Korrekturlesen: Verschicken Sie eine Bewerbung nie ohne

Das Korrekturlesen ist nicht nur für Studierende wichtig, etwa bei der Bachelorarbeit. Fehler und Ungenauigkeiten in Texten können zu Missverständnissen oder Sinnentstellungen führen. Viele Muttersprachler fühlen sich sicher in ihrer Sprache und widmen der Rechtschreibung keine besondere Aufmerksamkeit. Aber selbst Germanisten unterlaufen Fehler. Teils sind sie der Unkenntnis geschuldet, teils der Konzentration. Flüchtigkeitsfehler sind menschlich, und trotzdem sollte ihre Wirkung nicht unterschätzt werden. In der Geschäftskorrespondenz oder bei Bewerbungen wird von Leserseite häufig etwas genauer hingeschaut. Grund genug, sich beim Verfassen von Texten Mühe zu geben. Was Korrekturlesen bedeutet, was es nicht beinhaltet und wie Sie Ihre Texte Korrektur lesen können…

Korrekturlesen: Verschicken Sie eine Bewerbung nie ohne

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Was bedeutet Korrekturlesen?

Korrekturlesen bedeutet, dass ein Text oder Dokument sorgfältig im Hinblick auf Fehler gelesen wird. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf formalen Aspekten wie:

➠ Orthografie
➠ Grammatik
➠ Interpunktion
➠ Konsistenz bezüglich des Seitenlayouts und der Terminologie

Inhaltliche Aspekte wie der Kontext oder bestimmte Fakten spielen eine untergeordnete Rolle, da die sprachliche Form im Vordergrund steht. Gleichwohl wird – je nach Umfang des Korrekturlesens – darauf geachtet, dass auch die verwendete Terminologie durchgehend stimmig ist.


Korrekturlesen: Zusammen oder getrennt?

Beim Korrekturlesen (englisch = proofreading) steckt der Teufel im Detail: Wie schreibt man es richtig? Getrennt oder zusammen? Klein oder groß? Korrektur lesen oder Korrekturlesen? Das kommt ganz auf die Verwendung an. Meinen Sie das Korrekturlesen, dann handelt es sich um ein Substantiv, wird also groß und zusammengeschrieben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Formulierungen als Verbgefüge. Hier gilt ganz simpel, dass das Substantiv groß und das Verb wie gehabt klein geschrieben wird. Also:

Als Substantiv:
aufs/beim/das/durchs/fürs/ins/im/übers/unters/vom/zum Korrekturlesen.

Als Verbgefüge:
den Text Korrektur lesen lassen; der Korrektur zu lesende Text; um den Text Korrektur zu lesen; wenn Sie den Text Korrektur gelesen haben.


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Was ist der Unterschied zum Lektorat?

Die oben beschriebene Korrektur führt dazu, dass ein Text grammatikalisch und orthographisch absolut korrekt ist. Jedes Komma sitzt an vorgesehener Stelle, Tippfehler und Buchstabendreher sollten eliminiert sein. Und dennoch kann er Fehler enthalten. Ungenaue Formulierungen und sachliche Fehler fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich eines Korrektors. Korrekturleser können zwar auch Anmerkungen, Fragen oder Korrekturvorschläge bezüglich des Inhalts unterbreiten. Für dezidiert stilistische Aufgaben ist jedoch genau genommen das Lektorat zuständig. Neben syntaktischen und anderen formalen Aspekten geht es dem Lektor vor allem um Ausdruck und Verständlichkeit des Textes. Daneben guckt er auf inhaltlicher Ebene, wie Redundanzen vermieden werden können.

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Preise: Wie viel kostet Korrekturlesen?

Wer seine Bewerbung oder Hausarbeit Korrektur lesen lassen will, hat verschiedene Möglichkeiten. Sie können einen Freund oder Bekannten fragen und sich im Gegenzug revanchieren. Das ist die günstigste Möglichkeit, leider aber auch die riskanteste: Je nachdem, wie gut Sie miteinander befreundet sind, kann die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig lassen – bei Bewerbungsverfahren und wissenschaftlichen Arbeiten gibt es Deadlines, die unbedingt beachtet werden müssen. Auch wissen Sie nie mit Sicherheit, wie gut die sprachliche und orthographische Kompetenz ist. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie einen professionellen Dienstleister mit dem Korrekturlesen beauftragen. Diverse Dienstleister bieten Korrekturlesen online an, teilweise mit kostenlosen Testangeboten. Pauschale Angaben zu Preisen fürs Korrekturlesen sind schwierig, da sie von verschiedenen Faktoren abhängen:

➠ Textlänge (Zeichen- und Seitenzahl)
➠ Sprache (Übersetzung notwendig?)
➠ Termindruck (kurzes Zeitfenster)
➠ Niveau (einfach/komplex)
➠ Bandbreite (inklusive Lektorat)

Das Korrekturlesen einer Doktorarbeit ist teurer als einer Bewerbung, allein aufgrund des Umfangs, aber auch wegen des wissenschaftlichen Anspruchs. Das Überprüfen von Fußnoten und Zitaten (Plagiatsprüfung) ist ein Aspekt, der sich nachhaltig auf die Preise beim Korrekturlesen auswirken dürfte. Je nachdem, wie stark in den Text eingegriffen werden darf/soll, ist ein Lektorat notwendig. Es handelt sich beim Lektorat um einen freien Beruf, der gesetzlich nicht reglementiert ist. Es gibt somit keine Gebührenordnung, das heißt, der Dienstleister kann weitestgehend die Preise selbst festlegen.

Diese können pro Wort oder pro Normseite abgerechnet werden. Eine Normseite umfasst zwischen 1.500 und 1.600 Zeichen (also Buchstaben, Interpunktion, Zahlen und inklusive Leerzeichen). Einige Dienstleister bieten bereits ab 1,50 Euro pro Normseite Korrekturlesen und ab 2,00 Euro Korrekturlesen plus Lektorat an (jeweils netto). Andere nehmen für eine Normseite zwischen 5,60 Euro und 6,60 Euro netto. Hinzu kommt meist noch eine Bearbeitungsgebühr. In jedem Fall sollten Sie sicherstellen, dass Sie vorab einschätzen können, welche Preise auf Sie zukommen. Manche Seiten wie Scribbr.de oder Korrekturen.de bieten dafür einen Preiskalkulator an, bei dem Sie denn Umfang, die Dauer und das Niveau eingeben und einen ungefähren Preis ermessen können.

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Warum ist Korrekturlesen von Bedeutung?

Wann immer längere Texte angefertigt werden, ist Korrekturlesen wichtig. Eine wissenschaftliche Hausarbeit sollte Korrektur gelesen werden, aber erst recht eine Abschlussarbeit, etwa eine Masterarbeit oder Dissertation. Wer seine selbstverfassten Texte Korrektur liest, übersieht viele Fehler, beispielsweise aus Unkenntnis oder mangelnder Genauigkeit. Typische Fehler, wie sie weder in Bewerbungsschreiben noch akademischen Texten auftauchen sollten:

  • Groß- und Kleinschreibung bei Personalpronomen: Sie (Höflichkeitsform), sie (3. Person Singular/Plural)
  • Groß- und Kleinschreibung bei Substantivierungen: des Weiteren
  • Unterscheidung zwischen das (Relativpronomen) und dass (Konjunktion)
  • Unterscheidung von seit (zeitlich) und seid (2. Person Plural von sein)
  • Zusammenschreibung: zum Beispiel garnicht statt gar nicht
  • Getrenntschreibung: zum Beispiel dem gegenüber statt demgegenüber
  • Buchstabendreher
  • Tippfehler

Das Problem bei Fehlern: Sie können weitreichende Konsequenzen haben. Fehler in Schulklausuren, fehlerhafte Hausarbeiten und Abschlussarbeiten können unter Umständen eine ganze Note nach unten korrigiert werden. Besonders ärgerlich ist, wenn Sie sich damit Ihre Zukunftschancen verbauen. Etwa bei einem Unternehmen, weil Sie im Anschreiben bereits den Namen falsch geschrieben haben.

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Warum sehen wir Fehler nicht?

Es kann leicht passieren, dass Sie ein Wort vollständig vergessen, beispielsweise, wenn Sie eine Passage umgestellt haben. Selbst wenn Sie anschließend beispielsweise Ihr Anschreiben Korrektur lesen, übersehen Sie womöglich Fehler, selbst wenn Sie in Wirklichkeit wissen, wie es korrekt sein muss. Dass wir Fehler selbst beim Korrekturlesen übersehen, hat mehrere Gründe:

Betriebsblindheit

Sie selbst wissen, was Sie sagen wollen. Sie kennen Ihren Text in- und auswendig und so stellt sich eine gewisse Betriebsblindheit ein. Lücken werden quasi per „Autokorrektur“ in unserem Gehirn geschlossen, der Text nur grob überflogen, das Schriftbild scheint zu stimmen.

Gleichklang

Besonders knifflig sind gleich lautende Worte. So können sich Fehler bei Namen einschleichen, etwa bei Schmidt/Schmitt oder Meyer/Mayer/Meier. Das Gleiche gilt für Homonyme wie Ware/wahre, Leuten/läuten, seid/seit: Diese Worte klingen jeweils gleich, haben aber eine unterschiedliche Bedeutung. Hinzu kommt, dass die wenigsten lupenreines Hochdeutsch sprechen. Die Adjektive „günstig“ und „köstlich“ werden im Standarddeutschen beide am Ende auf -ich ausgesprochen. Dennoch wäre eine Schreibweise „günstich“ falsch – solche Fälle können vor allem für Nichtmuttersprachler eine Herausforderung darstellen.

Erwartungshaltung

Nicht zuletzt spielt unsere eigene Erwartungshaltung beim Korrekturlesen mit hinein, beispielsweise auch bei fremden Texten. Sie gewinnen beim Lesen einen Eindruck davon, worum es bei dem Text geht und richten sich innerlich darauf ein. Anhand der Häufigkeit bestimmter Begriffe erwarten Sie beispielsweise an bestimmten Stellen automatisch diese – soll aber in Wirklichkeit ein anderer dort stehen, wird es Ihnen nicht auffallen. Dieses Phänomen kann nicht nur dazu führen, dass inhaltliche Fehler übersehen werden. Auch Buchstabendreher werden so leicht überlesen.

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11 Tipps, Fehlerquellen selbst zu reduzieren

Es gibt einige Dinge, die Sie selbst tun können, um die Fehlerquellen von vornherein zu reduzieren:

Autokorrektur

Textverarbeitungsprogramme wie Word, Openoffice und andere haben eine Autokorrekturfunktion. Die ist nicht zu 100 Prozent korrekt, ersetzt also nicht das Korrekturlesen durch eine Person. Beispielsweise können Trennungen fehlerhaft erfolgen. Ein alter Witz ist die bekannte Pferderasse „Blumento-Pferde“ – auch als „Blumentopf-Erde“ bekannt. Die Korrekturfunktion des Programms weist immerhin recht zuverlässig auf Dinge wie eine fehlende Kongruenz und fehlerhafte Groß- und Kleinschreibung hin.

Nachschlagen

Wenn Sie sich bei einem Wort nicht sicher sind, schlagen Sie es in einem Wörterbuch nach. Den Duden gibt es auch online oder als Software zur Rechtschreibprüfung. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist die Seite Korrekturen.de, die häufig alte und neue Rechtschreibung gegenüberstellt und auf „beliebte“ Fehler verweist.

Vorlesen

Lesen Sie sich Ihre Bewerbung Punkt für Punkt, Abschnitt für Abschnitt laut und langsam vor. Mit diesem Trick fallen Ihnen beispielsweise vergessene oder gelöschte Wörter auf. Ist der Briefkopf vollständig? Stimmen die Daten überein mit der Stellenanzeige? Sind die Schrifttypen im Anschreiben und im Lebenslauf identisch?

Ruhe

Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind, wenn Sie Ihre Unterlagen durchgehen. Stellen Sie zur Not die Türklingel, das Telefon und das Handy aus, damit Sie sich auf das Korrekturlesen konzentrieren können. Dazu gehört ebenso, dass Sie sich für jeden Korrekturgang einen anderen Aspekt aussuchen, also zum Beispiel bedeutet das erste Mal Korrekturlesen, dass Sie nur auf formale Aspekte wie Schrifttyp, Absatz, Vollständigkeit der Unterlagen achten. Beim zweiten Korrekturlesen nehmen Sie mögliche Fehler bei Fachbegriffen unter die Lupe, dann die Interpunktion und so weiter.

Ausdruck

Es macht einen Unterschied, ob Sie Texte und Dokumente am Bildschirm lesen oder auf Papier ausdrucken. Der Abstand, die Lichtquelle – alles erhält eine andere Wirkung. Die Wahrscheinlichkeit, Fehler im Text zu erkennen, ist deutlich größer, wenn Sie Ihre Unterlagen ausdrucken. Zusätzlich können Fehler wie eine falsche Seitennummerierung oder schlechte Formatierung eher auffallen.

Bedeutung

Achten Sie nicht so sehr auf die Wortbedeutung. Das führt dazu, dass Sie beim Korrekturlesen eher das lesen, was Sie erwarten und nicht das, was tatsächlich in Ihrem Schriftstück steht.

Pause

Sie sollten eine Bewerbung nie unter Zeitdruck verfassen, da sich so besonders leicht Flüchtigkeitsfehler einschleichen können. Ein anderer Grund ist allerdings, dass Sie am besten einen zeitlichen Puffer einplanen: Lassen Sie sich beim Korrekturlesen Zeit, am besten, Sie lassen das Bewerbungsschreiben über Nacht liegen. Am nächsten Tag blickt man aus einer neuen Perspektive auf das Schriftstück und ausgeruht mit zeitlichem Abstand können Sie ganz leicht lächerliche Lapsus erkennen, die Ihnen in der Hektik am Tag zuvor entgangen wären.

Schwächen

Kennen Sie Ihre Lieblingsfehler? Wörter, die Sie immer falsch schreiben oder sich noch nie merken konnten? Die sollten Sie gesondert untersuchen und nachschlagen. Tipp: Fertigen Sie eine Liste mit solchen Klassikern an und arbeiten Sie diese peu à peu beim Korrekturlesen ab.

Umkehr

Lesen Sie Ihren Text rückwärts. So sind Sie gezwungen, jedes einzelne Wort durchzugehen. Das hat zur Folge, dass Ihr Gehirn nicht einfach fehlende Worte aus dem Kontext erschließt und automatisch ersetzt. Außerdem fallen bei der einzelnen Betrachtung Buchstabendreher leichter ins Auge. Der Nachteil ist, dass diese Methode sich nur für kurze Texte wie Bewerbungsunterlagen eignet. Bei einer Masterarbeit wäre diese Form des Korrekturlesens zu anstrengend.

Schriftbild

Verändern Sie das Schriftbild, indem Sie eine andere Schriftart wählen. So gewinnen Sie einen neuen Blick auf Ihr Dokument. Es entstehen neue Zeilenumbrüche, doppelte Wörter oder unsinnige Abschnitte fallen eher auf.

Vier-Augen-Prinzip

Selbst wenn Sie sich sicher sind, sämtliche Fehler entdeckt zu haben: Überlassen Sie das Korrekturlesen einem Dritten – zumindest für die Endkorrektur. Vier Augen sehen immer mehr als zwei, einer anderen Person fallen außerdem inhaltliche Ungereimtheiten eher auf.

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[Bildnachweis: Marcel Mooij by Shutterstock.com]
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2. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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