbesondere Lippenstiften) ausgegeben wird. Ziel ist eine bessere Stimmung. Frauen (und Männer) wollen sich wohl in der eigenen Haut fühlen und durch Make-up ein größeres Selbstwertgefühl empfinden. Der Wunsch danach ist in einer Wirtschaftskrise umso größer.
Big-Mac-Index
Der Big-Mac-Index dient dem Vergleich der Kaufkraft verschiedener Währungen und kann als Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes betrachtet werden. Grundlage ist der Preis, den Konsumenten in verschiedenen Ländern für den Kauf eines Big Macs beim Fast-Food-Giganten McDonalds bezahlen. Die Preise werden zum aktuellen US-Dollar-Kurs umgerechnet und so vergleichbar gemacht. Ein hoher Preis spricht für eine starke Währung und Wirtschaft. Der Big-Mac-Index wird regelmäßig erhoben, ist aber eine starke Vereinfachung. Da nur ein einziges Produkt betrachtet wird, ist ein Rückschluss auf die gesamte konjunkturelle Entwicklung kaum möglich. Auch die Wechselkurse können kurzfristig schwanken und den Index ungenau machen.
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