Großes Ego? So nehmen Sie die Luft aus der Pumpe

Die Arbeit mit den Kollegen im Büro kann eine Freude sein, aber leider auch zu einer anstrengenden Tortur werden. Ein leider häufiger Grund: Das zu große Ego eines Kollegen, das schon lange nichts mehr mit einem starken Selbstbewusstsein zu tun hat. Er spielt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Vordergrund, sieht sich in jeder Konkurrenz als überlegen und bringt mit seinem Alphamännchen – oder auch ihrem Alphaweibchen – Verhalten die Gemüter zum kochen. Doch wie geht man am besten mit einem solch aufgeblasenen Ego um? Wir zeigen, welche Gründe hinter einem großen Ego stehen und wie Sie die Luft aus der Pumpe nehmen…

Großes Ego? So nehmen Sie die Luft aus der Pumpe

Wie zeigt sich ein großes Ego?

Großes Ego Definition Psychologie Stolz ArroganzFreundlich ausgedrückt könnte ein großes Ego noch als großes Selbstwertgefühl beschrieben werden. Tatsächlich haben viele Menschen mit Ego-Problemen ein gesundes Maß längst überschritten. Sie leben in einer Wahnvorstellung, in der sie sich selbst zum König erklärt haben, der von allen angehimmelt werden sollte. Sie selbst sind dabei keine Ausnahme. Wer ein großes Ego hat, ist voll des Eigenlobs, kann stundenlang ohne Punkt und Komma von sich selbst sprechen und findet immer einen Weg, sich selbst ins rechte Licht zu rücken.

Weniger freundlich, dafür mit mehr Ehrlichkeit lässt sich ein großes Ego besser beschreiben: Drastische Selbstüberschätzung gepaart mit einem nicht weniger übersteigerten Wunsch nach Aufmerksamkeit. Dafür wird gerne und schamlos übertrieben, eigene Leistungen werden als weltbewegende Ereignisse präsentiert, von denen wirklich jeder gehört haben sollte.

Ganz besonders wird natürlich versucht, das eigene Ego vor dem Chef noch ein bisschen aufzupolieren. Von dieser Seite verspricht sich der Egomane schließlich nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch weitere Vorteile, wenn Entscheidungsträger endlich den unbeschreiblichen Wert erkennen, der in ihnen schlummert.

Ein großes Ego ist in den meisten Fällen schlichtweg nicht zu übersehen – schon deshalb, weil der Egomane dafür sorgen wird, Sie immer und immer wieder damit zu konfrontieren. Sollte das Ego noch in der Wachstumsphase sein und ein weniger großes Ausmaß haben, können Sie es aber bereits an einigen Anzeichen erkennen:

  • Ständige Angeberei

    Ein großes Ego kommt immer zusammen mit einer Menge heißer Luft. Spricht ein Kollege immer nur in den höchsten Tönen von sich selbst, lässt keine Chance aus, ein wenig anzugeben oder zu prahlen und legt er dabei großen Wert darauf, dass jeder mitbekommt, wie toll er ist, hat das Ego schon enorme Ausmaße angenommen.

  • Gesteigertes Konkurrenzdenken

    Neben einem großen Ego bleibt für andere einfach kein Platz. Egomanen machen deshalb aus allem einen Wettkampf, müssen immer besser sein als andere, sich selbst präsentieren und andere gleichzeitig kleinmachen. Ein zusammen oder gemeinsam ist nicht drin, stattdessen geht es immer gegeneinander.

  • Endlose Aufmerksamkeitssucht

    Große Egos wollen gestreichelt werden und so suchen Egomanen immer und überall nach Bestätigung. Hauptsache sie stehen im Mittelpunkt und können sich in der Aufmerksamkeit sonnen. Macht Ihnen jemand diese streitig, ist der Neid oft groß.

  • Verteidigende Einstellung

    Bewunderung kann es nicht genug geben, aber wehe es mischt sich etwas Kritik dazwischen. Ein großes Ego kann mit negativen Kommentaren gar nicht umgehen und beginnt sofort, sich selbst – und die aufgebaute Scheinwelt der Selbstüberschätzung – zu verteidigen.

  • Kurzfristige Beziehungen

    Auf lange Sicht kann sich das Ego nicht von den immer gleichen Personen ernähren. Es braucht neue Bewunderer und Fans, während die Aufmerksamkeit der bisherigen Wegbegleiter einfach nicht mehr gut genug ist. Je größer das Ego, desto kurzfristiger die Beziehungen zu anderen Menschen.

Ein zu großes Ego kann zum Problem werden

Großes Ego Definition Psychologie Erklärung SprücheSelbstbewusstsein ist grundsätzlich gut und oftmals ist der Ratschlag Du solltest an deinem Selbstbewusstsein arbeiten nicht nur gut gemeint, sondern richtig und ein wichtiger Schritt. Anders sieht es bei einem so großen Ego aus, dass es dem Umfeld kaum noch genügend Luft zum atmen lässt. Das ist mehr als zu viel des Guten und anstatt mit selbstbewusstem Auftreten zu punkten, gehen Sie den Kollegen und sogar Ihren Freunden nur noch auf den Keks.

Ihr aufgeblähtes Ego wird so groß, dass andere sich zunehmend von Ihnen abkapseln. Irgendwann halten Sie sich dann zwar für den Besten in allen Bereichen – sind damit aber auch ganz schön alleine, weil Ihr soziales Umfeld sich abgewandt hat. Niemand möchte ununterbrochen einem Kollegen dabei zuhören, wie dieser Loblieder auf sich selbst singt und sich in den Mittelpunkt drängt. Das ist anstrengend und nervig.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Ein großes Ego sorgt dafür, dass Sie sich selbst nicht mehr weiterentwickeln. Stattdessen sind Sie damit beschäftigt, sich selbst zu beweihräuchern und übertrieben stolz auf Ihre Errungenschaften zu sein – und anderen unter die Nase zu reiben, wie gut Sie sind. Ganz davon abgesehen, dass Sie vielleicht von Anfang an nicht so gut waren, wie Sie selbst angenommen haben, verfallen Sie in einen Stillstand, in dem Sie sich für uneinholbar halten.

Durch Ihr großes Ego haben Sie das Gefühl, es gar nicht mehr nötig zu haben, sich anzustrengen. Ein Fehler, den die meisten Egomanen erst dann erkennen, wenn sie scheinbar unvorhergesehen ins Hintertreffen geraten und nur noch zusehen können, wie sie von den Kollegen abgehängt werden.

Zu guter Letzt: Auf lange Sicht kann ein großes Ego sogar in eine Art Sucht führen. Wer sein großes Ego immer in den Vordergrund stellt und die so generierte Aufmerksamkeit genießt, macht sich abhängig vom Zuspruch und der Anerkennung anderer. Bleibt diese und das damit verbundene Rampenlicht aus, fängt das Ego plötzlich an zu schrumpfen und wird von Selbstzweifeln zerfressen.

Großes Ego: Warum das aufdringliche Gehabe?

Ein großes Ego wirkt nach außen auf viele überheblich, arrogant und unsympathisch. Am Arbeitsplatz wünschen wir uns aber ein harmonisches Team, mit dem sowohl gute Ergebnisse erzielt werden können, aber in dem auch die persönliche Komponente stimmt. Entwickelt sich ein Kollege zum Egomanen oder kommt ein neues Teammitglied dazu, dessen Ego kaum im Großraumbüro Platz findet, ist es mit der guten Stimmung schnell vorbei.

Der Grund: Ein großes Ego polarisiert. Ein Teil fühlt sich von dem zur Schau gestellten Machtgehabe herausgefordert. Das sind meist die Kollegen, die ebenfalls ein größeres Ego – wenn auch nicht ganz so ausgeprägt – oder zumindest ein starkes Selbstbewusstsein haben. Die anderen fühlen sich durch einen Egomanen eingeschüchtert und versuchen lieber Abstand zu gewinnen.

Geht es aber darum, einem großen Ego tatsächlich den Wind aus den Segeln zu nehmen, müssen Sie zunächst verstehen, welche Gründe hinter dem Verhalten stehen. Nicht jeder Egomane agiert aus den selben Gründen, doch ist diese Unterscheidung wichtig, um eine Strategie für den richtigen Umgang zu entwickeln. Drei häufige Ursachen für ein zu groß geratenes Ego sind…

  • … ein gesteigertes Geltungsbedürfnis. Für einige Menschen ist es völlig in Ordnung, nicht dauerhaft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Bei einem gesteigerten Geltungsbedürfnis kann ein großes Ego als Mittel zum Zweck dienen, um sich selbst die Aufmerksamkeit zu holen, die ansonsten vielleicht verwehrt geblieben wäre.
  • … ein geringes Selbstbewusstsein. Ein großes Ego strahlt zwar ein enormes Selbstbewusstsein aus, doch manchmal steht dahinter genau das Gegenteil. Durch das forsche Auftreten wird die eigene Unsicherheit überspielt. Dies hat meist zum Ziel, die Anerkennung der anderen Kollegen zu verdienen, obwohl das in vielen Fällen nach hinten los geht.
  • … eine narzisstische Störung. Bekommen Sie es mit einer starken Form von Narzissmus zu tun, müssen Sie mit einem besonders großen Ego umgehen. Sie sind selbstverliebt, nur von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt und lassen kaum eine andere Meinung zu.

So entkräften Sie ein großes Ego richtig

Wenn der Kollege mit dem großen Ego mal wieder zu einer Lobeshymne auf sich selbst ansetzt, die Leistung des gesamtes Teams nur auf sich selbst bezieht oder in abfälligem Ton Sprüche raushaut, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen, wird Ihr Nervenkostüm ganz schön strapaziert. Schnell kommt der Wunsch auf, dem – bitte entschuldigen Sie den Ausdruck – Großmaul einfach mal die Meinung zu geigen und das überdimensionierte Ego wieder auf Normalgröße zu schrumpfen.

Sicherlich ist es angebracht, einem großen Ego Paroli zu bieten, um gewisse Grenzen aufzuzeigen. Doch ist die offene Konfrontation wirklich der einzige Weg? Wir glauben Nein und haben vier weitere Wege gesammelt, die Ihnen helfen können.

  1. Suchen Sie das Gespräch

    Der direkte und auch freundlichste Weg, um einen Kollegen mit großem Ego in den Griff zu bekommen, ist das persönliche Gespräch. Damit ist nicht das offene Anschreien gemeint, sondern eine nette und ruhige Unterhaltung. Schildern Sie, wie das Verhalten Sie und die Arbeit im Team negativ beeinflusst. Bieten Sie auch Ihre Hilfe an, falls der Kollege beispielsweise aus Unsicherheit handelt und sich deswegen öfter aufspielt. Bauen Sie das Gespräch nicht nur auf Vorwürfen auf, sondern schildern Sie kurz das Problem und konzentrieren sich anschließend auf die Lösung.

  2. Kommen Sie ihm zuvor

    Es ist ein einfacher, aber dennoch sehr effektiver Weg: Bieten Sie erst gar keine Möglichkeit, um das große Ego in Szene zu setzen. Der Egomane möchte dem Chef von den neuesten Ergebnissen berichten? Erklären Sie, dass Sie dies bereits getan haben. Er möchte die Präsentation vor dem Kunden halten? Sagen Sie, dass eine Kollegin bereits daran arbeitet. Nach kurzer Zeit nehmen Sie ihm nicht nur die Chance, sein aufgeblähtes Ego zu zeigen, sondern gleichzeitig auch die Lust daran, es überhaupt zu versuchen.

  3. Ziehen Sie den Chef hinzu

    Wenn andere Versuche gescheitert sind, kann es eine Lösung sein, Ihren Chef mit ins Boot zu holen. Beschreiben Sie, wie der Egomane die Arbeitsatmosphäre ruiniert, fremde Lorbeeren für sich beansprucht und für Unmut unter den Kollegen sorgt. Auf diesen Gegenwind reagiert auch ein großes Ego meist sehr kleinlaut.

  4. Ignorieren Sie das Getue

    Ja, das ist schwer und erfordert eine Menge Geduld und die Fähigkeit, Dinge zu überhören. Doch wenn es Ihnen gelingt, können Sie auch ein noch so großes Ego in die Schranken weisen. Wie bereits erwähnt, geht es vielen Egomanen darum, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, im Mittelpunkt zu stehen und sich dadurch besser zu fühlen. Schaffen Sie es, am besten zusammen mit den anderen Kollegen, alle Versuche, sich selbst darzustellen, zu ignorieren, nehmen Sie dem Egomanen die Plattform für seine Show.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
23. Mai 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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