Anglizismen: Was hinter dem Denglisch im Beruf steckt

Haben Sie heute Morgen das Meeting gecancelt und stattdessen lieber Headlines für Social Media Ads geschrieben? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Nicht was das Verhalten angeht, sondern den Sprachgebrauch. In vielen Berufen sind Anglizismen Amtssprache. Hin und wieder führt das zu ulkigen Sätzen wie dem fast schon legendären von Andi Möller: Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl. Das ist lustig bis peinlich – je nach Situation. Daher empfehlen wir: Verschaffen Sie sich einen Überblick über Anglizismen, Denglisch und wichtige Ausdrücke aus dem Englischen. Und zwar hier…

Anglizismen: Was hinter dem Denglisch im Beruf steckt

Anglizismen: Was versteht man darunter?

Anglizismen: Was versteht man darunter?Mit Anglizismen sind sprachliche Ausdrücke gemeint, die aus dem Englischen stammen und in eine andere Sprache übernommen wurden.

Dabei beschränkt sich der Anglizismus nicht nur auf einzelne Wörter oder Ausdrücke. Auch andere Bereiche des Sprachsystems wie Satzstellung und Bedeutung können betroffen sein. So ist der Ausdruck gegoogelt sowohl eine Entlehnung des Wortes, als auch der englischen Flexion (Wortbildung). Das Verb to google wird dabei ins Deutsche übernommen und mit der Endung -t versehen (aus ursprünglich -ed im Englischen).

In der Regel meint man mit Anglizismen die englischsprachigen Wörter, die von den deutschen Sprechern ausgeliehen werden und sich sowohl in der Alltagssprache, als auch in bestimmten Fachsprachen etabliert haben.

Stammen die übernommenen Wörter aus dem amerikanischen Englisch bezeichnet man sie als Amerikanismen, Übernahmen aus dem britischen Englisch als Britizismen. Um es nicht noch komplizierter zu machen, können Sie einfach den Überbegriff Anglizismen verwenden.

Begeisterung für das Englische im Deutschen

Für Sprachpuristen ist es ein Graus. Da werden englische Begriffe ins Deutsche übernommen und das geschieht mehr schlecht als recht. Denn die Aussprache ist oftmals die deutsche. Gut erkennbar an Begriffen wie Sport oder Stoppschild, die ganz selbstverständlich mit dem typisch hochdeutschen Sch-Laut gebildet werden.

Und das Stoppschild hat es Sprachpuristen (und ökonomischen Erwägungen) zu verdanken, dass das Schild als solches in weißer Schrift immer noch „Stop“ enthält und nicht im Zuge der Rechtschreibreform angepasst wurde. Vielen ist nicht nur ein Dorn im Auge, wenn englische Begriffe ins Deutsche übernommen werden, sondern wenn sie falsch übernommen werden.

Dabei ist die Begeisterung fürs Englische im Deutschen gar nicht so neu. Manche meinen, sie hätte mit den englischen und amerikanischen Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Tatsächlich beginnt sie bereits Jahrhunderte früher. Große Denker wie Goethe priesen bereits Shakespeare, August Wilhelm Schlegel übersetzte sämtliche Theaterstücke ins Deutsche, so dass sie einem größeren deutschen Publikum zugänglich wurden.

Für viele Intellektuelle im 18. und 19. Jahrhundert war England der Inbegriff für Aufklärung, Nation und Fortschritt. Während auf dem Festland das heutige Deutschland in lauter absolutistische Kleinstaaten zersplittert war, existierte mit England ein Staat, der seinen Bürgern politische und religiöse Freiheit bot.

Mit seinen großen Philosophen und bahnbrechenden Erfindungen im Zeitalter der Industrialisierung war England ein Sehnsuchtsort, der eine regelrechte Anglophilie auslöste: Ein englischer Way of Life, der sich im Teekonsum oder in der Gartenbaukunst ausdrückte und bis heute im Hanseatischen Raum erhalten geblieben ist – so gilt Hamburg als „englischste Stadt auf dem Festland“.

Ein Ruf, der sich bis heute erhalten hat, immerhin wurden dort auch die Beatles entdeckt. Diese Anglophilie bedeutete zugleich eine intensive Auseinandersetzung mit englischem Gedankengut und Literatur förderte bereits vor Jahrhunderten die Entstehung von Anglizismen.

Häufige Anglizismen laut VDS

Häufige Anglizismen WirkungAnglizismen sind nicht gleich Anglizismen. Vielen sieht man ihre englische Herkunft gar nicht mehr an, so beispielsweise beim Wort Keks, das im deutschen Plural Kekse heißt. Ursprünglich stammt es vom englischen Begriff cake, dessen Plural cakes im Deutschen zu Singular wurde.

Ebenso beim Streik, der sich vom englischen strike/to be on strike (auf Deutsch: streiken) ableitet. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist nicht mehr von einem Anglizismus, sondern von einem Lehnwort die Rede, da der Begriff bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts hierzulande verwendet wurde und komplett in die deutsche Sprache integriert ist.

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hat rund 7.500 Wörter englischer Herkunft in seinem Anglizismen-Index aufgeführt. Er nennt drei unterschiedliche Arten von Anglizismen:

  • Ergänzende Anglizismen

    Sie machen nur etwa drei Prozent aller Anglizismen aus. Unter ergänzenden Anglizismen werden Wörter verstanden, die aus dem Englischen übernommen wurden, weil sie eine Lücke in der deutschen Sprache füllen. Sie sind vergleichbar mit Lehnwörtern, sind in der Form aber noch nicht endgültig an die deutsche Sprache angepasst. Sie ermöglichen eine differenziertere Ausdrucksweise, die ohne diese Anglizismen nur schwer erreichbar wäre. Typische Beispiele dafür sind:

    • Admin
    • App
    • Dimmer
    • Disco
    • Team
  • Differenzierende Anglizismen

    Deutlich höher bereits der Anteil der differenzierenden Anglizismen, die 18 Prozent der Gesamtmasse ausmachen. Hierunter werden Wörter für Begriffe verstanden, die so im Deutschen noch nicht existieren. Da beispielsweise viele technischen Entwicklungen rund um den Computer, Software und das Internet vorwiegend im englischsprachigen Raum entstanden, wurden beispielsweise viele Begriffe aus dem englischen beziehungsweise amerikanischen Sprachgebrauch entlehnt. Es bestünde die Möglichkeit zur Bildung analoger deutscher Begriffe, beispielsweise E-Post statt E-Mail. Beispiele für differenzierende Anglizismen sind:

    • Aerospace
    • Bachelor
    • Data Mining
    • Facility Management
    • Permalink
  • Verdrängende Anglizismen

    Der weitaus größte Teil der Anglizismen lässt sich laut VDS mit 79 Prozent als verdrängende Anglizismen kategorisieren. Das sind solche Wörter, die verwendet werden, obwohl adäquate deutsche Begriffe vorhanden (und bekannt) sind. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür:

    • Access (statt Zugriff)
    • Data Base (statt Datenbank)
    • Media Monitoring (statt Medienbeobachtung)
    • Sabbatical (statt Auszeit)
    • Wallpaper (statt Bildschirmhintergrund)

Wortentlehnungen und Jugendsprache

Glaubt man den Sprachkritikern, tauchen Anglizismen häufig in der Jugendsprache auf. Das hat nur zum Teil etwas damit zu tun, dass sich Jugendliche durch ihre Sprache von der älteren Generation abgrenzen wollen. Tun sie natürlich auch.

Ein anderer Grund für die Vielzahl an Anglizismen in der Jugendsprache sind (technische) Neuerungen, die einen Namen brauchen. Bevor sich Jugendliche (und übrigens nicht nur die) lange Gedanken darüber machen, wie man einen entsprechenden Begriff auf Deutsch verwenden könnte, wird kurzerhand das Original benutzt.

Ist auch nachvollziehbar, oder würden Sie einen Weltnetzstöberer dem Browser vorziehen? Eben. Das englische Wort klingt in der Regel hipper (!) und ist meist deutlich griffiger als sein deutsches Pendant. Crowdfunding mit Gruppen– oder Schwarmfinanzierung zu übersetzen, weckt eben ganz andere Assoziationen. An eine innovative Idee oder ein aufstrebendes Start-Up denkt man dabei wohl nicht als erstes.

Wirkung von Anglizismen

Das ist vermutlich der Grund dafür, warum Englisch oder Anglizismen gerne im Berufs- und Wirtschaftsleben verwendet werden. Wer möchte schon Produkte oder Dienstleistungen kaufen, die heute schon wie von gestern klingen? Da nutzt man doch lieber Anglizismen und nennt das Bedürfnis, das es zu wecken gilt, den Need des Costumers.

Weiterer Pluspunkt: Anglizismen versteht man nicht nur in Deutschland. Dadurch, dass die Wörter zumindest noch entfernt etwas mit der Ausgangssprache Englisch zu tun haben, erschließt man sich neue (Verständnis-) Märkte. Englisch ist schließlich immer noch die wichtigste Verkehrssprache.

Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Zum Gesamtbild gehört, dass nicht nur Sprachpuristen sich über den Gebrauch von (zu) vielen Anglizismen aufregen. Mit englischen Begriffen lässt sich eben auch gut verschleiern, beispielsweise bei nebulösen Jobtiteln. Zwar lernt jedes Schulkind Englisch, aber Hauptverkehrssprache hierzulande ist immer noch Deutsch.

Wer kein Englisch-Muttersprachler ist, mag eine grobe Vorstellung haben, was sich hinter bestimmten Anglizismen verbirgt. Aber das muss sich nicht immer mit dem decken, was von Verwenderseite intendiert war. Und nicht zuletzt führen viele englische Wörter und Phrasen zu Verwirrung. Zwei Beispiele:

  • Deutsche Bahn

    Die Deutsche Bahn war in der Vergangenheit häufiger Beispiel für unrühmliche Anglizismen. 1994 führte sie in 28 Bahnhöfen den „Service Point“ ein – ein eindeutiger Anglizismus der dritten Kategorie, da man genauso gut auf Bezeichnungen wie Informationsstelle oder Auskunftsschalter hätte zurückgreifen können. Die 2011 erfolgte Umbenennung in „DB Information“ ist letztlich auf einen bayrischen Bundestagsabgeordneten zurückzuführen, der die Bezeichnung „Kiss & Ride“ der Deutschen Bahn für eine Kurzzeitparkzone am Bahnhof in Straubing kritisierte und so eine Diskussion über Anglizismen auslöste.

  • Douglas

    Der Parfümeriekonzern geriet vor einigen Jahren in die Schlagzeilen, als er mit dem Slogan „Come in and find out“ Werbung machte. Deutsche Konsumenten rätselten: Geht es darum, in die Parfümerie hinein- und wieder herauszufinden? Nicht ganz. Im Englischen hat das Verb to find out dieselben Bedeutungen wie im Deutschen: herausfinden im Sinne von „den Weg (heraus) finden“, aber eben auch im Sinne von „etwas herausfinden“, also entdecken. Es ging darum, im Geschäftslokal nach etwas Nettem zu stöbern und fündig zu werden – nur leider kam diese Botschaft mehrheitlich nicht an.

Beide Fälle sind also Beispiele dafür, wie die Verwendung von Anglizismen eher negative Wirkung erzeugt und das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich bezweckt war.

Anglizismen im Beruf

Die Verkehrssprache – auch Lingua franca genannt – ist ein gutes Stichwort. Denn ohne Kenntnis der englischen Sprache kommt man heute nicht mehr weit im Berufsleben. Vor allem in größeren Unternehmen ist es keine Seltenheit, Besprechungen oder Präsentationen auf Englisch abzuhalten.

Aber schon vorher werden die Sprachkenntnisse relevant: In Stellenanzeigen lesen Bewerber häufig, dass verhandlungssichere Englischkenntnisse zu den Muss-Qualifikationen gehören.

Allerdings geht es dabei nur bedingt um die Kenntnis von Anglizismen und Schulenglisch. Hauptsächlich ist hier das Business Englisch oder Business English gefragt. Aber wo liegen dabei die Unterschiede?

Anglizismen, Business English und Denglisch

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Wer Karriere machen möchte, kommt ohne Business English nicht aus. Gute bis sehr gute Fremdsprachenkenntnisse, die es dem Mitarbeiter ermöglichen, auch längere Telefonate oder gar Vorträge auf Englisch zu halten, werden heute in Führungspositionen vorausgesetzt. Die Kenntnis der Fremdsprache ist eines. Wie sieht es mit Denglisch aus? Muss der ideale Kandidat auch das fließend sprechen?

Das kommt darauf an. Mit Denglisch sind in der Regel Zusammensetzungen aus einem deutschen und englischen Wort gemeint. Häufig benutzt man dabei ein englisches Verb, wie beispielsweise to cover oder to download und versieht es mit den deutschen Wortbildungsregeln. Heraus kommen Wörter wie gecovert oder downgeloadet oder gedownloadet.

Diese werden besonders gerne in bestimmten Branchen benutzt. Das gehören beispielsweise Berufe in den Medien, Werbung, IT-Umfeld und teilweise auch Finanzen. Für Neueinsteiger geht es daher nicht nur darum, das jeweilige berufsspezifische Handwerk zu lernen. Es lauern auch Fallstricke, sogenannte False Friends, falsche Freunde, im täglichen Vokabular.

Eine Auswahl:

  • Den Beamer gibt es im Englischen nicht in der Bedeutung, dass man damit Folien (gerne auch Slides genannt) an die Wand projizieren kann. Unser Fremdwort deutet schon darauf hin, wie dieses Gerät im Englischen heißt: Projector.
  • Wenn Sie Ihren englischsprachigen Geschäftspartner dazu auffordern eine Nachricht auf Ihrer Mailbox zu hinterlassen, wird er das vermutlich schriftlich tun. Der Anrufbeantworter heißt auf Englisch answering machine oder answering equipment, während mailbox einen Briefkasten bezeichnet.
  • Bei Problemen mit der IT gibt es auch den ein oder anderen falschen Freund. Wenn Sie den britischen Kollegen nach der Telefonnummer für die Hotline fragen, werden Sie vermutlich auf Unverständnis stoßen. Auch dieses Wort sieht zwar englisch aus, ist es aber nicht. Der richtige Begriff für die telefonische Hilfe lautet Helpline.
  • Den englischsprachigen Vorgesetzten sollten Sie übrigens auch nicht mit Chef ansprechen. Obwohl das im Deutschen problemlos möglich ist, bedeutet es im Englischen Koch. Richtig – und auch im Deutschen gebräuchlich – ist die Bezeichnung boss.
  • Natürlich darf auch der Klassiker nicht fehlen: Mit Handy meinen die Angelsachsen nämlich nicht ein tragbares Telefon oder ein Smartphone. Dort heißt es mobile phone oder schlicht mobile. Handy dagegen meint eine Sache, die praktisch ist. Eine handy person ist niemand, der den ganzen Tag am Telefon hängt, sondern ein äußerst geschickter Zeitgenosse.

Unsere Artikel zum Thema Anglizismen, False Friends und Büro-Sprech

Anglizismen WirkungNatürlich gibt es noch viele weitere Jobbezeichnungen und Begriffe, die aus dem Englischen übernommen oder in Anlehnung an das Englische neu kreiert wurden.

Eine Auswahl der wichtigsten Artikel zu diesem Thema haben wir hier für Sie zusammengestellt. Damit gehören False Friends und Fragezeichen über dem Kopf der Vergangenheit an. Klicken Sie auf den Link, um genau zu erfahren, was sich dahinter verbirgt.


Sämtliche Kürzel, Codes und englische Vokabeln als Download

Übrigens haben wir noch einen weiteren Tipp für Sie: Wenn Sie für das nächste Meeting etwas in der Hand haben möchten, empfehlen wir Ihnen unseren praktischen Download.

Damit können Sie wichtige Abkürzungen, aber auch gern verwendete Floskeln ganz einfach und vor allem schnell nachschlagen.

Das Dokument gibt es hier im PDF-Format oder als Word-Datei zum kostenlosen Download:

[Bildnachweis: Thorsten Schmitt by Shutterstock.com]
14. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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