Arbeit: Was ist Arbeit – eine Definition

Je nachdem, wen Sie fragen, was Arbeit ist, bekommen Sie unterschiedliche Antworten. Die Philosophie beantwortet die Frage nach der Arbeit anders als die Betriebswirtschaftslehre oder die Sozialwissenschaften. Fakt ist, dass Arbeit – gewollt oder ungewollt – einen wichtigen Teil im Leben eines jeden Menschen einnimmt. Wie groß dieser Teil ist, richtet sich vor allem danach, wie wir Arbeit definieren. Was zählt denn als Arbeit? Nur das, womit wir unser täglich Brot verdienen oder auch der Abwasch? Wir gehen der Frage nach und schauen, welche Bedeutung Arbeit im Leben von Menschen hat…

Arbeit: Was ist Arbeit - eine Definition

Definition: Was ist Arbeit?

Fragen Sie Ihren Kollegen, was Arbeit ist, kommt vermutlich als Antwort das, was er gerade oder im Verlauf des Tages beruflich erledigt. Ist dann alles, was nicht am Arbeitsplatz stattfindet, automatisch Freizeit und Muße? Der Einkauf, die Kinder zur Schule zu bringen, der Hausputz, der Gang zur Behörde?

Sie sehen schon das alte Gegensatzpaar „Arbeit versus Freizeit“ funktioniert nur bedingt. Klar, Sie werden für Ihre Erledigungen in Ihrer Freizeit nicht von Ihrem Arbeitgeber entlohnt. Aber arbeitsfrei ist die Freizeit in den allerwenigsten Fällen. Deshalb ist der Terminus „Arbeitslosigkeit“ strenggenommen nicht möglich, allenfalls wenn wir schlafen.

Umgangssprachlich wird selten differenziert; Arbeit ist der Sammelbegriff für so vieles. Gehen wir einem Beruf nach, für den wir entlohnt werden, wäre sprachlich korrekter von „Erwerbsarbeit“ oder „Erwerbstätigkeit“ zu sprechen. In der Betriebswirtschaftslehre lag der Fokus lange nur auf der ökonomischen Betrachtung von Arbeit:

Was kommt am Ende dabei heraus? Demnach ist Arbeit das Produkt von Arbeitskraft und Arbeitszeit. Aber auch diese Definition greift zu kurz. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Arbeit so:

Zielgerichtete, soziale, planmäßige und bewusste, körperliche und geistige Tätigkeit.

Unterschiedliche Arten von Arbeit

Arten von ArbeitEinige Unterschiede wurden bereits angesprochen, Arbeit ist nicht gleich Arbeit. Es werden landläufig einige Gegensatzpaare gesehen, die bei näheren Betrachtung nicht stimmig sind und auch obige Definition wiederum obsolet erscheinen lassen. Beispielsweise wird bei Arten der Arbeit häufig zwischen geistiger und körperlicher Arbeit unterschieden.

Aber jede noch so simple körperliche Tätigkeit setzt eine kognitive Funktion voraus – und sei es nur, dass beispielsweise ein Paketbote daran denkt, dass er nach der nächsten Paketlieferung erst einmal tanken muss, um seine Arbeit weiter ausführen zu können. Oder dass für die nächste Lieferadresse drei Pakete zusammengesucht werden müssen.

Richtiger wäre, von überwiegend geistiger oder überwiegend körperlicher Arbeit zu reden.

Ein weiterer Unterschied kann zwischen selbständiger und unselbständiger Arbeit getroffen werden. Die Mehrheit aller Berufe wird nach wie vor in Festanstellung ausgeübt, sie wird als die Norm betrachtet.

Außerdem lässt sich nach Bildungsgrad unterscheiden: Ungelernte oder angelernte Arbeit, wie sie von Hilfsarbeitern ausgeübt wird oder gelernte Arbeit, die eine duale Ausbildung oder ein Studium erfordern.

Arbeit von Anbeginn der Menschheit

Geht man weit in die Menschheitsgeschichte zurück, so ist Arbeit vor allem mit einem verbunden: Mühsal, Anstrengung. Noch bevor der Mensch „Mensch“ hieß und gelernt hatte, Werkzeuge herzustellen, hatte er nur seine bloßen Hände. Jäger und Sammler sind die ersten Berufe, wenn man so will. Arbeit bedeutete vor allem der Natur alles abzutrotzen, das in irgendeiner Form das eigene Überleben sicherte.

Mit der Entwicklung von Werkzeugen wurde es möglich, bestimmte Dinge zu erreichen und sich die Arbeit zu erleichtern. Gleichzeitig fand eine gesellschaftliche Ausdifferenzierung im Laufe der Jahrtausende statt, die lange Zeit mit extremen Unterschieden einherging.

Was in heutiger Zeit noch als „Schicht“ übrig geblieben ist, bedeutete in früheren Jahrhunderten „Stand“ oder „Klasse“. Kriterium dafür ist immer in irgendeiner Form Arbeit: Wer arbeitet, wer arbeitet nicht? Wer muss arbeiten, wer nicht? Und schließlich: Wer arbeitet für wen?

Die Philosophen der Antike beantworteten die Frage nach der Arbeit anders als Menschen heutzutage. Arbeit war in ihren Augen vor allem das, was Unfreie, Sklaven verrichteten. Und das war im Wesentlichen körperliche, handwerkliche Arbeit. Die wahre und erstrebenswerte Bestimmung des Menschen hingegen sei es, sich geistigen Bedürfnissen zu widmen.

Muße wird als Voraussetzung für Kreativität gesehen. Dummerweise konnten sich das auch damals schon nur die Betuchten, also die Freien, leisten. Diese Abwertung von körperlicher Arbeit im Gegensatz zu geistiger hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.

Das lässt sich einerseits sprachlich bei dem Begriff „Banause“ nachweisen, der einen wenig intellektuellen, ungebildeten Menschen bezeichnet. Er stammt von dem griechischen Wort bánausoi ab und bezeichnete in der Antike Handwerker.

Und diese Negativbewertung schlägt sich andererseits sehr häufig im Gehalt nieder; etwa wenn körperlich anstrengende Berufe wie Krankenschwester oder Gärtner schlechter entlohnt werden als beispielsweise Verwaltungsbeamte oder Führungskräfte.

Harte Arbeit oder Talent?

Das Absurde ist ja, dass in anderen Zusammenhängen wiederum nur harte Arbeit etwas zählt. Nicht nur die Philosophie der Antike hat Einfluss darauf, wie wir Arbeit heutzutage bewerten, auch die frühe Neuzeit hat ihre Spuren tief im menschlichen Denken hinterlassen.

Hier waren es vor allem religiöse Denker, namentlich der Reformationszeit, die eine Verbindung zwischen Arbeit und Religion und damit der Nähe zu Gott sahen. Das Leben des Menschen wurde als vorbestimmt gesehen und somit auch die Arbeit und der Beruf, den eine Person ausübte.

Dabei wurden geistige und weltliche Tätigkeiten gleichermaßen wichtig eingeschätzt. Luthers Denken ist von der Überzeugung getragen, dass jeder Mensch in Erfüllung seiner Pflicht mit Fleiß gottgefällig handelt. Im Fokus stand dabei weniger die Art oder Ausübung des Berufs, sondern dass Gott auf diese Art gnädig gestimmt wurde.

Auch Erasmus von Rotterdam, der Namensgeber des Erasmusprogramms, sah in Bildung und Arbeit die Pflicht eines jeden Menschen. Hieraus entwickelte sich die besondere protestantische Arbeitsethik, der ein Leistungsdenken zugrunde liegt, das viele westliche Industrienationen bis auf den heutigen Tag prägt.

Dieses Fixieren auf Leistung ist nicht ganz unproblematisch. Zum einen kann es zu einer Abwertung all derjenigen führen, die bestimmte Leistungen nicht erbringen können: Ältere Menschen, Behinderte, Frauen und Kinder. Zum anderen wird dann nur das geschätzt, was mühsam erschuftet wurde? Was ist mit Begabung und Talent? Dazu ein paar Gedanken im Video:

Ist Arbeit das halbe Leben?

Arbeit Work-Life-BalanceNicht selten wird auf Arbeit geschimpft. Die steigende Zahl von Burnouts gilt vielen als Beleg dafür, dass zu viel gearbeitet wird. Etwas scheint aus dem Lot geraten, benannt wird der Wunsch, das wieder zu ändern häufig mit dem Begriff „Work-Life-Balance“.

Dabei wird suggeriert, dass es eine Trennung zwischen Arbeit in der einen und Nicht-Arbeit (was immer das sein mag) in der anderen Hälfte des menschlichen Lebens gebe. Angesichts der vielen unterschiedlichen Arten, die Arbeit annehmen kann, eine absurde Vorstellung.

Selbst wenn man Arbeit automatisch mit Erwerbsarbeit gleichsetzen wollte, funktioniert diese Rechnung nicht. Denn entgegen des vielzitierten Spruchs Arbeit ist das halbe Leben verbringen wir längst nicht so viel Zeit damit, Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Auf Platz eins der Tätigkeiten, die uns am meisten Zeit kosten, steht tatsächlich der Schlaf.

Es folgen:

  • Fernsehen
  • Gespräche
  • Arbeit
  • Essen
  • Fortbewegung
  • Bildung
  • Sport

Gerade mal an vierter Stelle steht Arbeit. Manche Studien sehen Schlaf, Freizeitbeschäftigungen und Arbeit zu einem Drittel jeweils gleich verteilt. Wie es gedreht oder gewendet wird: Das Leben besteht aus weitaus mehr, was häufig nicht berücksichtigt wird.

In Jahren gerechnet schläft eine 80-jährige Person 24 Jahre, sieht 12 Jahre fern und arbeitet gerade mal acht Jahre. Was gar nicht so viel ist, wenn man bedenkt, dass Arbeit für viele nicht nur Mittel zum Zweck, sondern sinnstiftend ist und Selbstverwirklichung bedeutet.

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[Bildnachweis: Diana Grytsku by Shutterstock.com]
27. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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