Eröffnungsrede: So wird sie ein Erfolg

Die Eröffnungsrede kann Ihre Zuhörer neugierig auf den weiteren Verlauf des Events machen – oder direkt in den Dämmerschlaf versetzen. Letzteres ist der Fall, wenn Sie Ihre Gäste ausschweifend begrüßen, sich langatmig vorstellen und Danksagung an Danksagung reihen. Andererseits kommt man ohne diese Bausteine manchmal nicht aus. Wie gelingt der Spagat? So wird Ihre Eröffnungsrede ein Erfolg…

Eröffnungsrede: So wird sie ein Erfolg

Eröffnungsrede: Wann hält man sie?

Die Eröffnungsrede könnte man auch als Begrüßungsrede definieren. Als Einführung, Einleitung oder Einstimmung – je nach Anlass. Die Eröffnungsrede steht am Anfang einer Veranstaltung. Das kann die Cebit, die Frankfurter Buchmesse oder die konstituierende Sitzung des Bundestags sein.

Aber es sind nicht immer die ganz großen Anlässe. Eine Eröffnungsrede ist auch Usus, wenn irgendwo ein Ladengeschäft, eine Zweigstelle oder ein Institut eröffnet wird. Eröffnungsreden gibt es im beruflichen Kontext, aber auch im privaten. Sei es der Bauherr, der sein Haus einweiht und zu den Gästen spricht oder der Patriarch, der die Familie einlädt und einschwört.

Politik, Vereine, Arbeit, Uni, Schule oder Privatvergnügen – Eröffnungsreden hört man überall. Hier einige Beispiele…

Zu diesen Anlässen gibt es oft eine Eröffnungsrede:

  • Messe
  • Tagung
  • Konferenz
  • Kongress
  • Symposium
  • Vernissage
  • Tag der offenen Tür
  • Volksfest
  • Geschäftseröffnung
  • Kirchentag
  • Sportlerball
  • Mitgliederversammlung
  • Einweihung eines Schulgebäudes
  • Konzert

Die (unvollständige) Liste zeigt auch: Manchmal ist die Eröffnungsrede nur der Aperitif, manchmal die alleinige Show. Folgendes sollten Sie in jedem Fall beachten…

Eröffnungsrede: Diese Bausteine gehören hinein

  1. Begrüßung

    Begrüßungen, die nicht enden wollen. Aufzählungen zu Beginn sind das Schlafmittel, das auch den aufmerksamsten Zuhörer zuverlässig ins Delirium befördert.

    Professionelle Redenschreiber geben daher gerne diesen Rat: Starten Sie mit einem Big Bang! Also zum Beispiel mit einer witzigen Anekdote oder mit der Kernbotschaft des Abends. Oder gar mit einer provokanten These. Auf jeden Fall mit einer Aussage, die Ihre Zuhörer auf- und wachrüttelt. Und lassen Sie die Begrüßungsformeln weg.

    Aber: Eine Eröffnungsrede, mit der ein kommunales Bürgerbüro eingeweiht wird, verläuft naturgemäß sachlicher als die des Digitale Nomaden Kongresses. Wenn Sie also auf eine Begrüßung nicht verzichten können oder wollen, dann halten Sie sie wenigstens so kurz wie möglich. Zum Beispiel so: „Liebe Gäste, herzlich Willkommen zur Veranstaltung XY.“

    Aber was, wenn es ohne förmliche Begrüßung nicht geht? In diesem Fall sollten Sie – auch wenn es antiquiert klingt – die Hierarchien einhalten. Erwähnen Sie gewählte Volksvertreter vor Beamten, Damen vor Herren, Ältere vor Jüngeren. Wichtig, gerade bei ausländischen Gästen: Die Namen nicht nur richtig aufschreiben, sondern auch richtig aussprechen.

    Wie das konkret aussehen kann, zeigte Kanzlerin Angela Merkel im März 2017 bei der Eröffnungsrede zur Cebit in Hannover mit dem Partnerland Japan:

    Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Abe, lieber Shinzō,
    sehr geehrter Herr Higashihara und herzlich willkommen allen Gästen aus Japan,
    Herr Ministerpräsident Weil,
    liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundeskabinett,
    Herr Oberbürgermeister,
    Herr Dirks,
    meine Damen und Herren,
    liebe Aussteller aus nah und fern


  2. Vorstellung

    Wer sind Sie? Was machen Sie? Warum halten ausgerechnet Sie die Eröffnungsrede? Ja, das ist von Interesse, aber halten Sie sich bitte so kurz wie möglich. Zwei, maximal drei Sätze. Wer zu viel über sich erzählt, wirkt wie der große Zampano und Selbstdarsteller. Unsympathisch!

    Wenn Sie davon ausgehen können, dass Sie ohnehin jeder im Publikum kennt, können Sie die Vorstellung auch komplett weglassen. Das spart Zeit. Bedenken Sie: Die Aufmerksamkeitsspanne Ihrer Zuhörer ist so kurz wie nie zuvor, das Smartphone nur einen Handgriff entfernt. Beispiele: Auf einer Betriebsversammlung oder der Mitgliederversammlung Ihres Sportvereins dürfte Sie jeder kennen, Vorstellung überflüssig.


  3. Ankündigung

    Die Eröffnungsrede ist – oft jedenfalls – nur das Hors d’Oeuvre. Zum Beispiel auf einem Kongress. Eigentlich wollen die Anwesenden den oder die Hauptredner sehen, warten auf die Höhepunkte, die da folgen werden. Die Eröffnungsrede kann und sollte die kommenden Highlights kurz anschneiden, Appetit auf mehr machen.

    Aber bedenken Sie: Wem schon das Wasser im Munde zusammenläuft, möchte nicht mehr allzu lange auf das Hauptgericht warten. Je vollmundiger Sie die Top-Acts ankündigen, desto kürzer sollte Ihre Eröffnungsrede sein. Ungeduld ist ein schlechter Zuhörer.


  4. Dank

    Die Eröffnungsrede entspricht mitunter einer Würdigung. Die Messe musste schließlich erst organisiert, das Geschäft eingerichtet, die Vernissage fertiggestellt werden. Ohne Helfer und Mitarbeiter wäre all das nicht möglich gewesen. Wenn Sie es sich also nicht verscherzen wollen, bedanken Sie sich im Rahmen Ihrer Eröffnungsrede lieber bei denen, die maßgeblich dazu beigetragen haben.

    Wer eine bestimmte Person vergisst oder erst nach allen anderen erwähnt, könnte ebenfalls für böses Blut sorgen. Überlegen Sie sich vorher ganz genau, wem Sie danken und in welcher Reihenfolge.

    Ein schwieriges Unterfangen, denn von der Oscar-Verleihung wissen wir: Aufzählungen sind unglaublich ermüdend. Zu einer Danksagungsorgie sollte Ihre Eröffnungsrede daher auch nicht ausarten.


  5. Appell

    Wenn Sie eine Eröffnungsrede halten, haben sie bereits etwas auf die Beine gestellt. Das ist großartig. Aber: Der längere Teil des Weges liegt noch vor Ihnen. Beispiel Geschäftseröffnung: Es ist toll, dass Sie nun endlich starten, öffnen und verkaufen können. Aber damit daraus ein nachhaltiger Erfolg wird, muss Ihr Einsatz in die Zukunft verlängert werden.

    Richten sie daher einen Appell an die zuhörenden Mitarbeiter, Geschäftspartner, Kunden oder Investoren, nach dem Motto: „Wir haben es bis hierhin geschafft und werden jetzt noch mal eine Schippe drauflegen…“ Ihr Appell ist in die Zukunft gerichtet, vielleicht mit einem Blick in die Glaskugel verbunden.

Eröffnungsrede: 6 weitere Tipps

  • Tempo

    Die Eröffnungsrede sollte zwar kurz und knackig sein. Darüber sollten Sie aber nicht vergessen, langsam und betont zu reden. Ein kleines Dilemma! Machen Sie nicht den Fehler, die Eröffnungsrede schnell herunterzurattern, um Ihre Zuhörer ja nicht zu langweilen.

  • Probe

    Der Basis-Tipp aus dem Mesolithikum des Redenhaltens: Proben Sie Ihre Eröffnungsrede vorab vor dem Spiegel oder vor Freunden und Familie – mehr als einmal. Übung macht den Redner.

  • Recycling

    Erfahrene Redner dürfen ruhig mal Bausteine aus alten Reden wiederverwenden. Aber nur, wenn die neuen Zuhörer ganz sicher nicht die alten sind. Und Obacht: Details können die ganze Rede zerstören. Zum Beispiel, wenn sich eine alte Jahreszahl in ihre Rede verirrt.

  • Zitate

    Weisheiten eines Goethe oder Schiller – früher fester Bestandteil von Reden, heute eher nicht mehr zeitgemäß. Sparen Sie sich die hochtrabenden Zitate lieber. Peinlickeitsgefahr! Wenn Sie sich einen Spaß erlauben wollen, dann streuen Sie ein schlaues Zitat ein – und lösen zur allgemeinen Erheiterung auf, dass es gar nicht von einer antiken Geistesgröße, sondern von einem Influencer, It-Girl oder Wrestler stammt.

  • Zahlen

    Daten gelten als das Gold der Neuzeit – das wissen Facebook, Amazon oder Google längst. In einer Rede aber sollten Sie mit ihnen sparsam umgehen. Bringen Sie einzelne Zahlen, Daten oder Statistiken nur, wenn sie relevant und interessant sind. Beispiel: „Exakt 550 Menschen haben an der Errichtung dieses Bauwerks mitgewirkt, darunter auch viele der hier Anwesenden“ oder „Die Errichtung der Bahnstrecke hat exakt sieben Jahre, drei Monate und 29 Tage Jahre gedauert, aber nun ist sie endlich fertig.“

  • Gemeinschaft

    Eine Eröffnungsrede vereint häufig Gleichgesinnte. Menschen mit den gleichen Interessen, Menschen aus der gleichen Branche, mit dem gleichen Beruf, Glauben oder Sportverein. Für Sie als Redner eine Chance, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Versuchen Sie, ein Wir-Gefühl zu schaffen und Identifikation zu stiften – die Sympathie des Publikums ist Ihnen sicher.

[Bildnachweis: TZIDO SUN Shutterstock.com]
15. Dezember 2017 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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