Wechselwunsch: Den Job wechseln trotz Krise?

Mieser Job, mieser Chef, keine Perspektiven – es gibt viele Gründe für einen Wechselwunsch. Aber jetzt, so mitten in der Krise den Job wechseln? Geht das überhaupt oder ist das nicht eher Karrierekamikaze?

Egal, ob Wirtschaftskrise, Lockdown wegen Corona oder eine allgemeine Rezension: Auch in schweren Zeit ist der Arbeitsmarkt nicht völlig unbeweglich. Ein Jobwechsel kann durchaus sinnvoll, vielleicht sogar eine Art Befreiungsschlag sein. Allerdings sollten Sie diesen Schritt gut planen und vorbereiten. Wir zeigen Ihnen, was Sie dabei beachten müssen…

Wechselwunsch: Den Job wechseln trotz Krise?

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Neuer Job während Corona?

Der Lockdown im Frühjahr hat viele Arbeitnehmer nicht nur ins Homeoffice verbannt – er hat auch gezeigt: Kein Job ist wirklich sicher, mancher Arbeitsplatz steht vielleicht schon auf der Kippe. Schlimmstenfalls stehen uns große Entlassungswellen noch bevor. Jede Krise bietet aber auch Chancen: Es gibt Verlierer, ja, aber ebenso Profiteure. Deshalb ist ein Wechselwunsch mitten in einer Wirtschaftskrise keineswegs blanker Wahnsinn, sondern womöglich ein guter Anlass. Auch wenn eine Krise verunsichert: Wer gute Gründe hat UND Perspektiven, der kann den Job durchaus wechseln. Mehr noch: Aus ungekündigter Position heraus ist ein strategischer Jobwechsel immer besser als wenn Sie aus der Not heraus aktiv werden müssen.

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Wechselwunsch: Jeder Zweite plant aktuell einen Jobwechsel

Tatsächlich hegen aktuell gar nicht so wenige Arbeitnehmer einen Wechselwunsch. Eine Umfrage des Jobwechsel-Kompass‘ kommt zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Befragten derzeit einen Jobwechsel planen. Besonders hoch ist der Wechselwunsch mit 57 Prozent bei den Frauen. Ganze 43 Prozent der Teilnehmer sagen sogar, dass sie ihre Erfolgsaussichten für einen Jobwechsel optimistisch einschätzen.

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Wie können Sie den Wechselwunsch begründen?

Wer in einem Bereich arbeitet, der wenig bis gar nicht unter der Krise leidet oder einen Wechselwunsch hin zu diesem Bereich hat, sollte sich gut damit auseinandersetzen. Bei ungekündigter Stellung wird man Sie spätestens im Vorstellungsgespräch fragen, warum Sie sich wegbewerben. Es gibt gute und es gibt schlechte Beweggründe für einen Wechselwunsch. Gute Gründe sind solche, die eine intensive Auseinandersetzung und ein Abwägen der Vor- und Nachteile erkennen lassen. Gute Gründe zeichnet außerdem aus, dass Sie sie klar in einem Vorstellungsgespräch kommunizieren können. Schlechte Gründe für einen Wechselwunsch hingegen sind solche, die auf Affekthandlungen basieren. Ferner solche, die Sie in einem schlechten Licht dastehen lassen.

Gute Gründe für einen Wechselwunsch

  • Berufliche Weiterentwicklung
    Sie haben über mehrere Jahre hinweg dieselbe Position inne und wollen Ihr Aufgabenspektrum verändern oder erweitern. Sie können sich vielleicht sogar vorstellen, völlig neue Herausforderungen wie etwa Führungsaufgaben zu übernehmen. Die Erweiterung des Kompetenzfeldes und ein hierarchischer Aufstieg sind typische Gründe für einen Wechselwunsch und daher völlig unverdächtig.
  • Private Gründe
    Nachvollziehbar sind beispielsweise private Gründe – zum Beispiel, wenn der Partner eine Anstellung an einem anderen Ort gefunden hat. In diese Kategorie fällt beispielsweise ein Teilzeitwunsch aufgrund Familienzuwachses.
  • Berufliche Neuorientierung
    Eine berufliche Neuorientierung, weil die alte Branche nachhaltig angeschlagen ist und sich nicht auf absehbare Zeit erholen wird, ist ein ebenfalls logischer Wechselwunsch. Dies gilt beispielsweise ebenso für aussterbende Berufe.
  • Internationale Erfahrungen
    Sie wollen den Job wechseln, weil die eigene Firma nur regional/national tätig ist und es Sie reizt, internationale Erfahrungen zu sammeln.
  • Gesundheitliche Gründe
    Die derzeitige Tätigkeit stellt eine Gefahr für Ihre Gesundheit dar – klar, dass das den Wechselwunsch bestärkt. Voraussetzung für einen erfolgreichen Wechsel ist natürlich, dass im neuen Job genau diese Umstände vermieden werden. Heikel außerdem: Sie müssen gleichzeitig signalisieren, dass Sie den Aufgaben der neuen Stelle absolut gewachsen sind und sich nicht dort ständig krankmelden werden.

Schlechte Gründe für einen Wechselwunsch

  • Mehr Geld
    Ein höheres Gehalt ist fast die natürliche Konsequenz bei einem Wechsel. Das ist auch legitim mit Blick auf Miete, Lebenshaltungskosten und dergleichen. Trotzdem klingt es latent gierig. Das lässt Personaler argwöhnen, der Bewerber sei lediglich am Gehalt interessiert und weniger an den Inhalten – wenig schmeichelhaft.
  • Mehr Zeit
    Ähnlich ungünstig der Hinweis, dass Sie mit einem anderen Job mehr Freizeit verbinden. Auch das hinterlässt eher den Eindruck, beim Kandidaten würde es sich eher um einen Low Performer handeln.
  • Mehr Lebensqualität
    Sehr ungünstig auch ein Wechselwunsch, weil Sie sich entspannteres Arbeiten wünschen. Natürlich ist ein Burnout aufgrund von Überarbeitung kontraproduktiv. Aber jeder Arbeitgeber wünscht sich einen hochmotivierten Mitarbeiter und keinen Bewerber, der im Subtext ausdrückt, dass ihm alles zu viel ist.
  • Mehr Spaß
    Jeder Job hat spannende und weniger interessante Anteile. Jedoch besteht der Selbstzweck von Arbeit nicht darin, dem Mitarbeiter Spaß zu machen. Wer seinen Wechselwunsch so begründet, weckt den Verdacht, dass er seine Aufgaben ziemlich unmotiviert wahrnimmt und beim geringsten Anlass nach etwas Neuem schaut.
  • Mehr Renommee
    Dass das Unternehmen toll ist, ist dem Personaler bekannt. Begründen Sie Ihren Wechselwunsch nur damit, dass die Marke so attraktiv ist, könnte man meinen, dass Sie vor allem auf Status und Image Wert legen, Ihnen aber die Tätigkeit als solches ziemlich egal ist.

Bei jedem Jobwechsel gilt: Absolutes No-go ist Lästern über ehemalige Vorgesetzte oder Arbeitgeber. Selbst wenn Sie nicht im Guten auseinandergegangen sind: Es fällt immer negativ auf Sie zurück, wenn Sie negativ über andere sprechen.


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Tipps für Neuorientierung während Corona

Die Neuorientierung während Corona läuft grundsätzlich nach ähnlichen Kriterien wie wenn Sie einen Wechselwunsch außerhalb einer Krise haben. Der entscheidende Unterschied ist, dass Sie sich zum einen gut mit dem anvisierten Unternehmen auseinandersetzen sollten: Wie krisenfest ist das Unternehmen, welche Bereiche könnten betroffen sein? Ist der Tourismussektor stark betroffen, ist die Sicherheit von Jobs in dieser Branche eher kritisch einzustufen. Zum anderen ist bei der Sichtung von Stellenanzeigen darauf zu achten, wie aktuell diese sind. Einige wurden lange vor der Pandemie aufgegeben und kurzfristig haben sich die Bedingungen im Unternehmen geändert. Nicht immer werden Unternehmensseiten aktualisiert. Diese Gedanken sollten Sie im Hinterkopf behalten. Um Ihren Wechselwunsch umzusetzen, empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

Klären Sie Ihre Beweggründe

Bevor Sie sich an irgendwelche Bewerbungsschreiben setzen, müssen Sie Ihre eigene Motivation klären: Woher kommt der Wechselwunsch? Gibt es einen konkreten Anlass, zieht sich die Jobunzufriedenheit schon länger hin? Wichtig auch: Es ist immer leicht zu sehen, was einen an der momentanen Stelle stört – versuchen Sie trotzdem positiv zu formulieren, was Sie sich von einem anderen Job erhoffen: Wie soll die neue Stelle beschaffen sein, was erwarten Sie vom Arbeitgeber? Was muss anders werden, welchen Mehrwert soll eine andere Stelle im Vergleich zur gegenwärtigen bieten? Diese Fragen helfen elementar bei der Auswahl geeigneter Stellen. Anderenfalls ist die Gefahr groß, dass Sie das gleiche in grün erhalten.

Aktualisieren Sie Ihre Unterlagen

Kein Mensch überarbeitet ständig seinen Lebenslauf. Solange alles rund läuft, ist das nicht weiter dramatisch. Im Falle eines konkreten Wechselwunschs kann sich allerdings einiges aufgetürmt haben. Tragen Sie also Daten nach und vervollständigen Sie gegebenenfalls Ihre Anlagen (neue Zertifikate?). Bedenken Sie, dass Bewerbungsfotos nicht älter als zwei Jahre sein sollten. Liegt die letzte Bewerbung bereits länger zurück, kann auch eine Überarbeitung notwendig sein – ein neues Layout lässt eine Bewerbung gleich viel interessanter erscheinen. Wichtig hierbei: Die Bewerbung muss später aus einem Guss sein, Anschreiben und Lebenslauf also demselben Konzept folgen und mit denselben Schriftarten und -größen arbeiten.

Lassen Sie sich Feedback geben

Dass vier Augen mehr sehen, wissen Sie. Das gilt nicht nur fürs Korrekturlesen. Ziehen Sie den Rat anderer heran, wenn es darum geht, Ihre Stärken und Schwächen einzuschätzen. Man selbst hat häufig einen blinden Fleck, wenn es um die Selbsteinschätzung geht. Wo sehen andere Menschen Sie? Was können Sie besonders gut, was weniger? Wichtig auch: Gibt es ernstzunehmende Alternativen? Falls nicht, wird der nächste Punkt besonders wichtig für Sie sein.

Bilden Sie sich weiter

Diese Stärken-Schwächen-Analyse kann ein Anhaltspunkt dafür sein, in welchen Bereichen Sie eventuell neues Wissen erwerben müssen. Wer aufgrund der Krise derzeit freigestellt oder bereits arbeitslos ist, sollte ohnehin die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Es gibt verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten, auch von zuhause aus. Sie signalisieren zukünftigen Arbeitgebern, dass Sie nicht untätig die Hände in den Schoß legen, sondern aktiv in sich und Ihre Zukunft investieren.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

Weiterführende Quellen und Ratgeber

Tipps zur Bewerbung
Bewerbungsvorlagen
11 Bewerbungsformen
ABC der Bewerbungstipps
Bewerbungsmappe
Bewerbungsfoto
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Tabellarischer Lebenslauf
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22. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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