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Ferien-Effekt: Darum machen lange Auszeiten doof

Mancher freut sich auf nichts mehr als die Ferien: Endlich raus aus dem muffigen Büro, raus aus dem Alltagstrott, rein in den Flieger und ab auf die Insel, abschalten, ausruhen, die Seele baumeln lassen. Vielleicht lesen Sie diesen Artikel sogar gerade auf einem Smartphone oder Tablet im Schatten einer Kokospalme, die sich trotzig gegen den Horizont lehnt, akustisch umrahmt von sanften Wogen, die an den flachen Sandstrand branden und einer leichten Brise, die über die schon erbleichten Härchen auf der Haut flimmert. Bravo! Sie machen alles richtig: Nicht nur, weil Sie an einem Ort verweilen, an dem vermutlich viele gerade gerne wären – mit der wertvollen Lektüre tun Sie zudem etwas gegen die drohende Urlaubsverblödung – Insidern auch bekannt als Ferien-Effekt


Ferien-Effekt: Darum machen lange Auszeiten doof

Was ist der Ferieneffekt und wie wirkt er?

Tatsächlich ist es so, dass Ferien und langer Urlaub latent dumm machen.

Lehrer kennen das: Immer wieder berichten sie von einem erheblichen Lernverlust ihrer Schüler nach den Sommerferien. Eine Metastudie, bei der Harris Cooper von der Universität von Missouri in Columbia 1996 insgesamt 39 wissenschaftliche Untersuchungen über die Wirkung von Sommerferien auf Schüler auswertete, ergab: Gerade die mathematischen Fähigkeiten litten unter der Auszeit erheblich.

Noch schlimmer war es allerdings um die Rechtschreibkompetenzen bestellt: Schon nach vier Wochen Sommerferien waren die Schüler wieder auf dem geistigen Niveau des Frühjahrs.

Das eigentlich Erschreckende an Coopers Untersuchungen aber war: Der negative Effekt schien sich von Klassenstufe zu Klassenstufe zu verstärken, woraus man ableiten könnte: Kurz vor dem Abitur sollten Schüler nun wirklich keine Ferien mehr machen.

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Kritik am Ferieneffekt

Die Sache ist allerdings nicht unumstritten. 2004 untersuchten Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung den Ferien-Effekt ebenfalls. Auch sie wollten wissen, ob es in Deutschland und speziell im Grundschulbereich so etwas wie ein kognitives Sommerloch gibt, das die Kinder nach den Ferien wieder bei Null anfangen lässt.

Die Max-Planck-Forscher kamen damals zu dem Fazit: Nein, der Effekt lasse sich so nicht feststellen. Vielleicht hatten sie aber kurz zuvor Urlaub gemacht. Denn nur wenig später konnte ein Forschungsprojekt der Universität Siegen („Schichtspezifisches Lernen außerhalb vom Unterricht“) zumindest sozialmilieuspezifische Unterschiede ausmachen.

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Der Ferieneffekt dauert kaum länger als 3 Tage

Ferieneffekt-Wirkung-Urlaub-dumm

Auch der Erlanger Gedächtnisforscher Siegfried Lehrl konnte vor einiger Zeit nachweisen, dass der Intelligenzquotient eines Erwachsenen nach nur drei Wochen Nichtstun um 20 Punkte sinkt – ein größerer Verlust als der Abstand zwischen dem durchschnittlichen IQ eines Studenten und dem Durchschnitts-IQ der Bevölkerung.

Doch bevor Sie jetzt gleich Dr. Kawashima anrufen, um mit ihm eine Runde durch das Gehirn zu joggen – nach zwei, drei Tagen gewohnter geistiger Beschäftigung wird das alte Level schon wieder erreicht vergleichbar mit einem Jetlag.

Das heißt aber auch: Wer nach zwei Wochen Faulenzen am Strand in sein Großraumbüro zurückkehrt, muss sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig akklimatisieren.

Die Faustregel dazu: So lange es gedauert hat, die Hektik des Alltags abzustreifen, so lange dauert es auch, um intellektuell wieder auf Touren zu kommen. Es sei denn, Sie lesen noch etwas mehr.

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3 Tipps gegen den Ferieneffekt

  1. Aufgaben planen.

    Legen Sie sich noch vor dem Urlaub eine To-Do-Liste mit Aufgaben für die Rückkehr an. Die können Sie zwei bis drei Tage vor Arbeitsbeginn anfangen, abzuarbeiten. So kommen Sie mental langsam wieder in den Job zurück.

  2. Termine machen.

    Verlegen Sie Ihren offiziellen Rückkehrtermin auf ein, zwei Tage später. Heißt: Sagen Sie im Abwesenheitsassistenten, dass Sie erst später im Büro sind und verlegen Sie Meetings frühestens auf den dritten Tag im Job. Auch erwischt Sie der Alltag nicht mit voller Wucht, und Sie finden stressfreier in den Job zurück.

  3. Bücher lesen.

    Kein Scherz: Lesen Sie im Urlaub – das hilft am besten gegen den Ferieneffekt (siehe Kasten).

Lesen – der ultimative Trick gegen den Ferien-Effekt

Lesen-gegen-FerieneffektGegen die Urlaubsverblödung gibt es jedoch gute Abhilfe: Lesen! Wie eine Untersuchung von Richard Allington und Anne McGill-Franzen von der Universität von Tennessee in Knoxville zeigen konnte, reicht schon die Lektüre von einigen Büchern am Strand, um die negativen Folgen des Müßiggangs deutlich zu mildern.

Über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtete das Forscher-Duo 852 zufällig ausgewählte Grundschüler, die Bücher zu lesen bekamen sowie weitere 478 Schüler in der Kontrollgruppe. „Dabei haben wir festgestellt, dass die Lesefähigkeiten von Kindern, die während der Sommerferien kein einziges Buch lasen, um bis zu drei Monate zurückgeworfen wurden während Kinder, die lasen, ihr Niveau sogar noch steigern konnten“, sagt Allington. Kummuliert sorge das nach den Sommerferien für eine Lernlücke von bis zu vier Monaten zwischen den lesenden und den faulenzenden Kindern. Jedes Jahr.

Gute Leser schaffen übrigens mehr als 250 Wörter pro Minute. Das ist natürlich abhängig vom Text, dessen Inhalt, der eigenen Lust und Ablenkung von Außen. Und im Urlaub gibt es viele Ablenkungen: laute Nachbarn, spielende Kinder, nackte Haut – insbesondere in Strandnähe.

Versuchen Sie es dennoch. Viele Bücher verheißen gleich dreierlei Gutes: Aufschluss, Bildendes, Amüsantes. Wer Bücher im Urlaub liest, erfährt so zum Beispiel auch, dass das Wort Lesen einst „einzeln einsammeln“ bedeutete. Der Wortstamm ist heute noch in einigen Redewendungen enthalten:

  • Wer etwas vom Boden aufsammelt, kann die Sache genauso gut auflesen.
  • Wer die besten Talente für sein Unternehmen rekrutieren will, initiiert meist einen Ausleseprozess.
  • Wer die Leute höchstpersönlich auswählt, der hat hinterher nicht nur ein erlesenes Team, sondern meist auch ein handverlesenes.

Wenn Menschen Texte lesen, machen sie im Grunde nichts anderes als einzelne Buchstaben oder ganze Wörter aufzusammeln. Folgen Sie dem Beispiel – und tun Sie im Urlaub etwas gegen den Ferien-Effekt!

[Bildnachweis: Nomad_Soul, Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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