Selbstdarstellung: So kommen Sie besser an
Wer hart genug arbeitet, der hat auch Erfolg, heißt es. Stimmt aber nicht. In den meisten Fällen reichen Fleiß und Disziplin nicht aus, um im Beruf Erfolg zu haben. Es muss auch jemand mitbekommen, dass Sie gute Arbeit leisten - idealerweise nicht nur irgendwer, sondern jemand mit Einfluss. Und das gelingt eben oft nur durch gekonnte Selbstdarstellung. Wer sich alleine darauf verlässt, dass die Qualität seiner Arbeit, sein Engagement und die Zuverlässigkeit für sich sprechen, der ist meist auch ziemlich verlassen. Frei nach dem Motto Wer nicht auffällt, fällt durchs Raster wird der kompetente, aber zurückhaltende Kollege von den Selbstdarstellern überstrahlt und zieht bei der Beförderung oder etwaigen Gehaltserhöhungen oft den Kürzeren. Immerhin: Sie können etwas dagegen unternehmen...

Aufmerksamkeit und Anerkennung gewinnen

Es dauert nicht lange. Innerhalb von 100 Millisekunden hat sich bereits der erste Eindruck manifestiert, den wir von jemandem haben. In dieser kurzen Zeit entscheiden wir darüber, ob wir jemanden sympathisch, attraktiv, vertrauenswürdig oder gar kompetent finden.

Diesen Eindruck später noch zu verändern, ist zwar nicht völlig unmöglich, allerdings auch keine leichte Aufgabe. Bekanntlich gibt es für den ersten Eindruck keine zweite Chance.

Schon hierbei spielt die richtige Selbstdarstellung daher eine entscheidende Rolle. Je besser Ihnen dieser erste Eindruck gelingt, desto schneller und länger können Sie davon profitieren (statt die Energie darauf zu verwenden, sich wieder ins rechte Licht zu rücken).

Und genau hier liegt ein Kernproblem: Im Arbeitsalltag begegnen Sie tagtäglich dutzenden von Menschen. Genauso schnell, wie sie sich begegnet sind, haben sie diese die Begegnung auch schon wieder vergessen. Nur wer es schafft, innerhalb kürzester Zeit nicht nur einen positiven, sondern auch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, bleibt auf dem Radar der Entscheider und möglicher Förderer. Wer im Gedächtnis des Teamleiters, des Chefs oder Geschäftsführers präsent ist, hat einen entscheidenden Vorteil, wenn es darum geht, eine leitende Fachkraft für das Prestigeprojekt und eine wichtige Position zu finden.

In dem Ratgeber "30 Minuten für die überzeugende Selbstdarstellung" heißt es an einer Stelle gar, dass die Wahrscheinlichkeit, beruflich aufzusteigen...

  • zu 60 Prozent vom Auffallen,
  • zu 30 Prozent vom Image und
  • nur zu 10 Prozent von der Leistung abhänge.

Wie genau diese Aussage ist, lässt sich schwer nachprüfen. Die Verhältnisse aber werden im Berufsalltag oft bestätigt und unterstreichen noch einmal die Bedeutung der Selbstdarstellung im Job.

Aber bitte nicht falsch verstehen: Selbstdarstellung hat oft einen negativen Beigeschmack. Der Begriff klingt leider verdächtig nach Blender, Luftpumpe und Windmaschine - mehr Schein als Sein. Das ist aber nur eine Teilausprägung - wenn auch die negativste.

Tatsächlich geht es ist uns hierbei um den leider meist übersehenen Aspekt - der Selbstdarstellung mit Substanz. Beides schließt sich überhaupt nicht aus. Doch überlassen eben viele echte Leistungsträger dieses Feld den eitlen Blendern - in der Hoffnung, ihr Genie möge doch bitte endlich entdeckt, erkannt und belohnt werden.

Das ist aber - mit Verlaub - naiv. Weder sind Chefs medial veranlagt, noch ist die Welt fair und gerecht. An gelegentlichem Eigenmarketing führt daher kein Weg vorbei.

Karriere ist kein Zufall - sie wird nicht zuletzt auch von uns selbst gemacht!

Aufmerksamkeit ist auch für das Selbstwertgefühl entscheidend

Nicht nur für den beruflichen Erfolg benötigen wir Aufmerksamkeit. Ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit braucht jeder Mensch. Aufmerksamkeit und Wertschätzung von anderen beeinflussen maßgeblich unser Selbstwertgefühl. Ob man sich geachtet, respektiert oder geliebt fühlt, hängt eben auch davon ab, inwieweit die eigene Umwelt einem dieses Gefühl vermittelt.

Damit haben die Art und Weise wie wir uns nach außen geben und das Feedback, das wir dafür erhalten, große Auswirkungen auf das eigene Selbstbild. Und ein positives Selbstbild ist wiederum entscheidend dafür, wie zufrieden wir mit unserem Leben sind.

4 Warnzeichen für ein überzogenes Ego

  1. Ruhmsucht

    Nach Erfolg zu streben, ist gut. Diesen aber nur noch zu suchen, um sich Anerkennung und Respekt zu sichern, ist krank. Hier wird Ursache mit Wirkung verwechselt. Nicht selten, neiden solche Menschen auch den Erfolg anderer. Erkennbar wird es daran, dass sie deren Ideen oder Projekte kategorisch denunzieren oder ihnen widersprechen, wo es geht. Der Trugschluss dahinter: Bekommen andere weniger Beifall, fällt umso mehr für mich ab. Blödsinn!

  2. Konkurrenzdenken

    Wer sich permanent mit anderen vergleicht, verfällt bald in Konkurrenzdenken. Alle anderen sind dann nur noch Wettbewerber, gegen die es sich durchzusetzen gilt und die man niederringen muss. Jede Debatte, jede Konversation, jede Verhandlung mutiert so zu einer Kampfarena. Kräfte raubend!

  3. Prahlerei

    Auch die brillanteste Idee kann von den persönlichen Talenten überschattet werden – falls man diese in den Vordergrund stellt. Seine eigene Cleverness zu betonen, zeugt jedoch selten von selbiger. Und sie macht auch nicht sonderlich sympathisch. Davon abgesehen wirkt Geltungsdrang wie eine Droge, die ständig eine höhere Dosierung benötigt, um noch zu wirken.

  4. Defensive

    Wer meint, seine Ideen ständig verteidigen zu müssen – auch gegen konstruktive Kritik –, isoliert sich und gerät eher früher als später in eine Abwehrhaltung. Dasselbe gilt für jene, die Kritik nahezu immer persönlich nehmen und deshalb sofort zurück schießen. Entsprechend schlecht sind Narzissten darin, langfristige oder gar verlässliche Beziehungen aufzubauen. Sie benötigen ständig neue Fan-Kreise – oder wenn sie es schon recht weit gebracht haben: wechselnde Bewunderer und Bestätigungen, sei es durch wachsende Boni oder dankbare Betätigungsfelder mit viel Ruhm inside.

Selbstdarstellung: Wie Sie andere auf sich aufmerksam machen

Es gibt grundsätzlich zwei Arten, wie Sie im Job auf sich aufmerksam machen können: Entweder Sie fallen positiv oder negativ auf. Beide wollen wir hier vorstellen (aber natürlich nur eine davon empfehlen).

Selbstdarstellung negativ auffallenMit diesem Verhalten fallen Sie negativ auf:

  • Sie machen sich kleiner als Sie sind.

    Es gibt Menschen, die versuchen sympathischer rüberzukommen, indem sie bewusst ihr Licht unter den Scheffel stellen. Oftmals denken sie, dass es ihnen Pluspunkte bringt, erst (bescheiden) zu behaupten, etwas nicht zu können und dann zu brillieren. Fatal. Denn häufig bleibt der erhoffte Effekt - und hängen bleibt nur: Der/die kann das nicht.

  • Sie setzen auf Hilfsbedürftigkeit.

    Jemand anderem zu helfen, gibt einem selbst ein gutes Gefühl. Den Effekt machen sich manche Menschen zunutze: Sie erhalten Aufmerksamkeit dadurch, dass sie Hilflosigkeit ausstrahlen und dem Helfer das Gefühl vermitteln, der Held und Retter zu sein. Fatal! So konservieren sie selbst nicht das Image des Machers, sondern des Unfähigen.

  • Sie ziehen sich aus der Verantwortung.

    Wieder andere bauen darauf, durch die Betonung der eigenen Schwächen oder Umstände alle Schuld für Fehler von sich zu weisen. Als Ausreden fungieren dann Aussagen wie "Das liegt mir nicht, deshalb wird es auch nicht funktionieren" oder "Ich konnte das gar nicht schaffen, weil...". Damit aber werden sie zum Teil des Problems, nicht zum Teil der Lösung. Oder anders formuliert: Wer etwas will, findet Wege - wer nicht will, findet Gründe.

  • Sie plustern sich auf.

    In dem Bestreben andere auf ihre Fähigkeiten aufmerksam zu machen, versuchen sich diese Typen größer zu machen, als sie in Wirklichkeit sind. Sie spielen sich permanent in den Vordergrund und kennen kein anderes Thema als ihre Erfolge und Ich-Ich-Ich. Klar, wer so agiert, fällt auf der anderen Seite vom Pferd und wirkt eher wie ein Profilneuroiker, der es nötig hat.

Selbstdarstellung positiv auffallenZum Glück gibt es aber noch die andere, natürliche und elegante Seite der Selbstdarstellung. Mit diesem Verhalten fallen Sie positiv auf:

  • Sie sind selbstbewusst.

    Wenn Sie wirklich einen Mehrwert schaffen und beisteuern konnten, gibt es keinen Grund, verschämt oder gar devot zu sein. Im Gegenteil: Ihr Selbstbewusstsein unterstreicht den Wert Ihres Beitrags. Sie wissen, was Sie können und geleistet haben und stehen auch hinter Ihren Fähigkeiten und Qualitäten. Umgekehrt: Treten Sie zu bescheiden auf, kommen daran schnell Zweifel.

  • Sie sind authentisch.

    Sie geben nicht vor, jemand anderes zu sein als Sie sind. Sie kennen Ihre Stärken, aber auch Ihre Schwächen und stehen dazu. Wer authentisch ist, bleibt aufrichtig zu sich selbst. Zum Einen offenbart sich das durch eine entspannte Haltung (zu sich selbst), zum Anderen erfahren Sie mehr Respekt von ihren Kollegen, wenn Sie nicht versuchen, sich zu verbiegen oder ein Mitläufer zu sein.

  • Sie sind zuverlässig.

    Damit man Sie für zuverlässig hält, braucht es Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz. Beides braucht Zeit und Belege. Es wird mit der Zeit und durch Gewohnheit erworben. Ihre Kollegen und Ihr Chef müssen lernen, dass man sich auf Sie verlassen kann, dass Sie wissen, wovon Sie sprechen und nichts zusagen, was Sie nicht einhalten können.

  • Sie strahlen Kompetenz aus.

    Wer darauf wartet, dass andere von selbst darauf kommen, welch gute Arbeit man leistet, der läuft Gefahr, dass das eigene Potenzial verkannt wird. Deswegen sollten Sie auf Ihre Kompetenzen und Ihr Können immer wieder hinweisen - dezent, aber bestimmt. Trauen Sie sich ruhig etwas zu!

  • Sie haben ein klares Profil.

    Sie haben Ihre Nische gefunden und besetzen diese kompetent. Kommt Ihr Fachgebiet zur Sprache, bringt man Sie automatisch damit in Verbindung. Das setzt allerdings ein klares Profil voraus. Auch das ist etwas, woran Sie arbeiten und es immer wieder im Job schärfen müssen. Zum Beispiel, indem Sie sich an allen fachlichen Diskussionen beteiligen, die Ihr Thema betreffen und auch einfordern, daran beteiligt zu werden. Und indem Sie sich auf Tagungen und Fachkongressen weiterbilden oder auch Ihre eigene Kompetenz in diesem Bereich zeigen - etwa durch einen Vortrag.

  • Sie sind offen.

    Sie haben nicht das Gefühl, sich verstecken zu müssen und sind Ihren Mitmenschen aufgeschlossenen gegenüber. Entsprechend gewähren Sie auch Einblicke hinter die Kulissen und lassen andere an Ihrem Know-how teilhaben. Wer sein Herrschaftswissen für sich behält, ist für das Team letztlich nutzlos. Erst durch das hilfsbereite Teilen gewinnen Sie Sympathie und Vertrauen.

  • Sie übertreiben nicht.

    Keine Frage, in Sachen Selbstdarstellung braucht es Fingerspitzengefühl. Die Dosis macht das Gift. Üben Sie sich deshalb ab und an auch in Zurückhaltung. Das ist kein Widerspruch, sondern eine noble Geste, die Ihr Ansehen nur noch vergrößert. Uns es schützt Sie vor dem Verdacht, doch nur ein Prahlhans zu sein. Alle Menschen konkurrieren in gewisser Weise um Aufmerksamkeit. In jedem Unternehmen gibt es einen Wettbewerb um das Rampenlicht. Wer versucht die Scheinwerfer der anderen zu dimmen, um selbst heller zu strahlen, offenbart sich nur als kleinlich, egoistisch und infantil. Zeigen Sie also was Sie können, aber überlassen Sie anderen ebenso ihre Bühne.

[Bildnachweis: Anton Watman by Shutterstock.com]

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