Headhunter: Was macht ein Headhunter?

Wenn ein Headhunter anruft, haben Sie viel richtig gemacht. Sie sind auf dem Radar aufgetaucht, haben einen guten Ruf, gelten als Experte und wertvoller Mitarbeiter. Vielleicht sind Sie schon mitten in einem Bewerbungsprozess, ohne es überhaupt zu wissen. Das schmeichelt dem Ego und gibt ein gutes Gefühl. Aber was genau macht ein Headhunter überhaupt? Und wie sollten Sie reagieren, wenn sich am Telefon ein Headhunter bei Ihnen meldet? Hier erfahren Sie, wie ein Headhunter arbeitet, wie Sie Personalberater auf sich aufmerksam machen können und worauf Sie im Gespräch mit einem Headhunter achten müssen…

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Headhunter: Was macht ein Headhunter?

Definition und Aufgaben: Was ist ein Headhunter?

Der Begriff „Headhunter“ stammt ursprünglich aus dem Englischen. Die Übersetzung „Kopfjäger“ führt aber latent in die Irre. Laut Definition sucht ein Headhunter (auch Personalberater genannt) im Auftrag eines Unternehmens nach hochqualifizierten Fach- und Führungskräften.

Headhunter ersetzen damit das unternehmenseigene Recruiting für diese Position. Viele Personalberater spezialisieren sich dabeiauf eher gut bezahlte Führungskräfte und Spezialisten.

Doch sind Headhunter in allen Ebenen der Unternehmenshierarchie aktiv. Sie müssen nicht zum Top-Management zählen und auch keine Führungskraft sein, damit ein Headhunter auf Sie aufmerksam wird – und Sie selbst können durch den Kontakt mit einem Headhunter oder eine direkte Bewerbung in die nähere Auswahl rutschen.

Zu den Aufgaben eines Headhunters können – je nach Auftragsumfang – verschiedene Bereiche und Dienstleistungen zählen:

  • Personalsuche

    Personalsuche im Auftrag von Unternehmen ist das Kerngeschäft vieler Headhunter. Sie halten Ausschau nach Top-Talents, Fach- und Führungskräften und vermitteln diese in freie Positionen bei einem Unternehmen. Dabei arbeiten sie mit einem klaren Profil und suchen nach geeigneten Kandidaten, die den Anforderungen und Erwartungen entsprechen. Dabei wird das eigene Netzwerk genutzt, aber auch Bewerbungen, professionelle Social Media und andere Kanäle gesichtet.

  • Direct Search

    Eine besondere Form der Personalsuche ist die sogenannte Direct Search (auch Direktsuche, Direktansprache oder Executive Search genannt). Dabei gehen Headhunter direkt auf Angestellte eines Unternehmens zu und werben diese zum Teil aktiv ab.

  • Beurteilung und Auswahl

    Qualifizierte Headhunter können dabei helfen, Kriterien für die Beurteilung von Kandidaten zu erstellen und unterstützen im Auswahlprozess. Sie begleiten Unternehmen bei Eignungstests und weiteren Methoden der Personalauswahl.

  • Kontrolle und Information

    Eine Aufgabe von Headhuntern kann die Überprüfung vorhandener Daten sein. Dabei werden beispielsweise Referenzen überprüft oder Zeugnisse auf Korrektheit und Vollständigkeit getestet.

  • Beratung und Coaching

    Headhunter können beratend tätig sein und beispielsweise Hilfe und Informationen rund um den Arbeitsvertrag oder die Bezahlung liefern. Für Unternehmen übernehmen Headhunter teilweise auch Beratungsdienstleistungen in der Personalentwicklung.

Typische Einsatzgebiete für Headhunter sind Personalberatungen und Agenturen zur Personalvermittlung. Sie werden aber auch in Zeitarbeitsfirmen oder Unternehmensberatungen eingesetzt. Und natürlich können sich Headhunter auch selbstständig machen.

Die Berufsbezeichnung Headhunter ist allerdings nicht geschützt. Daher kann sich theoretisch jeder Personalvermittler so nennen, was leider auch einige schwarze Schafe in der Branche ausnutzen.

Headhunter Definition Ablauf Geschaeftsmodell Phasen Jobs

PS: Wenn Sie sich über das Berufsprofil des Personalberaters informieren wollen, finden Sie in unserer Jobbörse ein ausführliches Jobprofil – Karriere- und Gehaltsaussichten inklusive.

Kosten und Gehalt: Wie teuer ist die Arbeit eines Headhunters?

Headhunter sind zum Teil sehr gut bezahlt. Wie hoch genau die Kosten und das Gehalt für einen Headhunter sind, lässt sich aber nicht allgemein sagen. Die Vergütung eines Headhunters ist in der Regel abhängig vom Auftrag und orientiert sich am Jahresgehalt des zu vermittelnden Mitarbeiters. Das bedeutet im Umkehrschluss: Je höher die Position, desto höher der Verdienst für einen Headhunter. Dies erklärt auch, warum Personalberater gerne in höheren Ebenen tätig sind.

Auch die Schwierigkeit bei der Suche nach einem geeigneten Mitarbeiter kann bei den Kosten für einen Headhunter eine Rolle spielen. Wird ein sehr spezifisches Profil gesucht, ist es für den Headhunter eine größere Herausforderung, den passenden Kandidaten zu finden. Das spiegelt sich in der Vergütung wieder.

Im Durchschnitt liegt das Honorar für Headhunter zwischen 25 und 30 Prozent des angestrebten Jahresgehalts der freien Position. Für besonders hohe Positionen und in der oben angesprochenen Direct Search sind auch höhere Prozentsätze möglich.

Zudem ist das Vergütungsmodell für einen Headhunter oftmals an den Erfolg der Vermittlung gekoppelt. So wird beispielsweise ein Teil des Gehalts bei Vergabe des Auftrags gezahlt, der restliche Teil, wenn ein Kandidat gefunden und eingestellt wurde.

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Kontakt zum Headhunter: Werden Sie selbst aktiv

Das klassische Szenario, an das viele beim Thema Headhunter denken: Der Headhunter meldet sich – meist telefonisch – und bietet Informationen zu einem anderen Job. Das kann durchaus passieren, doch können Sie auch selbst die Initiative ergreifen.

Stellen Sie den Kontakt telefonisch oder per Mail her, vereinbaren Sie ein Treffen oder reichen Sie Ihre Unterlagen ein. Damit haben Sie die große Chance, ins Netzwerk eines Headhunters aufgenommen zu werden. Bei der nächsten freien Stelle ist vielleicht genau Ihr Profil gefragt. Und schon stehen Sie oben auf der Liste.

Nachteile hat Ihre Eigeninitiative hingegen nicht. Im schlimmsten Fall hat der Headhunter keine passende Stelle und kommt nicht auf Sie zurück. Verloren haben Sie dadurch nichts und wenn Sie einen neuen Job suchen, können Sie sich auf die anderen Kanäle der Bewerbung konzentrieren.

Schaden kann Ihnen die Kontaktaufnahme mit einem Headhunter somit nie. Je größer Ihre Expertise und Fachwissen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Headhunter sich bei Ihnen meldet.

Allerdings gibt es einige Regeln, die Sie beachten sollten, wenn Sie Headhunter finden und kontaktieren wollen:

  • Übertreiben Sie es nicht

    Sie sollten nicht jeden Headhunter anschreiben und Ihre Unterlagen als Massenmails verschicken. Das ist eher peinlich, unprofessionell und deklassiert Sie selbst zum Bittsteller. Sie wollen aber Ihre Position als Experte festigen.

  • Machen Sie auch anders auf sich aufmerksam

    Wer noch am Anfang seiner Karriere steht, sollte sich in (Online-)Netzwerken engagieren oder hochkarätige Veranstaltungen besuchen, zu denen auch verschiedene Personalberatungen und damit auch Headhunter erscheinen. Hier können Sie eher zufällig ins Gespräch kommen und sich schon einmal kennenlernen. Das erleichtert den Kontakt ungemein.

  • Fassen Sie nach

    Im Anschluss an solche Veranstaltungen können Sie einen persönlichen Brief (ohne Lebenslauf) schicken, sich für das nette Gespräch bedanken und wünschen, dass man doch in Kontakt bleiben möge.

In hohen Positionen ist dieses Vorgehen hingegen nicht geeignet. Manager sollten auf diese Art der Kaltakquise und Anbiederei verzichten.

Ihnen hilft daher nur über Bande zu spielen: Wer auf sich aufmerksam machen will und Kontakt zu einem Headhunter sucht, muss das über die Empfehlung eines Dritten tun. Das ist ohnehin der eleganteste Weg.

Pflegen Sie also nicht nur Kontakte zu Headhuntern oder direkt zur Personalberatung, sondern knüpfen Sie auch rechtzeitig Beziehungen zu Leuten, die ihrerseits mit Personalberatern dicke sind.

Bevor Sie irgendjemand anruft, wird der Headhunter ohnehin zwei Vorarbeiten leisten:

  • Er wird Ihr Profil (online) recherchieren
  • Und er wird sich fragen, wie gut die Referenz ist, die Sie empfohlen hat.

Ihre Reputation wirkt also umso stärker, je mehr hochkarätige Fürsprecher Sie gewinnen.

Headhunter finden: Namhafte Personalberatungen im Überblick

HeadhunterSucheBranchen
Amrop Germany1. bis 3. FührungsebeneAuto, Dienstleistungen, E-Business, Familienunternehmen, Finanzen, Gesundheit, Handel, Industrie, Internet, IT, Konsumgüter, Logistik, Medien, Öffentlicher Sektor, Pharma, Telekom, Tourismus
Boyden 1. bis 3. FührungsebeneAuto, Banking, Finanzen, Gesundheit, Handel, Industrie, IT, Konsumgüter, Logistik, Medien, Öffentlicher Sektor
Egon ZehnderObere FührungskräfteFinanzen, Gesundheit, Industrie, IT, Konsumgüter, Telekom, Pharma
Heads!1. bis 3. Führungsebene Auto, Dienstleistungen, Finanzen, Handel, Konsumgüter, Medien, Technologie
Heidrick & Struggles1. und 2. FührungsebeneAlle Branchen
KienbaumFach- und FührungskräfteAuto, Chemie, Energie, Finanzen, Gesundheit, Immobilien, IT, Maschinenbau, Öffentlichen Sektor, Pharma, Telekom
Korn/FerryObere FührungsebeneAlle Branchen
Odgers BerndtsonFach- und Führungskräfte, SpezialistenAuto, Dienstleistungen, E-Commerce, Energie, Finanzen, Gesundheit, Handel, Industrie, IT, Konsumgüter, Öffenentlicher Sektor, Pharma, Telekom
Rochus MummertObere FührungskräfteGesundheit
Russell ReynoldsObere FührungskräfteFinanzen, Gesundheit, Industrie, IT, Konsumgüter
Signium1. und 2. Führungsebene, SpezialistenE-Business, Familienunternehmen, Internet, IT, Konsumgüter, Logistik, Maschinenbau, Medien, Medizintechnik, Pharma, Telekom
SpencerStuartFach- und Führungskräfte Bildung, Dienstleistungen, Finanzen, Gesundheit, Industrie, IT, Konsumgüter, Medien, Private Equity, Telekom

Anruf vom Headhunter: Richtig reagieren

Was aber tun, wenn der Headhunter anruft?

Zunächst einmal ist wichtig, dass Sie tatsächlich frei reden können. Bleiben Sie unbedingt immer neutral – und wenn zu viele Kollegen potenziell zuhören könnten, sagen Sie, dass es gerade nicht passt, Sie noch einiges zu tun haben und gerne später zurückrufen.

Dann lassen Sie sich die Nummer dafür von dem Headhunter geben. So können Sie auch über eine Rückwärtssuche herausfinden, mit wem Sie es eigentlich zu tun haben. Die beste Tarnung besteht darin, so zu reagieren wie immer. Es könnte ja schließlich auch ein Kunde oder Dienstleister sein, den Sie so charmant auf einen anderen Termin vertrösten.

Warum das nötig ist? Weil Sie den Kollegen und vor allem dem Chef nicht unbedingt von Anfang an auf die Nase binden sollten, dass Kontakt zu einer Personalberatung besteht. Sonst werden Sie möglicherweise für illoyal gehalten – ein Makel, der bestehen bleibt, selbst wenn aus dem Wechsel des Jobs nichts wird.

Im sogenannten Erstgespräch mit dem Personalberater hören Sie sich dann bitte erst einmal an, was der Headhunter anzubieten hat.

Auch wenn Sie partout kein Interesse haben, den Job zu wechseln, sollten Sie sich ein Bild vom Angebot machen. Es sagt schließlich auch etwas darüber aus, wie Sie am Markt wahrgenommen werden – und womöglich geht das in eine andere Richtung als Sie das gerne hätten.

So ein Headhunter Anruf ist daher immer eine Art Marktwert-Check. Deshalb lauten die wichtigsten Regeln für den Erstkontakt mit einem Personalberater:

  • Cool bleiben

    Nur nicht nervös werden und auch nicht prahlen. Wie gesagt: Wenn der Headhunter anruft, ist das zunächst ein Kompliment. Er ist interessiert und hält Sie für potenziell geeignet. Potenziell – es ist also noch Vieles offen.

  • Zurückhaltend agieren

    Egal, wie sehr Sie sich durch den Anruf geschmeichelt fühlen – kommunizieren Sie vorsichtig. Lassen Sie weder einen zu starken Wechselwunsch erkennen (wirkt verzweifelt), noch sollten Sie gleich nach dem Gehalt fragen (wirkt gierig). Ebenso wenig sollten Sie schlecht über Ihren aktuellen Arbeitgeber sprechen (tödlich!).

    Bekunden Sie lieber grundsätzliches Interesse an neuen Herausforderungen und verabreden Sie sich nach dem Telefonat zu einem ersten physischen Treffen mit dem Personalberater oder gar Executive Search Berater, wie die Spezialisten im Fachjargon heißen, die nur nach (Top-)Führungskräften suchen.

  • Rückfragen stellen

    Auch wenn Sie angerufen wurden – bleiben Sie bitte nie passiv. Jetzt schon nach dem suchenden Unternehmen zu fragen, ist zwar aussichtslos. Ein seriöser Personalberater wird diese Frage zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantworten, das kommt erst später.

    Allerdings dürfen und sollten Sie immer nach seinem vollen Namen fragen, seinen Kontaktdaten (notieren!), nach der Personalberatung für die er arbeitet, seiner Expertise in der Branche – und anschließend Ihrerseits diese Referenzen prüfen. Schließlich sollten Sie Ihre Karriere nicht in die Hände von irgendjemandem legen.

    Was Sie darüber hinaus nachfragen können: Um welche Art Job handelt es sich? Wichtige Eckdaten: Branche, Unternehmensgröße, Region, Position, Ansiedlung in der Hierarchie.

  • Diskret bleiben

    Versuchen Sie zwischen den Zeilen zu lesen und sich möglichst schnell zu entscheiden, ob Sie interessiert sind. Wenn der Job so gar nicht zu Ihnen passt, sagen Sie das ruhig. Aber nicht beleidigt, weil das Angebot unter Ihrem Niveau sei, sondern mit der Begründung, dass Sie nach einer anderen Herausforderung suchen.

    Sollte Sie der Headhunter nach Ihrem Lebenslauf fragen, versenden Sie diesen bitte nie allzu leichtfertig. Es gibt leider einige schwarze Schafe in der Branche, die damit regelrecht Handel betreiben. Und Sie möchten nicht, dass Ihre Vita in diversen Personalabteilungen kursiert – schlimmstenfalls im eigenen Unternehmen.

    Deshalb: Den Lebenslauf bringen Sie erst nach dem zweiten Telefonat beziehungsweise zum persönlichen Gespräch mit. Die wichtigsten Daten Ihres CV’s kann man ja (hoffentlich) auch schon im Netz recherchieren.

  • Viel lächeln

    Wenn Sie ein Headhunter anruft, um Ihnen ein Jobangebot zu machen, dann lächeln Sie – auch am Telefon. Das kann man durchaus hören und Sie wirken so sofort aufgeschlossener und sympathischer.

    Ebenso können Sie beim Telefonat aufstehen und im Raum umher gehen. Klingt komisch, funktioniert aber: Sie klingen dadurch sofort dynamischer und entschlossener. Wer sitzen bleibt und sich in den Stuhl fläzt, wirkt dagegen immer behäbig am Telefon.

Checkliste: Woran Sie unseriöse Headhunter erkennen

Checkliste: unseriöse Headhunter erkennenWie oben schon erwähnt, ist die Berufsbezeichnung „Headhunter“ ebenso wie „Personalberater“ nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen – unabhängig davon, ob er oder sie dafür auch qualifiziert ist.

Entsprechend undurchsichtig ist der Markt. Und entsprechend viele halbseidene Beratergestalten finden sich inzwischen auch darunter. Wer von einem solchen Kopfjäger kontaktiert wird, sollte – entgegen aller Höflichkeit – nach dem Motto handeln: Bei Anruf – sofort auflegen! Alles andere wäre Karriere-Harakiri.

Aber woran erkennt man die schwarzen Schafe der Branche?

Sagen wir so: Es gibt da ein paar Indizien

  • Geheimniskrämerei

    Wie war doch gleich Ihr Name? Wo finde ich Sie im Internet? Achso, können Sie nicht verraten… Verständlich, wenn Headhunter beim Erstkontakt Ihren Auftraggeber nicht gleich nennen wollen, aber einem Seriositäts-Check müssen Sie sich unterziehen lassen. Der Anruf könnte schließlich auch vom eigenen Arbeitgeber arrangiert sein, um die Loyalität des Mitarbeiters zu prüfen. Für welche Personalberatung arbeiten Sie? Sagen Sie nicht? Wenn der Headhunter so reagiert, ist garantiert etwas faul.

  • Überfallanruf

    Kaltakquise ist für Headhunter eigentlich unzulässig. Trotzdem kommt sie regelmäßig vor. Ruft der Kopfjäger auf der Arbeit an, darf der Anruf deshalb nur kurz sein. Headhunter dürfen jetzt maximal testen, ob der Kandidat gesprächsbereit ist, können ihm kurz die offerierte Stelle schildern und nach der Privatnummer fragen. Mehr nicht. Wer überfallartig mehr wissen will und Sie regelrecht aushorcht, stört nicht nur, sondern beherrscht ganz offenbar nicht mal das kleine Einmaleins seines Jobs. Finger weg!

  • Ahnungslosigkeit

    Was noch mehr nervt, als Überfallinterviews, sind Fragen zum Lebenslauf, die bereits überall öffentlich im Netz zu finden sind. Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin machen es heute jedem Headhunter leicht, seine Hausaufgaben zu machen: Ausbildung, Interessen, bisherige berufliche Stationen und Erfolge – wenn Sie das alles publik gemacht haben, muss keiner mehr danach fragen. Tut er oder sie es doch, spricht das nicht gerade für einen versierten Profi oder ein seriöses Angebot.

  • Beschönigung

    Irgendwann muss die Katze aus dem Sack: Um welchen Arbeitgeber geht es? Um was geht es bei diesem Job wirklich? Wer ist der neue Chef? Headhunter müssen ihre Kandidaten letztlich abwerben, der nächste Job muss also besser sein als der jetzige. Wer jetzt falsche Versprechungen macht, die wirtschaftliche Schieflage des suchenden Unternehmens verschweigt oder den problematischen Charakter des Chefs in spe, handelt wie ein Gebrauchtwagenhändler, der einem ein Montagsauto andreht. Kommt das erst nach Jobantritt heraus, sind beide Seiten angeschmiert. So arbeitet kein seriöser Personalberater.

  • Minderwertigkeit

    Wo sich Beschönigen noch als falsch verstandenes Engagement für den Auftraggeber entschuldigen ließe, wird der Anruf vollends zum Affront, wenn der angebotene Job tatsächlich gar keinen Karriereschritt darstellt, sondern das Gegenteil. Entweder der Headhunter hat seine Hausaufgaben nicht gemacht (siehe Punkt 3) oder er sagt damit indirekt, was er wirklich von dem Angerufenen hält. Schlimmstenfalls trifft beides zu.

  • Manipulation

    Die Berufsbezeichnung Personalberater trifft es schon ganz gut: Es geht darum, (Top-)Personal zu beraten – aber nicht zu belehren oder zu beeinflussen. Ganz schlecht: Den Kandidaten nicht danach fragen, wo der hin will und was seine Berufsziele sind, sondern ihm ein Ziel einreden. Natürlich das, was zufälligerweise auf den offerierten Job passt.

  • Erklärungsnotstand

    Nicht jeder Kandidat kommt am Ende zum Zuge. Das ist okay, es handelt sich nun mal um einen Auswahlprozess. Seriöse Headhunter aber sehen in ihren Kandidaten dauerhafte Partner, deren Karriere sie auch künftig noch voranbringen können. Daraus ergibt sich allerdings auch eine gewisse Erklärungspflicht, warum es mit dem Job nicht geklappt hat. Sich einfach nicht mehr zu melden, offenbart dagegen eine anderes Geschäftsmodell: modernen Menschenhandel.

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Headhunter: Fragen und Rückfragen fürs Gespräch

Falls Sie von einem Headhunter angerufen beziehungsweise kontaktiert werden, sind natürlich Fragen zu Ihrem Alter, Ihrer Herkunft oder Religion unzulässig. Das sind illegale Fragen – hier wie bei jedem anderen Vorstellungsgespräch. Einen Personalberater, der Sie danach fragt, dürfen Sie sofort abwürgen – unprofessionell! Kommt aber auch – zugegebenermaßen – selten vor.

Wenn das Gespräch länger dauert und Sie grundsätzliches Interesse signalisieren, sollten Sie dagegen im Zweitkontakt oder bei ersten persönlichen Treffen mit folgenden Fragen rechnen, die Ihre Motivation, Ihre Ziele und Selbstreflexion abklopfen.

Diese zehn Fragen sind typisch bei einem Headhunter-Gespräch:

  • Was war Ihr bisher größter Erfolg und wie haben Sie diesen erreicht?
  • Was war Ihre größter Herausforderung und wie haben Sie diese bewältigt?
  • Was bedauern Sie am meisten? Warum?
  • Was treibt Sie an?
  • Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
  • Welche Ziele verfolgen Sie in Ihrer Karriere?
  • Was mögen Sie an Ihrer derzeitigen Position am wenigsten?
  • Warum sind Sie bereit, Ihre aktuelle Position zu verlassen?
  • Wären Sie bereit, umzuziehen?

Die Antworten auf diese Fragen sollten zwar nicht wie aus der Pistole geschossen kommen – das sieht am Ende noch so aus, als hätten Sie darauf gewartet. Aber zu zögerlich sollten sie auch nicht kommen. Schließlich sind das Fragen, die man sich auch selbst immer wieder mal stellen sollte. Sie helfen bei der beruflichen Orientierung ebenso wie bei der Korrektur, falls man vom seinem Karriereweg abgekommen ist.

Rückfragen an den Headhunter: Diese bitte stellen

Natürlich gibt es auch Fragen, die SIE dem Headhunter stellen sollten – nicht zuletzt um zu dokumentieren, dass Sie Profi sind und nicht auf der Suche nach einem x-beliebigen Job.

Aus der folgenden Liste müssen Sie natürlich nicht alle Rückfragen stellen und einzeln abhaken, die jeweiligen Themengebiete sollten Sie aber schon ansprechen und sich dafür interessieren:

Position und Unternehmen
  • Aus welcher Branche stammt das Zielunternehmen, Größe, Umsatz?
  • Wie ist dessen aktuelle wirtschaftliche Situation?
  • Gibt es akute und laufende Change-Prozesse, von der auch diese Position betroffen ist?
  • Wo ist die Position angesiedelt, wer berichtet mir, an wen muss berichtet werden?
  • Wird die Stelle neu geschaffen oder gibt es einen Vorgänger?
  • Warum ist der ausgeschieden?
  • In welchem Rahmen bewegt sich das Gehalt?
Anforderungen
  • Wie sieht die Einarbeitungsphase aus?
  • Wie schnell und welche Ergebnisse werden erwartet?
  • Welche Herausforderungen sind zu erwarten?
Auswahlprozess
  • Wie geht es nach dem Gespräch weiter?
  • Wie viele Interviews werden noch geführt und mit wem?
  • In welchem zeitlichen Rahmen wird es zu einer Entscheidung kommen?

Weiterführende Dossiers für Headhunter-Gespräche

Gute Gründe für einen Jobwechsel mit Headhunter

Gute Motive, seinen aktuellen Job zu wechseln, sind aus Personalberatersicht zum Beispiel eine erfolgreiche Beförderung oder ein ähnlicher Meilenstein. Also etwas, das zeigt, dass man aus einer Position der Stärke und des bisherigen Gelingens heraus wechselt.

Bewerben nach einer Beförderung? Das klingt zunächst einmal kontraintuitiv. Aber wenn man befördert wurde, kommt erst einmal nichts mehr. Oft ist die Beförderung ohnehin nur das nachgereichte Label dafür, dass man etwas schon beherrscht. Also ist es völlig legitim, anschließend zu versuchen, sich von diesem Level aus (anderswo) weiterzuentwickeln. Dann sind auch die Verhandlungschancen am besten.

Ein weiterer guter Grund für den Jobwechsel: eine echte Perspektive im neuen Job, die man so vorher nicht hatte. Hier sollten Sie allerdings aufpassen mit Worthülsen. Headhunter versprechen so etwas praktisch immer. Umso wichtiger ist, dass sie die neue Rolle schon konkreter umreißen können.

Vorsicht ist jedoch immer bei einem Wechsel des Jobs aus Frust oder unter Druck geboten. Das wirkt schnell wie eine Flucht. Deshalb ist hier eine besonders umfangreiche Recherche erforderlich, ob der neue Job wirklich alles ausräumt, was bisher so stört. Sonst kommen Sie nach dem Wechsel über kurz oder lang vom Regen in die Traufe. Dann bringt auch eine Personalberatung wenig.

[Bildnachweis: Boguslaw Mazur by Shutterstock.com]

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22. Mai 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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