Passive Jobsuche: So werden Sie ganz einfach gefunden

Für die meisten sind Jobsuche und Bewerbung aktive Strategien: Arbeitgeber recherchieren, Stellenangebote finden, Anschreiben verfassen, Lebenslauf erstellen und vorhandene Dokumente aktualisieren, die Bewerbungsunterlagen einreichen – solange, bis der Job gefunden ist. Es gibt aber auch die „passive Jobsuche“ oder „passive Bewerbung“. Ziel der passiven Jobsuche ist, nicht selbst einen Job zu finden, sondern gefunden zu werden – von Recruitern, Personalern und Arbeitgebern. Die Bedeutung der passiven Bewerbung steigt seit Jahren. Wir zeigen Ihnen, wie sie funktioniert und wie Sie deren volles Potenzial nutzen…

Passive Jobsuche: So werden Sie ganz einfach gefunden

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Was ist eine passive Jobsuche?

Nicht finden, sondern gefunden werden – so lässt sich das Prinzip der passiven Jobsuche oder Bewerbung zusammenfassen. Im Kern geht es darum, die eigene Sichtbarkeit im Internet zu erhöhen und so die Aufmerksamkeit von Recruitern, Personalvermittlern oder Headhuntern zu gewinnen, die aktiv nach geeigneten Talenten und Kandidaten suchen (siehe: Active Sourcing).

Wesentliche Werkzeuge der passiven Jobsuche sind: klare Positionierung, aussagekräftige Inhalte („Content“) und Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO), um die Sichtbarkeit zu steigern. Dazu haben passive Jobsuchende mehrere Kanäle, die sie nutzen können: Online-Profile in Karrierenetzwerken wie Linkedin oder Xing, ein Bewerbungsblog, Lebenslaufdatenbanken, Alumni- und Offline-Netzwerke. Der Aufwand ist anfangs hoch, ja. Dafür begleiten einen die gepflegten Profile ein Berufsleben lang und können auch bei der späteren Karriere von Nutzen sein.

Die passive Bewerbung ist eine Ergänzung, kein Ersatz!

Egal, für welche Form(en) der passiven Jobsuche Sie sich entscheiden und welche Variante zu Ihnen persönlich am besten passt: Es sollte niemals der einzige Weg sein, den Sie nutzen um einen neuen Job zu finden. Die passive Bewerbung kann Ihre Bewerbungsphase ergänzen und neue Optionen bieten. Sie sollte die klassische, aktive Bewerbung aber nicht komplett ersetzen.

Erst in der Kombination entfalten aktive und passive Jobsuche die größtmöglichen Bewerbungschancen. Richtig eingesetzt, können beide Formen der Jobsuche sich sogar unterstützen und verstärken. Durch die passive Jobsuche machen Sie mögliche Wunscharbeitgeber auf sich aufmerksam, die sich nun eine (aktive) eMail-Bewerbung von Ihnen wünschen. Oder Sie weisen in Ihren Bewerbungsunterlagen auf Ihre Kanäle der passiven Jobsuche hin, liefern so Mehrwert und heben sich positiv von Mitbewerbern ab.

Am besten funktioniert die passive Bewerbung übrigens in Branchen mit Fachkräftemangel und eigener hoher Qualifikation oder mit Experten-Status.

Wann lohnt sich die passive Jobsuche?

  • Wenn Sie Ihren aktuellen Marktwert testen wollen.
  • Wenn Sie unzufrieden mit Ihrem jetzigen Job sind.
  • Wenn Ihnen der Arbeitgeber keine Perspektiven bietet.
  • Wenn Sie sich sowieso einen Experten-Status aufbauen wollen.
  • Wenn Sie einen beruflichen Aufstieg planen.
  • Wenn Sie am Karriereanfang stehen.
  • Wenn die klassische Bewerbung noch keinen Erfolg hatte.
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Tipps: Wie funktioniert die passive Jobsuche?

Wer gefunden werden will, muss etwas bieten, wonach die Zielgruppe sucht. In dem Fall Personaler. Die suchen immer häufiger im Netz nach Nachwuchskräften, Fachkräften und jungen Nachwuchstalenten und sprechen diese gezielt an. Plattformen wie Xing oder Linkedin verdienen einen großen Teil ihres Umsatzes damit und bieten dazu entsprechende Tools und Suchwerkzeuge an. Auch Jobbörsen wie Stepstone oder Metasuchmaschinen wie Indeed haben in Bewerberdatenbanken investiert, die Personaler aktiv durchsuchen können.

Im Zentrum steht dabei immer der Lebenslauf. Er bildet das Herzstück jeder Bewerbung, aber auch der Online-Profile bei der passiven Jobsuche. Um gefunden zu werden, sollten Sie sich vorab einige Stellenanzeigen Ihrer Zielbranche und Wunscharbeitgeber genau durchlesen:

  • Wonach wird aktuell gesucht?
  • Welche Schlüsselqualifikationen werden immer wieder genannt?
  • In welchen Bereichen wachsen die Unternehmen?
  • Wen könnten Sie dafür suchen und benötigen?

Daraus destillieren Sie schließlich Schlüsselbegriffe (sogenannte Keywords) und bauen diese verstärkt in Ihrer Vita und den Online-Profilen ein. Wortwörtlich! Also nicht nur Synonyme. Die Algorithmen werden – dank KI – zwar immer intelligenter. Ein exaktes Match mit dem Suchbegriff verspricht aber immer noch beste Jobchancen.

Positionierung als Fachexperte

Die Lebenslauf-Optimierung ist allerdings nur der erste Schritt. Auch online ist der idealerweise übersichtlich, aussagekräftig und lückenlos. Überzeugender (und sichtbarer) werden Ihre Profile aber, wenn Sie diese durch beeindruckende Inhalte anreichern:

  1. Posten Sie Fachbeiträge und schreiben Sie kleine Artikel oder Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in der Branche.
  2. Kommentieren Sie die Posts von anderen – immer positiv und konstruktiv! Auch der Kommentarstil wird bewertet.
  3. Beteiligen Sie sich in Gruppen, Foren, Diskussionen. Unterstützen Sie andere mit Ihrem Know-how. Wer anderen hilft, dem wird auch geholfen.
  4. Drehen Sie kleine Videos oder führen Sie Interviews mit Experten, Influencern oder Branchenkollegen.
  5. Teilen und kuratieren Sie den Content von anderen. Heißt: Sie müssen nicht alles selber schreiben. Auch die Auswahl und Verlinkung besonders bemerkenswerter oder lesenwerter Artikel zeugt von Expertise.
  6. Gehen Sie aktiv auf etablierte Experten zu, vernetzen Sie sich. Auch wen Sie kennen und wer Ihre Posts kommentiert, werten Ihren Status auf.
  7. Posten Sie regelmäßig. Es braucht eine Zeit, bis die Reichweite groß genug ist um Aufmerksamkeit zu erregen und von Personalern gefunden zu werden.

Keine Frage: Das macht Arbeit und erfordert vor allem anfangs viel Disziplin. Es lohnt aber vor allem langfristig. Mit der Zeit werden Sie zur Personenmarke (siehe: Personal Branding). Wer eine entsprechende Fachkraft sucht, kommt nicht mehr an Ihnen vorbei. Das war das Ziel!

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Die Vor- und Nachteile der passiven Jobsuche

Noch ist die passive Jobsuche ein stark unterschätztes Instrument der Kandidatensuche. Nur wenige Bewerber nutzen die Bewerbungsstrategie. Das bietet Ihnen zugleich eine große Chance, sich von anderen Jobsuchenden abzuheben.

Gleichzeitig hat die Jobsuche-Strategie sowohl Vor- als auch Nachteile. Beide sollten Sie kennen und die Risiken abwägen, um von der passiven Jobsuche maximal zu profitieren.

Die Vorteile der passiven Jobsuche

  • Mehr Arbeitgeber erreichen

    Bei aktiven Jobsuche richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf einen bestimmten Bereich. Sie fallen dabei zwangsläufig auch anderen Arbeitgebern auf, an die Sie vielleicht gar nicht gedacht haben. Das vergrößert nicht nur den Suchradar, sondern auch die Job- und Karrierechancen.

  • Jobs auf dem verdeckten Arbeitsmarkt

    Der sogenannte verdeckte Stellenmarkt ist gut doppelt so groß wie der offizielle. An diese Jobs gelangen Sie nur mittels Vitamin B. Die Stellen werden allein durch Netzwerke und Beziehungen besetzt. Durch die passive Bewerbung erhalten und aktivieren Sie hierfür wertvolle Fürsprecher.

  • Sinkender Aufwand

    Jobsuche und Bewerbungsphasen sind lang und vor allem anstrengend. Es kann enorm zeitintensiv sein, für viele Stellen die perfekten Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis wird bei der passiven Jobsuche mit der Zeit immer besser für Sie. Anfangs müssen Sie das Profil aufbauen, danach nur noch pflegen. Jeder neue Post zahlt zusätzlich auf Ihre Marke ein.

Die Nachteile der passiven Jobsuche

  • Nicht 100% passiv

    Der Begriff „passive“ Jobsuche klingt natürlich verlockend. Nach Abwarten und entspannt zurücklehnen, bis einem der Traumjob angeboten wird. Ganz so ist es natürlich nicht. Profilpflege macht auch Arbeit und auch sonst sollten Sie am Ball bleiben und aktiv nach Stellen suchen.

  • Geduld erforderlich

    In die passive Jobsuche fließt Arbeit, Zeit und natürlich Hoffnung. Bleibt der schnelle Erfolg aus, sind viele frustriert und schmeißen hin. Die passive Bewerbung ähnelt jedoch mehr einem Marathon als einem Sprint. Sie brauchen Geduld. Umso wichtiger ist, dass Sie frühzeitig beginnen. Wie beim Netzwerken: Starten, wenn man es nicht braucht, um davon zu profitieren, wenn man es braucht.

  • Streuverluste einkalkulieren

    Bei der aktiven Bewerbung fokussieren Sie Ihre Unterlagen auf den Arbeitgeber und schaffen einen klaren Bezug zum Unternehmen. Das geht bei der passiven Jobsuche nicht. Ihr Profil muss allgemeiner bleiben. Das führt aber dazu, dass Sie Angebote erhalten, die Sie als unpassend oder unwürdig empfinden. Womöglich müssen jetzt Sie ein paar Absagen schreiben. Das macht wieder Arbeit – gehört aber zum Profi-sein dazu.

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[Bildnachweis: Dilen by Shutterstock.com]

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