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Anglizismen: Bedeutung, Beispiele im Alltag + Liste


Oft nutzen wir unbewusst Anglizismen – beispielsweise wenn Sie jemandem erzählen, dass Sie nach dem Stress im Job erst einmal relaxen müssen. Viele Begriffe aus dem Englischen sind uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wir nutzen sie im Alltag genauso wie im Beruf. Ob Jugendsprache oder Fachsprache in der Wissenschaft: Wörter, aber auch Redewendungen oder Satzbau stammen aus der englischen Sprache. Manchen erscheint das zu viel: Als Denglisch gelten solche Formulierungen dann. Wir geben Ihnen zahlreiche Beispiele im Alltag für Anglizismen, erläutern ihre Wirkung und zeigen, woran Sie einen Anglizismus erkennen…


Anglizismen: Bedeutung, Beispiele im Alltag + Liste

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Was sind Anglizismen?

Anglizismen sind Ausdrücke und Formulierungen im Deutschen, die aus der englischen Sprache stammen. Häufig haben sie sich sowohl in der Alltagssprache, als auch in bestimmten Fachsprachen etabliert. Genauer lässt sich noch nach der Herkunft der Anglizismen differenzieren: Britizismen (britisches Englisch), Amerikanismen (amerikanisches Englisch) oder Australizismen (australisches Englisch).

Typischerweise gelangt ein Fremdwort dann in eine andere Sprache, wenn die Gebersprache besonders fortschrittlich auf diesem Gebiet ist und/oder die aufnehmende Sprache über kein adäquates Wort als Ersatz verfügt. Das erklärt beispielsweise, warum im IT-Bereich und rund um den Computer sämtliche Begriffe aus dem Englischen stammen.

Anglizismen Textbeispiel

Haben Sie heute Morgen das Meeting gecancelt und stattdessen lieber Headlines für Social Media Ads geschrieben? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Nicht was das Verhalten angeht, sondern den Sprachgebrauch. Anglizismen sind in vielen Berufen Amtssprache. Hin und wieder führt das zu ulkigen Sätzen wie dem fast schon legendären von Andi Möller: „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl.“ Das ist lustig bis peinlich – je nach Situation. Daher empfehlen wir: Verschaffen Sie sich einen Überblick über Anglizismen, Denglisch und wichtige Ausdrücke aus dem Englischen.

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Arten von Anglizismen + Beispiele

Nicht nur einzelne Wörter, sondern auch andere Bereiche des Sprachsystems können von der englischen Sprache betroffen sein. Eine im Deutschen untypische Satzstellung oder abweichende Bedeutung weist ebenfalls auf einen Anglizismus hin. Die verschiedenen Arten im Überblick:

Wortentlehnungen

Gemeint sind englische Begriffe, die relativ unverändert in die deutsche Sprache übergehen. Sie sind leicht erkennbar, es erfolgt lediglich eine Anpassung an grammatische Regeln. Beispielsweise die Konjugation nach deutschen Verben oder die deutsche Pluralbildung. So beispielsweise beim Anglizismus (der) Killer (statt Mörder), der denselben Plural wie Lehrer erhält: die Killer.

Lehnübersetzungen

Lehnübersetzungen sind Eins-zu-eins-Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche. Das Beispiel Gehirnwäsche stammt vom Englischen „brainwashing“.

Lehnübertragungen

Lehnübertragungen übernehmen lediglich den Inhalt eines Anglizismus. Zum Beispiel skyscraper bedeutet wörtlich übersetzt „Himmelskratzer“ – stattdessen ist im Deutschen der Wolkenkratzer üblich.

Lehnbedeutungen

Ein bereits im Deutschen existierendes Wort erhält die Bedeutung, die es im Englischen hat. Beispiel dafür wäre das Verb realisieren, was im Deutschen so viel wie „verwirklichen“, „in die Tat umsetzen“ bedeutet. Das englische Verb „to realise“ bedeutet übersetzt „etwas bemerken“. Diese neue Bedeutung findet sich nun auch im Deutschen.

Formenbildung

Ganz selbstverständlich recyceln (Englisch: to recycle) oder googeln (Englisch: to google) wir. Beide Verben wurden ins Deutsche übernommen und mit der Endung -t versehen (aus ursprünglich -ed im Englischen), das heißt, an die deutsche Flexion angepasst. Außerdem liegt mit googeln ein Sonderfall vor, der häufig bei Anglizismen zu beobachten ist: Aus einem Namen (in dem Fall des Internetkonzerns Google) wird ein Verb abgeleitet. Weitere typische Beispiele dafür sind whatsappen (vom Messengerdienst Whatsapp) oder twittern (vom Kurznachrichtendienst Twitter).

Scheinanglizismen

Natürlich darf auch der Klassiker nicht fehlen: Mit Handy meinen die Angelsachsen nämlich nicht ein tragbares Telefon oder ein Smartphone. Dort heißt es mobile phone oder schlicht „mobile“. „Handy“ dagegen meint eine Sache, die praktisch ist. Eine „handy person“ ist niemand, der den ganzen Tag am Telefon hängt, sondern ein äußerst geschickter Zeitgenosse.

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Liste mit Anglizismen

Es gibt zahlreiche weitere Jobbezeichnungen und Begriffe, die aus dem Englischen stammen oder in Anlehnung an das Englische neu kreiert wurden. Eine Auswahl der wichtigsten Artikel zu diesem Thema haben wir hier für Sie zusammengestellt. Damit gehören false friends und Fragezeichen über dem Kopf der Vergangenheit an. Klicken Sie auf den Link, um genau zu erfahren, was sich dahinter verbirgt:

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Wortentlehnungen und Jugendsprache

Glaubt man den Sprachkritikern, tauchen Anglizismen häufig in der Jugendsprache auf. Das hat nur zum Teil etwas damit zu tun, dass sich Jugendliche durch ihre Sprache von der älteren Generation abgrenzen wollen. Tun sie natürlich auch. Begriffe wie „lost“ (verloren), „woke“ (aufgewacht, wachsam), „nice“ (nett, freundlich) oder „cringe“ (zusammenzucken, erschaudern) sind derzeit noch überwiegend Jugendjargon.

Ein anderer Grund für die Vielzahl an Anglizismen in der Jugendsprache sind (technische) Neuerungen, die einen Namen brauchen. Bevor sich Jugendliche (und übrigens nicht nur die) lange Gedanken darüber machen, wie man einen entsprechenden Begriff auf Deutsch verwenden könnte, nutzen viele kurzerhand das Original.

Ist auch nachvollziehbar, oder würden Sie einen „Weltnetzstöberer“ dem „Browser“ vorziehen? Eben. Das englische Wort klingt in der Regel hipper (!) und ist meist deutlich griffiger als sein deutsches Pendant. „Crowdfunding“ mit Gruppen- oder Schwarmfinanzierung zu übersetzen, weckt eben ganz andere Assoziationen. An eine innovative Idee oder ein aufstrebendes Start-up denkt man dabei wohl nicht als erstes.

Was ist die Wirkung von Anglizismen?

Englisch und Anglizismen tauchen oft im Berufs- und Wirtschaftsleben auf. Zum einen sind viele Unternehmen international aufgestellt, Business English gehört zum Alltag. Zum anderen greift Jugendsprache häufig auf Anglizismen zurück. Die eigenen Produkte oder Dienstleistungen mit etwas Englisch aufzupeppen und sich mit einem Hauch von Jugend zu umgeben, wirkt doch gleich viel moderner.

Andererseits spricht nicht jeder gleich gut Englisch. So kann man mit englischen Begriffen gut verschleiern, beispielsweise bei nebulösen Jobtiteln. Wer kein Englisch-Muttersprachler ist, mag eine grobe Vorstellung haben, was sich hinter bestimmten Anglizismen verbirgt. Aber das muss sich nicht immer mit dem decken, was von Verwenderseite beabsichtigt war. Nicht zuletzt führen viele englische Wörter und Phrasen zu Verwirrung. Sie erzeugen eher negative Wirkung und bewirken das Gegenteil von dem, was eigentlich bezweckt war.

Beispiele für Anglizismen im Alltag

  • Deutsche Bahn

    Mitte der Neunziger führte die Deutsche Bahn in 28 Bahnhöfen den „Service Point“ ein. Dies ist Beispiel einen verdrängenden Anglizismus. Denn ebenso gut wären Bezeichnungen wie Informationsstelle oder Auskunftsschalter möglich gewesen. Rund 15 Jahre später erfolgte die Umbenennung in „DB Information“. Das ist letztlich auf einen bayrischen Bundestagsabgeordneten zurückzuführen, der die Bezeichnung „Kiss & Ride“ der Deutschen Bahn für eine Kurzzeitparkzone am Bahnhof in Straubing kritisierte und so eine Diskussion über Anglizismen auslöste.

  • Douglas

    Der Parfümeriekonzern geriet vor einigen Jahren mit seinem Werbeslogan „Come in and find out“ in die Schlagzeilen. Deutsche Konsumenten rätselten: Geht es darum, in die Parfümerie hinein- und wieder herauszufinden? Nicht ganz. Im Englischen hat das Verb „to find out“ dieselben Bedeutungen wie im Deutschen: herausfinden im Sinne von „den Weg (heraus) finden“, aber eben auch im Sinne von „etwas herausfinden“, also entdecken. Es ging darum, im Geschäftslokal nach etwas Nettem zu stöbern und fündig zu werden – nur leider kam diese Botschaft mehrheitlich nicht an.

Anglizismen im Beruf

Die Verkehrssprache – auch „Lingua franca“ genannt – ist ein gutes Stichwort. Denn ohne Kenntnis der englischen Sprache kommt man heute nicht mehr weit im Berufsleben. Vor allem in größeren Unternehmen ist es keine Seltenheit, Besprechungen oder Präsentationen auf Englisch abzuhalten. Oft sind Sprachkenntnisse schon vorher relevant: In Stellenanzeigen lesen Bewerber, dass verhandlungssichere Englischkenntnisse zu den Muss-Qualifikationen gehören. Allerdings geht es dabei nur bedingt um die Kenntnis von Anglizismen und Schulenglisch. Hauptsächlich ist hier das Business Englisch oder „Business English“ gefragt. Aber worin liegen die Unterschiede?

Anglizismen, Business English und Denglisch

Gute bis sehr gute Fremdsprachenkenntnisse, die es dem Mitarbeiter ermöglichen, auch längere Telefonate oder gar Vorträge auf Englisch zu halten, sind heute in Führungspositionen selbstverständlich. Die Kenntnis der Fremdsprache ist eines. Wie sieht es mit Denglisch aus? Muss der ideale Kandidat auch das fließend sprechen?

Das kommt darauf an. Mit Denglisch sind in der Regel Zusammensetzungen aus einem deutschen und englischen Wort gemeint. Häufig benutzt man dabei ein englisches Verb, wie beispielsweise „to cover“ oder „to download“ und versieht es mit den deutschen Wortbildungsregeln. Heraus kommen Wörter wie „gecovert“ oder „downgeloadet“ oder „gedownloadet“. Übrigens sind viele deutsche Wörter umgekehrt in die englische Sprache eingeflossen, beispielsweise der Rucksack oder das Leitmotiv (im Englischen allerdings meist „leitmotif“ geschrieben). In so einem Fall oder wenn jemand deutsche Redewendungen eins zu eins übersetzt, spricht man von Germanismen.

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Anglizismus als Neologismus

Auch Neologismen (Wortneuschöpfungen) sind in bestimmten Branchen besonders beliebt. Dazu gehören beispielsweise Berufe in den Medien, Werbung, IT-Umfeld und teilweise auch Finanzen. Für Neueinsteiger geht es daher nicht nur darum, das jeweilige berufsspezifische Handwerk zu lernen. Es lauern auch Fallstricke, sogenannte „false friends“, falsche Freunde, im täglichen Vokabular. Eine Auswahl:

  • Den Beamer gibt es im Englischen nicht in der Bedeutung, dass man damit Folien (gerne auch „Slides“ genannt) an die Wand projizieren kann. Unser Fremdwort deutet schon darauf hin, wie dieses Gerät im Englischen heißt: „Projector“.
  • Wenn Sie Ihren englischsprachigen Geschäftspartner dazu auffordern eine Nachricht auf Ihrer Mailbox zu hinterlassen, wird er das vermutlich schriftlich tun. Der Anrufbeantworter heißt auf Englisch „answering machine“ oder „answering equipment“, während „mailbox“ einen Briefkasten bezeichnet.
  • Bei Problemen mit der IT gibt es auch den ein oder anderen falschen Freund. Wenn Sie den britischen Kollegen nach der Telefonnummer für die Hotline fragen, werden Sie vermutlich auf Unverständnis stoßen. Auch dieses Wort sieht zwar englisch aus, ist es aber nicht. Der richtige Begriff für die telefonische Hilfe lautet „helpline“.
  • Den englischsprachigen Vorgesetzten sollten Sie übrigens auch nicht mit Chef ansprechen. Obwohl das im Deutschen problemlos möglich ist, bedeutet es im Englischen Koch. Richtig – und auch im Deutschen gebräuchlich – ist die Bezeichnung „boss“.

Sämtliche Kürzel, Codes und englische Vokabeln als Download

Übrigens haben wir noch einen weiteren Tipp für Sie: Wenn Sie für das nächste Meeting etwas in der Hand haben möchten, empfehlen wir Ihnen unseren praktischen Download. Damit können Sie wichtige Abkürzungen und gern verwendete Floskeln ganz einfach und vor allem schnell nachschlagen. Den kostenlosen Download gibt es hier als PDF-Format oder als Word-Datei (für eigene Ergänzungen):

Bürosprache: Deutsche und englische Vokabeln, Codes und Floskeln (Word)

Kategorien von Anglizismen

Vielen Anglizismen sieht man ihre englische Herkunft gar nicht mehr an, so beispielsweise beim Wort Keks, das im deutschen Plural Kekse heißt. Ursprünglich stammt es vom englischen Begriff „cake“, dessen Plural „cakes“ im Deutschen zu Singular wurde. Ebenso beim Streik, der sich vom englischen „strike/to be on strike“ (auf Deutsch: streiken) ableitet.

Sprachwissenschaftlich betrachtet ist das bereits ein Lehnwort. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts verwendeten Menschen diesen Begriff hierzulande, er ist komplett in die deutsche Sprache integriert. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hat rund 7.500 Wörter englischer Herkunft in seinem Anglizismen-Index aufgeführt. Er nennt drei unterschiedliche Kategorien von Anglizismen:

Ergänzende Anglizismen

Nur etwa drei Prozent aller Fälle sind sogenannte ergänzende Anglizismen. Das sind aus dem Englischen stammende Wörter, die eine Lücke in der deutschen Sprache füllen. Sie ähneln Lehnwörtern, sind in der Form aber noch nicht endgültig an die deutsche Sprache angepasst. Aber sie ermöglichen eine differenziertere Ausdrucksweise, die ohne diese Anglizismen nur schwer erreichbar wäre. Typische Beispiele dafür sind: Admin, App, Dimmer, Disco oder Team.

Differenzierende Anglizismen

Differenzierende Anglizismen (etwa 18 Prozent der Gesamtmasse) sind Begriffe, die so im Deutschen noch nicht existieren. Da beispielsweise viele technischen Entwicklungen rund um den Computer, Software und das Internet vorwiegend im englischsprachigen Raum entstanden, stammen beispielsweise viele Entlehnungen aus dem englischen beziehungsweise amerikanischen Sprachgebrauch. Es bestünde die Möglichkeit zur Bildung analoger deutscher Begriffe, beispielsweise E-Post statt E-Mail. Beispiele für differenzierende Anglizismen sind: Aerospace, Bachelor, Data Mining, Facility Management oder Permalink.

Verdrängende Anglizismen

Den weitaus größten Teil der Anglizismen kategorisiert der VDS mit 79 Prozent als verdrängende Anglizismen. Sie kommen zum Einsatz, obwohl adäquate deutsche Begriffe vorhanden (und bekannt) sind. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür: Access (statt Zugriff), Data Base (statt Datenbank), Media Monitoring (statt Medienbeobachtung), Sabbatical (statt Auszeit) oder auch Wallpaper (statt Bildschirmhintergrund).

Pro und Kontra für Anglizismen

Ob jemand uneingeschränkt für die Verwendung von Anglizismen ist oder sie rundweg ablehnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nostalgische Gründe, aber auch die Angst, abgehängt zu werden spielen sicherlich mit hinein. Für die Verwendung von Anglizismen spricht:

  • neue Wörter sind Teil der Sprachentwicklung
  • konkretisieren in vielen Fällen (Sinnverschiebung)
  • sind knackig kurz: Event statt Veranstaltung

Gegen die Verwendung von Anglizismen spricht:

  • erreichen nicht jeden (Sprachbarriere)
  • dienen manchen absichtlich der Ausgrenzung
  • führen zur Verarmung der Muttersprache

Wie viele Anglizismen gibt es in der deutschen Sprache?

Nach Meinung einiger Sprachschützer in jedem Fall zu viele. Dabei lassen sich Anglizismen einerseits nicht so einfach klassifizieren (siehe Abschnitt Arten von Anglizismen). Zum anderen wird gerne übersehen, dass andere Sprachen deutlich stärkere Einflüsse hinterlassen haben und ohnehin viele Lehnwörter existieren, derer wir uns nicht bewusst sind. Oder hätten Sie gewusst, dass der „Kiosk“ aus dem Türkischen stammt?

Um die Anzahl der Anglizismen in der deutschen Sprache bestimmen zu können, lassen sich verschiedene Methoden des Auszählens anwenden. Mal zählten Forscher Anglizismen in Pressetexten, mal in Wörterbüchern wie dem Duden. Übrigens schafft es noch längst nicht jedes englischsprachige Wort in den Duden. Fakt ist, dass die Anzahl solcher Wörter über die Jahrzehnte zugenommen hat und das 20. Jahrhundert klar mehr Anglizismen aufzuweisen hat als jedes Jahrhundert zuvor. Seit der ersten Auflage im Jahre 1880 ist die Anzahl der englischsprachigen Begriffe von 1,36 Prozent auf 3,46 im Jahre 1986 gestiegen. Einige Wissenschaftler sehen den Anteil nach wie vor bei unter vier Prozent, andere schätzen ihn höher ein.

Wie Anglizismen erkennen?

Sprachpuristen aller Art stören sich nicht nur daran, dass englische Begriffe ins Deutsche gelangen. Meist werden zwei Sprachen gleichzeitig verunstaltet. Denn die Aussprache ist oftmals die deutsche. Gut erkennbar an Begriffen wie Sport oder Stoppschild, die ganz selbstverständlich mit dem typisch hochdeutschen Sch-Laut gebildet werden. Andere Anglizismen sind noch eindeutiger zu erkennen:

  • Ungewöhnliche Buchstabenabfolge
    Im Deutschen gibt es nur bestimmte Abfolgen von Vokalen und Umlauten. Weist ein Wort ungewöhnliche Kombinationen beispielsweise mit ea, ui, ou, oo auf, stammt das Wort vermutlich aus einer anderen Sprache.
  • Wortendung mit y
    Im Englischen enden viele Wörter auf y, beispielsweise Hobby, Comedy, Spray, Baby oder Display. Deren Plural bilden Sie übrigens, indem Sie ein -s dranhängen – keinesfalls das y durch -ies ersetzen!
  • Aussprache weicht vom Schriftbild ab
    Am auffälligsten ist an Anglizismen ihre Aussprache. Die ist völlig anders: Management müsste demnach „Männätschment“ geschrieben werden.

Übrigens hat das Stoppschild es Sprachpuristen (und ökonomischen Erwägungen) zu verdanken, dass das Schild als solches in weißer Schrift immer noch „Stop“ enthält und nicht im Zuge der Rechtschreibreform angepasst wurde. Vielen ist nicht nur ein Dorn im Auge, wenn englische Begriffe ins Deutsche wandern, sondern deren falsche Verwendung.

Begeisterung für das Englische im Deutschen

Die Begeisterung fürs Englische im Deutschen ist gar nicht so neu. Manche meinen, sie hätte mit den englischen und amerikanischen Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Tatsächlich beginnt sie bereits Jahrhunderte früher. Große Denker wie Goethe priesen bereits Shakespeare, August Wilhelm Schlegel übersetzte sämtliche Theaterstücke ins Deutsche, so dass sie einem größeren deutschen Publikum zugänglich wurden. Für viele Intellektuelle im 18. und 19. Jahrhundert war England der Inbegriff für Aufklärung, Nation und Fortschritt. Während auf dem Festland das heutige Deutschland in lauter absolutistische Kleinstaaten zersplittert war, existierte mit England ein Staat, der seinen Bürgern politische und religiöse Freiheit bot.

Mit seinen großen Philosophen und bahnbrechenden Erfindungen im Zeitalter der Industrialisierung war England ein Sehnsuchtsort, der eine regelrechte Anglophilie auslöste: Ein englischer Way of Life, der sich im Teekonsum oder in der Gartenbaukunst ausdrückte und bis heute im Hanseatischen Raum erhalten geblieben ist – so gilt Hamburg als „englischste Stadt auf dem Festland“. Ein Ruf, der bis heute nachwirkt, immerhin wurden dort die Beatles entdeckt. Diese Anglophilie bedeutete zugleich eine intensive Auseinandersetzung mit englischem Gedankengut.

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[Bildnachweis: AdresiaStock by Shutterstock.com]

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