Zukunft der Arbeit: Was verändert sich?

In der Literatur wurde schon oft und ausgiebig über die Zukunft sinniert. Bereits 1870, in einer Zeit als Pferdekutschen die Straßen bevölkerten und Schiffe und Eisenbahnen noch von Dampfmaschinen betrieben wurden, beschrieb Jules Verne in 20.000 Meilen unter dem Meer Boote, die sich unter Wasser fortbewegten. Seine Geschichten inspirierten Forscher. Heute gilt er als Visionär. Er erkannte, dass Elektrizität die Dampfkraft ablösen würde. Für seine Erfindungen stellte er Bezüge zu physikalischen Phänomen und bestehenden Geräten her. Fast 150 Jahre sind seither vergangen, an der großen Frage hat sich aber dennoch nicht viel verändert: Was verändert sich in der Zukunft? Man wünscht sich die Kristallkugel, um einen kurzen Blick zu riskieren. Da diese Technik aber nicht – zumindest nicht seriös – zur Verfügung steht, bleibt nur, sich die Entwicklungen anzusehen und daraus mögliche Rückschlüsse für die kommenden Jahre zu ziehen. Was sich in der Zukunft der Arbeit verändern könnte…

Zukunft der Arbeit: Was verändert sich?

Zukunft der Arbeit: Welche aktuellen Trends beeinflussen die Zukunft?

Was genau die Zukunft bringt, werden wir erst wissen, wenn es soweit ist. Doch vollkommen ahnungslos sind wir auch heute nicht; bereits seit geraumer Zeit beobachten wir verschiedene Trends, die sich unterschiedlich auf die Arbeit auswirken werden.

So hat sich beispielsweise die kanadische Stiftung Bildungsförderung Canadian Scholarship Trust Plan mit dem Thema beschäftigt. Es ging um die Frage: Welche Faktoren werden die Welt, wie wir sie kennen, verändern?

Heraus kam eine Liste globaler Faktoren, die die Gesellschaft und die Umwelt beeinflussen – Faktoren, die letztlich die Zukunft der Arbeit verändern können:

  • Demografischer Wandel

    In vielen Ländern geht die Geburtenrate zurück, während die Menschen immer älter werden. In einer alternden Gesellschaft sinkt die Zahl der Menschen in arbeitsfähigem Alter, während die Kosten für die Betreuung der Senioren zunehmen. Vor allem im Gesundheitssektor werden sich diese Entwicklungen auswirken und der Arbeitsmarkt muss ab einem bestimmten Punkt darauf reagieren.

  • Klimawandel

    Fossile Brennstoffe werden immer knapper. Nur mithilfe von erneuerbaren Energien kann der Energiebedarf auch in der Zukunft gedeckt werden. Das Thema rund um die Gewinnung von Wind-, Wasser- und Solarkraft wird weiter an Bedeutung gewinnen und nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft behandelt werden müssen.

  • Einwanderung

    Der Klimawandel wird auch Einfluss auf die Einwanderung haben. Bestimmte Regionen der Welt werden unbewohnbar. Menschen aus diesen Regionen werden sich in anderen Ländern niederlassen. Die Gesellschaft wird vielfältiger. Interkulturelle Kompetenzen und auch unterschiedliche Sprachen werden dann besonders gefragte Fähigkeiten sein.

  • Digitalisierung

    Das weltweite Datenvolumen verdoppelt sich alle zwei Jahre. In Zukunft wird der Umgang mit sogenannten Big Data, Datenmengen, die mit den klassischen Methoden der Datenauswertung nicht mehr ausgewertet werden können, immer wichtiger. Die Stiftung leitet daraus ab, dass Berufe entstehen werden, die sich auf den Umgang mit diesen Daten spezialisieren.

  • Personalisierung

    Das Phänomen der individualisierten Massenfertigung wird zunehmen, vor allem im Gesundheitssektor. Krankenhäuser werden zu Gesundheitsfabriken, Sportkleidung könnte Gesundheit und Körperfunktion überwachen. Berufe, die diese Produkte entwerfen, werden entstehen.

  • Sicherheit

    Zukünftig werden wir ständig zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem nach Freiheit hin- und herschwanken, gerade auch im Internet. Wir wollen alles teilen, jede Information mitbekommen und von überall Zugriff haben – gleichzeitig aber unsere Privatsphäre schützen. Die Stiftung sieht den Bedarf, dass sich zukünftig Berufe in allen Bereichen entwickeln werden, die sich auf die Wahrung der Kontrolle über private Daten spezialisieren werden.

Hinzu kommen Digitalisierung und technischer Fortschritt. Diese haben großen Einfluss auf den Stand der heutigen modernen Gesellschaft. Kaum einer, der nicht in irgendeiner Form technikverliebt wäre.

Der eine spielt den halben Tag mit dem Smartphone in der Hand herum, der nächste trägt Laptops auf Reisen mit sich und ein anderer schmückt das Handgelenk mit Smartwatches und hat Spaß an diversen technischen Spielereien.

Mit zunehmender Entwicklung kann dies jedoch dazu führen, dass nicht nur Jobs, sondern möglicherweise ganze Berufsfelder revolutioniert werden. Wo heute noch menschliche Arbeitskraft gefragt und benötigt ist, fällt vielleicht in zehn Jahren der Markt vollkommen weg, weil es technische Lösungen gibt, die sich durchgesetzt haben. Schneller, einfacher und nicht zuletzt billiger.

Kann ein Roboter meinen Job übernehmen?

Zukunft der Arbeit Studie Arbeitswelt Zukunft Trends Wandel der ArbeitsweltHaben Sie sich schon einmal gefragt, ob Ihr Job möglicherweise auch von einem Roboter übernommen werden könnte?

Bevor Sie nun resolut mit dem Kopf schütteln und allein das Gedankenspiel für lächerliche Zeitverschwendung halten, sollten Sie lieber noch ein zweites Mal darüber nachdenken. Vor fünfzig, zwanzig oder auch zehn Jahren war dies vielleicht noch überhaupt kein Thema, doch wie sieht es mit all den jungen Menschen aus, die in der heutigen Zeit die Schule abschließen oder ihr Studium beenden?

Vor ihnen liegen noch vierzig Jahre im Job, da muss die Frage erlaubt sein, ob diese Tätigkeit nicht möglicherweise in naher Zukunft vom Menschen in rein technische und mechanische Hände übertragen wird. Dies soll natürlich niemandem Angst machen.

Es bleibt auch hier erst einmal reine Spekulation, welcher Zeitraum noch kommt, bevor eine solche Entwicklung wirklich den Arbeitsmarkt revolutioniert. Dennoch sollte man sich zumindest einmal damit auseinandergesetzt haben, gerade auch mit Blick auf die Planung der eigenen Zukunft.

Wenn Sie sich fragen, wie groß die Chance ist, dass Ihr Job in Zukunft von einem Roboter übernommen wird, können Sie den Job-Futuromat der ARD ausprobieren.

Was verändert sich in Zukunft bei der Arbeit selbst?

Nicht nur Berufe befinden sich im Wandel, auch die Arbeit selbst wird sich in Zukunft weiter verändern. Wo heute noch abertausende Berufspendler tagtäglich lange Wege von zuhause bis ins Büro zurücklegen, wird die neue Arbeitswelt in einigen Jahren oder allerspätestens Jahrzehnten vermutlich ganz anders aussehen.

Schon jetzt zeigt sich, dass klassische Büros mehr und mehr der Vergangenheit angehören. Statt festem Arbeitsplatz mit Schreibtisch, Computer, Telefon und Notizblock gibt es in der Zukunft der Arbeit Laptop und Smartphone – und gearbeitet wird von überall. Die häufigsten und wichtigsten Schlagworte lauten dabei mobil und dezentral.

Anstatt also mit allen Kollegen gemeinsam in einem Gebäude zu sitzen, werden Teams zunehmend verteilt im ganzen Land und auch grenzübergreifend zusammenarbeiten. Die immer häufigeren Regelungen zu Home Office und anderen Arbeitszeitmodellen sind nur der Anfang und tragen dem Wunsch der Mitarbeiter nach größerer Flexibilität Rechnung.

Verstärkt wird dieser Trend vermutlich durch weitere technologische Errungenschaften, doch bereits die heutigen Möglichkeiten machen es ohne Probleme möglich, auch über große Distanzen hinweg gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Die Büros, die erhalten bleiben, werden sich ebenfalls mit der Zeit verändern. Heißt konkret: Weg von öden Großraumbüros mit schrecklichem – oder gleich gar keinem – Design. Stattdessen entstehen Arbeitsplätze, die auf die Bedürfnisse einzelner Aufgaben zugeschnitten sind.

Offene Bereiche für teamorientiertes Arbeiten, die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, um konzentriert an einem ToDo zu feilen, dass keine Ablenkung duldet, spezielle Räume zur Entspannung. Der Arbeitnehmer der Zukunft passt sich nicht mehr seinem Arbeitsplatz an, sondern umgekehrt.

Mit der Zukunft der Arbeit gehen dann auch neue Anforderungen einher. Profitieren werden die, die sich daran am schnellsten und besten anpassen, sowohl auf Seiten der Arbeitnehmer, als auch unter den Unternehmen. Arbeitgeber stehen damit vor der sicherlich nicht ganz leichten Aufgabe, Trends nicht nur zu erkennen, sondern richtig darauf zu reagieren.

Doch auch Mitarbeiter werden mit der Zeit gehen müssen, um den neuen Erwartungen gerecht zu werden und sich den zukünftigen Bedingungen anzupassen. Dies ist gerade vor dem Hintergrund wichtig, dass Privatsphäre und Arbeit immer mehr miteinander verschmelzen. Wer hier nicht die notwendigen Ausgleich schafft, riskiert einen Burnout.

Gerade die Selbstorganisation wird an Bedeutung gewinnen. Wenn von überall gearbeitet wird, ist der Chef nicht mehr da, um einem auf die Finger zu gucken. Die Arbeit wird selbstständiger, mit den dazugehörigen Vor- und Nachteilen.

Zukunft der Arbeit: Welche Jobs fallen weg?

Zukunft der Arbeit und der Wandel der Arbeitswelt Studie TrendsMit Sicherheit lässt sich nicht voraussagen, welche Jobs in Zukunft wegfallen werden – sei es durch Maschinen, technische Entwicklungen, Automatisierung oder weil sich das Verhalten von Kunden und Konsumenten mit der Zeit ändern wird.

Umso spannender ist jedoch der Ausblick auf die Möglichkeiten und auch die Diskussion darüber, was passieren kann. Wir wagen einmal den Ausblick und haben eine Liste mit Jobs erstellt, die möglicherweise in der Zukunft der Arbeit keinen Platz mehr haben werden.

  • Verkäufer. In den Laden gehen, sich beraten lassen und so die beste Kaufentscheidung treffen. Schon heute verlagert sich der Einkauf immer weiter ins Internet und Shopping findet vor dem Monitor statt. Die persönliche Beratung fällt zwar weg, aber was nicht gefällt oder passt, wird einfach zurückgeschickt.
  • Mechaniker. Viele der Aufgaben, für die ein Mechaniker zuständig ist, lassen sich auch durch technische Hilfsmittel ausführen und mit fortschreitender Technik wird es in dieser Branche wahrscheinlich immer schwieriger werden.
  • Buchhändler. Es ist schade und schmerzt im Herzen, doch wenn die Entwicklungen weitergehen, wird es für Buchhändler in der Zukunft sehr schwer werden. Gerade kleine Geschäfte kommen nicht gegen große Online-Händler an.
  • Taxifahrer. Noch ist es nicht ganz so weit, aber es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis selbstfahrende Autos die Straßen bevölkern werden. Ob Taxifahrer mit einer solchen Konkurrenz mithalten können, ist fraglich.

Zukunft der Arbeit: Studie erregt Aufsehen

Eine 2013 veröffentlichte Studie (PDF) der Oxford Universität und der Oxford Martin School von Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne erregte großes Aufsehen. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler untersuchten, inwieweit zukünftig Jobs in den USA der Computerisierung zum Opfer fallen.

Ihr beängstigendes Fazit: Zukünftig werden 47 Prozent aller Jobs überflüssig sein. Grundlage ihrer Thesen war die Beobachtung, dass in der Vergangenheit durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung etliche Jobs verschwunden sind beziehungsweise von Computern übernommen wurden.

Allerdings muss genau hingeschaut werden: Betroffen waren vor allem Jobs mit geringen oder mittleren Qualifikationsanforderungen im Produktionsbereich. Maschinen können vor allem dann solche Jobs ersetzen, wenn es sich um Routineabläufe handelt.

Im Gegenzug dazu lässt sich beobachten, dass zeitgleich die Anzahl der Jobs bei Nicht-Routinetätigkeiten zunahm (zumindest im niedrig und hoch qualifizierten Bereich). Die zwei Jahre später veröffentlichte IZA-Studie Die Zukunft der Arbeit und der Wandel der Arbeitswelt (PDF) von Werner Eichhorst und Florian Buhlmann von der Universität Mannheim kommt daher auch zu einem ganz anderen Ergebnis:

Es ist davon auszugehen, dass sich der in der Vergangenheit begonnene Trend – weg von den Routinetätigkeiten und hin zu Nicht-Routinetätigkeiten – weiter und möglicherweise beschleunigt fortsetzt, ohne dass dies zu Lasten der Erwerbstätigenzahlen gehen muss.

Das könnte beispielsweise dazu führen, dass gerade in stark nachgefragten Berufen sich die Arbeitsbedingungen der Fachkräfte zu ihren Gunsten verändern werden. Das berührt Punkte wie:

Zukunft der Arbeit: Kreativität als menschliche Domäne

Auch andere Forscher wie Terry Gregory vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) widersprechen der englischen Studie. Das Problem: Es werden alle Jobs einer Berufsklasse in einen Topf geworfen, dabei lassen sich bereits Spezialisierungen beobachten.

Gregorys 2016 mit Melanie Arntz und Ulrich Zierahn im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erarbeitete Analyse kommt daher auch zu einem deutlich anderen Ergebnis.

Der Studie (PDF) zufolge fällt zukünftig mitnichten jeder zweite Job weg. Lediglich neun Prozent aller Jobs sind bedroht. In Deutschland ist der Prozentsatz mit 12 Prozent etwas höher, was an der Vielzahl der Industriearbeitsplätze liegen könnte.

Auch andere Studien wie die Telekom-Studie (PDF) unterstützen die These, dass Maschinen Menschen zunehmend ersetzen werden, da cyber-physische Systeme Denkfähigkeit entwickeln und daher häufiger eingesetzt werden würden.

In der Telekom-Studie stehen Thesen der Kooperation zwischen Mensch und Maschine und kompletter Übernahme durch Maschinen gleichberechtigt nebeneinander. Gleichzeitig stellt sie fest, dass nicht-lineares Denken eine menschliche Domäne sei. Maschinen stoßen – zumindest noch – an ihre Grenzen, wenn es um Kreativität oder unternehmerisches Denken geht.

Damit brechen für den Arbeitnehmer, der über gefragte Qualifikationen verfügt, rosige Zeiten an. Auch diese Studie geht wie Eichhorst und Buhlmann davon aus, dass die Erwartungen und Ansprüche der Mitarbeiter steigen, die Bindung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich eher lösen wird.

Die Folge: Jobhopping. Ungerade Berufsbiographien und zahlreiche mitunter kürzere Arbeitsverhältnisse dürften zukünftig häufiger vorkommen.

Und was denken Sie? Welche Berufe werden es in der Zukunft der Arbeit schwer haben und welche Jobs werden einfach immer gebraucht? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook, wir freuen uns auf Ihre Meinungen und Anregungen!

[Bildnachweis: GaudiLab, Rawpixel.com by Shutterstock.com]
31. Oktober 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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