Ständiges Vergleichen: Tappen Sie nicht in diese Mind trap!

Nicht wenige verstehen das Leben als permanenten Wettbewerb. Ständig vergleichen sie sich mit anderen: Wer führt die glücklichere Beziehung? Wer hat die intelligenteren Kinder? Wer verdient mehr Gehalt? Wer besitzt das größere Haus, Auto, Handy…? Alles muss größer, schneller, weiter, besser, erfolgreicher sein. Nicht mal vor uns selbst macht die sogenannte Selbstoptimierung halt. Doch dahinter steckt eine gefährliche Mind Trap: Die Vergleiche mit anderen richten enormen seelischen Schaden an. Sie sind eine Kampfansage an unser Selbstbewusstsein und schüren Minderwertigkeitsgefühle. Umso wichtiger ist, das ständige Vergleichen zu stoppen. So gelingt es…

Ständiges Vergleichen: Tappen Sie nicht in diese Mind trap!

Definition: Was ist eine Mind trap überhaupt?

Definition: Was ist eine Mind trap überhauptDie beiden englischen Begriffe mind und trap kombiniert, bedeuten ins Deutsche übersetzt so viel wie Gedankenfalle. Damit gemeint ist, dass wir durch destruktive Gedanken, wie zum Beispiel ständige Vergleiche, in eine selbst gestellte Falle tappen.

Solche Mind traps können sich dauerhaft negativ auf die mentale Gesundheit auswirken. Deshalb ist es umso wichtiger, solche Gedankenfallen zu identifizieren, analysieren und aus dem Weg zu räumen. Eine der häufigsten davon ist die sogenannte Vergleichsfalle.

Ständiges Vergleichen: Richtige und falsche Vergleiche

Menschen vergleichen sich ständig mit anderen Menschen. Sie vergleichen ihre Kraft und Attraktivität, ihren Hüftumfang und ihre Intelligenz, ihre Jobs und Gehälter. Es vergleichen sich sogar Männer mit Frauen und vice versa. Unser gesellschaftliches System beruht sogar in wesentlichen Bereichen auf Vergleichen.

Das Schulsystem zum Beispiel vergibt nicht nur Schulnoten – also eine individuelle und absolute Bewertung. Zugleich gibt es einen Klassenspiegel, also einen Durchschnittswert an dem sich die Schüler relativ messen – wenn nicht sowieso direkt untereinander an Mitschülern, Freunden oder den Nachbarskindern. Allein um von der Grundschule die Empfehlung für das Gymnasium oder eine andere weiterführende Einrichtung zu bekommen, braucht es „bessere“ Noten. So geht das Vergleichen schon früh los.

Und setzt sich im Laufe der Zeit an zahlreichen anderen Stellen fort: Vornamen, Ausdrucksweise, Kleidung und Umgangsformen etwa signalisieren sozialen Status; ebenso Ausbildung, Beruf und Einkommen. Hinzu kommen Leistungen, Erfolge, ja sogar Freizeitaktivitäten, Urlaubsziele oder körperliche Fitness bis hin zur sprichwörtlichen Bikinifigur. Alles Merkmale, an denen wir uns messen und vergleichen.

Die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook und Instagram, ermöglichen und schüren sogar die ständigen Vergleiche: Wir bekommen das schöne, erfolgreiche Leben der anderen regelrecht täglich vor Augen geführt. Die Timeline – sie ist nicht nur Spiegel der Eitelkeiten und Selbstinszenierung, sie bildet ebenso eine permanente Herausforderung: Das alles haben die anderen schon erreicht, so toll sehen sie aus, ständig entspannen sie an Traumstränden und feiern das süße Leben – und was mache ich?

Warum aber machen wir das überhaupt – diese ständigen Vergleiche mit anderen?

Laut dem US-amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger, der sich an der Stanford-Universität schon Ende der Fünfzigerjahre mit der Frage wissenschaftlich beschäftigte, sind es vor allem drei Gründe, warum wir uns mit anderen regelmäßig vergleichen:

  • Einordnung

    Vergleiche liefern uns wesentliche Informationen, um unsere eigene, aktuelle Situation besser einschätzen zu können.

  • Aufwertung

    Gezielte Vergleiche mit Menschen, die uns in einem für uns wichtigen Merkmal unterlegen sind (sogenannter Abwärtsvergleich) stärken unser Statusgefühl. Oder knapper: Sie sind Balsam für unser Ego.

  • Ansporn

    Vergleiche mit Menschen, die uns in einem für uns relevanten Bereich überlegen sind (sogenannter Aufwärtsvergleich), dienen der eigenen Verbesserung – wir finden darin ein Ziel, auf das wir hinarbeiten können.

Vergleiche sind also zunächst einmal nichts grundsätzlich Schlechtes. Es ist für uns wichtig, dass wir uns regelmäßig selbst hinterfragen, einschätzen, bewerten, eine Art Standortanalyse absolvieren und prüfen, ob wir unseren (selbstgesteckten) Zielen näher kommen. Aber eben vor allem in Bezug auf den gezeigten Fleiß, die Hartnäckigkeit, die Konsequenz, der Erreichungsgrad. Nicht jedoch bezogen auf die Ziele der anderen, denn das sind ihre, nicht unsere.

Es ist nur menschlich, dass wir unseren Platz in der Gesellschaft suchen, einen entsprechenden Sozialstatus anstreben und natürlich zugleich unseren eigenen Wert darin finden. Dahinter steckt nicht zuletzt das Bedürfnis die Welt einzuordnen – und uns selbst. Und das nicht zuletzt mit einem möglichst positiven Selbstbild. Weil dazu in der Regel ein objektiver Maßstab fehlt, muss eben der soziale Vergleich herhalten.

Status und Macht sind dabei für viele erstrebenswert. Sie machen aber weder automatisch glücklich, noch sind sie von Dauer. Es sind vielmehr Leihgaben – in der Regel gepaart mit hoher Verantwortung.

Und problematisch wird es immer dann dann, wenn dieser Vergleich zum Maßstab für unseren Selbstwert beziehungsweise unser Selbstwertgefühl wird. Wenn sie eben nicht dem Ansporn dienen, sondern zu einem relativen Erfolgsdruck führen.

Oder anders formuliert:

  • Vergleiche sind richtig, wenn sie unseren Ehrgeiz beflügeln, wenn sie uns inspirieren und nach höherem Streben lassen. Dann wirken sie wie ein Turbo für unsere Persönlichkeitsentwicklung. Vorbilder bilden nichts anderes als einen permanenten Vergleich – aber einen positiven.
  • Ständige Vergleiche sind aber falsch, wenn sie uns nur noch die eigenen Unzulänglichkeiten sehen lassen. Dann führen sie zu Bitterkeit, Neid, zu ungesundem Leistungsdruck und manchmal sogar in eine veritable Depression. Betroffenen bedauern und bemitleiden sich und fühlen sich dann nur noch als Versager.

Dieser falsche Umgang mit Vergleichen – erst recht, wenn er chronisch wird – wirkt extrem negativ auf unsere (mentale) Gesundheit. Neben Magen-Darm- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhtem Stress erzeugen sie Frust, Leid und Ohnmachtsgefühle.

Dahinter stecken oft eine Reihe falscher Schlussfolgerungen – die Mind traps eben:

  • Wenn ist nicht mehr verdiene als mein Kollege, bin ich weniger wert.
  • Wenn ich dicker bin als die Frauen auf Instagram, bin ich hässlich.
  • Wenn ich nicht auch in der Südsee Urlaub mache, finden mich die anderen langweilig.

Kurz: Wir machen die eigene Wertschätzung von willkürlichen Vergleichen abhängig – und unterstellen, dass dies alle anderen uns gegenüber genauso tun. Doch das ist, wie es Søren Kierkegaard einst formuliert hat, das „Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

Der französische Moralist und Essayist Joseph Joubert warnte gar:

Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemand geben, größer und geringer als du.

Man könnte auch sagen: Vergleiche mit anderen sind eine Art Selbstverletzung und subtile Strategie zum Unglücklichsein.

Ursachen und Auslöser für falsche Vergleiche

Vergleiche zeigen uns – trotz vorhandener Ähnlichkeiten – vor allem Unterschiede (zu anderen) oder gar Mängel. Manche Menschen können diese akzeptieren, viele aber versuchen sie anschließend zu reduzieren. Entweder durch Selbstoptimierung und Anpassung – oder durch Runtermachen, Kleinreden, Diffamieren, Umdeuten. Gefährlich!

Solche Reaktionen deuten meist auf eigene ungelöste Probleme hin. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, mögliche Auslöser für Vergleiche zu identifizieren und zu analysieren.

Mögliche Auslöser und Ursachen für (unbewusste) Vergleiche:

  • Unerfüllte Träume
  • Fehlendes Selbstvertrauen
  • Private Beziehungsprobleme
  • Akute Lebens- und Sinnkrisen
  • Jobfrust, beruflicher Stillstand
  • Generelle Unzufriedenheit
  • Mangelnde Wertschätzung

In diesen Fällen ist der Vergleich also nur Symptom – nicht Ursache. Lösen wir diese – uns meist unbewussten – Probleme, verschwinden auch die ständigen Vergleiche mit anderen. Oder aber sie machen uns nichts mehr aus.

So oder so: Entwickeln Sie ein Bewusstsein für potenziell ungelöste Probleme, die Sie bisher nicht erkannt haben. Und machen Sie sich zugleich bewusst, dass nicht die anderen die Kontrolle über Ihr Leben und Ihr Selbstwertgefühl haben, sondern Sie ganz alleine!

Mind trap ade: So entkommen Sie der Vergleichsfalle

Die gute Nachricht ist: Ständige Vergleiche lassen sich stoppen – insbesondere die negativen. Der richtige Umgang mit Vergleichen lässt sich ebenso erlernen, wie Sie der Vergleichsfalle entkommen können. Die folgenden Tipps und Empfehlungen helfen dabei:

  • Wertschätzung

    Lernen Sie, Meilensteine zu schätzen, die Sie bisher schon erreicht haben. Seien Sie dankbar für besondere Freundschaften oder Personen, die Ihren Weg gekreuzt haben. Auch materielle Dinge, die Sie bereits besitzen, können zur persönlichen Erfüllung beitragen. All diese Dinge bereichern jetzt schon Ihr Leben. Das sollten Sie sich öfter ins Bewusstsein rufen.

    Leider neigen die meisten dazu, Erfolge und Erreichtes nicht lange genug oder überhaupt nicht zu schätzen. Stattdessen streben wir gleich zum Nächsten – immer mehr, mehr, mehr. Das Gegengift dazu ist stetige Wertschätzung, Achtsamkeit und das bewusste Freuen an Erfolgen. Alle drei sind wichtige Faktoren für ein erfülltes Leben.

  • Dankbarkeitstagebuch

    Ein Dankbarkeitstagebuch sorgt ebenfalls für eine achtsamere Lebensweise. Schreiben Sie ein Dankbarkeitstagebuch, indem Sie beispielsweise täglich fünf Dinge festhalten, für die Sie an diesem Tag besonders dankbar sind. Es geht bei dem Dankbarkeitstagebuch allerdings nicht darum, es nur mit großen Meilensteinen zu füllen, sondern auch mit Kleinigkeiten. Kurz: Es geht um Wertschätzung für jeden neuen Tag, Motto: Neuer Tag, neues Glück!

    Dankbarkeit ist der beste und zugleich edelste Weg zu mehr Glück und Zufriedenheit. Ja sogar ein Schlüssel zum Erfolg. Das belegen gleich mehrere Studien.

  • Gedanken

    Hinterfragen Sie negative Gedanken. Leider unterschätzen viele die Macht der Gedanken. Sie prägen nicht nur unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmung, sondern auch unser Handeln. Deshalb sollten Sie zum Beispiel regelmäßig Ihr Verhalten und Ihre Reaktionen reflektieren sowie die auslösenden Gedanken dahinter.

    Besonders hilfreich ist es in dem Zusammenhang, einen aufkommenden negativen Gedanken zu akzeptieren und durch einen positiven Gedanken zu ersetzen. Seien Sie beispielsweise nicht neidisch, weil Ihr Nachbar Ihr Wunschreiseziel schon bereist hat und Ihnen glücklich von seiner Reise erzählt. Freuen Sie sich stattdessen mit ihm. Aus seinen Erzählungen können Sie wiederum die Motivation ziehen, Ihre eigene Reise endlich in die Tat umzusetzen. Hinzu kommt, dass Ihr Nachbar vielleicht noch ein paar Tipps für eine günstige Unterkunft, die besten Restaurants, den schönsten Strand und so weiter hat. So wird aus potenziellem Neid eine gute Beziehung und ein gelungener Urlaub ohne Überraschungen.

  • Veränderung

    Es gibt wahrscheinlich auch bei Ihnen ein paar Dinge, mit denen Sie unzufrieden sind. Dann wird es allerhöchste Zeit für eine Lebensveränderung. Stoppen Sie das passive (!) Vergleichen – und kommen Sie ins Handeln.

    Sie kennen doch sicher das Lebensmotto: Love it, leave it or change it?! Egal, was einem stinkt – im Beruf, im Privatleben: Es bleiben nur diese drei Alternativen. Ändern Sie Ursachen (oder Sie sich selbst); lernen Sie die Sache zu lieben – oder ziehen Sie weiter. So oder so: Treffen Sie eine Entscheidung! Denn das ist das eigentliche Geheimnis des Glücklichseins.

  • Inspiration

    Gibt es eine Person, die schon umgesetzt hat, wovon Sie träumen? Wunderbar! Nutzen Sie dieses Wissen und dessen Erfahrungen als Inspiration und Motivationsschub. Sagen Sie sich: Wenn es andere schon geschafft haben, kann ich es ebenfalls erreichen! Vielleicht ist es sogar möglich, Kontakt zu der Person aufzunehmen, um sich Tipps aus erster Hand zu holen.

  • Selbstvertrauen

    Dass man sich immer wieder auf’s Neue vergleicht, kann ebenso ein Indiz für mangelndes Selbstvertrauen sein. Bändigen Sie Ihren inneren Zweifler, indem Sie ihr Dankbarkeitstagebuch um eine Spalte erweitern und daraus auch ein sogenanntes Erfolgstagebuch machen. Führen Sie sich so täglich (aber auch zum Nachlesen) vor Augen, welche Leistungen, Erfolge, Errungenschaften, Triumphe und Volltreffer Sie schon gelandet haben.

    Zugegeben, das macht erst einmal viel Arbeit. Wissenschaftler um Joyce E. Bono von der Warrington Universität in Florida konnten allerdings schon nachweisen: Wer jeden Abend nur drei Erfolge und positive Erlebnisse des Tages schriftlich festgehalten hatte, war nach kurzer Zeit glücklicher und zufriedener mit sich und der eigenen Arbeit.

Machen Sie sich bewusst: Der Vergleich selbst bringt Sie keinen Schritt weiter. Davon, dass Sie feststellen, dass der Kollege oder die Kollegin mehr verdient, bekommen Sie keine Gehaltserhöhung. Sie bekommen auch keine bessere Figur vom Meckern über Magermodels oder Photoshop-Queens auf Instagram (obwohl die Kritik durchaus berechtigt wäre). Positiv verändern wird sich das Leben erst, wenn wir die Verantwortung dafür übernehmen und selber handel.

Ständige Vergleiche mit anderen führen dagegen in der Regel nur zu sinnlosem Leiden. Wir brauchen niemanden zu beneiden oder verachten – jeder Mensch ist letztlich unvergleichlich wertvoll.

Mitarbeit: Elisa Ochmann

Elisa Ochmann AutorinElisa Ochmann alias ElisaZunder ist freie Redakteurin, Bloggerin und Social Media Managerin. Gelernte Mediengestalterin mit Expertise in der Werbung, der Blogosphäre und zu Hause in den sozialen Medien.

[Bildnachweis: Volodymyr Tverdokhlib by Shutterstock.com]
23. Mai 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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