Urlaubsrecht: Wichtige Informationen, Irrtümer & Antworten

Durch das Urlaubsrecht stehen Arbeitnehmern in Deutschland freie Tage zur Erholung zu. Dabei dient das Urlaubsrecht dem Schutz der Mitarbeiter. Unternehmen dürfen Angestellte nicht ohne entsprechend freie Tage beschäftigen, ausnutzen und die Gesundheit des Personals gefährden. Allerdings wissen Arbeitnehmer oftmals nicht genau, was ihnen nach dem Urlaubsrecht zusteht – und was nicht.

Zusätzlich zur Unwissenheit kommen zahlreiche Irrtümer und falsche Informationen. Längst nicht alles, was als Urlaubsrecht gilt, ist auch wirklich gesetzlich festgeschrieben. Um Ihnen einen besseren Überblick über Ihr Urlaubsrecht zu geben, haben wir die wichtigsten und häufigsten Fragen dazu beantwortet. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Urlaubsrecht wissen müssen…

Urlaubsrecht: Wichtige Informationen, Irrtümer & Antworten

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Wo wird das Urlaubsrecht geregelt?

Die wichtigste Grundlage für das Urlaubsrecht ist das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Hier werden alle Regelungen zum Urlaubsrecht, dem Urlaubsanspruch, der Dauer und möglichen Situationen rund um den Urlaub aus rechtlicher Sicht geklärt. Ziel des Bundesurlaubsgesetzes ist der Arbeitnehmerschutz, der in Deutschland einen hohen Status genießt.

Zusätzlich kann das Urlaubsrecht aber durch zahlreiche Einzelvereinbarungen ergänzt, erweitert und angepasst werden. So können Tarifverträge aber auch individuelle Arbeitsverträge genauere Regelungen und Vorgaben zum Urlaubsrecht machen. Das BUrlG gibt somit die Mindestanforderungen für das Urlaubsrecht vor.

Für wen gilt das Urlaubsrecht?

Das Urlaubsrecht, das im Gesetz verankert ist, richtet sich an Arbeiter und Angestellte, Auszubildende und sogenannte arbeitnehmerähnliche Personen. Gemeint sind damit Selbstständige und Auftragnehmer, die wirtschaftlich von einem einzelnen Arbeitgeber abhängig sind.

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Wie lange habe ich Recht auf Urlaub?

Ein besonders wichtiger Punkt aus dem Urlaubsrecht ist die Dauer des Urlaubsanspruchs. Zunächst einmal steht jedem der oben genannten Gruppen bezahlter Erholungsurlaub zu. Ein Unternehmen kann sich nicht einfach weigern, Ihnen dieses Urlaubsrecht zuzugestehen und Sie bezahlt freizustellen. Wie lange Sie ein Recht auf Urlaub pro Jahr haben, kann jedoch unterschiedlich sein.

Grundsätzlich regelt das Urlaubsrecht einen Anspruch auf mindestens 24 Werktage im Jahr. Dies gilt jedoch nur für eine 6-Tage-Woche, wenn der Mitarbeiter also von Montag bis Samstag beschäftigt ist. Eine solche Arbeitswoche trifft längst nicht auf jeden Beschäftigten zu. Viele arbeiten in einer 5-Tage-Woche, Teilzeitkräfte möglicherweise nur an zwei oder drei Tagen in der Woche.

Besser ist es deshalb, für den Anspruch aus dem Urlaubsrecht Ihre wöchentlichen Arbeitstage mit dem Faktor 4 zu multiplizieren. Bei der genannten 6-Tage-Woche kommen Sie so auf einen Mindesturlaub von 24 Tagen, arbeiten Sie hingegen nur 2 Tage die Woche, stehen Ihnen lediglich 8 Werktage Urlaub zu. Das Urlaubsrecht sichert jedem Mitarbeiter also mindestens vier Wochen (im Sinne von Arbeitswochen) an freien Tagen zu.

Welche Ausnahmen und Sonderregelungen gibt es?

Das Urlaubsrecht sieht vor allem zwei Sonderregelungen für die Dauer des Mindesturlaubs vor: Arbeitnehmer, die noch nicht volljährig sind, sowie schwerbehinderte Mitarbeiter. Für minderjährige Angestellte greift nicht das Bundesurlaubsgesetz, sondern das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Hier wird das Urlaubsrecht nach Alter gestaffelt:

  • Mindestens 30 Werktage, wenn der Beschäftigte noch keine 16 Jahre alt ist.
  • Mindestens 27 Werktage, wenn der Beschäftigte noch keine 17 Jahre alt ist.
  • Mindestens 25 Werktage, wenn der Beschäftigte noch keine 18 Jahre alt ist.

Schwerbehinderte Mitarbeiter werden durch das Urlaubsrecht ebenfalls besser gestellt. Ab einem Grad der Behinderung von 50 entsteht Anspruch auf einen Zusatzurlaub von fünf weiteren Werktagen.

Sind 20 Tage Urlaub rechtens?

Häufig wird von Arbeitnehmern gefragt: „Sind 20 Tage Urlaub rechtens?“ Gerade mit Blick auf die im Gesetz genannten 24 Urlaubstage fühlen sich Mitarbeiter, deren Arbeitsvertrag ihnen lediglich 20 Werktage Urlaub zusichert, zu Unrecht schlechter gestellt. Die ernüchternde Antwort lautet jedoch: Ja, 20 freie Tage können nach dem Urlaubsrecht erlaubt sein und entsprechen genau dem Mindestanspruch, der Ihnen bei einer 5-Tage-Woche zusteht.

Soll heißen: Wenn Sie etwa von montags bis freitags arbeiten, sind 20 Urlaubstage rechtens. Ihr Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, Ihnen zusätzlich bezahlte freie Tage zu ermöglichen. Er kann aber natürlich freiwillig nach oben davon abweichen, um Mitarbeiter zu motivieren und das Arbeitgeberimage zu pflegen.

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Welches Urlaubsrecht gilt in der Probezeit?

Leider ist es ein verbreitetes Irrtum, dass in der Probezeit grundsätzlich kein Urlaub genommen werden kann. Dahinter steht ein falsches Verständnis eines Absatzes aus dem Urlaubsrecht. In § 4 BUrlG heißt es: „Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben.“ Bei einer Probezeit von häufig sechs Monaten gehen Arbeitnehmer davon aus, dass laut Urlaubsrecht ein Anspruch erst im Anschluss an diese Frist entsteht. Falsch!

Entscheidend ist die Formulierung „der volle Urlaubsanspruch“. Anteiligen Anspruch erwerben Sie laut Urlaubsrecht mit jedem einzelnen Monat des Arbeitsverhältnisses – und das ab Beginn der Probezeit. Heißt konkret: Pro Monat, den Sie beschäftigt sind, haben Sie Anspruch auf ein Zwölftel Ihres jährlichen Urlaubs. Bei 24 Werktagen Erholungsurlaub könnten Sie somit nach zwei Monaten bereits vier Tage frei nehmen, auch wenn Sie in der Probezeit sind.

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Wie lange muss Urlaub am Stück genehmigt werden?

Hier einen Tag Urlaub, in der nächsten Woche nochmal zwei, dann noch ein einzelner Tag und irgendwann drei weitere – Kurzurlaub mag Vorteile haben, doch wünschen sich die meisten Arbeitnehmer einen längeren, zusammenhängenden Urlaub. Die gute Nachricht: Das Urlaubsrecht sichert einen solchen Anspruch auf zusammenhängenden Urlaub. So muss Ihr Arbeitgeber Ihnen laut Urlaubsrecht mindestens zwölf zusammenhängende freie Werktage ermöglichen.

Ihr Arbeitgeber ist somit verpflichtet, Ihnen mindestens zwei Wochen zusammenhängenden Urlaub zu ermöglichen. Ausnahme: Dringende betriebliche Gründe oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe machen eine Teilung des Urlaubs erforderlich.

Muss der Arbeitnehmer meinem Wunschtermin zustimmen?

Jeder Arbeitnehmer hat genaue Vorstellungen davon, wann er gerne seinen Urlaub nehmen möchte. Entsprechend reichen Sie Ihren Antrag auf Urlaub beim Arbeitgeber ein und warten darauf, dass dieser dem genannten Zeitraum zustimmt. Aber muss der Chef Ihrem Wunsch entsprechen? Grundsätzlich gilt: Ob und wann ein Mitarbeiter seinen Urlaub nehmen darf, entscheidet das Unternehmen. Sie können nicht einfach selbst entscheiden und bestimmen, dass Sie sich frei nehmen, weil der Termin für Sie besonders günstig ist.

Das Urlaubsrecht verpflichtet Arbeitgeber dazu, Rücksicht auf die Wünsche von Mitarbeitern zu nehmen. Konkret heißt es dazu in § 7 BUrlG:

Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen…

Sollte nichts dagegen sprechen, muss Ihr Wunschtermin somit berücksichtigt und auch genehmigt werden. Es kann allerdings in der Praxis vorkommen, dass die Zustimmung nicht so einfach ist. Ein häufiger Streitpunkt: Mehrere Mitarbeiter wollen gleichzeitig in den Urlaub gehen. Um den Betrieb ordnungsgemäß aufrecht zu erhalten, muss der Arbeitgeber entscheiden, wer zum Wunschtermin in den Urlaub darf – und wer nicht. Entscheidend sind dafür soziale Gesichtspunkte. Liegt der stritte Termin in den Ferien, werden beispielsweise Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern bevorzugt.

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Kann ich meinen Urlaub auszahlen lassen?

Kurz und knapp: Nein, es ist grundsätzlich nicht vorgesehen, dass Sie sich Ihren Urlaub auszahlen lassen und dafür auf die Urlaubstage verzichten. Urlaub stellt keine Form der Vergütung dar, sondern richtet sich als freie Zeit an die körperliche und psychische Erholung. Das Urlaubsrecht sieht deshalb keinen finanziellen Austausch.

Auch hier kann es aber eine Ausnahme geben: Im Falle einer Kündigung, bei der noch offener Urlaubsanspruch nicht gewährt werden konnte, kann der nicht gewährte Urlaub finanziell abgegolten werden. Geregelt wird dies in § 7 Absatz 4 BUrlG.

Darf ich im Urlaub arbeiten?

Der Begriff Erholungsurlaub ist nicht zufällig gewählt. Sinn und Zweck der freien Tage ist es, dass Sie sich tatsächlich vom stressigen und anstrengenden Job erholen können. Im Urlaubsrecht heißt es deshalb, dass Sie keine Erwerbstätigkeit ausführen dürfen, die diesem Urlaubszweck entgegenstehen.

Sie dürfen also prinzipiell während Ihres Urlaubs arbeiten, ohne gegen Urlaubsrecht zu verstoßen. Allerdings müssen Sie in einem solchen Fall nachweisen, dass die Arbeit der Erholung nicht entgegensteht. Wer die freien Tage nutzt, um Vollzeit in einem körperlich anstrengenden Job zu schuften, wird dabei Schwierigkeiten haben.

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Was passiert, wenn ich im Urlaub krank werde?

Auch bei einer Krankheit geht die Erholung als Urlaubszweck verloren. Entsprechend regelt das Urlaubsrecht, dass diese Zeiten nicht von Ihrem Anspruch abgezogen werden. Sie können sich während Ihres Urlaubs mit einer entsprechenden Bescheinigung des Arztes krankmelden.

Die Tage, die von der Krankmeldung abgedeckt sind, können zu einem späteren Zeitpunkt als Urlaub neu genommen werden. Aber Achtung: Ihr Urlaub verlängert sich dadurch nicht, sondern endet zum vorher vereinbarten Termin. Das Urlaubsrecht sichert Ihnen jedoch die Tage, die Sie krank waren.

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[Bildnachweis: fokke baarssen by Shutterstock.com]
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16. September 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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