Experte werden: 6 effektive Tipps, die garantiert helfen

Nicht jeder kann sich auf jedem Gebiet auskennen. Es braucht Fachleute für bestimmte Bereiche. Wie können Sie Experte werden? Und was zeichnet eigentlich einen Experten aus? Wahr ist, dass dieser Begriff inflationär gebraucht wird. Vorsicht ist besonders bei Selbsttitulierungen angebracht. Wie Sie sich entsprechend positionieren können, erklären wir mithilfe von sechs effektiven Tipps…

Experte werden: 6 effektive Tipps, die garantiert helfen

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Was ist ein Experte?

Ein Experte ist eine Person, die als Fach- oder Sachkundiger über besonders umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet verfügt. Er oder sie hat sich ein tiefes Verständnis von einer Materie erarbeitet. Diese Expertise setzt sich aus theoretischem als auch praktischem Wissen und Fähigkeiten zusammen. Das führt zu einer außergewöhnlichen Problemlösefähigkeit: Die Person kann intuitiv bei spontan auftretenden Problemen im jeweiligen Fachgebiet ihr Fachwissen abrufen und erfolgreich einsetzen.

Sie werden diesem Begriff selten als Eigenbezeichnung begegnen. Das ist dann oft schon ein Indiz für mangelnde Seriosität und ein Hinweis darauf, dass jemand am Experten-Syndrom leidet. Expertise ist aber nichts, was man mal „eben so“ erwirbt. Vielmehr setzt sie eine intensive Auseinandersetzung mit einem Themengebiet voraus. Das bleibt irgendwann auch anderen nicht verborgen, weshalb der Begriff Experte mehr eine Auszeichnung ist, die andere Ihnen verleihen.

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Kriterien für Expertise

Experte und Expertise lassen sich genauer definieren, wenn man sie vom Laien beziehungsweise Laienstand abgrenzt. Bis Sie Experte werden, dauert es etwa drei Jahre. Je nachdem, wie intensiv Sie sich mit einem Fachgebiet auseinandersetzen beziehungsweise auch auseinandersetzen können: Wer berufsbegleitend studiert, kann sich natürlich einen neuen Themenbereich nicht genauso schnell erschließen wie jemand, der ausschließlich studiert. In der Wissenschaft existieren verschiedene Modelle, die jeweils von drei Entwicklungsstufen der Erkenntnis ausgehen. Angelehnt an Robert Glaser lassen sich folgende Stadien unterscheiden:

  • Anfangsstufe (external support)
    Diese bezeichnet die Kognitionspsychologie als „vortheoretische Stufe“. Eine Person macht sich langsam mit einem neuen Stoff vertraut und gleicht bestehendes Wissen mit den neuen Informationen ab. Da vieles neu ist, benötigt sie vor allem Unterstützung von außerhalb. Glaser bezeichnet diese Phase daher als „external support“. Die Hilfe kann beispielsweise durch Lehrer und Eltern in Form von Methoden und Anleitungen erfolgen.
  • Übergangsstufe (transitional stage)
    In dieser Übergangsphase gewinnen Sie nach und nach neues Wissen, auf dem Sie aufbauen. Kognitionspsychologen nennen sie die „empirische Stufe“: Ihnen gelingt es, Kausalitäten zu erkennen und Analogien zu bilden. Dadurch werden Sie immer unabhängiger von äußerer Hilfe.
  • Abschlussstufe (self-regulatory stage)
    Die letzte Stufe ist schließlich die Expertenstufe. Typisch für dieses Stadium ist der unbedingte Willen, sich immer weiterzuentwickeln. Sie verlassen die Komfortzone und investieren weitere Anstrengungen in Ihre Weiterbildung. Mittlerweile benötigen Sie dafür keine weitere Hilfe.
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6 Tipps, wie Sie Experte werden

Wie können Sie nun Experte werden? Eine bekannte Theorie besagt, dass Sie etwa 10.000 Stunden für eine Sache aufbringen müssen, bis Sie diese genügend gut beherrschen. Die sogenannte 10.000-Regel basiert auf den Erkenntnissen der Psychologen Anders Ericsson, Ralf Krampe und Clemens Tesch-Römer und bestätigt die alte Volksweisheit: Übung macht den Meister. Aber dafür sind einige weitere Aspekte wichtig. Im Wesentlichen geht es darum, seine Zielgruppe zu kennen, Kontakt dazu aufzubauen und deren Vertrauen zu gewinnen. Unsere sechs Tipps, wie Sie Experte werden:

  1. Sie bestimmen ein exaktes Gebiet
    Einfach nur zu üben – auch das haben Untersuchungen gezeigt – reicht leider nicht. Übung nimmt gerade mal zu 12 Prozent Einfluss auf die Karriere. Auch ein gewisses Talent und große Leidenschaft sind wichtig, um Experte werden zu können. Wichtig ist dafür, dass Sie in einem ersten Schritt Ihre Kompetenzen klären. In welchen Bereichen sind Sie bereits richtig gut, in welchen weniger? Grundsätzlich lässt sich auf einem gewissen Fundament leichter aufbauen, als wenn Sie komplett bei Null anfangen. Um Ihre eigenen Stärken und Schwächen genauer zu identifizieren und das Potenzial zu erkennen, können Sie mit der SWOT-Analyse arbeiten.
  2. Sie bilden sich weiter
    In der Anfangsphase sind Sie auf manchen Teilgebieten noch interessierter Laie. Um Experte werden zu können, müssen Sie Ihr Wissen vertiefen, vorhandene Lücken schließen. Das heißt, Sie investieren in sich und Ihren Fortschritt. Bei der Wissensaneignung gibt es verschiedene Lerntypen. Wie Ihre Weiterbildung im Detail aussieht, hängt davon ab, welcher Ihrer Lernkanäle besonders ausgeprägt ist und Ihren Bedürfnissen entspricht. Lesen, Exzerpte erstellen, Workshops und Webinare besuchen werden zur Wissensaneignung gehören.
  3. Sie bauen Kontakt auf
    Auch wenn Sie sich bevorzugt im stillen Kämmerlein mit einem Buch zurückziehen: Wenn Sie Experte werden wollen, kommen Sie nicht umhin, irgendwann damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es geht um Positionierung und Selbstmarketing. Um Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse bekannt zu machen, können Sie sich beispielsweise an Diskussionen in Foren und Netzwerken beteiligen. Das alles ist Teil Ihrer Außendarstellung und trägt zur Wahrnehmung anderer bei. Gleichzeitig kommen Sie mit Gleichgesinnten zu einem Fachgebiet zusammen. Sie erhalten neuen Input und frische Ideen. So können Sie besser abschätzen, ob Ihr Wissen tatsächlich bereits überdurchschnittlich umfangreich ist oder nicht. Hilfreich kann an dieser Stelle auch das Feedback von Mentoren sein.
  4. Sie werden Ihrem Ruf gerecht
    Experte werden Sie vor allem dadurch, dass andere Sie als Experte wahrnehmen. Beispielsweise, indem Sie anderen bei ihren Problemen Hilfestellung anbieten. Sind Sie beziehungsweise die Hilfesuchenden damit erfolgreich, gewinnen Sie Vertrauen. Das trägt dauerhaft dazu bei, dass andere Sie als kompetent einschätzen. Natürlich gelingt das nicht, wenn Sie wirken, als ob Sie das Thema selbst nicht verstanden hätten. Genau dieser Eindruck kann leicht entstehen, wenn Leute mit Fachbegriffen um sich werfen. Klar ist: Wenn Sie eine Bewerbung verfassen, sollten Sie natürlich auf dieselben Keywords aus der Stellenbeschreibung zurückgreifen. Wer aber anderen ein Thema verständlich herüberbringen will, sollte dafür kein Fachchinesisch benötigen.
  5. Sie steigern Ihre Reichweite
    Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Experten ist die Praxis. Die Teilnahme an Diskussionen in Foren ist nur der Anfang. Um sich ein größeres Publikum zu erschließen, sollten Sie zu Ihrem Thema Reden halten. Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Menschen. Veröffentlichungen von Fachbeiträgen in Magazinen oder eigene Bücher bis hin zu Experteninterviews, für die Sie irgendwann Anfragen erhalten, illustrieren Ihren Expertenstatus. Den zementieren Sie, indem Sie Ihrerseits andere Personen auf dem Gebiet ausbilden. So befähigen Sie andere, ihre Probleme zu lösen. Gleichzeitig festigen Sie Ihr Wissen durch die erneuten Wiederholungen.
  6. Sie führen das Level fort
    Sie bleiben an der Sache dran. Kontinuierliche Weiterbildung ist für Sie nicht nur notwendiges Übel. Vielmehr interessieren Sie sich brennend für den Bereich, deshalb wollten Sie ja Experte werden. Angesichts rasanter Entwicklungen gerade im technischen und digitalen Bereich können Sie sich aber nicht auf den Expertenstatus ausruhen. Oder anders: Sie verlieren ihn ganz schnell, wenn Sie neuste Entwicklungen und Trends verpassen. Stattdessen tragen Ihre Neugier und Leidenschaft für das Fachgebiet dazu bei, dass Sie auch weiterhin Ihr Wissen vertiefen.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]
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21. Dezember 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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