Renitenz: Widerstand ist zwecklos

In einer Gesellschaft, in der Wert darauf gelegt wird, dass bereits Kinder sich eine eigene Meinung bilden, werden Ja-Sager eher als verweichlicht und angepasst bewertet. Unbequem und unangepasst wird gerne mit Individualität gleichgesetzt – um nicht zu sagen: verwechselt. Das andere Extrem zu Ja-Sagern ist allerdings weitaus weniger bequem und als Kollege, aber auch als Chef schwer zu ertragen: Renitenz. Renitente Mitarbeiter können ihre Mitmenschen arg auf die Probe stellen und das Arbeitsklima negativ beeinflussen. Doch wie mit ihnen umgehen? Wir zeigen es Ihnen…

Renitenz: Widerstand ist zwecklos

Renitenz Definition: Was genau ist das?

Renitenz bezeichnet ein Verhalten, das von Aufsässigkeit und Widerspenstigkeit geprägt ist. Historisch gesehen wurden damit Untergebene bezeichnet, die in irgendeiner Form vom wünschenswerten Verhalten der Obrigkeit gegenüber abwichen.

Das Adjektiv zu Renitenz ist renitent; Synonyme für dieses Verhalten sind:

  • bockig
  • dickköpfig
  • eigensinnig
  • halsstarrig
  • hartnäckig
  • protestierend
  • starrsinnig
  • störrisch
  • widerborstig
  • widersetzlich
  • widerspenstig
  • trotzig

Wenn heutzutage beispielsweise von renitenten Kindern oder Jugendlichen die Rede ist, dann meist in polemischer Absicht; ihr Benehmen wird dann als abwegig kategorisiert. Diese Kritik ist vor dem Hintergrund zu verstehen, dass eine Gesellschaft natürlich nur dann richtig funktionieren kann, wenn im Allgemeinen ihre Regeln und Gebräuche anerkannt werden.

Kommt es zu Widerstand in Form von Gesetzesbrüchen, zieht das entsprechende Konsequenzen nach sich. Andererseits ist renitentes Verhalten bis zu einem gewissen Grad völlig legitim – es kommt halt auf die Ausprägung und den Bereich an. Üblicherweise haben erwachsene Menschen gelernt, gewisse Grenzen zu akzeptieren.

Wer in einen Fußballverein tritt, wird mit seiner Forderung nach Basketball-Spielen vermutlich nicht sehr erfolgreich sein, da kann er sich sträuben wie er will. Gleiches gilt für das Berufsleben: Natürlich sollte man für eigene Überzeugungen kämpfen und seine Meinung kundtun.

Aber ein Mitarbeiter sollte eben wissen, wann er zu schweigen hat, denn letztlich hat der Vorgesetzte die Entscheidungsgewalt und vor allem trägt er die Verantwortung.

Renitente Mitarbeiter – eine Herausforderung für Chefs

Ein Chef sollte mit einer anderen Meinung umgehen können. Und manchmal gefällt vielleicht nicht die Art, wie diese vorgetragen wird, weil es anmaßend wirkt. Nur wann ist eine Person eigentlich renitent? Es ist ja durchaus im Sinne des Unternehmens, wenn die Angestellten auf offensichtliche Fehler oder Widersprüche hinweisen.

Gerade als Führungskraft sind Ihre sozialen Kompetenzen gefragt, das heißt, Sie müssen konflikt- und kritikfähig sein, aber eben auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzen.

Unter Umständen ist ein Mitarbeiter objektiv betrachtet gar nicht renitent, sondern nur Sie empfinden ganz subjektiv, dass dieser Mitarbeiter schwierig ist. In diesem Fall müssen Sie sich natürlich um eine faire Lösung bemühen. Daher sollten Sie sich fragen, woran es liegt, dass das Benehmen des Mitarbeiters so unangenehm bei Ihnen aufstößt.

  • Gibt es einen bestimmten Anlass oder ist es eine Grundstimmung?
  • Liegt es an der Kommunikation, lässt er beispielsweise nicht ausreden oder ist er laut, unfreundlich?
  • Verstößt er gegen bestimmte Regeln?
  • Kommt er seiner Arbeit nicht nach?
  • Lehnen Sie den Mitarbeiter aufgrund seiner Überzeugungen, Werte ab?
  • Projizieren Sie Ihre Ablehnung vielleicht auf seine Leistungen?
  • Haben nur Sie diesen Eindruck oder würden andere Kollegen Ihren Mitarbeiter ebenso einschätzen?

Nicht jeder Mensch ist uns gleich sympathisch. Aber jemanden Renitenz vorzuwerfen ist zunächst eine Zuweisung und muss schon an konkreten Punkten festgemacht werden können. Es gibt einige Anzeichen:

  • Sie machen einen Vorschlag, die renitente Person ist dagegen – und zwar ständig, so dass der Eindruck entsteht, dass es ums Prinzip geht.
  • Die Person vergreift sich im Ton, das heißt, Sie werden beispielsweise im Meeting bloßgestellt.
  • Sie erläutern die Gründe für eine Entscheidung und es wird dennoch dagegen argumentiert und diskutiert, Ihre Autorität als Vorgesetzter nicht akzeptiert.

Umgang mit renitenten Menschen

Bei Menschen, die Renitenz an den Tag legen, muss geschaut werden, worin dieses Verhalten begründet ist. Es besteht die Möglichkeit, dass so jemand sich nicht genügend wertgeschätzt fühlt. Ebenfalls denkbar ist, dass er ein Problem mit Autoritäten oder mit Ihnen als Führungskraft hat.

Manchmal hat sich vielleicht ein Aufgabenfeld geändert und als Führungskraft kann es sinnvoll sein gemeinsam mit diesem Mitarbeiter zu überlegen, wo seine Fähigkeiten vielleicht besser eingesetzt werden können. Die Ursachen für Renitenz bei einem Mitarbeiter können Sie als Führungskraft häufig bereits mit diesen Punkten eingrenzen:

  • Wertschätzung

    Stellen Sie sicher, dass der Mitarbeiter sich gehört fühlt. Möglicherweise ist eine stärkere Beteiligung an Entscheidungen einzurichten.

  • Sinn

    Arbeitnehmer müssen das Gefühl haben, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Ein Gespräch, das die Auswirkungen des eigenen Verhaltens zeigt und illustriert, wie andere Menschen davon abhängen, kann die Bedeutung und den Sinn der eigenen Tätigkeit nachvollziehbar machen.

  • Lob

    Ein weiterer, wesentlicher Aspekt der Mitarbeitermotivation ist Lob. So wird dem Mitarbeiter signalisiert, dass seine Arbeit von Bedeutung ist und es einen Unterschied macht, ob er im Team ist oder nicht. Lob sollte gezielt – beispielsweise nach Abschluss eines bestimmten Projekts – ausgesprochen werden.

  • Autonomie

    Eigenverantwortliches Handeln der Mitarbeiter heißt nicht nur Selbstverantwortung, sondern bedeutet auch ein höheres Selbstwertgefühl. Der Mitarbeiter hat so das Gefühl, dass seine Kompetenzen und sein Fachwissen ernst genommen werden und er es anwenden kann.

Werde ich selbst als renitent wahrgenommen?

Renitente Menschen RenitenzWer selbst das Gefühl hat, ständig überall zu anzuecken oder bestenfalls mit Nichtbeachtung gestraft zu werden, sollte überlegen, ob dieser Arbeitsplatz noch der richtige für ihn ist? Manchmal ändern sich Gegebenheiten, die Zusammensetzung des Teams. All das kann Einfluss auf die Stimmung und das Betriebsklima haben.

Wer sich nicht mehr willkommen und akzeptiert fühlt, sollte über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken, an dem er seine Ideen einbringen und Dinge bewirken kann. Einzig wenn diese Schwierigkeiten an jedem Arbeitsplatz auftauchen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie in der Person begründet liegen.

Wenn Konflikte zu eskalieren drohen

Wenn Ihr Mitarbeiter sich wiederholt durch Renitenz auszeichnet, müssen Sie aktiv werden. In diesem Fall sollten Sie sich nicht provozieren lassen, sondern auf der Sachebene bleiben und ein Kritikgespräch mit dem Mitarbeiter führen. Machen Sie sich dazu im Vorfeld Notizen für einen Gesprächsleitfaden, in dem Sie freundlich darauf hinweisen, dass es ein Problem zu besprechen gibt.

Beschreiben Sie dieses Problem und seine Auswirkungen, lassen Sie auch Ihren Mitarbeiter zu Wort kommen und erarbeiten Sie gemeinsam einen Plan fürs weitere Vorgehen. Anschließend vereinbaren Sie ein nächstes Gespräch zur Überprüfung. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle hat sich das Problem bereits erledigt.

Ändert der renitente Mitarbeiter sein Benehmen nicht, ist ein zweites Mitarbeitergespräch notwendig, bei dem der Vorgesetzte deutlich macht, welche Erwartungen er an den Mitarbeiter hat und dass er sie nicht ändern wird. Wichtig sind auch hier ein faires Miteinander, das sich im ruhigen Ton und einer sachlichen Ausdrucksweise widerspiegelt.

Der Gesprächsverlauf sollte schriftlich festgehalten werden, ebenso wie ein Überprüfungstermin. In den allermeisten Fällen (80 Prozent) ist das Problem nun gelöst. Falls nach der Mitarbeiter nach wie vor durch renitentes Verhalten auffällt, ist der Konflikt tiefgehend.

In diesem Fall sollten Dritte zum Gespräch hinzugezogen werden, beispielsweise ein Kollege der nächsten Hierarchieebene, ein Personaler oder ein Vertreter des Betriebsrats. Forschern zufolge wird nach der dritten Eskalationsstufe in 98 Prozent aller Fälle der Konflikt gelöst – erst danach folgt die letzte Eskalationsstufe, an deren Ende die Abmahnung und schließlich die Kündigung stehen.

[Bildnachweis: A and N photography by Shutterstock.com]
27. Juni 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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