Geringfügige Beschäftigung: Das müssen Sie wissen!

Eine geringfügige Beschäftigung kommt dann für Arbeitnehmer infrage, wenn eine bestimmte Grenze finanziell nicht überschritten werden soll oder die Tätigkeit nur kurz andauert. Sie eignet sich damit neben einer hauptberuflichen Tätigkeit, wenn zusätzlich zum Haupteinkommen etwas hinzuverdient werden soll. Ebenfalls gehen häufig Studenten und Arbeitssuchende einer geringfügigen Beschäftigung nach. Sie ermöglicht es, den übrigen Verpflichtungen nachzukommen und beispielsweise Bewerbungen nebenher zu schreiben. Mit diesem Beschäftigungsverhältnis gehen einige Besonderheiten im Vergleich zu einer hauptberuflichen Beschäftigung einher, die Sie kennen sollten…

Geringfügige Beschäftigung: Das müssen Sie wissen!

Geringfügige Beschäftigung Definition: Was fällt darunter?

geringfügige Beschäftigung Stunden 2018 Krankenversicherung Sozialversicherung Urlaubsanspruch Rentner Rentenversicherung ArbeitsvertragFür die Bezeichnung geringfügige Beschäftigung gelten zweierlei Fälle:

So werden zum einen Jobs bezeichnet, deren Verdienst monatlich 450 Euro nicht überschreitet. Dabei ist für die geringfügige Beschäftigung seit 2003 nicht mehr entscheidend, in welchem Umfang die Arbeitsleistung erbracht wird, also wieviele Stunden Sie arbeiten.

Früher durften Arbeitnehmer nicht mehr als 15 Stunden arbeiten, mittlerweile orientiert sich die Einordnung am Verdienst:

Regelmäßig darf ein Verdienst von 450 Euro im Monat beziehungsweise 5.400 Euro im Jahr nicht überschritten werden. Die Arbeitszeit ist insofern flexibel geregelt, dass in Ausnahmefällen – also Personalengpässen oder um Auftragsspitzen abzufangen – der Verdienst über 450 Euro im Monat liegen darf.

Der Arbeitnehmer verdient dann in einem Monat mehr, dafür in einem anderen Monat weniger, so dass der Durchschnittsverdienst pro Monat umgerechnet maximal 450 Euro beträgt. Üblicherweise bedeutet eine geringfügige Beschäftigung für den Arbeitnehmer, dass Sie brutto wie netto ausbezahlt bekommen.

Da auch für geringfügige Beschäftigungen der Mindestlohn gilt, sollten Arbeitnehmer darauf achten, dass sie durch eine mögliche Erhöhung des Stundenlohns nicht den monatlichen Maximalverdienst von 450 Euro dauerhaft überschreiten. Unter Umständen kann eine Arbeitszeitverkürzung sinnvoll sein.

Ebenfalls als geringfügige Beschäftigung oder Minijob bezeichnet werden außerdem Arbeitsverhältnisse, die kurzfristig angelegt sind. Die Beschäftigung dauert hier längstens zwei Monate beziehungsweise 50 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres.

Im Gegensatz zum ersten Fall muss hier die Verdienstgrenze von 450 Euro nicht eingehalten werden.

Bewerbung und Muster für eine geringfügige Beschäftigung

Brauchen Sie noch Tipps zum Aufbau einer Bewerbung für eine geringfügige Beschäftigung? Hier werden Sie fündig:

Geringfügige Beschäftigung 2018: Änderungen

Zum 1. Januar 2018 gab es eine Änderung im Bereich der Rentenversicherung: Der Beitragssatz wurde von 18,7 auf 18,6 Prozent gesenkt. Das bedeutet für alle diejenigen Arbeitnehmer, die nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit sind, einen um 0,1 Prozentpunkte höheren Verdienst.

Hintergrund dieser Änderungen ist die seit 2013 geltende Rentenversicherungspflicht. Der Arbeitgeber beteiligt sich mit 15 Prozent daran, der Arbeitnehmer stockt die Differenz bis derzeitig 18,6 Prozent (Stand: März 2018) auf.

Ebenfalls neu ist die Abschaffung einiger der bisherigen Ausnahmen beim Mindestlohn. Damit ist seit 2018 nun Schluss – zumindest, wenn es um die Unterschiede aufgrund der Branche geht: Derzeit sind 8,84 Euro pro Stunde das Minimum.

Ein Hintertürchen existiert nach wie vor bei bestimmten Personengruppen, so bei Jugendlichen unter 18 Jahren, Langzeitarbeitslose, Praktikanten, die ein Schülerpraktikum machen und diverse andere.

Wichtig für Studenten und Selbständige, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen: Der steuerliche Grundfreibetrag wurde von 8.820 Euro auf 9.000 Euro angehoben, für Verheiratete gilt ein Grundfreibetrag von 18.000 Euro. Das bedeutet, dass Sie erst ab einem Einkommen, das darüber liegt, versteuern müssen.

Geringfügige Beschäftigung: Arbeitsvertrag

Auch bei einer geringfügigen Beschäftigung sollten Sie auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag bestehen. Zwar besitzen mündliche Absprachen ebenfalls Gültigkeit, in der Praxis ist es jedoch schwer nachzuweisen, welche Absprachen wirklich getroffen wurden.

Ist ein befristetes Arbeitsverhältnis geplant, muss es ohnehin schriftlich fixiert sein. Der Vertrag für eine geringfügige Beschäftigung sollte folgende Angaben enthalten:

  • Nennung des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers
  • Tätigkeitsbeschreibung
  • Dauer des Arbeitsverhältnisses
  • Angaben zu Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Vergütung und Kündigung

Hinsichtlich der Kündigung gelten für eine geringfügige Beschäftigung die gesetzlichen Kündigungsfristen:

  • einen Monat Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu zwei Jahren
  • zwei Monate Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu fünf Jahren
  • drei Monate Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu acht Jahren
  • vier Monate Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu zehn Jahren
  • fünf Monate Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu zwölf Jahren
  • sechs Monate Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu 15 Jahren
  • sieben Monate Kündigungsfrist: Arbeitsverhältnis bis zu 20 Jahren

Wenn eine geringfügige Beschäftigung nur bis zu sechs Monate dauert, gilt eine zweiwöchige Kündigungsfrist, danach bei bis zu zwei Jahren gilt eine vierwöchige Kündigungsfrist.

Geringfügige Beschäftigung: Sozialversicherung

Wer einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht, ist im Allgemeinen von der Sozialversicherungspflicht befreit. Das bedeutet, Sie zahlen keinerlei…

  • ge­setz­li­che Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung,
  • ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung oder
  • ge­setz­li­che Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Dennoch zahlt der Arbeitgeber Sozialabgaben und Steuern bei einer geringfügigen Beschäftigung für seinen Arbeitnehmer. Es handelt sich um folgende Pauschalbeiträge:

  • 13 Prozent zur Krankenversicherung
  • 15 Prozent zur Rentenversicherung
  • 2 Prozent für Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag

Zusätzlich zahlt der Arbeitgeber bei einer geringfügigen Beschäftigung die Umlangen U1, U2 und zum Insolvenzgeld. Die Zahlung dieser Pauschalbeiträge ermöglichen dem Arbeitnehmer allerdings keinerlei Leistungsansprüche, ebenso wenig im Hinblick auf die Arbeitslosenversicherung.

Geringfügige Beschäftigung: Rentenversicherung

Seit 2013 zahlen Arbeitnehmer in einer geringfügigen Beschäftigung Rentenversicherungsbeiträge. Das ist seit 2018 ein etwas geringerer Anteil von 3,6 Prozent. Das bedeutet, dass von den 450 Euro brutto monatlich nur noch 433,35 Euro netto übrig bleiben. Allerdings zahlen nicht nur Sie, sondern auch Ihr Arbeitgeber in die Rentenversicherung ein.

Mit diesem Beitrag erwerben Sie den vollen Versicherungsschutz der gesetzlichen Rentenversicherung:

  • Erwerb von Pflichtarbeitszeiten, beispielsweise für Reha-Maßnahmen, Umschulungen
  • Erhöhung der Rentenansprüche
  • Staatliche Förderung der Altersvorsorge

Außerdem wirkt sich die Arbeit in einer geringfügigen Beschäftigung rentensteigernd aus. Sie ist zusätzlich Voraussetzung dafür, dass Sie im Fall einer Erwerbsunfähigkeit rentenrechtliche Ansprüche haben.

Sie können Sich von der Rentenversicherungspflicht jederzeit befreien lassen. Dafür können Sie bei Ihrem Arbeitgeber einen schriftlichen Antrag ausfüllen, der ihn der Minijobzentrale vorgelegt.

Sofern diese innerhalb eines Monats dem Antrag nicht widerspricht, gilt er als genehmigt. Allerdings verlieren Sie in diesem Fall den vollen Versicherungsschutz.

Geringfügige Beschäftigung: Urlaubsanspruch und Errechnung

Eine geringfügige Beschäftigung ist nichts anderes als eine Form der Teilzeitarbeit. Der Gesetzgeber stellt Arbeitnehmer in Teilzeit und Vollzeit gleich, das heißt, sie haben dieselben Ansprüche, somit auch auf bezahlten Urlaub.

Der gesetzliche Urlaubsanspruch errechnet sich folgendermaßen: Wenn Sie an genauso vielen Arbeitstagen wie eine Vollzeitkraft arbeiten, erhalten Sie ebenso viele Urlaubstage wie diese.

Für Arbeitnehmer, die an jedem Werktag arbeiten, also Montag bis Samstag, gelten 24 Urlaubstage. Wer eine 5-Tage-Woche hat, hat Anspruch auf 20 Urlaubstage im Jahr.

Wer also Montag bis Freitag jeden Tag zwei Stunden arbeitet, erwirbt als geringfügig Beschäftigter die gleiche Anzahl an Urlaubstagen wie ein Arbeitnehmer in Vollzeit.

Arbeiten Sie hingegen an weniger Tagen die Woche, gilt folgende Rechnung: Anzahl der Arbeitstage mit der Anzahl der gesetzlichen Urlaubstage (24) mal genommen, geteilt durch 6 Werktage. Wenn Sie beispielsweise nur zwei Tage die Woche arbeiten, sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

2 Arbeitstage x 24 gesetzliche Urlaubstage : 6 Werktage = 8

Ihnen stehen somit acht Urlaubstage bei einer geringfügigen Beschäftigung zu.

Geringfügige Beschäftigung: Rentner im Minijob

Für manche Rentner ist eine geringfügige Beschäftigung ein notwendiges Zusatzeinkommen, um die eigene Rente aufzubessern. Je nachdem, ob ein Rentner die Regelaltersgrenze erreicht hat, kommen unterschiedliche Abzüge auf ihn zu:

  • Hat ein Rentner die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, ist er rentenversicherungspflichtig. Das bedeutet, dass er bis zum Ende des Monats in die Rentenkasse einzahlt, in dem er die Regelaltersgrenze erreicht.
  • Hat ein Rentner die Regelaltersgrenze bereits erreicht, sind keine weiteren Rentenversicherungsbeiträge nötig.

Im ersten Fall haben die Beiträge rentensteigernde Wirkung, im zweiten Fall nicht. In beiden Fällen führt der Arbeitgeber seinen Anteil an die Rentenversicherung ab.

Auch als Rentner können Sie sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, allerdings können Sie dann keine Entgeltpunkte für Ihre Rente sammeln. Das hat letztlich zur Konsequenz, dass sich bis auf die regelmäßigen Rentenanpassungen Ihre Rente nicht mehr ändert.

Wer hingegen trotz Erreichen der Regelaltersgrenze freiwillig in die Rentenkasse einzahlt, kann seine Rentenhöhe steigern.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]
27. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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