Anerkennung: Mehr als nur Lob

Jeder Mensch wünscht sich Anerkennung. Anerkennung für das, was er auf der Arbeit, in der Interaktion mit anderen leistet. Ganz gleich, ob Sie im Beruf Ihren täglichen Aufgaben nachgehen oder für den Nachbarn das Betriebssystem neu auf das Laptop spielen – die Anerkennung Ihrer Leistung trägt dazu bei, Sie zu motivieren. Umgekehrt verhält es sich, wenn genau das ausbleibt: Umfragen zufolge wünscht die Mehrheit der Arbeitnehmer sich mehr Anerkennung von ihrem Vorgesetzten. Welche Rolle sie im Job spielt, warum das nicht das gleiche wie Lob ist und wie Sie anderen mehr Anerkennung ausdrücken können…

Anerkennung: Mehr als nur Lob

Anerkennung Definition: Was bedeutet Anerkennung?

Anerkennung Definition ausländischer Abschlüsse Diplome Duden Synonym Psychologie Schulabschluss PhilosophieJe nachdem, in welchem Zusammenhang der Begriff Anerkennung gebraucht wird, hat er unterschiedliche Bedeutung. So kann er beispielsweise einen behördlichen Vorgang beschreiben und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Diplome meinen.

In diesem Sinne heißt anerkennen, dass andere Papiere von offizieller Seite bestätigt und damit für gültig und rechtmäßig erklärt werden. Das ist mit Blick auf die Arbeitserlaubnis und die Wahl vieler qualifizierter Berufe unerlässlich.

Wesentlich häufiger wird Anerkennung allerdings in einer anderen Bedeutung gebraucht. Das alltägliche Verständnis dieses Begriffes geht auf Ansätze in der Philosophie und Psychologie zurück. Auf Hegel basieren die Überlegungen des französisch-russischen Philosophen Alexandre Kojève, der bereits erkannte, dass Anerkennung zur Bildung des Selbstbewusstseins wichtig sei.

Der Mensch strebt nach Anerkennung, denn er kann sie nicht aus sich heraus gewinnen, er braucht dafür immer andere Menschen. Aus philosophischer Sicht schränkt Anerkennung die Handlungsfreiheit desjenigen ein, der sie für andere empfindet oder ausspricht:

Er kann sich dieser Person gegenüber verpflichtet fühlen, sie als Person zu respektieren, ihren Wünschen zuzustimmen und ihre Leistungen zu würdigen. Der Duden zählt eine Fülle von Synonymen für Anerkennung auf, darunter diese:

  • Achtung
  • Akzeptanz
  • Ansehen
  • Auszeichnung
  • Beifall
  • Belobigung
  • Bewunderung
  • Ehre
  • Glanz und Gloria
  • Gutheißung
  • Hervorhebung
  • Hochachtung
  • Honorierung
  • Lob
  • Respekt
  • Wertschätzung
  • Würdigung
  • Zustimmung

Anerkennung und Lob sind nicht dasselbe

Wir loben das kleine Kind, das erstmals von alleine stehen kann. Oder unseren Hund, wenn er das Stöckchen apportiert: Das hast du aber fein gemacht! Und danach gehen wir wieder zur Tagesordnung über. Natürlich ist das Lob, das erwachsenen Arbeitnehmern gegenüber ausgesprochen wird, etwas anders formuliert.

Aber im Kern bleibt es dennoch dabei: Eine Leistung wird einmal honoriert, sie wird einmal kurz geprüft, für gut befunden und dann geht man zum Tagesgeschäft über. Für jemanden, der viel Fleiß und Mühe in seine Arbeit gesteckt hat, ist das unter Umständen frustrierend.

Nicht gerade wenige setzen Lob mit Anerkennung gleich, häufig werden beide Begriffe gar synonym verwendet. Doch das ist so nicht richtig. Es gibt einen entscheidenden Unterschied:

  • Lob

    …ist eine Form spontaner Wertschätzung. Es muss möglichst konkret sein, damit es wirkt und der Gelobte weiß, warum er oder sie es erhält. Loben können der Chef ebenso wie die Kollegen oder Kunden. Vergleichbar ist diese Form der Wertschätzung mit einem gelegentlichen Schulterklopfen.

  • Anerkennung

    …ist hingegen mehr Haltung als spontane Wertschätzung: Jemand erkennt die regelmäßige Qualität oder Leistung einer Person an – und respektiert und schätzt die Person dafür. Anerkennung muss nicht konkret sein, im Gegenteil: Sie beurteilt das Gesamtbild. Und sie muss sich auch nicht unbedingt verbal äußern, aber wenn sie es tut, dann meist durch ein qualifiziertes Feedback, ausführlicher als ein spontanes Schulterklopfen. Ansonsten spüren die meisten, ob sie anerkannt werden oder nicht.

Regelmäßiges Lob im Job ist daher ein wichtiger Motivator, keine Frage. Aber damit Mitarbeiter dauerhaft motiviert bleiben, müssen sie die Anerkennung dahinter spüren.

Anerkennung: Psychologie hält sie für unentbehrlich

Um die Anerkennung durch andere zu gewinnen, sind die Menschen zu den absonderlichsten Dingen fähig. Es gibt natürlich den klassischen Weg; etwa wenn Menschen es durch harte Arbeit zum Millionär werden, obwohl sie widrigste Bedingungen hatten.

Oder man denke an Leistungssportler, die noch das letzte Bisschen aus sich herausholen und sich selbst übertreffen. Die Anerkennung durch andere treibt sie unaufhörlich an, selbst wenn schon jede Faser im Körper schmerzt. Hauptsache, auf dem Siegertreppchen stehen, die Medaille oder den Pokal holen.

Andere optimieren ihr Äußeres, indem sie sich permanent unter das Messer legen. Oder sie können aus eigener Kraft nichts Positives starten – dann wollen sie wenigstens im Schlechtsein die Besten sein und starten eine kriminelle Karriere.

Auf die Frage, warum das so ist, kommen Psychologen zur folgenden Antwort: weil Anerkennung ein Grundbedürfnis ist. In der Maslowschen Bedürfnispyramide rangiert sie zwar recht weit oben, aber andere Psychologen schätzen Anerkennung so wichtig wie Essen und Trinken ein.

Jeder Arbeitnehmer wünscht sich, dass seine guten Seiten und seine Stärken im Vordergrund stehen und nicht seine Schwächen. Ob jung oder alt, Chef oder Trainee – allen ist es wichtig, dass ihre Leistungen honoriert werden. Es motiviert ungemein, Zuspruch von Kollegen und Vorgesetzten zu erhalten.

Man fühlt sich als wertvolles Mitglied des Teams. Das steigert das eigene Selbstbewusstsein und lässt einen mehr Spaß an der Arbeit empfinden. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass Anerkennung nicht gerade im Übermaß vorhanden ist.

Umfrage zur Anerkennungskultur

Anerkennung Definition ausländischer Abschlüsse Duden synonym Psychologie Philosophie DiplomeEs ist schon eine Weile her, aber immer noch aktuell: Die Plattform „Kraftwerk Anerkennung“ befragte im Zeitraum von Oktober 2013 bis Januar 2014 Arbeitnehmer in Deutschland und Österreich, wie wertgeschätzt diese sich in ihrem Unternehmen fühlen. Folgendes kam dabei heraus:

  • 60 Prozent der Befragten erhalten Lob nur einmal im Monat oder seltener.
  • Im Schnitt liegen 75 Tage zwischen zwei positiven Rückmeldungen.
  • 81 Prozent der Vorgesetzten sind der Meinung, häufig Lob und Anerkennung auszusprechen.
  • 67 Prozent der Arbeitnehmer ohne Führungsposition sind der Meinung, selten oder nie Anerkennung zu erhalten.
  • 60 Prozent der Befragten bewerten die Anerkennungsfähigkeit ihres Vorgesetzten mit der Schulnote 3 (befriedigend).
  • 9 von 10 Befragten wünschen sich mehr Anerkennung.

Die gesamte Umfrage finden Sie hier als PDF zum Download.

Was Anerkennung und der Mangel daran bewirken

Gerade aus Arbeitgebersicht wäre es clever, mit Anerkennung der eigenen Mitarbeiter nicht allzu geizig zu sein. Dafür gibt es mehrere Gründe. Rein menschlich: Wer keine Anerkennung bekommt, fühlt sich nicht wahrgenommen. Er fühlt sich und seine Leistung nicht wertgeschätzt.

Unternehmerisch gedacht: Weil Anerkennung schlechthin die Motivationshilfe ist. Und das lässt sich medizinisch beziehungsweise psychologisch erklären: Anerkennung – bereits in Form von freundlichen Blicken oder Komplimenten bewirken, dass Dopamin, körpereigene Opiate und Oxytocin ausgeschüttet werden.

Das Ergebnis: Wir empfinden Gefühle wie Lebensfreude, Zuneigung und Entspannung. Bei so einem Cocktail an positiven Erlebnissen ist es kein Wunder, dass manche geradezu süchtig danach werden. Im Arbeitskontext klappt das leider nicht immer.

Das Resultat der obigen Umfrage ist ein Warnschuss: Bei fehlender Wertschätzung sinkt nicht nur die Motivation des Arbeitnehmers. Es kann weit tiefere Spuren hinterlassen:

  • Sinkende Identifikation mit dem Unternehmen
  • Höhere Wechselbereitschaft
  • Innere Kündigung

Das kann nach Meinung von Medizinsoziologen wie Johannes Siegrist sogar bis zum Burnout führen. Es ist längst nicht nur die viele Arbeit, die womöglich eine Überforderung bewirkt. Es ist vielmehr die wahrgenommene Diskrepanz zwischen Aufwand und Outcome:

Es wird geschuftet und geackert, aber das alles ist genauso gut wie wenn die Bemühungen nicht besonders groß sind. Das ist übrigens auch der Grund, warum Low Performer so geschäftsschädigend sind: Nicht nur die Leistung, die sie nicht erbringen, rächt sich finanziell.

Sie untergraben die Arbeitsmoral. Vielmehr lassen Arbeitgeber es zu, denn indem die Arbeit von Leistungsträgern keine Anerkennung erhält, wird sie auf eine Stufe mit der von Low Performern gestellt. Kein Wunder, dass enttäuschte Mitarbeiter sich irgendwann abwenden, nur noch auf Sparflamme arbeiten oder psychisch krank werden.

So betrachtet ist Anerkennung ein wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung.

Anerkennung Talente Bleiben Weil Gruende

Sucht nach Anerkennung und Lob

So verständlich der Wunsch nach Anerkennung auch ist: Man sollte niemals süchtig danach sein oder sich in irgendeiner Form davon abhängig machen. Der eine oder andere mag sein Licht wirklich unter den Scheffel stellen und erhält aufgrund seiner Bescheidenheit vielleicht nicht die Anerkennung, die er verdient.

Verständlich, wenn ein Arbeitnehmer im Falle tatsächlicher Geringschätzung einen Jobwechsel in Erwägung zieht. Aber wenn es beispielsweise darum geht, eine neue Idee auszuprobieren – beispielsweise, wenn Sie sich selbständig machen -, wäre es schädlich, sich ausschließlich auf die Anerkennung anderer zu verlassen.

Es gibt auch Phasen und Situationen im Leben, in denen wir uns von der ausschließlichen Anerkennung durch andere frei machen müssen. Denn erstens können wir nie jedem gefallen. Zweitens würden Sie Ihre Unabhängigkeit einbüßen, wenn Sie ausschließlich nach dem gehen, was andere denken oder gutheißen.

Das andere Extrem sind Menschen, die tatsächlich im hohen Maße unter Aufmerksamkeitssucht leiden. Ihr Wunsch nach Anerkennung hat bereits Ausmaße angenommen, die sich in psychischen Persönlichkeitsstörungen widerspiegeln, etwa bei Narzissten.

Etablierung einer Anerkennungskultur

Gerade in Zeiten flacher werdender Hierarchien ist es wichtig, dass die Anerkennung guter Leistungen nicht alleine am Chef hängenbleibt. Auch Kollegen können sich untereinander gegenseitige Wertschätzung zeigen. Das stärkt sogar den Zusammenhalt im Team.

Den ersten Schritt sollte allerdings trotzdem der Vorgesetzte tun. Schon als Vorbild. So konnte die Umfrage auch zeigen: Wer häufig Anerkennung erfährt, gibt diese doppelt so häufig weiter. Wessen Leistung selten anerkannt wird, dem fällt es indes schwer, selbst Anerkennung weiterzugeben.

Wie äußert sich Anerkennung?

Anerkennung ist ein Geschenk, das Sie dem anderen machen. Im Grunde geht es darum, einem anderen Menschen zu zeigen, was und wie viel er Ihnen bedeutet.

  • Seien Sie ehrlich.

    Anerkennung muss vor allem ehrlich sein, Ihre Körpersprache wird Sie verraten, wenn Sie es nicht sind. Ihre Mimik und Gestik wird Ihrem Gegenüber zeigen, was Sie wirklich denken. Nur wenn Sie echte Wertschätzung empfinden, werden Sie diese auch glaubhaft ausdrücken können.

  • Werden Sie konkret.

    Auch wenn es das bei Anerkennung nicht zwingend braucht – es hilft: Sagen Sie explizit, warum und wofür Sie den Kollegen schätzen. Verzichten Sie auf ein allgemeines „gut gemacht“, sondern heben sie die gelungen Aspekte einer Aufgabe hervor.

  • Honorieren Sie besondere Anstrengung.

    Erkennen Sie, im wahrsten Sinne des Wortes, die Leistung des anderen an. Musste derjenige vielleicht Überstunden machen? Hat er sich in ein komplexes Konzept eingearbeitet, ohne besondere Vorkenntnisse? Ihr Gegenüber wird es gerne hören, dass Ihnen bewusst ist, mit welcher Anstrengung die erbrachte Leistung verbunden ist. Es gehört dann aber auch zur Anerkennung, das zu belohnen. Tipp: Es muss nicht unbedingt Geld sein.

  • Zeigen Sie Ihre Wertschätzung auch ohne Worte.

    Anerkennung lässt sich nicht nur in Worten ausdrücken. Auch eine Einladung zum Mittagessen oder ein freier Tag zeigen, was der andere Ihnen wert ist.

  • Lassen Sie den anderen seinen Stellenwert spüren.

    Jeder Mensch möchte einzigartig sein. Gehen Sie auf dieses Bedürfnis ein und zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass er ein wertvoller und vor allem unverzichtbarer Teil des Teams ist, nicht nur ein Rad im Getriebe.

  • Drücken Sie Dankbarkeit aus.

    Fragen Sie sich: Wofür bin ich dankbar? Hat Ihnen der Kollege beispielsweise eine Aufgabe abgenommen, für die Sie keine Zeit hatten? Hat er Ihnen einen entscheidenden Hinweis gegeben, der Ihnen die Arbeit erleichtert hat? Zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass es nicht selbstverständlich ist, was er geleistet hat.

  • Lassen Sie Ihr Gegenüber die 1. Geige spielen.

    Die Wertschätzung für eine andere Person bedroht gleichzeitig das eigene Ego. Sie fragen sich vielleicht: Ist der andere besser als ich? Wer sein eigenes Ego nicht ab und zu zurücknehmen kann, wird auch keine echte Anerkennung zeigen können. Überlassen Sie daher die Leitung eines Projekts auch mal dem Kollegen. Damit zeigen Sie diesem, dass Sie ihm zutrauen, wichtige Aufgaben zu übernehmen.

Geizen Sie nicht mit Anerkennung bei Kollegen und Mitarbeitern! Wer Top-Leute in seinem Team versammelt, sollte ihnen dies auch spiegeln. Sonst entlarvt er die aufbauenden Worte als manipulative Phrasen.

Die Folge: Man hört das (hohle) Lob – und ist verstimmt.

[Bildnachweis: Rido by Shutterstock.com]
24. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px

Andere Besucher lesen gerade diese Artikel:



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!