Konkurrenzkampf im Job: Wann wird er ungesund?

Von klein auf messen wir uns mit anderen. Menschen lieben Wettbewerb, er ist uns evolutionär in die Wiege gelegt. Manchmal müssen wir uns sogar durchsetzen. Aber der ständige Konkurrenzkampf setzt uns ebenso unter Druck: Tag für Tag müssen wir uns neu behaupten. Wettbewerb belebt zwar das Geschäft, im Job kann die ständige Rivalität jedoch schnell ausarten. Wann und wie es dazu kommt – plus Tipps, was Sie dagegen unternehmen können…

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Definition: Was bedeutet Konkurrenzkampf im Job?

Konkurrenzkampf beschreibt eine übermäßige Form des Wettbewerbs. Aus dem gesunden Ansporn, besser zu werden, entwickelt sich ein offener, teils unfairer Kampf, bei dem auch fiese Mittel, wie Intrigen, Sabotage oder Betrug zum Einsatz kommen können. Aus Kollegen und Mitstreitern werden erbitterte Kontrahenten oder gar Feinde im ständigen Wettstreit, die die Ellbogen ausfahren und am sprichwörtlichen Stuhl des anderen sägen.

Was ist Konkurrenz?

Konkurrenz bezeichnet den Wettbewerb zwischen Personen, Unternehmen oder Gesellschaften um dieselben begrenzten Ressourcen. Sie ist ein fester, aber nicht immer allgegenwärtiger Bestandteil der natürlichen Selektion und kann motivierend und innovativ wirken, aber genauso zu Neid oder unlauterem Wettbewerb führen.

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Was sind die Gründe für den Konkurrenzkampf im Job?

Auch im Job sind die Ressourcen begrenzt: Projekte, die großen Erfolg oder viel Prestige versprechen, Posten mit guter Bezahlung oder eine Beförderung auf einen begehrten Führungsjob mit Status und Macht. Das kann anspornen und zu Höchstleistungen motivieren. Zu viel Konkurrenzdenken aber – und der positive Effekt verkehrt sich ins Gegenteil. Häufige Gründe dafür sind:

  • Angst

    Unter Kollegen ist Angst ein häufiger Faktor für einen wachsenden Konkurrenzkampf, besonders in Krisenzeiten. Stehen etwa der eigene Job und die eigene Existenz samt Einkommen auf der Kippe, nimmt die Rivalität unter Kollegen dramatisch zu.

  • Bedrohung

    Nicht alle Kollegen kämpfen fair. Wer zum Beispiel immer wieder erlebt, dass Blender, Lautsprecher oder Schleimer be- oder gefördert werden, zieht sich entweder aus dem Wettbewerb zurück (durch Jobwechsel oder Quiet Quitting) oder greift ebenfalls zu den Waffen.

  • Selbstwertgefühl

    Manche denken: „Ich bin nur gut, wenn ich der oder die Beste bin.“ Dahinter steckt oftmals ein geringes Selbstwertgefühl, das zu einem übersteigerten Wettbewerbsdenken führt. Der eigene Wert wird ausschließlich im Vergleich mit anderen gemessen.

Nicht immer liegen die Auslöser bei den Kollegen oder einem selbst. Auch Chefs und ein toxischer Führungsstil können Ellbogenmentalität und Konkurrenzkampf im Job schüren – etwa, wenn manche Mitarbeiter aus vollkommen intransparenten Gründen bevorzugt werden oder der Chef unlautere Mittel offensichtlich duldet.

Konkurrenzdenken erreicht mit 50 Jahren seinen Höhepunkt

Konkurrenzdenken beginnt in der Kindheit. Aber hört das jemals auf? Eine Studie von Ulrich Mayr an der Universität von Oregon sagt: Im Erwachsenenalter steigt die Lust am Wettkampf und Kräftemessen und erreicht im Alter von etwa 50 Jahren den Höhepunkt. Danach nimmt das kompetitive Denken deutlich ab. Die Studie bestätigte zugleich, dass Frauen tatsächlich generell seltener den Wettkampf suchen als Männer.

Was sind die Folgen von Konkurrenzkämpfen im Job?

Menschen erleben Konkurrenz im Job unterschiedlich – abhängig von ihrer Persönlichkeit und je nachdem, wie wir unsere Chancen einschätzen: Wer das Gefühl hat, stets den Kürzeren zu ziehen, tritt im Zweifel gar nicht erst an oder verlässt das Spielfeld. Fairness und ein gesundes Ausmaß an Konkurrenz können dagegen beflügeln und viele neue Ideen fördern. Solange alle den Wettbewerb sportlich nehmen und sich an Fair-Play-Regeln halten. Allzu viele Konkurrenz- und Grabenkämpfe aber kosten enorme Energie und vergiften das Betriebsklima. Die Folgen sind Intrigen, Stutenbissigkeit und Zickenkrieg, bei dem sich alle Beteiligten nur noch hinterrücks in die Pfanne hauen. Darunter leidet schließlich auch die eigene intrinsische Motivation. Die Arbeit wird zur Arbeitshölle.

Frauen meiden Konkurrenzbetriebe

Männer lieben den Wettkampf mehr als Frauen, das ist kein Klischee. Bei einer US-Studie sagten 73 % der Männer, sie hätten Lust auf Wettbewerb, aber nur 35 % der Frauen stimmten dem zu. Das liegt jedoch auch daran, dass Frauen besser darin sind, ihre Erfolgschancen realistisch abzuschätzen. Männer konkurrieren öfter, weil sie sich und ihre Chancen überschätzen. Das geht schon bei der Bewerbung los. Studien zeigen, dass sich Männer schon bewerben, wenn sie nur 60 % der Stellenanforderungen erfüllen. Frauen dagegen plagen noch bei 90 % Zweifel. Mehr noch: Allzu großes Konkurrenzdenken im Job schreckt Frauen ab. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Chicago: Die Teilnehmerinnen entschieden sich mehrheitlich für Jobangebote mit geringerer Konkurrenz. Insbesondere wenn das Gehalt von der Leistung im Vergleich zu anderen abhing, lehnten Bewerberinnen die Stelle häufiger ab als männliche Kandidaten.

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Was kann man gegen den Konkurrenzkampf im Job tun?

Wird Ihnen die ständige Rivalität zu viel oder zehrt es an Ihrer Motivation und Gesundheit, bleibt Ihnen immer die ultima ratio, den Job zu kündigen und sich ein besseres Umfeld zu suchen. Das gilt erst recht, wenn der direkte Vorgesetzte einen toxischen Wettbewerb im Team fördert.

Natürlich kann es manchmal auch schon helfen, weniger Angriffsfläche zu bieten und die entsprechenden Kollegen zu meiden oder sich Verbündete im Team zu suchen. Durch den gegenseitigen Rückhalt profitieren alle von der gegenseitigen Unterstützung und können manchmal sogar zu einer Verbesserung der Unternehmenskultur beitragen.

Wird aus dem Konkurrenzkampf dagegen Mobbing, sollten Sie das nicht mehr hinnehmen: Sammeln Sie zum Beispiel Beweise wie E-Mails oder Zeugen und führen Sie Gesprächsprotokolle. Auch der Betriebsrat kann manchmal helfen und unterstützen, gerade wenn es um Führungsversagen oder gar negatives Führungsverhalten geht. Oftmals bleibt aber auch hier nur die Eigenkündigung – schon aus purem Selbstschutz. Ziehen Sie besser zu früh als zu spät einen Schlussstrich und starten Sie bei einem anderen Unternehmen neu durch.


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