Spezialisierung: So finden Sie Ihre Nische

Die Zeiten, in denen man von der Ausbildung bis zur Rente mehr oder minder das Gleiche machte, sind vorbei. Ob als Schulabgänger oder bereits im Berufsleben stehend: Sie kommen schwerlich darum herum, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, in welche Richtung Sie wollen. Wenn Sie beruflich vorankommen wollen, wird es auf eine Spezialisierung hinauslaufen. Die Anforderungen im alltäglichen Berufsleben steigen deutlich schneller als es vor einigen Jahrzehnten noch der Fall war. Fort– und Weiterbildungen sind eine Selbstverständlichkeit. Wie aber aus der Masse herausstechen und seine Nische finden?

Spezialisierung: So finden Sie Ihre Nische

Spezialisierung bei der Berufswahl: Qual der Wahl

Für manche Menschen ist der berufliche Weg scheinbar völlig selbsterklärend: Sie wussten schon recht früh, wohin die Reise gehen sollte. Andere hingegen tun sich etwas schwerer. Dem Ziel zum richtigen Job steht zweierlei entgegen: Zum einen die schier unendliche Fülle an Jobs, zum anderen die persönlichen Neigungen, denn auch die können sehr vielfältig sein.

Der gängige Ratschlag lautet, man solle sich nach seinen Interessen richten. Das allein ist allerdings gefährlich. Über die Generation Irgendwas mit Medien hat sich schon vor Jahren der Kabarettist Florian Schroeder lustig gemacht. Eine derart unspezifische Vorstellung führt dazu, dass Tausende von Schulabgängern sich zum Mediengestalter ausbilden lassen oder sich in geisteswissenschaftliche Fächer einschreiben. Aber auch vermeintlich erfolgversprechende Unifächer wie Wirtschaftswissenschaften, Architektur oder Jura bringen ihre Tücken mit sich.

Deshalb ist es wichtig, seine Nische zu finden. Das Beste ist, man fängt so früh wie möglich an, sich analytisch mit der beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Im Vorfeld einer Spezialisierung sollten Sie klären, welche zusätzlichen Faktoren eine Rolle spielen, die nicht direkt mit dem Arbeitsinhalt zusammenhängen. Beispielsweise:

  • Bezahlung: Welchen Stellenwert hat Geld für mich? Geht es mir in dem Job hauptsächlich um Selbstverwirklichung und Spaß? Oder strebe ich eine steile Karriere mit entsprechendem Einkommen an?
  • Umfeld: Wo und wie möchte ich arbeiten? Fühle ich mich eher in familiengeführten, kleinen oder mittelständischen Unternehmen wohl? Oder doch lieber in einem großen Wirtschaftskonzern mit internationalen Verbindungen?
  • Verpflichtungen: Wie sieht die persönliche/familiäre Situation aus? Bin ich frei von Verpflichtungen oder haben meine Entscheidungen Auswirkungen auf die Familie?
  • Menschen: Wie wichtig ist mir der persönliche Kontakt mit Menschen? Liebe ich den Publikumsverkehr? Steckt in mir gar eine Rampensau? Oder arbeite ich doch lieber zurückgezogen im stillen Kämmerlein?

Um als Berufsanfänger seine richtige Nische zu finden, können Praktika und Ehrenämter eine Hilfe sein. Hier kann neben der Ausbildung oder dem Studium bereits in Bereiche hineingeschnuppert werden, die für die spätere berufliche Entwicklung wichtig sind. Denn mit jeder außerschulischen und außeruniversitären Tätigkeit nimmt Ihre Spezialisierung zu.

Spezialisierung als Karrieremotor

Aber auch wenn Sie den richtigen Beruf gewählt haben, so ändern sich im Laufe der Jahre Bedürfnisse und Anforderungen. Sie haben neue Fähigkeiten gewonnen und die alte Stelle passt vielleicht einfach nicht mehr dazu. Sie stellen fest, dass zwar einerseits die Herausforderungen im alten Job überschaubar geworden sind, Ihnen andererseits aber bestimmte Qualifikationen fehlen, um karrieretechnisch weiterzukommen.

Es ist ganz natürlich, dass mit der Erfahrung im Beruf auch das Bedürfnis an Weiterentwicklung zunimmt – der Mensch lernt nie aus. Und das ist der Zeitpunkt, an dem Sie etwas ändern sollten.

Die eigene Nische zu finden, fällt natürlich nicht von Himmel. Neben den genannten Vorüberlegungen empfiehlt es sich, das Ganze strategisch anzugehen. Je mehr Zeit Sie zu Beginn investieren, desto wahrscheinlicher ist, dass Sie mit dem Endergebnis sich identifizieren können.

Einfach nach Schema F vorgehen und die nächstbeste Stelle anpeilen in der Hoffnung, der Rest ergebe sich von selbst, kann funktionieren. Wesentlich wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sie das Problem lediglich verschieben und dann in einer Sinnkrise oder sogar einem Burnout landen. Daher ist es sinnvoll, einige Punkte zu beherzigen:

  1. Interessen

    Psychologen und Coaches empfehlen eine kritische Selbstreflexion: Welche Hobbys habe ich? Womit würde ich mich den ganzen Tag beschäftigen, wenn ich nicht arbeiten müsste? Interessen zu analysieren ist ein wichtiger Bestandteil wenn es darum geht, sich zu spezialisieren. Das müssen gar nicht ausschließlich Hobbys im Wortsinn sein – das können auch thematische Schwerpunkte wie etwa eine bestimmte Ernährungsweise oder eine Haltung sein.

    Wenn Sie zum Beispiel Umweltschutz in allen Aspekten wichtig finden, könnten Sie versuchen, das in Ihre berufliche Spezialisierung einfließen zu lassen. Oder aber Sie präsentieren für Ihr Leben gerne – vielleicht wäre eine Stelle, in der Sie Ihr Wissen an andere weitergeben können genau das Richtige?

    Sich diese Interessen und Stärken ins Gedächtnis zu rufen hilft dabei den Bereich ausfindig zu machen, um den es letztendlich gehen wird. Gleichzeitig vermeiden Sie solche, die nicht zu Ihnen passen. Denn Sie können auch nur dann eine Tätigkeit wirklich gut erledigen, wenn Sie absolut dahinter stehen und sie mit Enthusiasmus ausführen.

  2. Leidenschaft

    Wissen Sie, wofür Ihr Herz schlägt? In welcher Tätigkeit in Ihrem Beruf sich das niederschlägt und inwieweit Sie es in Ihrer derzeitigen Funktion ausfüllen? Machen Sie sich klar, welche Aufgaben Ihnen leicht von der Hand gehen und Sie motivieren und welche eher nicht.

    Sollten Sie bereits etliche Übereinstimmungen finden, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Falls jedoch nicht, gilt es zu überlegen, ob Sie einen Wechsel Ihrer derzeitigen Position oder gar Stelle in die Wege leiten sollten. Informieren Sie sich genau, wie der Alltag einer anvisierten Tätigkeit aussieht – welche Arbeitsfelder werden berührt, welche Arbeitsabläufe sind Bestandteil des Jobs? Hilfreich sind hier spezialisierte Websites, aber auch Informationen durch Bekannte oder Freunde, die diesen Job ausüben.

  3. Authentizität

    Entwickeln Sie Ihren ganz eigenen Stil. Finden Sie heraus, was wie für Sie funktioniert und schielen Sie dabei nicht auf andere. Was bei anderen funktionieren mag, muss bei Ihnen noch lange nicht klappen und würde außerdem nicht authentisch wirken.

    Versuchen Sie, Ihren ganz eigenen Führungsstil herauszufinden, indem Sie sich fragen, welche Methoden Ihnen am ehesten liegen. Zeichnet sich Ihr Führungsstil eher durch bestechende Logik aus oder motivieren Sie andere, aufs große Ganze zu gehen? Um hier Klarheit zu gewinnen, können Sie auch Ihren Mentor oder die Personalabteilung dazu befragen.

    Statt einen qualifizierten Mitarbeiter an einen anderen Arbeitgeber zu verlieren, wird ein Unternehmen lieber unterstützend handeln wollen. Oftmals freut sich ein Arbeitgeber, wenn jemand mehr Verantwortung übernehmen möchte. Den Angestellten in einem neuen Aufgabenbereich zu unterstützen kann auch Bestandteil der Führungskräfteentwicklung sein.

  4. Schwächen

    Seine eigenen Schwächen zu kennen ist mindestens ebenso wichtig wie seine Stärken benennen zu können. Dabei geht es gar nicht mal darum, die einfach auszuradieren. Aber wenn man mit einem Job oder einer Stelle liebäugelt, dann sollte man sich eben auch mit den geforderten Fähigkeiten vertraut machen. Das heißt, Sie müssen für sich klären, ob Sie über das entsprechende Rüstzeug verfügen, um diese Arbeit auch erfolgreich erledigen zu können.

    Und wenn nicht: Sehen Sie eine Möglichkeit, sich diese Fähigkeiten und Kenntnisse noch anzueignen? Falls nämlich diese Arbeit etwas von Ihnen verlangt, was Sie nicht leisten können oder auch schlicht und ergreifen nicht wollen, dann ist es nicht die passende Stelle. Dann ist es an Ihnen, sich etwas anderes zu suchen. Auch hier gilt: Wenn Sie sich Ihrer eigenen Schwächen nicht sicher sind, fragen Sie Leute, die Ihnen nahestehen. Das können Vorgesetzte, aber auch Mentoren oder Kollegen sein.

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Nur Mut bei der Spezialisierung

Etwas Neues kann auch beängstigend sein. Aber wie heißt es so schön? Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und Angst lähmt. Lassen Sie sich davon nicht leiten, werden Sie aktiv. Die Tatsache, dass Sie etwas ängstigt muss noch lange nicht bedeuten, dass Sie es nicht können. Im Gegenteil: Selbstkritische Menschen hinterfragen sich und ihr Handeln viel häufiger, das heißt, sie liefern unter Umständen wesentlich bessere Leistungen ab. Der Clou besteht darin, es zu probieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Letztlich wird Ihr Engagement Sie belohnen. Durch eine Spezialisierung machen Sie sich nicht nur wettbewerbsfähiger, sondern auch zufriedener. Jobs, in denen nur Dienst nach Vorschrift gemacht wird, eignen sich nicht dazu die eigene Karriere voranzutreiben.

In jedem Fall sollten Sie einige Erkenntnisse über Ihre Qualitäten gewonnen haben. Ist es möglich, die Werte, Stärken und Interessen, die Sie auszeichnen in eine Spezialisierung zu transformieren? Damit könnten Sie Ihrem Unternehmen ein wertvoller Mitarbeiter sein. Oder Sie positionieren sich woanders als gesuchte Fachkraft. Denn im Endeffekt wird es dazu führen, dass Sie Ihre Nische finden.

[Bildnachweis: Gearstd by Shutterstock.com]
15. November 2016 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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