Freiberufler: Wie werde ich einer?

Freiberufler sind längst kein Randphänomen mehr. Man findet sie in technischen wie künstlerischen Berufen, auch Mediziner gehören formell den freien Berufen an. Viele Freiberufler verdienen blendend, sind frei und unabhängig, müssen sich nicht ständig an der Bürokratie abarbeiten. Doch ganz so rosarot ist auch das Leben der Freiberufler nicht…

Freiberufler: Wie werde ich einer?

Was ist ein Freiberufler?

Was ist ein Freiberufler?Einen Freiberufler kann man als Person definieren, die selbstständig tätig ist, aber nicht der Gewerbeordnung unterliegt und nicht gewerbesteuerpflichtig ist.

Paragraph 1 des Partnerschaftsgesellschaftsgesetzes sagt: „Die Freien Berufe haben im allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Und Paragraph 18 des Einkommensteuergesetzes ergänzt: „Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen.“

Zu den freien Berufen zählen demnach:

Vollständig ist die Liste damit nicht. So konnte der Gesetzgeber ja nicht ahnen, dass auch der IT-Sektor immer stärker auf Freelancer setzt. Grundsätzlich findet man Freiberufler in Heilberufen (Ärzte), in Rechts- und Wirtschaftsberufen (Steuerberater), in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen (Ingenieure) und in kulturell-künstlerischen Berufen (Journalisten).

Dabei ist die Unterscheidung zwischen Freiberufler und Gewerbetreibendem nicht immer einfach. Beispiel: Ein freier Entwickler ist zunächst ein Freiberufler. Programmiert er aber eine App und vertreibt diese auch, ordnet ihn das Finanzamt sehr schnell als Gewerbetreibenden ein. Oder ein Designer: Entwirft er die Mode-Kollektion nicht für einen Auftraggeber, sondern vertreibt sie selbst, hat er einen Gewerbebetrieb – und ist kein Freiberufler mehr.

Wie viele Freiberufler gibt es in Deutschland?

Fast 1,4 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland als selbstständige Freiberufler. Auf diese Zahlen kommt der Bundesverband der Freien Berufe (BFB). Seit 1999 hat sich ihre Zahl damit verdoppelt. 2008 hatte die Zahl der Freelancer erstmals die Millionen-Marke übersprungen, ist auch danach kontinuierlich gewachsen.

Vor allem Informatiker und Ingenieure arbeiten immer häufiger frei, bei ihnen betrug der jährliche Zuwachs zuletzt vier Prozent. Unter allen Freiberuflern lag er bei 2,8 Prozent.

So viele Selbstständige gab in den freien Berufen laut BFB zum 1. Januar 2017:

Freie Heilberufe

  • Ärzte: 119.641
  • Zahnärzte: 52.729
  • Psychotherapeuten: 28.400
  • Physiotherapeuten: 44.040
  • Tierärzte: 11.972
  • Apotheker: 16.394
  • Andere freie Heilberufe: 140.500

Rechts-, wirtschafts- und steuerberatende freie Berufe

  • Rechtsanwälte: 120.610
  • Patentanwälte: 3.617
  • Nur-Notare: 1.479
  • Steuerberater/Steuerbevollmächtigte: 60.177
  • Wirtschaftsprüfer/vereidigte Buchprüfer: 9.318
  • Unternehmensberater: 44.600
  • Andere rechts-, wirtschafts- und steuerberatende freie Berufe: 138.800

Technische und naturwissenschaftliche freie Berufe

  • Architekten: 55.805
  • Beratende Ingenieure: 15.850
  • Andere freiberuflich tätige Ingenieure: 70.900
  • Sachverständige: 20.400
  • Andere technische und naturwissenschaftliche freie Berufe: 98.200

Kultur

  • Freie Kulturberufe: 328.069

Wie werde ich Freiberufler?

Freiberufler haben weniger bürokratische Eisberge zu umschiffen, bevor sie loslegen können. Sie müssen kein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden und dementsprechend auch keine Gewerbesteuer zahlen.

Eine Anmeldung beim Finanzamt genügt. Das Finanzamt weist Ihnen eine Steuernummer zu, mit der Sie fortan Leistungen abrechnen und Rechnungen schreiben können.

Freiberufler müssen auch keine doppelte Buchführung betreiben, nicht einmal – wenngleich sinnvoll – ein separates Geschäftskonto führen. Dem Finanzamt legen sie nur eine Einnahme-Überschuss-Rechnung vor.

Aber Achtung: In einigen freien Berufen müssen Sie einer Kammer angehören. Für Ärzte etwa besteht Pflichtmitgliedschaft in der Ärztekammer des jeweiligen Bundeslandes, für Apotheker in der Apothekerkammer, für Anwälte in der Rechtsanwaltskammer.

Die Kammern sind es auch, die eine Zulassung bei größeren Verfehlungen wieder entziehen und ein Berufsverbot aussprechen können. Das kann einem Journalisten beispielsweise nicht passieren. Sein Beruf ist nicht geschützt, eine Zulassung braucht er nicht, sie kann ihm folgerichtig auch nicht entzogen werden.

Welche Steuern zahlen Freiberufler?

Gewerbesteuern zahlt ein Freiberufler NICHT. Dafür muss er Einkommensteuer und Umsatzsteuer entrichten.

Die Umsatzsteuer beträgt momentan 19 Prozent des in Rechnung gestellten Betrages. Die ermäßigte Umsatzsteuer von sieben Prozent können vor allem Schriftsteller, Journalisten oder Illustratoren in Anspruch nehmen. Denn Bücher, Zeitungen, Broschüren, auch Mal- und Bilderbücher unterliegen dem ermäßigten Satz.

Medizinische Leistungen sind grundsätzlich sogar umsatzsteuerfrei. Gar keine Umsatzsteuer zahlen daher Ärzte, Zahnärzte, Krankengymnasten oder Heilpraktiker.

Aber Achtung: Kosmetische Operationen wiederum sind voll umsatzsteuerpflichtig. In diese Kategorie fallen etwa Eingriffe, bei denen Fett abgesaugt, Botox gespritzt oder eine Tätowierung entfernt wird. Auch bieten Ärzte immer mehr Igel-Leistungen an, auf die unter Umständen ebenfalls Umsatzsteuer fällig wird.

Umsatzsteuerpflichtige Freiberufler, deren Umsatz im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreitet und im vergangenen Jahr nicht mehr als 17.500 Euro betrug, können sich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Dann fallen sie unter die Kleinunternehmerregelung.

Sie müssen dann weder eine Umsatzsteuervoranmeldung noch eine Umsatzsteuerjahreserklärung beim Finanzamt abgeben. Wichtig: Auf Rechnungen muss der Hinweis erscheinen, dass Sie von der Umsatzsteuer befreit sind.

Allerdings entfällt im Gegenzug auch die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs. Und: Die Entscheidung bindet einen Freiberufler fünf Jahre, sollte also vorab gut abgewogen werden.

Wie versichern sich Freiberufler?

  • Krankenversicherung

    Freiberufler übernehmen die Kosten für ihre Krankenversicherung – im Gegensatz zu Angestellten – vollständig selbst. Sie können dabei zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse wählen.

    Hier ist ein sorgfältiger Vergleich von Kosten und Leistungen angebracht, bevor Sie sich entscheiden. Freie aus künstlerischen Berufen versichern sich über die Künstlersozialkasse und erhalten so staatliche Zuschüsse.

  • Rentenversicherung

    Selbstständige und Freiberufler unterliegen grundsätzlich nicht der Rentenversicherungspflicht. Aber es gibt Ausnahmen: So sind Freiberufler aus „sozial schutzbedürftigen Berufen“ sehr wohl rentenversicherungspflichtig, zum Beispiel Erzieher und Hebammen.

    Freie aus Kammerberufen (Ärzte, Architekten, Anwälte etc.) zahlen in der Regel ihren Rentenversicherungsbeitrag über das jeweilige berufsständische Versorgungswerk. Sie können sich aber auf Antrag befreien lassen. Die Künstlersozialkasse wiederum bezuschusst die gesetzliche Rentenversicherung ihrer Mitglieder.

  • Arbeitslosenversicherung

    Freiberufler können sich arbeitslos melden, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit weniger als 15 Stunden beträgt. Dann haben sie den gleichen Anspruch auf Arbeitslosengeld wie Angestellte – sofern sie zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

Das sind die Vorteile und Nachteile von Freiberuflern

Die größten Vorteile für Freiberufler sind:

  • Unabhängigkeit

    Das sind die Vorteile von FreiberuflernAls Freiberufler sind Sie Ihr eigener Boss. Kein Vorgesetzter mehr, der Ihnen ständig hineinquatscht. Sie können sich Ihre Auftraggeber, Kunden und Kooperationspartner im Prinzip frei aussuchen.

  • Geld

    Als Freiberufler winken Ihnen höhere Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zum Angestelltendasein, zum Beispiel freien Entwicklern. Es gibt aber auch freie Berufe, die weniger gut bezahlt werden. Freie Künstler etwa fallen häufig in die Kategorie prekär.

  • Freiheit

    Grundsätzlich kann jeder Freiberufler Arbeitszeit und -ort frei wählen – und zeitweise ins Coworking-Space auf Bali umziehen. Dort trifft man aber nur Medienschaffende. Für Ärzte oder Apotheker gilt Präsenzpflicht.

Die größten Nachteile für Freiberufler sind:

  • Risiko

    Das sind die Nachteile von FreiberuflernEs ist zweifelsfrei erhöht. Bricht ein wichtiger Auftraggeber weg, kann dies sofort existenzbedrohend sein. Ratsam daher, das Risiko zu streuen.

  • Work-Life-Balance

    Eigentlich sollte dieser Punkt auf der Habenseite stehen. Die Wahrheit ist: Freiberufler arbeiten oft länger als Angestellte, haben keinen festen Feierabend und stehen ständig unter Strom.

  • Altersvorsorge

    Freiberufler sind für ihre selbst verantwortlich – es sei denn, sie sind über Berufskammern abgesichert. Die Befreiung von der gesetzlichen Rentenpflicht kann bei entsprechendem Verdienst aber auch ein Vorteil sein.

[Bildnachweis: Dmitry A by Shutterstock.com]
30. Juni 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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