Hidden Champions: So überzeugen sie Bewerber

Auf der Suche nach einem neuen Job halten die meisten Bewerber die Augen nach den großen und bekannten Namen offen. Dies gilt besonders für junge Absolventen, die den Uni-Abschluss in der Tasche haben oder andere gut ausgebildete Fachkräfte. Diese haben den großen Vorteil, dass sie auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind und Unternehmen regelrecht darum werben müssen, die Top-Talente und Young Professionals in die eigenen Reihen zu holen. Hidden Champions werden dabei oft übersehen und übergangen, weil sie nicht so bekannt sind und gegenüber anderen großen und namhaften Unternehmen weniger Aufmerksamkeit bekommen. Dabei sind Hidden Champions eine wichtige und treibende Kraft der deutschen Wirtschaft, auf ihrem jeweiligen Gebiet ungemein erfolgreich und bieten deshalb auch für Mitarbeiter große Chancen…

Hidden Champions: So überzeugen sie Bewerber

Hidden Champions: Was verbirgt sich dahinter?

Der Begriff der Hidden Champions wurde bereits 1990 vom deutschen Unternehmensberater Hermann Simon zum ersten Mal genutzt und er beschreibt damals wie heute das gleiche Phänomen: Es geht um Arbeitgeber und Unternehmen, die zur Weltspitze in ihrem Bereich gehören, aber trotzdem weitgehend unbekannt sind. Die Rede ist also nicht von den in Deutschland und weit über die Grenzen hinaus bekannten Unternehmen wie Siemens, Daimler, Bayer, SAP, Porsche oder viele andere Beispiele.

Hidden Champions sind versteckte Weltmarktführer, die in der Öffentlichkeit kaum Bekanntheit oder Anerkennung finden. Dies liegt unter anderen an der großen Spezialisierung der Hidden Champions und der Art von Produkten oder Dienstleistungen, die hergestellt und angeboten werden. So wurde vom TV-Sender n-tv beispielsweise 2016 das Unternehmen Delo Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KGaA in der Kategorie Innovation zum Hidden Champion gekürt – ein für die breite Masse vollkommen unbekannter Name, aber dennoch Marktführer.

Erarbeitet haben sich viele Hidden Champions ihre Position vor allem durch Forschung und Entwicklung, wobei viel Zeit und auch Geld in eigene Produkte und die Branche investiert wurde. Viele versteckte Champions investieren einen großen Teil des Gewinns erneut ins eigene Unternehmen, um auch in Zukunft innovativ und erfolgreich bleiben zu können.

Klingt nach einem spannenden Unternehmensumfeld, das auch für junge Arbeitnehmer interessante Herausforderungen und Möglichkeiten bieten kann – zusätzlich zur Möglichkeit, bei einem Weltmarktführer tätig zu werden und damit beim erfolgreichsten Unternehmen der Branche zu arbeiten. Das Problem liegt jedoch oftmals schon in der Definition: Die Hidden Champions sind erfolgreich und interessant, aber eben versteckt und so zieht es viele talentierte Arbeitnehmer zu den großen und bekannten Namen.

Hidden Champions: Die Vorstellungen von Arbeitnehmern und Bewerbern

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren immer weiter gewandelt. Das liegt vor allem daran, dass Arbeitnehmer heute in ihrem Beruf viel mehr suchen, als nur eine reine Möglichkeit des Broterwerbs und Geldverdienst. Der Job soll zum Leben und zu den eigenen Erwartungen passen. So liegt es immer mehr in den Händen der Unternehmen, als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, um junge und talentierte Mitarbeiter anlocken zu können.

Einen Vorteil haben dabei die vielen großen und bekannten Unternehmen in den verschiedensten Branchen. Sie haben oftmals einen guten Ruf als Arbeitgeber und beim Employer Branding viel richtig gemacht. Für Hidden Champions ist es da nicht leicht, immer mitzuhalten. Die fehlende Bekanntheit überschattet das große Potenzial und den Erfolg.

Thomas Geis, Leiter des Stuttgarter Büros der internationalen Personalberatung Michael Page, weiß, warum Hidden Champions es oftmals schwer haben: Das Hauptproblem: Den Nachwuchs zieht es vor allem in die Ballungsgebiete und Stadtzentren. Zudem spielt die Arbeit im Leben der Generation Y nicht mehr die Hauptrolle, auch die Freizeitangebote sind bei der Standort- und Wohnortwahl entscheidend: Kultur, Sport, vielfältige Restaurants und Bars aber auch Car Sharing und ein ausgebautes öffentliches Nahverkehrsnetz locken in die Metropolen.

Die logische Konsequenz daraus: Unternehmen, die direkt in oder nah an den Ballungszentren angesiedelt sind und direkt in oder zumindest in der Nähe von großen Städten liegen, sind schon durch die Lage attraktivere Arbeitgeber. Ganz ohne Bemühungen im Employer Branding ist die Lage bereits ein wichtiges Kriterium, das die Entscheidung von Bewerbern beeinflussen kann.

Hidden Champions, die meist zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gehören, können eine solche Lage meist nicht bieten. Sie gehören zwar zu den Weltmarktführern, sind aber in eher ländlichen Gegenden angesiedelt, die auf den ersten Blick gerade die junge Generation eher abschrecken. Wo der Vorteil der Lage fehlt, müssen Hidden Champions andere Argumente finden, um Bewerber anzuziehen und zu überzeugen.

Das ist durchaus möglich, wie Geis erklärt, da Hidden Champions oftmals viele Argumente haben, die große und bekannte Konzerne nicht bieten können:

  • Flachere Hierarchien
  • Frühe Verantwortung
  • Geringe Bürokratie
  • Kurze Abstimmungswege
  • Schnelle Weiterentwicklung

Und natürlich kommt der nicht ganz kleine Fakt hinzu, dass es sich um ein äußerst erfolgreiches Unternehmen handelt, dass die Weltspitze in einer Branche bildet.

Wie Hidden Champions attraktive Arbeitgeber werden können

Die Lage eines Unternehmens lässt sich nicht ohne weiteres verändern und so können Hidden Champions auch nicht von heute auf morgen entscheiden, die eigene Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen, indem die Firma in eine Großstadt oder ein Ballungsgebiet verlegt wird. Das ist aber auch gar nicht nötig, um auch als Hidden Champion, dessen Sitz nicht die beste Lage hat, ein gutes Employer Branding zu betreiben, dass auch junge Absolventen, Talente und Young Professionals anspricht.

Hidden Champions können unabhängig von der Lage etwas anderes tun: Eine Unternehmenskultur gestalten und leben, in der die Firma nicht nur als reiner Arbeitsplatz, sondern als Teil des sozialen Lebens der Mitarbeiter verstanden wird, erklärt Geis. Das kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden:

  • Haben Sie zum Beispiel schon daran gedacht, zusätzlich dem Partner der dringend gesuchten Fachkraft eine Stelle anzubieten oder diese Position über einen Personalberater suchen zu lassen?
  • Oder Sie offerieren und bezuschussen einen KITA-Platz.
  • Oder einen Dienst- und Privatwagen-Service.
  • Gratis-Sportangebote und -hallen für Mitarbeiter.

Viele Mitarbeiter wünschen sich darüberhinaus Verantwortungen und Freiheiten im Job. Schafft es ein Hidden Champion, diese Kultur zu vermitteln und potenziellen Arbeitnehmern zu zeigen, dass nicht nur ihre Leistungen, sondern vor allem auch ihre Meinungen und ihr Feedback geschätzt und umgesetzt werden, kann dies oftmals ein ausschlaggebender Faktor sein.

Zudem sind in ländlichen Regionen die Lebenshaltungskosten und Immobilienpreiseoft niedriger. Unter dem Strich bleibt also mehr für die Arbeitnehmer – das eigene Haus mit Garten rückt in greifbare Nähe, so Thomas Geis. Am Ende geht es also nicht darum, nachzumachen, was Konzerne versprechen und zu versuchen, bei diesen Punkten mitzuhalten. Das kann ohnehin kaum funktionieren. Die bessere Strategie ist es, die eigenen Vorteile und Stärken herauszuarbeiten, diese gezielt und aktiv in der Unternehmenskultur zu verankern und nach außen zu transportieren.

Stehen beispielsweise Innovationen und Investitionen in die eigenen Mitarbeiter und das eigene Unternehmen im Fokus, sollte in Stellenausschreibungen und auf der Homepage darauf eingegangen werden, dass im Unternehmen viele Aufstiegs- und Entwicklungschancen bestehen und dass der Hidden Champion für die Zukunft gut aufgestellt und gerüstet ist.

Abschließend empfiehlt Thomas Geis: Allerdings reicht es nicht, solche Angebote allein zu schaffen. Sie müssen diese auch aktiv kommunizieren und als festen Bestandteil der Arbeitgebermarke etablieren. Auf den Nachwuchs gezielt zuzugehen, erleichtert nicht nur die anschließenden Viraleffekte, sondern auch die Kandidatensuche: Persönliche Gespräche auf Karrieremessen oder bei Informationstagen an Hochschulen sowie strategisches Employer Branding im Internet bieten die Chance, mit potenziellen Fachkräften in Kontakt zu treten und diese für das Unternehmen zu begeistern.

[Bildnachweis: imtmphoto by Shutterstock.com]
14. Dezember 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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