Definition: Was ist Konkurrenzdenken?
Konkurrenzdenken ist eine Denkweise, in der andere in erster Linie als Rivalen oder Feinde betrachtet werden, die es zu schlagen und zu besiegen gilt. Bei ausgeprägtem Konkurrenzdenken wollen sich Betroffene durchsetzen – immer und um jeden Preis. Dabei geht es dann nicht mehr darum, selbst besser zu werden und die eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren, sondern nur noch darum, zu gewinnen. Im Zweifel auch mittels fieser Tricks, Sabotage und Betrug. Studien zeigen: Je stärker das Konkurrenzdenken, desto größer die Bereitschaft, anderen für den eigenen Sieg zu schaden. Getreu dem zynischen Bonmot: „Um einem Bären zu entkommen, musst du nicht schneller sein als der Bär – nur schneller als der andere.“
Ursachen: Wie entsteht Konkurrenzdenken?
Konkurrenzdenken ist uns Menschen angeboren. Wir lieben den Wettbewerb und das Glücksgefühl des Sieges. Kinder vergleichen sich im Spiel, wollen schöner malen und schneller laufen als andere. Das ist evolutionär sogar wichtig und positiv: Der Vergleich hilft bei der Selbstreflexion der eigenen Fähigkeiten und motiviert zum Lernen. Konkurrenz kitzelt im Idealfall das Beste aus uns heraus. Übersteigertes Konkurrenzdenken kann hingegen verschiedene Ursachen haben:
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Geringes Selbstwertgefühl
Manche denken: „Ich bin nur gut, wenn ich der oder die Beste bin.“ Dahinter steckt oftmals ein geringes Selbstwertgefühl: Der eigene Wert wird ausschließlich im Vergleich mit anderen gemessen.
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Erfahrungen
Auch negative Erfahrungen können das Konkurrenzdenken steigern. Wer immer wieder erlebt, wie andere durch Ellenbogeneinsatz und unfaire Mittel erfolgreich sind, übernimmt ähnliche Denk- und Verhaltensweisen. Wer das Gefühl hat: „Ich kann nicht mehr gewinnen, weil der oder die andere betrügt“, reagiert darauf mit Frust, Neid oder aktiver Gegenwehr.
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Angst
Unter Kollegen ist häufig Angst ein zentraler Faktor für den Konkurrenzkampf: Sie rivalisieren um knappe Ressourcen wie etwa eine Beförderung und eine Gehaltserhöhung oder in Krisenzeiten um den Job selbst. Um die eigene Existenz oder die Karriere nicht zu gefährden, entwickeln viele dann ein umso stärkeres Konkurrenzdenken.
Frauen meiden Jobs mit viel Wettbewerb
Großes Konkurrenzdenken im Job schreckt Frauen ab. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Chicago. Die Teilnehmerinnen entschieden sich mehrheitlich für Jobangebote mit geringerer Konkurrenz. Insbesondere wenn das Gehalt von der Leistung im Vergleich zu anderen abhing, lehnten Bewerberinnen die Stelle häufiger ab als männliche Kandidaten.
Konkurrenzdenken hebelt den Verstand aus
Eine inzwischen legendäre Harvard-Studie zeigt: Zu viel Konkurrenzdenken blockiert rationales Denken. Die Wissenschaftler stellten dazu Absolventen vor die Wahl:
- Du kannst 50.000 Dollar verdienen, während die Kommilitonen später ein Durchschnittsgehalt von 25.000 Dollar erhalten. Oder
- Du verdienst 100.000 Dollar, während alle anderen ein Gehalt von durchschnittlich 200.000 Dollar bekommen.
Sie ahnen es längst: Mehr als die Hälfte der Absolventen wählte die erste Variante und das geringere Einkommen. Lieber mit weniger Geld leben, dafür aber im Vergleich besser gestellt sein. Wir sind bereit, auf einen Vorteil für uns und alle Beteiligten zu verzichten – Hauptsache, wir stehen relativ besser da.
Sozialer Status im Fokus
Eine Erklärung dafür ist, dass Konkurrenzdenken letztlich immer eine Folge des sozialen Vergleichs ist. Selbst Reichtum wird damit relativ. Zwar gehört man mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 € in Deutschland bereits zu den Top 10 %. Verdienen Kollegen, Nachbarn oder Freunde und Bekannte aber mehr, fühlen wir uns schon gar nicht mehr so reich.
Konkurrenzdenken erreicht mit 50 Jahren seinen Höhepunkt
Konkurrenzdenken beginnt in der Kindheit. Aber hört das jemals auf? Eine Studie von Ulrich Mayr an der Universität von Oregon sagt: Im Erwachsenenalter steigt die Lust am Wettkampf und Kräftemessen und erreicht im Alter von etwa 50 Jahren den Höhepunkt. Danach nimmt das kompetitive Denken deutlich ab. Die Studie bestätigte zugleich, dass Frauen tatsächlich generell seltener den Wettkampf suchen als Männer.
Schadet Konkurrenzdenken im Job?
Eine gesunde Form der Konkurrenz kann beflügeln und viele neue Ideen fördern. Solange alle den Wettbewerb sportlich nehmen und sich an Fair-Play-Regeln halten. Dann motiviert gesunder Wettbewerb und treibt zu besseren Leistungen an. Leider wird im Job diese Grenze oft überschritten und das Konkurrenzdenken artet in offene Rivalität aus: Aus Kollegen werden verbitterte Konkurrenten, die sich mit Hahnenkämpfen oder Zickenkrieg und Stutenbissigkeit (bei Frauen) hinterrücks in die Pfanne hauen. Darunter leidet dann nicht nur das Betriebsklima, sondern auch die intrinsische Motivation. Die Arbeit wird zur Arbeitshölle.
Konkurrenzdenken ist Schwarz-Weiß-Denken
Der Konkurrenzdruck kann auch von außen geschürt werden – etwa, wenn der Chef den internen Wettbewerb anheizt und Ellbogenmentalität oder Intrigen mindestens duldet. Das Gefährliche an dieser Denkweise ist, dass es nur noch Gewinner oder Verlierer gibt. Es ist eine Form des Schwarz-Weiß-Denkens: „Ich kann nur gewinnen, wenn andere verlieren.“ Und umgekehrt: Jeder fremde Sieg nimmt mir etwas weg. Unfug! Gerade die gemeinsame Freude über einen Erfolg kann mehr erreichen als Missgunst und Eifersucht.
Was kann man gegen übersteigertes Konkurrenzdenken tun?
Konkurrenz gehört zum Leben dazu und ist bis zu einem gewissen Grad normal und gesund. Übersteigertes Konkurrenzdenken aber führt nicht selten zu toxischen Narrativen. Das sind manipulative, emotional aufgeladene Erzählmuster, die Debatten vergiften, polarisieren und sich gegen andere Gruppen richten. Sie nutzen Falschinformationen und überzogene Darstellungen, um Vorurteile zu schüren, Minderheiten abzuwerten und sich selbst oder die eigene Gruppen aufzuwerten. Was dagegen hilft? Das sind unsere Empfehlungen:
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Konzentrieren Sie sich mehr auf sich
Es wird immer jemanden geben, der besser ist oder mehr hat. Wer sich immerzu vergleicht, macht sich nur mehr Stress und wird unglücklich. Besser: Richten Sie den Blick auf sich selbst. Versuchen Sie für sich das Beste zu machen. Unabhängig von anderen.
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Sehen Sie Ihre Stärken
Konkurrenzdenken lenkt den Fokus auf eigene Schwächen: „Das kann der andere besser!“ Oder: „Die andere ist schlauer als ich!“ Konzentrieren Sie sich lieber auf Ihre Stärken und bauen Sie diese weiter aus. Das ist allein Ihr Vorteil.
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Lassen Sie sich nicht blenden
Wir präsentieren uns anderen Menschen gegenüber gerne von unserer besten Seite. Das gilt besonders in Social Media – auf Instagram oder Linkedin. Wenn Sie sich mit diesem scheinbar perfekten Bild vergleichen, können Sie nur verlieren. Lassen Sie sich nicht von glänzenden Fassaden blenden oder zu Konkurrenzdenken verleiten.
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Erkennen Sie Vorteile der Kooperation
Gemeinsam können wir mehr erreichen. Neben der Konkurrenz auch kooperationsfähig zu bleiben und im Zweifel sogar mit einem Wettbewerber ein Bündnis einzugehen, ist die erfolgreichste Strategie. Ziel der Konkurrenz ist nämlich nicht der Sieg, sondern die eigene Entwicklung sowie persönliches Wachstum. Wenn Sie miteinander, statt gegeneinander arbeiten, macht die Arbeit nicht nur mehr Spaß. Die Ergebnisse werden besser, weil verschiedene Fähigkeiten kombiniert werden.
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Hinterfragen Sie Ihren Neid
Wollen Sie wirklich das, was andere haben? Oft sind wir neidisch auf Dinge, die wir eigentlich gar nicht zum Glücklichsein brauchen. Verlieren Sie sich deshalb nicht im Neid und in unnötiger Konkurrenz. Fragen Sie sich lieber: „Was sind meine persönlichen Ziele?“ Arbeiten Sie darauf hin – ganz egal, was andere (erreicht) haben.
Sich ab und an zu batteln, ist okay. Erst recht, wenn es ein Ansporn ist und fair bleibt. Zu viel Wettbewerbsdenken kann uns aber nicht nur leistungsfähiger machen, sondern ebenso leichtsinniger – mit manchmal katastrophalen Folgen.
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