Supply Chain Management: Definition und Aufgaben

Jeden Tag profitieren wir von einem guten Supply Chain Management, ohne dass wir es merken. Entlang der Wertschöpfungskette werden von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung und Produktion bis zur Lieferung an den Endkunden sämtliche Prozesse überwacht und optimiert. Können Sie Ihr Lieblingsprodukt nicht wie gewohnt kaufen, ist vermutlich genau hier etwas schief gelaufen. Kein Wunder also, dass Fach- und Führungskräfte, die Warenströme steuern, eine enorme Verantwortung tragen und mit entsprechenden Gehältern rechnen können. Nachfolgend liefern wir eine einfache Erklärung, was Supply Chain Management bedeutet und warum es für Unternehmen so eine große Rolle spielt. Außerdem beantworten wir die wichtigsten Fragen für Arbeitnehmer: Welche Fähigkeiten brauche ich im Supply Chain Management? Welche Jobs gibt es? Und was verdient man?

Supply Chain Management: Definition und Aufgaben

Definition: Supply Chain Management einfach erklärt

Supply Chain Management einfach erklärt BeispielLaut Wikipedia geht Supply Chain Management auf die Berater Keith R. Oliver und Michael D. Webber zurück, die den Begriff 1982 erstmals in einem Interview in der Financial Times vorstellten.

Einfach erklärt, bezeichnet Supply Chain Management (SCM) die Koordination und Optimierung von Wertschöpfungs- und Lieferketten. Dabei kann es sich um Waren-, Werte- oder Informationsflüsse handeln, die von der Rohstoffgewinnung und Erzeugung über die Veredelung bis hin zum Verkauf an den Endverbraucher gemeistert werden.

Die Wertschöpfungskette bezieht sich nicht nur auf interne Angelegenheiten, sondern auf die Koordination und Zusammenarbeit auch zwischen mehreren Unternehmen, die gemeinsam eine Supply Chain bilden.

Wer im Supply Chain Management arbeitet, gestaltet die (globalen) Warenströme also aktiv mit, wickelt Aufträge ab, steuert Geldflüsse, sorgt dafür, dass die Produkte möglichst schnell und wirtschaftlich beim Abnehmer ankommen.

Während Logistik sich um die Koordination, Durchführung und Kontrolle von Warenflüssen kümmert, das Hauptaugenmerk also auf physischen Aktivitäten liegt, geht das Supply Chain Management geht damit über die Zusammenhänge der reinen Logistik hinaus.

Ein bedeutender Faktor ist, dass die Prozesse der Wertschöpfungskette nicht nur in eine Richtung betrachtet werden. Zwar ist wichtig, wie ein Produkt vom eigenen Lieferanten über die Produktion und den Vertrieb bis hin in die Regale eines Geschäfts oder direkt zum Kunden nach Hause kommt.

Das Supply Chain Management konzentriert sich aber auch darauf, die gewonnenen Informationen aus den jeweiligen Stationen zurückzugeben, um den gesamten Prozess zu verbessern:

  • Welches Feedback geben Kunden?
  • Mit welchen Problemen hat der Vertrieb regelmäßig zu kämpfen?
  • Was würde sich die Produktion von den Lieferanten wünschen?

Alle Informationen und Erkenntnisse, die entlang der Wertschöpfungskette gewonnen werden, sollen genutzt und wieder eingebracht werden, um den Ablauf langfristig zu verbessern.

Supply Chain Management anhand des Beispiels „Zara“

Supply Chain Management Beispiel ZaraDie zum spanischen Konzern Inditex gehörende Modekette „Zara“ ist ein Beispiel für Supply Chain Management, wie es idealerweise funktioniert. Noch bis 2005 hatte die schwedische Modekette Hennes und Mauritz (H&M) den Modemarkt in Europa dominiert – dann revolutionierte Zara das Lieferkettenmanagement.

Zum Hintergrund: Viele Modemarken lassen im Ausland, vor allem in asiatischen Ländern wie China produzieren. Grund dafür sind die niedrigeren Lohnkosten. Die langen Lieferwege rund um den Globus stehen andererseits dem Konsumenten- und Produzentenwunsch entgegen, möglichst viel und möglichst oft Kleidung an den Verbraucher zu bringen, Stichwort: Fast Fashion.

Zara hat sich hingegen für eine Produktion überwiegend im eigenen Land und in geographisch nahegelegenen Ländern (Portugal, Marokko) entschieden. Obwohl die Lohnkosten hier deutlich höher sind, hat es damit den für diese Branche entscheidenden Vorteil errungen: Es ermöglicht dem Unternehmen Schnelligkeit.

Die Lieferketten sind deutlich kürzer, aktuelle Trends können schneller aufgegriffen werden. Das und die geringeren Transportkosten gleichen wiederum den Nachteil der höheren Lohnnebenkosten aus.

Welche Ziele verfolgt das SCM?

Hinter Supply Chain Management steckt ein gigantisches System der Arbeitsteilung. Das wurde notwendig, weil die Wirtschaft anders als noch vor einem halben Jahrhundert funktioniert. In den vergangenen Jahrzehnten hat in den Unternehmen eine Konzentration auf Kernkompetenzen stattgefunden.

Wurde früher von der Rohstoffgewinnung bis zur Produktion und dem Verkauf alles in einem Unternehmen geregelt, sind – unter anderem begünstigt durch Outsourcing – Tätigkeiten ausgelagert, im Rahmen von Werkverträgen Verantwortlichkeiten an andere Firmen abgetreten worden.

Dadurch werden manche Produkte und Güter zwar um die halbe Welt geliefert, sind im Endeffekt dennoch günstig, denn diese Arbeitsteilung spart den Firmen eine Menge Geld. Gleichzeitig erfordert sie ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Vertrauen. Kommt ein Glied in dieser Kette seinen Verpflichtungen nicht nach, hat das Konsequenzen für alle.

Dieser Umstand und die Tatsache, dass Unternehmen in immer kürzerer Zeit Kundenwünsche bedienen müssen, sich also Produktionszyklen verkürzen, machen es notwendig, den reibungslosen Ablauf von Lieferketten zu gewährleisten.

Supply Chain Management verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Um eine Warenkette zu koordinieren, müssen viele verschiedene Abteilungen im Unternehmen – Beschaffung, Produktion und Vertrieb zum Beispiel – in die Planungen einbezogen werden.

Einen großen Stellenwert nimmt dabei die technologische Komponente ein. Moderne IT hat – zusammen mit der Globalisierung – die Entwicklung komplexer Supply Chains erst möglich gemacht. Und sie ist unverzichtbar, wenn es darum geht, die einzelnen Akteure in der Kette miteinander zu verbinden.

Die Ziele eines Supply Chain Managers lassen sich so umreißen:

  • Kosten senken
  • Lieferung beschleunigen (durch Same-Day-Delivery)
  • Flexibilität gewährleisten (wachsende Kundenansprüche)
  • Geldströme lenken
  • Informationsfluss optimieren
  • Beziehungen verbessern (zu Lieferanten und Kunden)

Probleme im Supply Chain Management

Supply Chain Management Beispiel Probleme StudiumEin erfolgreiches Supply Chain Management hat für Unternehmen viele Vorteile und ist wichtig, um sich in Sachen Effizienz, Innovation, Verbesserung und natürlich auch in Kostenfragen gegen die ständig wachsende und sich entwickelnde Konkurrenz durchzusetzen. Bis dahin ist es ein langer Weg, auf dem viele Probleme überwunden werden müssen.

Allen voran: An den verschiedenen Stationen der Supply Chain werden vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgt, die durch das Management so weit wie möglich in Einklang gebracht werden sollen. Zulieferer haben ihre ganz eigenen Absichten, die oftmals nur wenig mit denen der Produktion zu tun haben. Eine Seite möchte profitabel und zu hohen Preisen verkaufen, die andere Seite kostengünstig und trotzdem in hoher Qualität einkaufen.

Die enge Zusammenarbeit im Supply Chain Management erfordert sehr viel Vertrauen innerhalb der an der Wertschöpfungskette beteiligten Bereiche und Unternehmen. Keiner der Beteiligten möchte ausgenutzt werden oder sich im anderen Extrem ausgeschlossen fühlen. Nur wenn alle Partner gemeinsam an einem Strang ziehen und davon überzeugt sind, dass zum Wohle aller agiert und entschieden wird, kann Supply Chain Management funktionieren.

Ein weiteres Problem, das nicht unterschätzt werden sollte, ist die Heterogenität der verschiedenen Ebenen der Supply Chain. Gerade in Kompetenz und Erfahrung müssen verschiedene Unternehmen gut zusammen funktionieren, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Welche Aufgaben hat ein Supply Chain Manager?

Der Supply Chain Manager fungiert meist als eine Art Berater im Betrieb. Seine Aufgabe ist, das berühmte Silodenken hinter sich zu lassen, alle Waren- und Informationsflüsse unter einen Hut zu bekommen, die für das Unternehmen insgesamt beste Lösung zu entwickeln.

Supply Chain Manager könnte man auch als strategische Planer bezeichnen, die schnell und flexibel reagieren müssen. Ihre Aufgaben unterscheiden sich dabei ganz erheblich – je nach Branche, Unternehmen oder Position.

Wer im Supply Chain Management erfolgreich sein will, profitiert vor allem von folgenden Qualitäten:

  • Analytisches Denken
  • Verständnis globaler Zusammenhänge
  • Strategisch stark und trotzdem ein Auge fürs Detail
  • Zahlenverständnis und Mathe-Affinität
  • Wirtschaftliches Know-how (gegebenenfalls Studium)
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Supply Chain Management: Studium und Jobs

Es gibt nicht die eine Ausbildung für einen Supply Chain Manager. Üblicherweise wird eine gewisse Berufserfahrung in Warenwirtschaft und Logistik vorausgesetzt werden, bevor jemand für diese verantwortungsvolle Position eingesetzt wird.

Ein gutes Fundament für eine Karriere im Supply Chain Management legen Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsingenieure. Auch Informatiker, Naturwissenschaftler, Mathematiker können in Teilbereichen eingesetzt werden.

Wer sich aber von Anfang an auf Supply Chain Management spezialisieren will, findet an den Unis kaum passgenaue Studiengänge. Das Fach Supply Chain Management bieten in Deutschland vorwiegend (private) Fachhochschulen, Business Schools oder Fernhochschulen als Master-Studiengänge an. Aber Vorsicht: Die Studiengebühren sind dort teilweise enorm.

Hier eine Auswahl an Institutionen, an denen man Supply Chain Management studieren kann:

  • Duale Hochschule Baden-Württemberg
  • Kühne Logistics University Hamburg
  • International School of Management Frankfurt
  • Hochschule Osnabrück
  • Rheinische Fachhochschule Köln
  • Europäische Fernhochschule Hamburg
  • SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft Hamm
  • Hochschule Fulda
  • Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes
  • Technische Hochschule Mittelhessen

Welche Jobs gibt es noch im Supply Chain Management?

Im Supply Chain Management arbeiten natürlich nicht nur Supply Chain Manager. Consultants beraten, Sachbearbeiter verwalten, Analysten filtern die enormen Datenmengen, IT’ler sorgen für die technische Architektur.

Und: Berufsbilder und -profile verändern sich kontinuierlich wie in anderen Branchen auch, differenzieren sich aus – oder werden in Zukunft vielleicht sogar (teilweise) automatisiert.

Hier sind einige Berufsprofile im Bereich Supply Chain Management:

  • Sachbearbeiter

    Sie kontrollieren Lieferscheine und Rechnungen, erstellen Kalkulationen und Preisvergleiche. Der versierte Umgang mit Business-Software (zum Beispiel SAP) wird vorausgesetzt, ein Studium nicht. Eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich reicht oft aus.

  • Controller/Analyst

    Die Einsatzbereiche von Supply Chain Controllern und Supply Chain Analysten überschneiden sich. Beide arbeiten aus dem verfügbaren Datenmaterial relevante Zahlen und Zusammenhänge heraus, die als Grundlage für strategische Entscheidungen im Unternehmen dienen. Wo sind die Schwachstellen in der Versorgungskette? In welchem Teil der Kette kann was wie optimiert werden? Controller haben in der Regel ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen, Analysten fahren auch mit einem Mathematik-Studium gut.

  • Prozessmanager

    Mit Behörden verhandeln und die Produktion aktiv unterstützen – das sind nicht unbedingt Alltagsaufgaben im Supply Chain Management. Manchmal aber sind sie tatsächlich Teil des Anforderungsprofils, zum Beispiel dann, wenn das Unternehmen seine Lieferkette sicherer, effizienter und ressourcenschonender gestalten will. In diesen Positionen haben auch Naturwissenschaftler Einstellungschancen, zum Beispiel Chemie- oder Verfahrenstechnikingenieure.

  • IT-Architekten

    Die Supply Chain basiert auf einer gut funktionierenden IT. Für die Architektur braucht es IT-Spezialisten. Systemarchitekturen erstellen, integrierte Lösungen vorantreiben, die Softwareentwicklung steuern – das sind typische Aufgaben für IT-Architekten. Darum kann auch ein Informatik-Studium ins Supply Chain Management führen.

Gehalt im Supply Chain Management: Was verdient man?

Fach- und Führungskräfte im Supply Chain Management sind die Top-Verdiener unter den Logistikern. Laut aktuellem
Stepstone-Gehaltsreport (PDF) sind im Schnitt diese diese Gehälter für Fach- und Führungskräfte mit akademischem Abschluss möglich:

  • Bis 2 Jahre Berufserfahrung: 46.680 Euro
  • 3 bis 5 Jahre: 51.679 Euro
  • 6 bis 10 Jahre: 85.072 Euro
  • Mehr als 10 Jahr: 87.360 Euro

Was auffällt: Der Abstand zwischen einem Jahresgehalt bei sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung zu dem mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung ist vergleichsweise gering. Hingegen hat offenbar eine drastische Gehaltsentwicklung bei Supply Chain Managern mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung stattgefunden – dort lagen die Jahresgehälter im Gehaltsreport zwei Jahre zuvor noch bei lediglich 69.083 Euro, also immerhin knapp 16.000 Euro weniger.

Diese Zahlen sind natürlich nur ungefähre Werte, die von Faktoren wie Boni, Unternehmensgröße, Branche, Region und Abschluss beeinflusst werden. Ein Einsteiger mit akademischen Abschluss wird in der Regel mehr verdienen als ein Berufsanfänger mit schulischer Ausbildung.

Bekanntermaßen zählen Unternehmen in der Chemiebranche und der Automobilwirtschaft zu den besonders gut zahlenden Arbeitgebern. Und laut Gehaltsreporter.de können bei berufserfahrenen Fach- und Führungskräften bis zu 35 Prozent des Festgehaltes in Form von Provisionen, Altersvorsorge, Dienstwagen und sonstigen geldwerten Vorteilen hinzukommen. Aus einem Jahresgehalt von 70.000 Euro können so bis zu 100.000 Euro werden.

[Bildnachweis: Karrierebibel by Shutterstock.com]
14. Februar 2020 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.


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