Honorarbasis: Als Honorarkraft arbeiten

Wer in einem Unternehmen angestellt ist, erhält gemäß den Vereinbarungen in seinem Arbeitsvertrag ein entsprechendes Gehalt für seine Arbeitsleistung. Anders sieht es aus, wenn Dienstleistungen auf Honorarbasis erbracht werden. Die Art des Anstellungsverhältnisses ist für sogenannte Honorarkräfte anders, daher erhalten sie kein Gehalt oder Lohn, sondern ein Honorar. Was es mit dem Arbeiten auf Honorarbasis auf sich hat, was Sie zur Krankenversicherung und Sozialabgaben wissen müssen, erfahren Sie hier…

Honorarbasis: Als Honorarkraft arbeiten

Arbeiten auf Honorarbasis: Was ist eine Honorarkraft?

Arbeiten auf Honorarbasis als Nebenjob hauptberuflich Freibetrag Krankenversicherung SozialabgabenDas Besondere am Arbeiten auf Honorarbasis ist, dass die Honorarkraft als freier Mitarbeiter immer selbständig arbeitet und nicht weisungsgebunden ist. Geregelt wird das Arbeitsverhältnis durch einen Dienst- oder Werkvertrag.

Seit einigen Jahren hat sich für Honorarkräfte vor allem in der Werbe- und Medienbranche der Begriff Freelancer eingebürgert.

Nicht zu verwechseln ist die Honorarkraft beziehungsweise der Freelancer mit dem Freiberufler; dieser kann seine Tätigkeit sowohl selbständig als auch festangestellt ausüben. Wer auf Honorarbasis arbeitet, hat häufig mehrere Auftraggeber und ist keinem davon fachlich, örtlich oder zeitlich unterworfen.

Der große Vorteil: Auf Honorarbasis zu arbeiten bedeutet ein großes Maß an Flexibilität und Unabhängigkeit. Sie können sich gewissermaßen die Rosinen herauspicken und an zwei spannenden Projekten für verschiedene Arbeitgeber arbeiten, statt dass Ihnen ständig der Chef über die Schulter schaut.

Der große Nachteil: Sie müssen ein Organisationstalent sein. Und als Honorarkraft müssen Sie die Dinge erledigen, die im Angestelltenverhältnis der Arbeitgeber übernimmt. Heißt konkret: Sie müssen sich um die Abgaben kümmern.

Honorarbasis: Einkünfte als Honorarkraft

Wer auf Honorarbasis arbeitet, rechnet seine Dienstleistungen ohne Sozialversicherungsbeiträge mit dem Auftraggeber ab. Die Höhe eines Honorars hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab:

  • Gesetzliche Verordnungen: Sie gelten beispielsweise für Ärzte oder Steuerberater.
  • Wirtschaftliches Interesse: So müssen Anwälte beispielsweise die Zeit und den Arbeitsaufwand einkalkulieren.
  • Individuelle Kalkulationen: Künstler oder Privatlehrer können beispielsweise die Saison berechnen. Ebenso ist es möglich, ein Ausfallhonorar zu vereinbaren, falls der Termin seitens des Auftraggebers abgesagt wird. Für Tätige auf Honorarbasis ist das eine Möglichkeit, Unzuverlässigkeit vorzubeugen und sich bis zu einem gewissen Grad abzusichern.

Der Hauptunterschied zwischen einer Arbeit auf Honorarbasis und einer Tätigkeit im festen Angestelltenverhältnis ist, dass der Arbeitnehmer ein monatliches Festgehalt erhält und sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Das heißt, der Arbeitgeber führt für ihn vom Bruttogehalt die Lohnnebenkosten ab.

Anders der Freelancer, der ein fest vereinbartes Honorar (bei Künstlern spricht man von Gage) erhält. Das kann ein Stundenhonorar sein oder eine pauschale Entlohnung für eine bestimmte Dienstleistung. Hinsichtlich der Höhe des Honorars ist zu sagen, dass das stark variiert.

Auch hier gilt: Angebot und Nachfrage. Nachhilfelehrer, die die Hausaufgabenbetreuung übernehmen oder privaten Klavierunterricht geben, werden deutlich weniger verdienen als beispielsweise ein Programmierer. Unterschiede gibt es ebenfalls bei Journalisten:

Wer als freier Mitarbeiter einer lokalen Tageszeitung arbeitet, wird weniger verdienen als ein Fachjournalist eines bekannten Magazins. Abhängig sind die Honorare vom Spezialisierungsgrad und natürlich der Länge des Beitrags.

Arbeiten auf Honorarbasis: Selbständig oder nicht?

Arbeiten auf Honorarbasis freibetrag hauptberuflich Krankenversicherung SozialabgabenSchwammige Begriffe im Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht und Steuerrecht, aber auch sich verändernde Arbeitsmodelle führen dazu, dass es zunehmend schwieriger wird, Selbständigkeit von Scheinselbständigkeit zu unterscheiden.

Zumal letzteres eine umgangssprachliche Beschreibung dafür ist, dass ein scheinbar selbständiges Arbeitsverhältnis – wie es die Arbeit auf Honorarbasis eigentlich sein sollte – sich als Angestelltenverhältnis entpuppt.

Betroffen sind meist freie Mitarbeiter aus wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen. Für die Unterscheidung zwischen Selbständigkeit und Scheinselbständigkeit ist lediglich die Eingliederung in den Betrieb entscheidend.

Demnach ist im Zweifel eine Honorarkraft nicht selbständig, wenn sie…

  • nach den Weisungen ihres Auftraggebers Arbeit verrichtet,
  • nach Zeit,
  • nach Ort und
  • Umfang der Arbeit
  • wie festangestellte Kollegen ihre Aufgaben erfüllt.

Eine abhängige Beschäftigung wird ebenfalls vermutet, wenn Mailadresse und Telefonnummer des Auftraggebers benutzt werden und wenn es Vertretungsregelungen mit festangestellten Kollegen gibt.

Wer hingegen eigenes Unternehmerrisiko trägt, eigene Arbeitsmaterialien Laptop, Papier, Visitenkarten, Homepage und Büroeinrichtung selbst vorhält, wird eher als Selbständiger betrachtet. Erst recht trifft dies zu, wenn Sie Ihre Zeit selbst einteilen und für mehrere Auftraggeber tätig werden.

Arbeiten auf Honorarbasis als Nebenjob: Sozialabgaben können wegfallen

Wer nebenberuflich auf Honorarbasis arbeitet und eine Lehrtätigkeit ausübt, die weniger als sechs Stunden in der Woche in Anspruch nimmt, muss keine Sozialabgaben abführen. Die Arbeit gilt dann als nebenberuflich, wenn sie nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit einer Vollzeitstelle im Kalenderjahr einnimmt.

Zu den Lehrtätigkeiten auf Honorarbasis gehören ebenfalls Jobs als

  • Ausbilder,
  • Betreuer,
  • Erzieher und
  • Übungsleiter.

Sie alle können sich auf Basis des Übungsleiterfreibetrags oder Betreuungsfreibetrags in Höhe von 2.400 Euro befreien lassen, das heißt, dieser Betrag wird bei der Einkommenssteuer geltend gemacht.

Ausnahme: Dozenten an Volkshochschulen gelten als Selbständige, sie sind also trotz Lehrtätigkeit grundsätzlich selbst für ihre Steuer und Sozialabgaben verantwortlich.

Arbeiten auf Honorarbasis: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Steuern

  • Krankenversicherung

    Wer auf Honorarbasis arbeitet, muss sich selbst krankenversichern. Wie jeder Arbeitnehmer haben Sie dabei die Wahl zwischen einer gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung. Damit die Versorgung im Krankheitsfalle gewährleistet ist, ist im Zuge der Gesundheitsreform 2007 die Versicherungspflicht eingeführt worden.

    Sie gilt für jede Person, die ihren Aufenthaltsort in Deutschland hat. Das heißt auch, dass die gesetzlichen Krankenkassen jeden Antragsteller aufnehmen müssen, der gemäß Sozialgesetzbuch V die Voraussetzungen dafür erfüllt. Dazu gehören diejenigen, deren Einkommen monatlich bei mehr als 400 Euro liegt.

    Private Krankenkassen hingegen können Antragsteller aufgrund ihres Alters, Geschlechts oder ihrer persönlichen Krankheitsvorgeschichte ablehnen. Jobs auf Honorarbasis sind häufig im publizistischen, journalistischen als auch künstlerischen Bereich üblich.

    Für Tätige aus dieser Branche bietet sich eine Versicherung in der Künstlersozialkasse (KSK) an – die Aufnahme dort ist allerdings an bestimmte Bedingungen geknüpft: So müssen Journalisten und Künstler bestimmte Mindesteinnahmen vorweisen und ihre künstlerische beziehungsweise kreative Tätigkeit nachweisen.


  • Rentenversicherung

    Eine Lehrtätigkeit auf Honorarbasis ist rentenversicherungspflichtig. Wobei der Begriff der Lehrtätigkeit weit gefasst ist. Demnach kommen beispielsweise folgende Berufe infrage:

    • Aerobiclehrer
    • Coach
    • Gitarrenlehrer
    • Golflehrer
    • Moderator
    • Nachhilfelehrer
    • Supervisor
    • Trainer

    Wer selbständig einen Kurs leitet, muss sich innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme seiner Tätigkeit auf Honorarbasis bei der Deutschen Rentenversicherung melden. Als Ausnahme gilt, wenn die Honorartätigkeit nur zwei Monate beziehungsweise 50 Arbeitstage im Kalenderjahr dauert oder das Honorar unter 450 Euro im Monat liegt.

    Ebenfalls ausgenommen von der Rentenversicherungspflicht sind Kursleiter und Dozenten, die selbst einen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen.


  • Steuern

    Wer auf Honorarbasis arbeitet, muss die Steuern selbst abführen. Dazu muss er sich wie jeder Selbständige beim Finanzamt melden. Hier bekommt er eine Steuernummer zugewiesen. Eine Lohnsteuer fällt für gewöhnlich weg, stattdessen wird die Einkommenssteuer vom vereinbarten Honorar gezahlt.

    Allerdings gibt es einen Grundfreibetrag, der für Ledige bei 9.000 Euro und für Verheiratete bei 18.000 Euro (Stand 2018) liegt. Er kann sich erhöhen, wenn entsprechende Werbungskosten wie Büromiete und Fahrkosten oder Kosten für Arbeitsmittel anfallen. Dazu würden beispielsweise eine technische Ausstattung mit Laptops oder Smartboards, aber auch notwendige Fachliteratur gehören.

    Das heißt, wer im Jahr über diese Freibetragsgrenze kommt, muss Einkommenssteuer zahlen. Eine Umsatzsteuer kann anfallen, wenn die Honorarkraft nicht unter die Kleinunternehmerregelung nach § 19 fällt.

    Die Steuern werden zum Jahresende mit Abgabe der Steuererklärung fällig. Für auf Honorarbasis Beschäftigte heißt das, dass sie rechtzeitig, am besten mit Erhalt des Honorars, einen Teil für das Finanzamt beiseite legen. Wer seine Einnahmen unterschätzt und den Grundfreibetrag deutlich überschreitet, auf den warten saftige Nachzahlungen.

[Bildnachweis: YAKOBCHUK VIACHESLAV by Shutterstock.com]
17. Januar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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