Ketchup-Effekt: Nach wenig kommt viel

Wer irgendwann einmal sein Kotelett mit der weltbekannten Tomatensoße nachwürzen wollte, kennt ihn: den Ketchup-Effekt. Die Flasche ist noch nicht angebrochen und Sie versuchen einen wohldosierten Klecks neben Ihr Essen zu platzieren. Sie schütteln vorsichtig, dann etwas kräftiger – nichts tut sich. Dann ein beherzter Schlag auf den Flaschenboden und nach den anfänglichen Schwierigkeiten kommt plötzlich nahezu alles. So verhält es sich in vielen Bereichen, auch im Berufsleben. Wie Sie reagieren können…

Ketchup-Effekt: Nach wenig kommt viel

Ketchup-Effekt: Erst kommt gar nix

Das Ärgerliche beim Umgang mit der roten Würzsoße ist zweierlei. Erst sitzen Sie lange auf dem Trockenen, dann kommt alles auf einmal. Und nicht nur das. Bei solchen schwallartigen Ergüssen landet ein Großteil des Ketchups auf der (in solchen Fällen: weißen) Kleidung.

Es ist wie verhext – was schiefgehen kann, geht dann auch schief. Solche vergeblichen Mühen lassen sich an vielen Stellen im Berufsleben beobachten. Wenn Sie beispielsweise eine Bewerbung nach der anderen schreiben, aber keine fruchten will.

Oder aber im Job, wenn Sie fleißige Akquise betreiben, aber die potenziellen Kunden Ihnen einen Korb geben. Ebenso müssen Handelsvertreter einen langen Atem haben.

Es handelt sich um zwei Extreme, die gleichzeitig zwei Seiten einer Medaille sind. Kein Ketchup ist blöde, aber zu viel ebenso. Arbeitslos zu sein, ist hart.

Wodurch entsteht die Ebbe?

Beim Ketchup-Effekt handelt es sich also einerseits um ein bekanntes Phänomen, andererseits um etwas, das die meisten vermeiden wollen. Dafür müssen Sie überlegen, wodurch es hervorgerufen wird.

Die Flasche wird genommen, aber ihr wird weiter keine Aufmerksamkeit geschenkt. Nur der Inhalt ist das Ziel – aber wie Sie dort hingelangen, ist zweitrangig. Es wird einfach probiert. Flasche auf, schütteln. Fester schütteln. Mit ausbleibendem Ergebnis steigt die Frustration.

Ähnlich ist es bei Bewerbungen. Sie schreiben eine Bewerbung, keine Reaktion. Sie steigern Ihre Bewerbungsbemühungen, schreiben mehrere. Aber der Erfolg bleibt aus, es kommen nur Jobabsagen.

Dieses Beispiel lässt sich auf unzählige Bereiche übertragen, in denen Sie sich um die Gunst, das Geld oder die Aufmerksamkeit anderer bemühen. So wie ein erfolgloser Bewerber muss sich auch ein glückloser Vertriebler irgendwann fragen, woran es liegt. Denn mehr ist nicht immer besser.

Es versteht sich von selbst, dass Sie für eine positive Jobzusage oder den Erwerb von Neukunden in irgendeiner Form tätig werden müssen. Nur das Gießkannenprinzip von „viel hilft viel“ funktioniert nicht automatisch.

Oder um beim Bild mit der Ketchupflasche zu bleiben: Häufig ist es die falsche Technik.

Ketchup-Effekt: Dann kommt alles auf einmal

Das andere Extrem wäre beispielsweise, sich als Freelancer vor Aufträgen nicht retten zu können. Das geht auf Dauer ebenfalls an die Substanz. Wer eine Durststrecke hinter sich hat, läuft zudem schneller Gefahr sich zu übernehmen, aus Angst, dass nicht genügend für die nächste Phase ausbleibender Aufträge vorgesorgt wird.

Während Sie schlecht beeinflussen können, ob Sie plötzlich viele Jobzusagen oder Aufträge erhalten, gibt es noch einen weiteren Bereich, in dem (scheinbar) alles auf einmal kommt. Der Ketchup-Effekt lässt sich im Zusammenhang mit Prokrastination beobachten.

Viele Studenten kennen das Problem. Hier gestaltet sich der Ketchup-Effekt so, dass sie beispielsweise während des Semesters die notwendigen Veranstaltungen besuchen, aber keine Vorarbeit für das Referat oder die Hausarbeit leisten. Bei mehreren Kursen und demselben Verfahren in allen Kursen häuft sich die Arbeit zum Ende des Semesters.

Was zunächst also gemächlich vor sich hinplätscherte, gelangt nun mit voller Wucht ins Bewusstsein desjenigen, der sich plötzlich mit drei zeitgleichen Abgabeterminen konfrontiert sieht. Da es hier um die Selbstorganisation geht, ist jeder für diesen Bereich selbst verantwortlich.

Wodurch entsteht die Flut?

Es kommt nur scheinbar alles auf einmal. Gerade im Beispiel des säumigen Studenten verhält es sich meist so, dass zu Semesterbeginn die zu erbringenden Leistungen besprochen werden. Zum einen sollten Studenten wissen, welche Leistungsnachweise sie für das Fach erbringen müssen.

Zum anderen wird im jeweiligen Kurs der Dozent exakt besprechen, welche Referate, Klausuren oder Hausarbeiten zu welchem Zeitpunkt anstehen. Nicht ganz so eindeutig mag es später im Berufsleben laufen. Aber auch hier liegt es in der Verantwortung des Arbeitnehmers, Termine so zu legen, dass sie eingehalten werden können und Aufgaben zu priorisieren.

Passiert dies nicht, häufen sie sich an, können Deadlines nicht eingehalten werden.

Bis zu einem gewissen Grad lässt sich durch kluge Organisation der Ketchup-Effekt im Sinne einer Arbeitsflut eindämmen. Das beugt Stress vor und verhindert, dass bestimmte Aufgaben ausufern.

Ketchup-Effekt vermeiden: Die richtige Technik finden

Mit Blick auf den Ketchup-Effekt wollen Sie beides vermeiden, sowohl die Ebbe im Sinne von Arbeitslosigkeit, als auch die Arbeitsflut, die schnell in Überlastung münden kann. In beiden Fällen kommt es auf die richtige Technik an.

Zu wenig

Kommt zu wenig, ist der Hauptfehler beim Ketchup-Effekt oft, dass nur ans Ziel gedacht wird, und zwar in recht egozentrischer Manier. Der Tomatenwürzsoße mag es egal sein, wie viel Aufmerksamkeit Sie ihr schenken, um das Essen entsprechend zu garnieren. Wenn Sie allerdings in der Rolle des Bewerbers oder Vertrieblers sind, rächt sich Egozentrik.

Es gehört zu den typischen Anfängerfehlern in Bewerbungen, dass manche Absolventen von sich ausgehend argumentieren. Sie schreiben, warum sie den Job wollen, welche Möglichkeiten sie dort sehen und was sie am Unternehmen fasziniert. Grundsätzlich interessante Aspekte, die allerdings noch nicht erklären, welchen Gewinn das Unternehmen mit der Einstellung dieses Kandidaten hätte.

Gleiches gilt für Handelsvertreter, die ihr Produkt anpreisen, aber sich nicht in den potenziellen Kunden hineinversetzen. Warum sollte der diesen Staubsauger, diese Creme oder diese Plastikdose kaufen? Was unterscheidet dieses Produkt von anderen (gegebenenfalls günstigeren) und wie erleichtert es das Leben des Kunden?

Fairerweise muss gesagt werden, dass es immer mal Zeiten am Arbeitsmarkt gibt, die es einem Bewerber (ebenso dem Vertriebler oder Handelsvertreter) erschweren. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit oder einem Überangebot an Fachkräften in einer Branche kann die Technik noch noch ausgereift sein, dann ist der Schweinezyklus einfach stärker.

Zu viel

Kommt alles auf einmal, wurde unter Umständen zu wenig ans Ziel gedacht. Es existiert eine diffuse Vorstellung davon, dass eine Aufgabe erledigt werden muss, aber wie das Ziel erreicht werden soll, ist unklar. Hier helfen einige Tricks:

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick

    Das gelingt am besten, indem alle anstehenden Aufgaben und Termine in einen Kalender oder eine To-Do-Liste eingetragen werden.

  • Setzen Sie Prioritäten

    Gleichzeitig müssen Sie bewerten, welche der Aufgaben und Termine wichtig und eilig, oder eher zweitrangig sind. Ist etwas wichtig, aber nicht eilig, können Sie es noch aufschieben. Eilige, aber unwichtige Aufgaben können Sie vielleicht an einen Kollegen übertragen.

  • Denken Sie strategisch

    Tut sich ein Zeitfenster auf, dann nutzen clevere Arbeitnehmer das, um an einer anderen Aufgabe vorzuarbeiten. Das verhindert, dass Sie sofort in Zugzwang geraten, wenn sich unerwartet zusätzliche Arbeit ergibt – etwa weil ein Kollege Sie um Hilfe bittet oder zusätzliche Aufträge das Arbeitsvolumen steigern.

[Bildnachweis: Dino Osmic by Shutterstock.com]
20. November 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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