Was ist Selbstdarstellung?
Selbstdarstellung bezeichnet in der Psychologie die bewusste oder unbewusste Beeinflussung des Eindrucks, den andere Menschen von uns gewinnen. Dazu nutzen wir Sprache, Verhalten, Kleidung und nonverbale Kommunikation – etwa Mimik und Gestik.
Jeder Mensch betreibt Selbstdarstellung. Wir zeigen bestimmte Seiten unserer Persönlichkeit, während andere im Hintergrund bleiben. So beeinflussen wir, wie sympathisch, kompetent, selbstbewusst oder vertrauenswürdig wir auf andere wirken. Selbstdarstellung ist damit nicht automatisch Angeberei oder Täuschung. Sie gehört zur alltäglichen sozialen Interaktion und beeinflusst sowohl private Beziehungen als auch berufliche Chancen.
Selbstdarstellung: Beispiele aus dem Alltag
- Im Vorstellungsgespräch betonen Sie Ihre Stärken und Erfolge.
- Bei einem Date zeigen Sie sich von Ihrer besten Seite.
- Auf Instagram veröffentlichen Sie ausgewählte Momente Ihres Lebens.
- Im Meeting präsentieren Sie Ihre Ideen selbstbewusst.
- Mit Ihrer Kleidung vermitteln Sie einen bestimmten Stil und Eindruck.
Selbst wer bewusst auf Selbstdarstellung verzichtet, sendet damit eine Botschaft – etwa Bescheidenheit, Unabhängigkeit oder Desinteresse an der Meinung anderer, was aber eben auch eine Art Selbstdarstellung ist.
Selbstdarstellung in der Psychologie
In der Sozialpsychologie gehört Selbstdarstellung zum sogenannten Impression Management (Eindruckssteuerung). Menschen versuchen dabei, den Eindruck zu beeinflussen, den andere von ihnen haben. Sie möchten damit etwa kompetent, sympathisch, attraktiv, zuverlässig oder erfolgreich erscheinen. Die psychologische Selbstdarstellung hängt eng mit dem Selbstbild und Fremdbild zusammen: Das Selbstbild beschreibt, wie Sie sich selbst wahrnehmen. Das Fremdbild zeigt, wie andere Sie sehen. Beide stimmen nicht immer überein. Wer sich selbst als besonders hilfsbereit einschätzt, wird von Kollegen vielleicht als aufdringlich wahrgenommen. Umgekehrt halten sich manche Menschen für unscheinbar, obwohl andere ihre ruhige Art als souverän empfinden.
Erving Goffman: Wir alle spielen Theater
Der Soziologe Erving Goffman beschrieb die Selbstdarstellung im Alltag anhand einer Theatermetapher. In seinem Werk „Wir alle spielen Theater“ (Original: „The Presentation of Self in Everyday Life“) vergleicht er soziale Begegnungen mit einer Aufführung. Menschen übernehmen unterschiedliche Rollen und passen ihr Auftreten an die jeweilige Situation und ihr Publikum an. Im Beruf zeigen wir beispielsweise andere Seiten als im Freundeskreis oder innerhalb der Familie.
Goffman unterscheidet dabei sinngemäß zwischen einer Vorderbühne, auf der wir uns gegenüber anderen präsentieren, und einer Hinterbühne, auf der wir die öffentliche Rolle ablegen oder vorbereiten. Das bedeutet nicht, dass jede Selbstdarstellung unecht ist. Wir verfügen über unterschiedliche Eigenschaften und entscheiden situationsabhängig, welche davon sichtbar werden.
Welche Arten der Selbstdarstellung gibt es?
In der Psychologie lassen sich zwei grundlegende Strategien unterscheiden: assertive und defensive Selbstdarstellung. Beide dienen dazu, den Eindruck anderer Menschen zu beeinflussen – verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele.
Art |
Bedeutung und Beispiel |
| Assertive Selbstdarstellung | Sie wollen aktiv einen positiven Eindruck erzeugen und Anerkennung gewinnen. Beispiel: Sie präsentieren Ihre Erfolge im Mitarbeitergespräch. |
| Defensive Selbstdarstellung | Sie wollen einen negativen Eindruck vermeiden oder Ihr Ansehen schützen. Beispiel: Sie erklären einen Fehler, entschuldigen sich oder verhalten sich besonders vorsichtig. |
Assertive Selbstdarstellung
Bei der assertiven Selbstdarstellung möchten Sie durch Ihr Auftreten Vorteile erlangen. Sie zeigen Ihre Fähigkeiten, betonen Erfolge oder demonstrieren Selbstbewusstsein. Diese Form hilft besonders im Beruf, bei Bewerbungen oder beim Aufbau eines Netzwerks. Allerdings besteht das Risiko, dass andere Sie als Angeber oder Rampensau wahrnehmen.
Defensive Selbstdarstellung
Bei der defensiven Selbstdarstellung möchten Sie vor allem vermeiden, negativ aufzufallen. Sie passen sich an, rechtfertigen Ihr Verhalten, entschuldigen Fehler oder halten sich zurück, um Ihr Ansehen und Selbstwertgefühl zu schützen. Defensives Verhalten ist nicht grundsätzlich schlecht. Wer Verantwortung für einen Fehler übernimmt, wirkt häufig glaubwürdiger. Dauerhafte Vorsicht und Anpassung führen jedoch dazu, dass andere Ihre Fähigkeiten unterschätzen.
Selbstdarstellung und Selbstinszenierung: Unterschied
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet. Selbstinszenierung bezeichnet meist eine besonders bewusste und gestaltete Form der Selbstdarstellung. Dabei versuchen Menschen gezielt, ein bestimmtes Bild von sich zu erzeugen oder aufrechtzuerhalten. Selbstdarstellung ist dagegen der umfassendere Begriff: Sie findet auch dann statt, wenn wir unseren Eindruck auf andere gar nicht bewusst steuern.
Selbstdarstellung in sozialen Medien
Auf Instagram, TikTok, LinkedIn oder im WhatsApp-Status gestalten Menschen ihr öffentliches Bild besonders bewusst. Sie wählen Fotos aus, formulieren Beiträge, teilen Erfolge und entscheiden, welche Ausschnitte ihres Lebens andere sehen. Diese digitale Selbstdarstellung ist häufig selektiv: Wir zeigen schöne Erlebnisse, berufliche Erfolge oder besonders gelungene Aufnahmen. Schwierigkeiten, Unsicherheiten und alltägliche Probleme bleiben dagegen oft unsichtbar. Das beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung durch andere, sondern auch unsere eigenen Vergleiche. Wer ständig idealisierte Darstellungen sieht, gewinnt leicht den Eindruck, das Leben anderer sei erfolgreicher, schöner oder aufregender als das eigene.
Beispiele für digitale Selbstdarstellung
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Instagram und TikTok
Fotos, Videos und persönliche Geschichten vermitteln einen bestimmten Lebensstil, Geschmack oder Status.
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WhatsApp-Status
Kurze Texte, Bilder oder Sprüche zeigen anderen, was Sie beschäftigt, wie Sie sich fühlen oder welches Bild Sie vermitteln möchten.
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LinkedIn
Berufliche Erfolge, Fachbeiträge und Empfehlungen dienen dazu, Kompetenz und Erfahrung sichtbar zu machen.
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Profilbilder
Bildauswahl, Kleidung, Gesichtsausdruck und Hintergrund beeinflussen den ersten Eindruck.
Welche Gefahren hat Selbstdarstellung im Internet?
Übertriebene Selbstdarstellung in sozialen Medien erzeugt schnell Druck, ständig interessant, erfolgreich oder glücklich wirken zu müssen. Hinzu kommen mögliche Risiken für die Privatsphäre: Einmal veröffentlichte Inhalte lassen sich oft nicht vollständig zurückholen. Prüfen Sie deshalb vor jeder Veröffentlichung, welche persönlichen Informationen Sie preisgeben und ob das gezeigte Bild langfristig zu Ihnen passt. Authentische Selbstdarstellung braucht keine perfekte Fassade.
Warum ist Selbstdarstellung im Beruf wichtig?
Aktive und gezielte Selbstdarstellung wird häufig unterschätzt. Dabei ist sie ein wichtiger Erfolgsfaktor: Andere müssen Ihre Stärken, Fähigkeiten und Leistungen kennen, damit sie diese berücksichtigen können.
Vorteile guter Selbstdarstellung
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Karriere
Bei der Bewerbung, im Vorstellungsgespräch oder für eine Beförderung: Selbstdarstellung verbessert Ihre beruflichen Chancen.
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Vertrauen
Sie präsentieren authentisch Ihre Stärken und Eigenschaften. Das wirkt glaubwürdig und baut Vertrauen auf.
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Persönlichkeit
Gute Selbstdarstellung setzt voraus, dass Sie sich selbst kennen. Das fördert die Selbstreflexion und Ihr persönliches Wachstum.
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Anerkennung
Durch die richtige Darstellung erhalten Sie mehr Anerkennung und positive Rückmeldungen. Sie verbessern Ihren Ruf und stärken Ihr Selbstvertrauen.
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Profil
Selbstdarstellung schärft Ihr Profil. Sie positionieren sich als Leistungsträger im Team oder als Experte für bestimmte Aufgaben und Themen.
Warum Sie die Aufmerksamkeit anderer gewinnen müssen
Im Job kommen Sie auf der Karriereleiter nur nach oben, wenn Sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Teamleiter, Chefs oder Geschäftsführer müssen wissen, wer Sie sind und welchen Beitrag Sie leisten.
Gute Leistungen sind wichtig, reichen dafür aber nicht aus. Der Ratgeber „30 Minuten für die überzeugende Selbstdarstellung“ bringt den beruflichen Aufstieg auf folgende Formel:
Die Formel ist eine zugespitzte Aussage des Ratgebers, keine allgemeingültige wissenschaftliche Verteilung. Sie verdeutlicht aber ein Problem des Berufsalltags: Wer gute Arbeit leistet, ohne damit sichtbar zu werden, wird häufig übersehen.
Positive und negative Selbstdarstellung
Es gibt zwei Möglichkeiten, im Job Aufmerksamkeit zu gewinnen: Sie fallen positiv oder negativ auf. Wir stellen beide Varianten vor – damit Sie die eine nutzen und die andere vermeiden.
Positives Auftreten
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Sie sind selbstbewusst
Sie schaffen Mehrwert, bringen Leistungen und tragen zum Erfolg bei. Selbstbewusstsein unterstreicht den Wert Ihrer Arbeit. Sie wissen, was Sie können und geleistet haben, und stehen hinter Ihren Fähigkeiten und Qualitäten. Falsche Bescheidenheit bringt nichts.
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Sie sind authentisch
Sie geben nicht vor, jemand anderes zu sein. Sie kennen Ihre Stärken und Schwächen und stehen dazu. Wer authentisch ist, bleibt sich selbst treu. Das schafft Respekt, weil Sie sich nicht verbiegen.
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Sie sind zuverlässig
Auf Sie, Ihr Wort und Ihre Arbeit ist Verlass. Sie machen keine leeren Versprechungen. Damit andere Sie für zuverlässig halten, brauchen Sie Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz. Zeigen Sie immer wieder, dass man sich auf Sie verlassen kann.
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Sie strahlen Kompetenz aus
Warten Sie nicht darauf, dass andere erkennen, wie gut Ihre Arbeit ist. Betreiben Sie aktives Selbstmarketing: Weisen Sie dezent auf Ihre Kompetenzen hin und sprechen Sie über Ihre Erfolge.
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Sie kleiden sich angemessen
Äußerlichkeiten sind nicht alles, aber sie prägen die Selbstdarstellung: Kleider machen Leute. Achten Sie auf Dresscodes und kleiden Sie sich passend zur Situation. Damit unterstreichen Sie Professionalität und Kompetenz.
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Sie haben ein klares Profil
Wofür stehen Sie, was macht Sie aus und womit sollen andere Sie verbinden? Arbeiten Sie an einem klaren Profil. Beteiligen Sie sich an fachlichen Diskussionen, bilden Sie sich auf Tagungen und Fachkongressen weiter und zeigen Sie Ihr Wissen durch eigene Vorträge.
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Sie übertreiben nicht
Geschickte Selbstdarstellung braucht Fingerspitzengefühl. Auch gelegentliche Zurückhaltung gehört dazu, sonst wirken Sie wie ein Angeber. Zeigen Sie, was Sie können, aber überlassen Sie auch anderen die Bühne.
Negatives Auftreten
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Sie machen sich kleiner, als Sie sind
Manche versuchen sympathischer zu wirken, indem sie bewusst als Tiefstapler auftreten. Sie behaupten erst, etwas nicht zu können – um anschließend zu brillieren. Problem: Häufig bleibt der erhoffte Effekt aus. Hängen bleibt nur: Der oder die kann das nicht.
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Sie setzen auf Hilfsbedürftigkeit
Jeder braucht mal Hilfe. Strahlen Sie hingegen dauerhafte Hilflosigkeit aus, gelten Sie als unfähig.
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Sie ziehen sich aus der Verantwortung
Sie können nichts dafür, schuld sind die Umstände oder jemand anders. Mit solchen Ausreden werden Sie zum Teil des Problems, nicht zum Teil der Lösung.
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Sie plustern sich auf
Selbstdarstellung darf nicht wie Egoismus oder Profilneurose wirken. Wer sich ständig in den Mittelpunkt drängt und um Aufmerksamkeit bettelt, wirkt nicht kompetent und erfolgreich, sondern wie ein verzweifeltes Ego.
Wann wird Selbstdarstellung übertrieben?
Selbstdarstellung hat nicht den besten Ruf. Der Begriff klingt nach Blender, Luftpumpe und Windmaschine – mehr Schein als Sein. Genau das sollte es aber nicht sein. Gute und erfolgreiche Selbstdarstellung braucht immer Substanz! Sie erzählen keine Märchen, sondern kommunizieren offen, authentisch und selbstbewusst Ihre tatsächlichen Stärken, Eigenschaften und Erfolge.
Denn: Leistung braucht Sichtbarkeit. Sonst gehen wichtige Projekte und Gehaltserhöhungen an schlechtere Kollegen, die sich aber besser präsentieren. Karriere ist kein Zufall, sondern wird gemacht. An Eigenmarketing führt kein Weg vorbei.
4 Warnzeichen für ein überzogenes Ego
Trotz aller Vorteile gibt es Grenzen der Selbstdarstellung. Diese Anzeichen zeigen, dass Sie ein gesundes Maß überschreiten:
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Ruhmsucht
Erfolg, Anerkennung, Respekt und Beachtung um jeden Preis – solch ein Denken und Handeln ist krankhaft. Oft führt es dazu, dass Sie andere beneiden und deren Arbeit schlecht machen, um sich selbst besser darzustellen. Der Trugschluss dahinter: Bekommen andere weniger Beifall, fällt umso mehr für mich ab.
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Konkurrenzdenken
Ständige Vergleiche und übersteigertes Konkurrenzdenken führen zu übertriebener Selbstdarstellung. Sie sehen nur noch Wettbewerber – jede Debatte, jede Konversation und jede Verhandlung muss gewonnen werden.
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Prahlerei
Angeberei wird oft mit Selbstdarstellung verwechselt. Sie wollen sich in Szene setzen, müssen aber nicht jedem ungefragt erzählen, wie toll Sie sind. Das ist schlicht Geltungsdrang, der wie eine Droge wirkt: Sie brauchen ständig eine höhere Dosierung.
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Defensive
Übertriebene Selbstdarsteller fühlen sich von allem persönlich angegriffen. Sie sind ständig in der Defensive, selbst bei normalem Feedback und konstruktiver Kritik.
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