SCQA-Methode: Mehr Struktur für Präsentationen

Es gibt Rampensäue, und dann gibt es Leute, die nicht besonders gerne einen Vortrag halten. Viele fürchten vor allem ein ungnädiges Publikum, haben Probleme, ihr Thema sinnvoll zu strukturieren. In diesem Fall sollten Sie sich mit der SCQA-Methode vertraut machen. Diese simple, aber effektive Technik hilft Ihnen dabei, Ihr Anliegen so vorzutragen, dass andere Ihnen folgen können. Und so funktioniert sie…

SCQA-Methode: Mehr Struktur für Präsentationen

Das Problem: Verständliche Kommunikation ist eine Kunst

Bei vielen Präsentationen geht es um Komplexitätsreduktion. Sie müssen einem – unter Umständen Nicht-Fachpublikum – Ihre Inhalte näher bringen. Selbst wenn es sich um Experten handelt, haben Sie in diesem Augenblick als Vortragender über ein Spezialwissen zu referieren.

In diesem speziellen Bereich kennt sich kaum jemand unter den Anwesenden so gut aus, wie Sie – das gilt für Schüler und Studenten bei Referaten, die dasselbe Fach wie Sie lernen oder studieren, aber eben nicht exakt dieses Thema. Und es gilt für Arbeitnehmer, etwa wenn potenzielle Kunden gewonnen oder Neuerungen vorgestellt werden sollen.

Das bedeutet, selbst wenn die Anwesenden vom Fach sind (also etwa die Kommilitonen im Studienfach Jura oder ihre Kollegen aus derselben Abteilung), sind nicht zwangsläufig alle im Detail mit dem Thema vertraut.

Genau aus diesem Grund wird im übertragenen Sinne immer wieder dazu geraten, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen. Will heißen: Bei Erstsemestern kann niemand dasselbe Fachvokabular voraussetzen wie etwa bei Absolventen. Neben unverständlichen Fachbegriffen sind es auch komplexe Zusammenhänge, die vereinfacht dargestellt werden müssen.

Wie gut oder schlecht das gelingt, zeigt häufig auch, wie gut das Erarbeitete verstanden wurde. Denn wer Inhalte selbst nicht versteht, wird Probleme damit haben, sie anderen zu erklären. Allerdings geht es nicht nur darum, Kompliziertes simpel darzustellen.

Wichtiger ist es, ein Interesse bei seinem Publikum zu wecken, sich mit einer komplizierten Materie auseinanderzusetzen. Denn in den seltensten Fällen reichen die ganz einfachen Lösungen.

So funktioniert die SCQA-Methode

Die SCQA-Methode – nach ihrer Erfinderin Barbara Minto als Minto-Pyramiden-Prinzip oder auch als Pyramidales Prinzip bezeichnet – hilft dabei, eine Argumentation in vier Schritten aufzubauen. Das Akronym besteht aus den englischen Anfangsbuchstaben für:

  • S – Situation
  • C – Complication
  • Q – Question
  • A – Answer

Es geht darum, direkt zu Beginn das Interesse des Publikums so zu wecken, dass es bis zum Schluss zuhört noch bevor Sie die Lösungen präsentieren:

  • Situation

    Unter diesem Punkt wird die derzeitige Ausgangslage allgemein beschrieben. Ein guter Einstieg ist, von einer gemeinsamen Basis zu starten, indem Sie etwas einführend erzählen, das allgemein bekannt ist. Das erleichtert die Aufnahme des Gesagten, aber erklärt noch nicht, warum dieser Vortrag notwendig ist. Es führt bei den meisten dazu, dass Sie sich fragen werden, warum genau Sie diese Ausführungen machen – und schon haben Sie Ihr Publikum an der Angel und können zum nächsten Punkt übergehen.

  • Complication

    In diesem Punkt kommen Sie auf das eigentliche Problem (Complication) zu sprechen. Beispielsweise, dass bisher in einem Gebiet auf eine bestimmte Art und Weise verfahren wurde, dies aber fortan nicht mehr möglich ist. Sie stellen hier dar, dass ein Weitermachen wie bisher nicht möglich ist. Durch die geänderte Situation formulieren Sie einen dringlichen Handlungsbedarf. Versuchen Sie so konkret wie möglich das Problem zu beschreiben und die Dinge zu benennen, die sich ändern müssen, da anderenfalls (negative) infolgedessen Konsequenzen auftreten können, beispielsweise: „Durch Umsatzeinbrüche werden wir dieses Jahr nicht dieselben Verkaufszahlen erreichen können wie die Jahre zuvor. Unsere bisherigen Ansätze funktionieren nicht. Um langfristige Auswirkungen wie Kurzarbeit zu vermeiden, sind neue Wege zu beschreiten.“

  • Question

    Die Beschreibung des Problems erzeugt bereits eine Spannung beim Publikum, denn natürlich fragt sich jeder: Wie geht es weiter? Und das ist genau der Prozess, der in Gang gebracht werden soll. Die Frage ergibt sich ganz logisch aus dem beschriebenen Problem und soll zum nächsten Punkt, der Antwort, führen.

  • Answer

    Sie als Experte präsentieren nun die Antwort, die sich aus Ihrem Hauptargument ergibt. Dazu liefern Sie verschiedene Lösungswege, die dabei helfen, die Komplikationen abzuwenden beziehungsweise neue Möglichkeiten zu schöpfen. Beispiel: „Um die Umsätze wieder zu steigern, werden wir stärker in Werbemaßnahmen investieren.“

Tipps für Auftreten und Stil

Achten Sie darauf, dass Sie…

  • den Zuhörer abholen und seine Aufmerksamkeit halten,
  • Sie frei reden, Ihre Gestik und Mimik (immer recht freundlich!) einbinden,
  • Sicherheit ausstrahlen, indem Sie laut und deutlich reden, Blickkontakt halten und einen festen Stand haben,
  • nicht nur die Position von Experten wiedergeben, sondern anschließend auch Ihre eigenen Ansichten und Empfehlungen aussprechen,
  • Fachtermini erklären und technische Begriffe anhand von Beispielen erläutern,
  • Schachtelsätze vermeiden, wichtige Informationen in Hauptsätze packen,
  • Ihren Vortrag klar strukturieren (siehe SCQA-Methode) und überflüssige Grafiken vermeiden.

Beispiel für die Umsetzung

Folgendes Beispiel verdeutlicht eine Situation anhand der SCQA-Methode:

  • Situation: Ein Mieter hat seit zwei Monaten seine Miete nicht gezahlt.
  • Complication: Das ist für den Vermieter problematisch, denn ihm gehen Einnahmen verloren, die er zur Aufrechterhaltung des Mietshauses, Steuern und für den eigenen Unterhalt braucht. Setzt sich das Verhalten des Mieters fort, kommt er selbst in die Bredouille.
  • Question: Wie kann er sicherstellen, dass er seine Miete bekommt?
  • Anwser: Er kann das Gespräch mit dem Mieter suchen und nach den Gründen Fragen. Er kann dem Mieter eine Mahnung schreiben. Er kann rechtliche Schritte in Form einer Räumungsklage einleiten.

Grundsätzlich kann dieses Problem auch von der anderen Seite aus betrachtet werden:

  • Situation: Der Mieter ist seit drei Jahren arbeitslos. Durch Fehlentscheidungen hat er Schulden gemacht, er hat am Ende des Monats kaum noch Geld für Lebensmittel, geschweige Kleidung.
  • Complication: Er kann kein Geld mehr für die Miete aufbringen, die Angst vor Obdachlosigkeit steigt, denn er hat bereits einen Brief vom Vermieter im Briefkasten.
  • Question: Wie kann er eine Kündigung abwenden?
  • Answer: Er kann das Gespräch mit dem Vermieter suchen, ihm seine derzeitige Lage erklären. Danach stehen Schuldnerberatung und die Stellensuche beim Jobcenter auf dem Plan, um von den Schulden wieder herunterzukommen und irgendwie eine Arbeit zu finden, die ein Einkommen ermöglicht.
[Bildnachweis: pikselstock by Shutterstock.com]
20. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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