Schlechter Chef: Miese Mitarbeiterführung – und jetzt?

Gute Chefs sind selten. Leider. Respekt und Anerkennung werden einem als Chef nicht einfach vor die Füße gelegt. Mit Wertschätzung, Vertrauen, Verständnis und der Fähigkeit zur Motivation, müssen diese erst erarbeitet werden. Keine leichte Aufgabe – und vor allem eine, deren Erfolg sich schon mit wenigen dummen Sprüchen und Sätzen zunichte machen lässt. Schlechte Chefs gibt es hingegen viel zu häufig. Diese sind wahre Talente darin, Motivation und Zufriedenheit im Keim zu ersticken. Na, an wen denken Sie gerade? Hier ein paar Indizien für einen wirklich schlechten Chef, für miese Mitarbeiterführung – und was Sie dagegen unternehmen können…

Schlechter Chef: Miese Mitarbeiterführung - und jetzt?

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Miese Mitarbeiterführung: Die Chefetage auf dem Prüfstand

Ob ein Unternehmen Erfolg hat oder nicht, hängt entscheidend von der Qualität des Managements und den Führungskräften ab. Die Mitarbeiterführung trägt maßgeblich dazu bei, ob Angestellte glücklich oder unglücklich im Job sind. Da kann der Beruf auch noch so traumhaft sein: Mitarbeiter kommen wegen des Jobs – und gehen wegen des Chefs. Diese Regel hat sich schon hunderte Male bewahrheitet.

  • Arbeitsmotivation
  • Einsatzbereitschaft
  • Kreativität
  • Produktivität
  • Identifikation
  • Mitarbeiterbindung
  • Loyalität

All diese Punkte hängen entscheidend von der Mitarbeiterführung und damit von guten beziehungsweise schlechten Chefs ab. Das zeigt auch der jährlich erscheinende „Gallup-Index“, der den Zusammenhang zwischen Engagement (oder innerer Kündigung) und Führungsstilen aufzeigt.

Längst gibt es Studien (etwa der „Stressreport“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin), die belegen, wie sehr sich die Mitarbeiterführung auf das physische und psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter auswirkt.

Kurz zusammengefasst: Bleibt die Anerkennung und Unterstützung durch Vorgesetzte aus, werden Mitarbeiter häufiger krank, fühlen sich deutlich gestresster auf der Arbeit. Eine Studie von der Universität Stockholm kommt gar zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter mit einem rücksichtslosen Chef ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen oder gar einen Herzinfarkt haben.

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Schlechter Chef? Das schadet dem Unternehmen am meisten

Sicher, jeder Chef kann seine Mitarbeiter mal nerven. Die eine Aufgabe muss unbedingt noch vor Feierabend erledigt werden. Es kommt zu Missverständnissen. Oder es gibt eine Standpauke wegen eines Projekts, dass nicht so gelaufen ist, wie erwartet… All diese Dinge kommen vor und bedeuten nicht automatisch, dass Sie einen schlechten Chef haben. Allerdings handelt es sich dabei um akute oder temporäre Konflikte.

Kommen diese jedoch gehäuft und regelmäßig vor, ist das ein Warnsignal für schlechte Mitarbeiterführung. Dem sind sogar einmal Forscher und Managementexperten am National Business Research Institute in Texas nachgegangen. Sie wollten wissen: Was können Mitarbeiter an ihren Chefs so überhaupt nicht ausstehen?

Herausgekommen ist dabei eine Liste mit zehn Verhaltensweisen, die Bosse in Verruf und die Belegschaft um den Verstand bringen. Diese:

  1. Mangelhafte Kommunikation

    Gemeint ist damit die selbstgewählte Isolation an der Spitze und das Verschanzen hinter dicken Chefzimmertüren genauso wie fehlendes Feedback, Nicht-zuhören-können, überwiegende Kommunikation per E-Mail statt von Angesicht zu Angesicht sowie Kritikunfähigkeit.

  2. Unfaire Bezahlung

    Die Höhe der Gehälter ist in den meisten Unternehmen eines der bestgehüteten Geheimnisse. Relativ wie absolut hat das Gehalt großen Einfluss auf die Stimmung im Laden.

    Relativ: Erstaunlich viele Mitarbeiter haben ein sicheres Gespür dafür, wer mehr und wer weniger verdient – vor allem aber, ob dies fair und gerechtfertigt ist. Kollegen, die mit Prämien überschüttet werden, obwohl andere die Arbeit machen, sind Leistungsbremsen für jeden Betrieb.

    Absolut: Das Gehalt ist immer auch Ausruck von Wertschätzung. Wer überdurchschnittlich viel leistet ohne dass sich dies auf seinem Lohnzettel spiegelt, schiebt irgendwann nur noch Dienst nach Vorschrift.

  3. Jobunsicherheit

    Outsourcing, Downsizen, Change Management – das sind nicht nur hässliche Anglizismen. Sie verunsichern Mitarbeiter auch. Das lässt sich zwar konjunkturbedingt manchmal nicht vermeiden.

    Perfide aber wirken Chefs, die diese Unsicherheit auch noch schüren – und sei es nur, um ihren Machthunger zu stillen. Fakt ist: Wer ständig um seine Existenz fürchten muss, kann nicht kreativ oder produktiv sein.

  4. Geringschätzung

    Wir hatten das schon unter Punkt 2. Einer der stärksten Motivatoren im Job ist Anerkennung – und diese muss nicht zwangsläufig monetär ausfallen. Umso erstaunlicher, dass Vorgesetzte dieses vergleichsweise günstige Instrument so selten nutzen. Und noch erstaunlicher, dass sich manche sogar gegenteilig verhalten:

    Kaum etwas sagt deutlicher, wie egal einem das so gelobte Humankapital in Wahrheit ist, wenn sich Kollegen wochenlang abschuften und anschließend nicht einmal ein Danke oder Lob hören.

  5. Vetternwirtschaft

    Chefs sind auch nur Menschen. Das schließt ein, dass sie manche Kollegen sympathischer finden als andere. Geschenkt. Das sollte allerdings nie zu Favoritentum führen. Vetternwirtschaft hat eine enorm destruktive Wirkung auf die Moral der Truppe. Sie sagt: Es ist egal, was du leistest. Was zählt, ist allein die Gunst des Chefs.

  6. Überlastung

    Wer in seinem Job noch nie stressige Phasen erlebt hat, ist entweder de facto arbeitslos oder cooler als Ötzi. Halten solche Belastungsphasen jedoch zu lange an oder wachsen sich gar zum Zustand aus, führen sie nicht selten zu psychischen wie physischen Störungen.

    Dauerstress kann die Fehlzeiten der Mitarbeiter aber auch Produktionsfehler und Fluktuationsrate erhöhen. Neben schlechter Bezahlung hat Überlastung und gefühlte Ausbeutung auf die Motivation der Mitarbeiter die wohl deutlichste und auch schnellste Wirkung.

  7. Mikromanagement

    Klar muss ein Chef wissen, was in seinem Laden läuft. Aber Kontrollfreaks sind die Hölle. Ein Boss, der weder delegieren kann, noch seinen Mitarbeitern vertraut, raubt ihnen letztlich jede Chance, den Job selbst zu machen. Ursache für Mikromanager sind oft Unsicherheit und eine ausgewachsene Profilneurose bei den Vorgesetzten. Da hilft nichts: Mit solch schlechten Chefs und Managern muss man Tacheles reden – natürlich taktisch geschickt und taktvoll.

  8. Inkompetenz

    Spätestens seit Entdeckung des Peter Prinzips – also des Aufstiegs bis zum Punkt der totalen Inkompetenz – ist klar, dass Knallköpfe in Führungsetagen durch hierarchische Systeme sogar gefördert werden. Aber für einen Hundertsassa und fleischgewordenen Bildschirmschoner arbeiten? Es ist nicht nur ein Bonmot: A-Leute umgeben sich mit A-Leuten, B-Leute mit C-Leuten.

  9. Gläserne Decken

    Peter Prinzip hin oder her – jeder Mensch möchte sich in seinem Beruf weiterentwickeln, verändern, aufsteigen. Wenn jedoch klar wird, dass dies auf absehbare Zeit nicht möglich ist, hat auch überdurchschnittliches Engagement keinen Sinn.

  10. Fieslinge

    Der Typ fieser Unhold als Manager ist nicht bloß ein Klischee. Diverse Mobbing-Fälle, die jährlich vor den Arbeitsgerichten landen, bestätigen seine Existenz und Verbreitung. Ein solcher Wüterich vereint zahlreiche der zuvor genannten Punkte auf sich, schürt Rachegelüste – und hat letztlich nur eines verdient: Mitarbeiter, die ihm den Rücken kehren und kündigen.

Test: Haben Sie eine einen schlechten Chef?

Nicht jedem ist Führungskompetenz in die Wiege gelegt worden. Und so ist es nur logisch, dass mancher Chef einen besseren Job macht als andere. Falsch wäre es jedoch, Ihren Vorgesetzten voreilig zu verurteilen. Schließlich hat jeder eine faire Chance und eine möglichst neutrale Beurteilung verdient.

Mithilfe des folgenden Tests können Sie die Chefetage einmal auf den Prüfstand stellen und herausfinden, ob Sie das Glück haben, mit einem guten Chef zusammenzuarbeiten – oder eher nicht.

Wir haben zehn Fragen für Sie vorbereitet und würden Sie bitten, sich zu merken, welchen Buchstaben Sie am häufigsten gewählt haben. Am Ende der Slides finden Sie die Auflösung. Viel Spaß!


Sie arbeiten gerade an einem Projekt und befinden sich in einer Sackgasse. Sie wenden sich an Ihren Chef. Wie reagiert er?
  • Er empfindet es nicht als seine Aufgabe, Ihre fachlichen Probleme zu lösen und verweist Sie an einen Kollegen. (A)
  • Er hört sich Ihre Situation an und bestätigt Ihnen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Diesen müssen Sie nur bis zum Ende gehen. (B)
  • Er hat selbst viel zu tun und vertröstet Sie auf einen späteren Zeitpunkt. (C)
Ihr Kind ist krank und Sie brauchen spontan einen Tag frei. Wie reagiert Ihr Chef?
  • Da eine Deadline einzuhalten ist, lehnt er Ihren Wunsch ab. Er schlägt vor, dass Ihr Partner sich darum kümmert. (A)
  • Ihrem Chef ist es egal, solange Sie mit Ihrer Arbeit fertig werden. (C)
  • Er bietet Ihnen an, von zu Hause zu arbeiten. (B)
Sie haben in einem Kundenprojekt einen Fehler gemacht. Nun ist der Kunde verärgert und beschwert sich bei Ihrem Chef. Wie geht dieser mit der Situation um?
  • Er übernimmt die Verantwortung für den Fehler, beruhigt den Kunden und verspricht Nachbesserung. (B)
  • Er versichert dem Kunden, nichts von dem Fehler gewusst zu haben und verspricht, Sie dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Sie erhalten eine Abmahnung. (A)
  • Er fällt aus allen Wolken und ermahnt Sie, beim nächsten Mal mehr Sorgfalt an den Tag zu legen. (C)
Wie laufen Feedbackgespräche mit Ihrem Chef typischerweise ab?
  • Feedback?! Das habe ich bisher noch nie erhalten. (C)
  • Er unterstreicht die Unternehmensziele und verweist darauf, wo diese noch nicht erreicht werden. (A)
  • Er bietet die Möglichkeit, eine Selbsteinschätzung vorzunehmen, zeigt Fortschritte und Verbesserungspotential auf. (B)
Ein neuer Auftrag steht an und das erste Meeting dazu wurde abgehalten. Wie gut sind Sie informiert?
  • Der Chef hat einen kurzen Überblick gegeben, die weitere Planung aber an einen Kollegen übergeben, der sich jetzt erst einarbeiten muss. (C)
  • Jeder weiß, was er zu tun hat, die Ziele wurden vorgestellt und der zeitliche Rahmen steht fest. (B)
  • Ihr Chef weiß, welche Ergebnisse er erwartet. Die Umsetzung ist ihm aber egal. (A)
Sie würden gerne eine Weiterbildung machen und stellen Ihrem Chef das Vorhaben vor. Wie reagiert dieser?
  • Er hält nichts von der Idee und gibt Ihnen zu verstehen, dass Sie die Doppelbelastung unmöglich stemmen werden. (A)
  • Er hat nichts dagegen, solange Ihre Arbeit nicht darunter leidet und dem Unternehmen keine Kosten entstehen. (C)
  • Er ist bereit, Sie zu unterstützen und bittet Sie, konkrete Vorschläge für die Umsetzung des Vorhabens auszuarbeiten. (B)
Sie haben Streit mit einem Kollegen. Wie verhält sich Ihr Chef?
  • Ihn interessieren solche Streitigkeiten nicht und er bittet Sie, solche Dinge außerhalb des Jobs zu klären. (C)
  • Er bittet zu einem Streitgespräch und vermittelt zwischen Ihnen und dem Kollegen. (B)
  • Er ergreift Partei für eine Seite und beendet so die Diskussion. (A)
Wie ist die Arbeitsatmosphäre?
  • Ihr Chef lässt Sie selbstständig arbeiten und steht für Rückfragen zur Verfügung. (B)
  • Ihr Chef kontrolliert jeden Ihrer Schritte und möchte bei jeglicher externen Korrespondenz in CC gesetzt werden. (A)
  • Ihr Chef gibt die Kontrolle an einen Mitarbeiter ab. Dieser hält ihn über die Fortschritte auf dem Laufenden. (C)
Ihre Kundenpräsentation war erfolgreich und sie haben einen großen Auftrag an Land gezogen. Was sagt Ihr Chef?
  • „Gut gemacht, weiter so.“ (C)
  • „Die Ausarbeitung der Präsentation war wirklich gut. Auf den Erfolg sollten wir im Team am Freitag anstoßen.“ (B)
  • „Die Argumentation war nicht schlüssig, aber dem Kunden hat es offensichtlich gereicht.“ (A)
Wie äußert Ihr Chef Kritik?
  • Er sagt Ihnen sofort, wenn ihn etwas stört. Bei seiner Kritik ist er offen und direkt. (B)
  • Seine Kritik ist oft persönlich und geht nicht selten auch unter die Gürtellinie. (A)
  • Er äußert die Kritik nicht, sondern ärgert sich im Stillen. (C)

Weiter zur Auflösung…

Auflösung zum Chef-Check

Hier finden Sie anhand der Antwort, die Sie am häufigsten gegeben haben, die Auflösung zum Chef-Check.



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11 Dinge, die wirklich nur schlechte Chefs sagen

Ob steigender Arbeitsdruck, ausbleibende Anerkennung, permanente Unzufriedenheit und Unberechenbarkeit – nicht nur das Verhalten entlarvt die die Bad Bosses, die schlechten Chefs. Ob Ihr Vorgesetzter ein schlechter Chef ist, das zeigt sich nicht selten auch an typischen Sprüchen und Sätzen.

In solchen Worten und Ausdrücken schwingen Geringschätzung, fehlender Respekt und Herzenskälte ebenso mit wie die Gewissheit, dass diese Führungskräfte ihrer Basis längst entrückt sind.

Das ist ärgerlich, keine Frage. Aber viel betrüblicher ist, dass aus vielen dieser Sätze veritable Dummheit spricht. Zehn der dämlichsten Verbalinjurien finden Sie in der folgenden Checkliste: Haben Sie sowas schon mal von Ihrem Vorgesetzen gehört?



Wenn Sie den Job nicht wollen, finde ich ganz schnell einen anderen dafür…

Selbst wenn man es mit einem renitenten, faulen Mitarbeiter zu tun hat, ist der Satz dennoch dumm. Denn er ist in Wahrheit eine Kapitulation. Wer ihn ausspricht, gibt zu, seine Mitarbeiter entweder nicht motivieren oder ihnen nicht den Job geben zu können, in dem sie aufblühen und sich engagieren wollen. Und sollte der Mitarbeiter tatsächlich chronisch unfähig und unwillig sein, ist diese Drohgeste überdies feige. Denn sie umgeht den in diesem Fall einzig richtigen Schritt: „Hiermit kündige ich Ihnen zum…“

Sie werden hier nicht fürs Denken bezahlt…

Bravo! Sie haben Menschen eingestellt, obwohl Sie eigentlich Maschinen wollten. Dumm gelaufen. Denn die werden auch noch krank, machen Vorschläge und haben vielleicht sogar noch bessere Ideen als Sie selbst. Immerhin: Sie bezahlen wenigstens noch was dafür. Das ist zumindest eine Evolutionsstufe weiter als Sklaverei.

Ich bin zu beschäftigt, um mich darum zu kümmern…

Was die Führungskraft damit eigentlich sagt, ist etwas anderes: „Dein Problem ist mir nicht wichtig genug.“ Das mag vielleicht zutreffen, ist aber definitiv ein Affront und eine Abwertung. Führung im Wortsinn aber bedeutet, dass einem das wichtig genug sein sollte. Wenn nicht jetzt, dann wenigstens später. Das wäre zumindest legitim: „Ich bin gerade sehr beschäftigt, hat das Zeit bis – sagen wir – 16 Uhr? Dann hätte ich für Sie Zeit“

Das war keine Bitte, sondern eine Anweisung…

Diesen Satz hört man an keinem anderen Ort als im Job. Warum eigentlich? Nur dort traut sich jemand, eine solche Respektlosigkeit auszusprechen. Natürlich haben Hierarchien Sinn. Aber ein Chef, der zu diesem Mittel greift, muss sich fragen lassen, warum seine Autorität allein eine geliehene und keine natürliche ist. Smarte Chefs dagegen müssen in der Regel nicht einmal um etwas bitten – ihr Team sieht auch so, was zu tun ist, und löst das Problem. Wortlos.

Wer hat Ihnen das erlaubt?

Wer seine Mitarbeiter wie Kinder behandelt, darf sich nicht wundern, wenn diese irgendwann das Denken einstellen. Mehr noch: Solches Verhalten sorgt dafür, dass keiner mehr Verantwortung übernimmt. Gegenfrage: Wollen Sie Mitarbeiter, die eigenverantwortlich und unternehmerisch denken und handeln? Oder reine Befehlsempfänger? Ein Manager, der diese Frage stellt, verrät sich als Kontrollfreak, der seinem Team nur wenig bis gar kein Vertrauen schenkt. Da sollte man sich gleich noch eine weitere Frage stellen: Will ich wirklich für ein Unternehmen arbeiten, das eine solche Misstrauenskultur pflegt?

Lassen Sie alles stehen und liegen und machen Sie das – JETZT!

Gewiss, manche Dinge vertragen keinen Aufschub. Wenn es igrendwo brennt, sollte man sich sofort in Sicherheit bringen. Problematisch wird es aber, wenn Chefs regelmäßig, oder gar täglich solchen Alarm machen. Das ist kein Management mehr, sondern planloser Reaktionismus. Obendrein verrät das einen Boss, der keine Prioritäten setzen kann.

Ich will von Problemen nichts wissen…

Klasse, der erste Schritt ist gemacht, um eine Katastrophe zu züchten. Klar, manchmal steckt dahinter auch nur Frust, weil die betreffenden Mitarbeiter ihr Problem einfach nur delegieren wollen, statt selbst über eine Lösung nachzudenken. Dann aber wäre klüger, nach einem Lösungsvorschlag zu fragen, statt das Problem auf diese Weise wegzudrücken. Was tatsächlich beim Mitarbeiter ankommt, ist die Aussage: Sag mir nur noch Dinge, die ich hören will – ansonsten: troll dich!

Das klingt für mich eher nach einem persönlichen Problem…

Kann sogar stimmen. Aber jetzt ist es auch Ihr Problem. Nicht umsonst haben Führungskräfte nicht nur Verfügungsgewalt, sondern auch Personalverantwortung. Das bedeutet, dass sie sich auch um private Probleme kümmern müssen, wenn diese auf das Betriebsklima wirken. Bei Alkoholproblemen etwa. Den Mitarbeiter damit alleine zu lassen, ist nicht nur verantwortungslos – es ist auch kaltherzig und beweist soziale Inkompetenz.

Sie können froh sein, überhaupt einen Job zu haben…

Davon abgesehen, dass dieser Satz eine bodenlose Frechheit ist und man einem solchen Chef am liebsten zurückspiegeln würde: Und du kannst froh sein, dass du überhaupt noch einen Menschen führen darfst! – Er ist auch die Bankrotterklärung eines Managers, der von Führung so viel Ahnung hat wie Fische vom Meer. Denn Mitarbeiter, die in Angst leben, arbeiten weder produktiver, noch machen sie mutige Vorschläge und bringen Innovationen hervor.

Und jeder andere hier denkt dasselbe über Sie…

Ein kluger Chef gibt seinen Mitarbeitern konstruktives, nachvollziehbares und individuelles Feedback. Vor allem aber sind seine Rückmeldungen persönlich und in der Ich-Perspektive formuliert. Das ist schließlich auch die Aufgabe eines Managers: Menschen führen – nicht gängeln, sondern anleiten, damit sie sich weiterentwickeln und wachsen können. Dieser Satz aber soll nur verletzen, erniedrigen, degradieren. Und er verrät: Der Chef zweifelt ganz offenbar selbst die Kraft seiner Worte an. Sonst bräuchte er nicht die Rückendeckung durch eine eilig herbeiformulierte Mehrheit.

Social Media haben im Job nichts verloren…

Willkommen in den Achtzigerjahren! Auch wenn Retro immer noch schick ist – in der Unternehmenskultur ist das einfach nur dumm. Erstens, weil zahlreiche Mitarbeiter ohnehin längst ihre privaten Geräte wie Smartphones einsetzen, um Social Media zu nutzen. Zweitens, weil sich das Unternehmen selbst damit zahlreicher Chancen beraubt, Kunden zufriedener, Mitarbeiter produktiver und die Kommunikation effizienter zu machen. Obendrein lassen sich oft sogar noch Kosten sparen und die Produkte mit Hilfe von außen optimieren (crowd sourcing). Die Entwicklung aufzuhalten ist daher nicht nur töricht – sie isoliert auch zunehmend.



Was gute Chefs stattdessen sagen sollten

Die obigen Ausdrücke lassen sich auch umdrehen. Nicht immer zeichnen sich schlechte Chefs dadurch aus, was sie sagen, sondern ebenso durch all die Dinge, die Sie nicht sagen – aber sollten.

Ein Chef, der fast immer schweigt, geht Ihnen vielleicht nicht mit langen Monologen auf die nerven. Er ist aber dennoch keine gute Führungskraft, weil er viele wichtige Dinge nicht anspricht.

Drehen wir den Spieß also mal herum: Wie gute Mitarbeiterführung aussehen kann und was gute Chefs häufiger zu Ihren Mitarbeitern sagen sollten…



Was denken Sie darüber?

Das gleich vorweg: Führen bedeutet nicht etwa immer nur zu reden und Richtungen vorzugeben. In der Mehrheit geht es darum, aufmerksam und aktiv zuzuhören, Belange und Bedürfnisse kennenzulernen und darauf einzugehen.

Ich vertraue Ihnen da völlig.

Vertrauen ist der Anfang von allem – vor allem aber der einer gesunden Unternehmenskultur. Alles andere führt in ein Klima des Misstrauens, der Kontrolle und der Intrigen. Und so gewinnt man sicher keine Talente. Wer davon ausgeht, intelligente Menschen zu führen, sollte sie auch so behandeln. Wer davon ausgeht, Idioten und Schlawiner um sich zu haben, muss sich erst mal selber fragen, wer es war, der diese eingestellt hat.

Ich bin froh, Sie bei mir im Team zu haben.

Anerkennung und Dankbarkeit sind der Schlüssel zur Zufriedenheit der Mitarbeiter. Das Gehalt ist das Eine, aber kein Mensch arbeitet mehr als nötig und hängt sich freiwillig mit aller Leidenschaft rein, wenn die Anerkennung für die Leistung ausbleibt.

Bitte / Danke

Es kann so einfach sein. Insbesondere wenn man einen Unterschied machen will zwischen Kasernenton und Kommandoführung auf der einen Seite und respektvollem, zwischenmenschlichem Umgang auf der anderen. Schließlich wechselt kein Mitarbeiter an der Firmenpforte in den Sklavenmodus.

Klasse Idee! So machen wir es…

Es ist eine Kunst zu loben. Lob ist nicht nur Labsal für die Seele – es ist ein mächtiges Instrument, um das Verhalten anderer zu verändern: Lob bringt die Menschen dazu, selbigem gerecht zu werden; es wärmt das Herz und öffnet den verstockten Geist. Vor allem aber: Chefs sollten sichtbar und hörbar anerkennen, dass auch andere gute Ideen haben – nicht nur sie selbst.

Da lag ich wohl falsch. Sie haben Recht!

Der Satz gehört vermutlich zu den seltensten überhaupt. Das Eingeständnis, eine falsche Entscheidung getroffen oder eine schlechte Idee gehabt zu haben, kann sich mancher Manager vielleicht noch im eigenen Kämmerlein leisten. Aber dann auch noch zuzugeben, dass der Mitarbeiter es besser wusste… Chapeau! So viel Größe besitzen nur wenige. Und siehe da: Es steckt schon im Satz – es würde ihnen mehr „Größe“ verleihen.

Womit kann ich Sie unterstützen?

Führung beinhaltet zugleich auch Fürsorge. Mitarbeitern Freiräume zu geben oder zu schaffen, damit sie ihre Talente voll einsetzen können, ist essenziell für die Teamleistung. Dazu muss man allerdings wissen, was die Kollegen genau brauchen (was im Grunde auch zum ersten Punkt führt: dem Zuhören).

Ich entschuldige mich dafür.

Auch Chefs machen Fehler; sagen Dinge, die sie nicht so meinen; vergreifen sich im Ton; machen blöde Witze. Kann passieren, nobody is perfect – auch nicht per Amt. Aber mit der Erkenntnis verbunden ist auch die Verantwortung, sich für Fehler zu entschuldigen. Es muss ja nicht gleich ein Gang nach Canossa sein…

Wenn Sie Hilfe benötigen, melden Sie sich bitte.

An der Oberfläche geht es hier um Hilfsbereitschaft. Darunter schwingt aber noch mehr mit: Nahbarkeit. Ein Chef, der so etwas sagt, signalisiert zugleich: Ich bin ansprechbar, erreichbar, offen – und ich nehme mir für dich Zeit, wenn es nötig ist. Wer flache Hierarchien installiert, der muss sie auch leben. Ein Organigramm motiviert noch niemanden.

Ohne Sie geht es nicht – wir brauchen Sie.

Wer hat sich nicht schon mal als Rädchen im Getriebe gefühlt? Und, war das ein gutes Gefühl? Eben. Wer sich engagiert, will wissen und spüren, dass sein Beitrag bedeutend ist. Und wenn Sie nur die Aufreißlasche an der neuen Verpackung entworfen haben, aber hey, ohne diese Superduperlasche käme kein Kunde an das Zeug darin heran. Und die haben Sie entwickelt! Klasse, weiter so!



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Schluss mit mieser Mitarbeiterführung! 5 Tipps, wie es besser wird

Sie wissen es längst oder der obige Test hat Sie noch einmal darin bestätigt, dass Sie einen schlechten Chef haben? Dann steht die Frage an: Was nun?

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, heißt es. Seine Kollegen und den Chef in den vielen Fällen aber auch nicht. Jedenfalls nicht, wenn kündigen keine Option ist.

Das Münchener Geva-Institut fand einmal heraus: Angestellte lästern im Schnitt etwa vier Stunden pro Woche über ihren Vorgesetzten. Wohl nicht ganz ohne Grund. Aber wenn wir ehrlich sind, dann gibt es Sinnvolleres, das man in den vier Stunden machen kann, um sich mit seinem Chef zu beschäftigen.

Deshalb, daher und darum: 5 Tipps, wie Sie mit schlechten Chefs besser umgehen:

  1. Fragen Sie sich, ob Sie gehen sollten.

    Sich mal mit einem miesen Chef rumschlagen? Okay, kommt vor. Wenn das Problem zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten aber größer wird oder gar chronisch, sodass Sie sich nur noch zur Arbeit quälen, sollten Sie sich die Frage ernsthaft stellen, ob Sie dort noch länger arbeiten wollen.

    Der erste Schritt besteht also darin, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen: Will ich gehen oder bleiben? Natürlich spielen hier viele weitere Faktoren eine Rolle: Können Sie sich einen Jobwechsel leisten? Passt der Zeitpunkt? Sind die Alternativen besser? (siehe auch Video)

    Insgesamt gilt die Faustregel: Wenn die Probleme mit Ihrem Chef so tief sitzen, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, einen guten Job zu machen, ist es Zeit, weiter zu ziehen.

  2. Wenn Sie bleiben, bleiben Sie positiv.

    Angenommen Ihre Probleme sind belastend aber nicht unüberwindbar, dann ist es zumindest möglich, sich eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Sie gemeinsam mit Kollegen gut zusammen arbeiten. Allerdings müssen Sie hierfür die richtige Basis schaffen: Ihre persönliche Zufriedenheit.

    Wenn Sie jeden Tag frustriert, unglücklich und unzufrieden auf der Arbeit erscheinen, liegen die Chancen für ein positives Umfeld gering. Wenn Sie also die bewusste Entscheidung getroffen haben, zu bleiben, dann bleiben Sie auch bewusst positiv. Das ist tatsächlich eine Entscheidung! Gehen Sie nicht weiter auf das Verhalten Ihres Chefs ein, dass Sie sonst immer so wütend macht und lassen Sie sich von der negativen Stimmung, die dadurch vielleicht im ganzen Büro entsteht, nicht anstecken.

  3. Bauen Sie Vertrauen auf.

    Es ist sogar möglich, ein positives Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Chef wieder aufzubauen, egal wie inkompetent oder anstrengend der ist. Vorausgesetzt, er ist kein völliger Soziopath.

    Zugegeben, das klingt weder besonders attraktiv, noch macht es großen Spaß. Vielleicht müssen Sie dabei sogar zusehen, wie er die Lorbeeren für Ihre Arbeit erntet, vielleicht müssen Sie sich von ihm wie ein Leibeigener behandeln lassen. Oder Sie müssen geduldig seinen selbstverherrlichenden Geschichten zuhören.

    Was auch immer es ist: So lange es nicht verletzend ist oder Ihnen nachhaltig und körperlich-seelischen Schaden zufügt, können Sie versuchen, das Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Chef wieder herzustellen und das Ruder noch einmal herum zu reißen.

    Böse Zungen könnten behaupten, dass es sich hierbei um pure Schleimerei handelt. Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht so. Aber frei nach dem Motto Der Klügere gibt nach ist es in Situationen wie diesen strategisch sinnvoller, sein eigenes Ego zurück zu stellen, um das Beste aus der Situation zu machen.

    Ja, das kostet Kraft, sie können dabei aber nur gewinnen: Entweder wird der Job besser – oder Sie wissen mit Gewissheit, dass Sie dringend Ihren Hut nehmen sollten (siehe Punkt 1) und dass Sie sich definitiv nichts vorzuwerfen haben.

  4. Erlangen Sie Unabhängigkeit.

    Die Punkte, die Sie bisher auf dem Vertrauenskonto angesammelt haben, können Sie jetzt gegen etwas Nützliches eintauschen: Autonomie.

    Machen Sie sich zum Verbündeten Ihres Bosses und verwenden Sie dazu kluge Fragen wie zum Beispiel:

    „Soll ich in den Sommermonaten an der neuen Produkteinführung arbeiten? Ich weiß, dass Sie in diesem Zeitraum viele familiäre Verpflichtungen haben.“

    Fangen Sie klein an. Lösen Sie seine Probleme und zeigen Sie Leistungsbereitschaft, das beruhigt ihn. Nutzen Sie die ersten Erfolgserlebnisse, um das Vertrauen zwischen Ihnen beiden weiter zu stärken. Liefern Sie Ihre Arbeit immer pünktlich ab und vermeiden Sie – wenn möglich – Überraschungen. Mit der Zeit vertraut er Ihnen – und lässt Sie immer mehr in Ruhe.

  5. Bleiben Sie dran.

    Es läuft. Sie haben das Vertrauen Ihres Chefs und Ihre Unabhängigkeit wächst stetig. Jetzt heißt es, behutsam Grenzen zu setzen, die Ihnen dabei helfen werden, in Ihrem Job glücklicher und zufriedener zu werden und zu bleiben. Das aber ohne eine Gegenreaktion Ihres Chefs zu provozieren.

    Egal was für ein Kotzbrocken Ihr Chef ist: Jeder Mensch hat Respekt und Wertschätzung verdient. Jetzt, da er Ihnen vertraut, Sie wieder schätzen gelernt hat, sollten Sie ihm das klarmachen.

    Wenn Ihr Boss also mal wieder einen cholerischen Anfall hat, ungerecht oder unverschämt wird, sagen Sie ihm das – nicht aggressiv, sondern ruhig und sachlich, aber bestimmt. Er wird Ihnen jetzt deutlich mehr zuhören als vorher.

    Und falls nicht und er ein unverbesserlicher Egomane ist – gehen Sie zurück zu Punkt 1.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
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17. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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