70-Tage-Regelung: Informationen zur kurzfristigen Beschäftigung

Für Arbeitnehmer, die nicht dauerhaft, sondern nur kurzfristig beschäftigt sind, spielt die 70-Tage-Regelung eine wichtige Rolle. Davon betroffen sind nicht nur Saisonarbeiter, sondern beispielsweise auch Rentner, Studenten, die in den Semesterferien arbeiten oder andere Arbeitnehmer, die kurzfristig eingestellt werden, um beispielsweise Personalengpässe zu überbrücken. Wird die 70-Tage-Regelung eingehalten, können besondere Vorteile von Arbeitnehmern in Anspruch genommen werden. Doch was genau bedeutet die 70-Tage-Regelung und welche Besonderheiten müssen dabei beachtet werden? Wir erklären, wann ein Arbeitsverhältnis unter die 70-Tage-Regelung fällt und welche Auswirkungen das hat…

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70-Tage-Regelung: Informationen zur kurzfristigen Beschäftigung

70-Tage-Regelung: Frist für kurzfristig Beschäftigte

Die sogenannte 70-Tage-Regelung stammt aus dem Sozialgesetzbuch und regelt eine besondere Form von Arbeitsverhältnis, die sogenannte kurzfristige Beschäftigung. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit, die von Anfang an auf die Dauer von drei Monaten am Stück oder – wie der Begriff bereits verrät – auf 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt ist.

Ursprünglich war die Frist auf lediglich 50 Tage im Jahr begrenzt, da diese Zeit gerade für Saisonarbeiter aber oftmals zu knapp bemessen war, hat der Gesetzgeber die Frist auf die aktuelle 70-Tage-Regelung angepasst.

Wie der bekanntere Minijob zählt auch die 70-Tage-Regelung zu den geringfügigen Beschäftigungen. Mehr zu den Unterschieden dieser beiden Beschäftigungsformen finden Sie im Kasten weiter unten.

Wird ein Arbeitsverhältnis unter der 70-Tage-Regelung abgeschlossen, gilt der Arbeitnehmer als kurzfristig Beschäftigter und unterliegt damit einigen besonderen Regelungen und Vorteilen, die zu beachten sind:

  • Es besteht keine Sozialversicherungspflicht

    Auf den Verdienst fallen keine Beiträge zur Sozialversicherung an, wenn die 70-Tage-Regelung greift. Für Sie als Arbeitnehmer bleibt damit am Ende mehr Netto übrig, da weniger Abgaben von Ihrem Bruttogehalt abgezogen werden.

    Allerdings besteht bei der 70-Tage-Regelung eine grundsätzliche Lohnsteuerpflicht, es handelt sich deshalb um eine sozialversicherungsfreie, aber nicht steuerfreie Art der Beschäftigung. Zudem werden Abgaben für den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer fällig. Mögliche Rückerstattungen zur gezahlten Lohnsteuer erfolgen über die normale Steuererklärung.

    Da Arbeitnehmer nach der 70-Tage-Regelung nicht sozialversichert sind und keine Leistungen erbringen, können durch das Arbeitsverhältnis aber auch keine Rentenansprüche erworben werden.

  • Es gibt keine Verdienstgrenze

    Bei der 70-Tage-Regelung ist für das Gehalt keine Obergrenze festgelegt. Für die Wirksamkeit der Regelung ist somit egal, wie viel ein Arbeitnehmer während der kurzfristigen Beschäftigung verdient. Die Bezahlung kann bei 450 Euro monatlich, aber auch bei 4.500 Euro für denselben Zeitraum liegen.

    Unabhängig von der Höhe des Gehalts bleibt eine Beschäftigung laut 70-Tage-Regelung sozialversicherungsfrei, es fallen aber entsprechend höheren Beiträge zur Lohnsteuer an.

  • Es gelten die gleichen Arbeitsrechte

    Es ist ein Irrtum, dass die 70-Tage-Regelung ein Arbeitsverhältnis zweiter Klasse begründen würde. Auch wenn die Beschäftigung kurzfristig ist und innerhalb der 70-Tage-Regelung stattfindet, haben Arbeitnehmer Anspruch auf die gleichen Arbeitsrechte, wie andere Angestellte.

    Dazu zählt ein Recht auf anteiligen Erholungsurlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, wenn die Beschäftigung länger als vier Wochen dauert. Für jeden vollen Monat entsteht dabei Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs.

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Voraussetzungen: Wann gilt die 70-Tage-Regelung?

Soll ein Arbeitsverhältnis mit Hinblick auf die 70-Tage-Regelung als kurzfristige Beschäftigung gelten, müssen dabei einige Voraussetzungen erfüllt werden. Nur wenn diese Rahmenbedingungen eingehalten werden, können die besonderen Regelungen angewendet werden.

Für beide Seiten ist es deshalb ratsam, bereits vor Beginn zu prüfen, ob die Bedingungen und Voraussetzungen eingehalten werden, die mit der 70-Tage-Regelung für eine kurzfristige Beschäftigung einher gehen:

  • Die Beschäftigung überschreitet keine zeitlichen Fristen

    Der Begriff zeigt es bereits: Die erste Voraussetzung für die Anwendung der 70-Tage-Regel ist die befristete Dauer des Beschäftigungsverhältnisses. Hier muss noch einmal unterschieden werden, ob ein Angestellter in Vollzeit beschäftigt ist, also mindestens fünf Arbeitstage pro Woche hat, oder ob dieser nur an weniger Tagen pro Woche arbeitet.

    • Bei fünf oder mehr Arbeitstagen pro Woche ist eine kurzfristige Beschäftigung auf maximal drei Monat am Stück begrenzt.
    • Wird weniger Tage pro Woche gearbeitet, dürfen höchstens 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr zustande kommen.

    Für die 70-Tage-Regelung muss eine solche Befristung von vornherein gegeben und in einer entsprechenden Rahmenvereinbarung festgehalten werden.

  • Die Beschäftigung ist nicht berufsmäßig

    Diese Voraussetzung klingt zunächst sehr bürokratisch, hier heißt es, dass die Beschäftigung nur eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung haben darf. Dies bedeutet, dass eine Beschäftigung nach der 70-Tage-Regelung nicht die Haupteinnahmequelle oder gar einzige Einnahmequelle ist, mit der ein Arbeitnehmer seinen Lebensunterhalt bestreitet.

    Wer beispielsweise Arbeitslosengeld erhält, kann somit keine kurzfristige Beschäftigung nach der 70-Tage-Regelung aufnehmen, da hier von einer Berufsmäßigkeit ausgegangen wird. Anders sieht es bei Arbeitnehmern aus, die in Voll- oder Teilzeit einem anderen Beruf nachgehen. Auch Selbstständige, Studenten und Rentner können die 70-Tage-Regelung nutzen.

  • Die Beschäftigung ist nicht regelmäßig

    Eine weitere Bedingung für die 70-Tage-Regelung ist, dass die kurzfristige Beschäftigung von Anfang an nicht auf Regelmäßigkeit und Wiederholung ausgerichtet ist.

Unterschied: 70-Tage-Regelung und Minijob

Die 70-Tage-Regelung wird häufig mit dem Minijob in einen Topf geworfen, doch sind die beiden zwar verwandt, aber nicht identisch. Die Gemeinsamkeit ist, dass beide in die Kategorie der geringfügigen Beschäftigung fallen. Manchmal wird bei Anwendung der 70-Tage-Regelung auch von einem sogenannten kurzfristigen Minijob geredet. Trotzdem gibt es Unterschiede, die bei der Betrachtung von 70-Tage-Regelung und Minijob nicht außen vor bleiben sollten.

Besonders auffällig: Ein Minijob ist eben nicht auf die 70-Tage-Regelung begrenzt, sondern kann für einen unbegrenzten Zeitraum ausgeübt werden. Werden die oben genannten Voraussetzungen für die 70-Tage-Regelung nicht erfüllt, kann ein Mitarbeiter immer noch in Form eines Minijobs angestellt werden.

Dabei kommt es – anders als bei der 70-Tage-Regelung – auf die Höhe des Gehalts an. Im Minijob, der sogenannten geringfügig entlohnten Beschäftigung, darf regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient werden.

FAQ: Das müssen Sie zur 70-Tage-Regelung wissen

Zum Abschluss haben wir noch einige der besonders häufigen Fragen zum Thema 70-Tage-Regelungen in einem kleinen FAQ zusammengefasst und für Sie beantwortet.

  • Was passiert, wenn ich die 70-Tage-Regelung überschreite?

    Eine Anstellung im Rahmen der 70-Tage-Regelung hat Vorteile für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Allerdings werden die Voraussetzungen nicht immer eingehalten und Arbeitnehmer doch länger oder in wiederkehrender Regelmäßigkeit eingesetzt.

    In diesem Fall greift die 70-Tage-Regelungen nicht mehr und das Arbeitsverhältnis wird nicht mehr als kurzfristige Beschäftigung gewertet. In einem solchen Fall besteht die übliche Sozialversicherungspflicht, die möglicherweise auch rückwirkend nachgezahlt werden muss.

  • Wie funktioniert die 70-Tage-Regelungen bei mehreren Jobs?

    Wer nur kurzfristig bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, kann innerhalb von einem Jahr möglicherweise auch noch für einen kurzen Zeitraum bei einem anderen Unternehmen angestellt sein. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die maximale Beschäftigungsdauer über alle Beschäftigungen hinweg an die 70-Tage-Regelung gebunden ist.

    Ein Beispiel: Sie haben bereits im Rahmen einer 70-Tage-Regelung für insgesamt 50 Tage bei einem Unternehmen gearbeitet. Wenn Sie nun für 30 weitere Tage bei einem anderen Arbeitgeber eingesetzt werden, handelt es sich dabei nicht mehr um eine kurzfristige Beschäftigung, da die Gesamtdauer von 70 Tagen überschritten wird. Für das zweite Arbeitsverhältnis fallen dann sämtliche Sozialversicherungen an.

  • Verlängert sich die 70-Tage-Regelung bei Krankheit oder Urlaub?

    Wie oben bereits angesprochen, haben Sie auch bei der 70-Tage-Regelung Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung bei Krankheit, soweit das Arbeitsverhältnis vier Wochen besteht.

    Bezahlte Urlaubs- und Krankentage werden dabei auf die 70-Tage-Regelung angerechnet. Sie zählen somit als Arbeitstage und verlängern die Dauer nicht.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
12. März 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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