Klebeeffekt: Wer zu lange bleibt, wird nicht befördert

Der Klebeeffekt kann für Arbeitnehmer ein echtes Problem werden. Lange und gut auf seiner Position zu arbeiten, kann dazu führen, dass Sie nicht mehr befördert werden. Sie kleben regelrecht an Ihrem aktuellen Posten. Beförderungen gehen stattdessen an die Kollegen – obwohl Sie durchaus gute Leistungen bringen. Dahinter steht ein psychologischer Effekt, der sich in verschiedenen Bereichen zeigt. Wir erklären, wie der Klebeeffekt dazu führt, dass Sie nicht befördert werden und mit welchen Tipps Sie ihn umgehen können…

Klebeeffekt: Wer zu lange bleibt, wird nicht befördert

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Klebeeffekt Definition: Keine Aussicht auf Beförderung

Der Klebeeffekt (auch Status-quo-Effekt genannt) ist ein Phänomen aus der Psychologie und besagt, dass Mitarbeiter, die lange auf ein und derselben Position arbeiten, mit der Zeit eine immer geringere Chance auf eine Beförderung haben. Anders als oft vermutet, dass mit steigender Berufserfahrung die Beförderungswahrscheinlichkeit steigt, kleben Mitarbeiter irgendwann regelrecht an ihrer Position fest.

Selbst wenn Sie gute Leistungen bringen und qualifiziert sind, kann der Klebeeffekt einsetzen. Ein simples Beispiel: Der Job macht Ihnen Spaß, Sie sind gut in Ihrem Aufgabenbereich und liefern regelmäßig erfolgreiche Projekte ab. Trotzdem gab es seit langer Zeit keine Beförderung. Mit der Zeit wird zunehmend unterstellt, dass sich Ihre Leistungen nicht weiterentwickelt haben und es deshalb nicht zur Beförderung kam.

Vielleicht haben Sie sich sehr wohl entwickelt, Neues gelernt, andere Aufgaben übernommen. Trotzdem haften die vorherigen Beurteilungen, bei denen Sie nicht befördert wurden, nachhaltig an Ihnen und Ihrem Image. So verharren Sie weiter auf der Position, die Sie schon haben – Voilà, der Klebeeffekt!

Klebeeffekt-Grafik

Ursache: Wie entsteht der Klebeeffekt?

Grund für den Klebeeffekt ist die Neigung von Menschen, an bestehenden Entscheidungen, Beurteilungen und dem aktuellen Zustand festzuhalten. Daher auch der Begriff Status-quo-Effekt. Auch bei der Bewertung von Mitarbeitern wird somit an vorherigen Urteilen festgehalten, ohne diese erneut zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Je länger dieser Zustand andauert, desto mehr bestärkt sich der Klebeeffekt selbst.

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Wie Sie den Klebeeffekt selbst verursachen

Diese Ursache ist auch entscheidend für die zweite Dimension des Klebeeffekts. Denn der psychologische Effekt betrifft auch uns selbst und unser Urteilsvermögen. Von Personalern werden Sie nicht befördert, doch auch Sie selbst wollen sich lieber nicht neu entscheiden. Sie kleben an Ihrem Urteil und damit an einem Job – selbst wenn Sie in diesem nicht weiterkommen oder vielleicht sogar unglücklich in der Position sind.

Wie wenig wir den Status Quo hinterfragen und ändern wollen, zeigen verschiedene Experimente. Das wohl populärste ist der sogenannte Becher-Versuch des amerikanischen Ökonomen Jack Knetsch: Er schenkte Studenten einen Becher und fragte, ob Sie diesen lieber gegen einen Schokoriegel tauschen wollten. 90 Prozent behielten die Tasse. Der Clou: Als er Studenten einen Schokoriegel gab und anbot, gegen einen Becher zu tauschen, behielten 90 Prozent die Süßigkeit.

Hauptsache, es bleibt alles beim Alten. Oder: Was man hat, das hat man… Im Beruf genauso, selbst wenn der vielleicht gar nicht so gut ist: Der Job macht längst keinen Spaß mehr, alles langweilig, dröge und nervig. Aber kann das nicht trotzdem bitte so bleiben? Wir wählen lieber das bekannte Übel, als Verantwortung zu übernehmen und etwas zu ändern.

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Tipps: So entkommen Sie dem Klebeeffekt

Sind Sie dem Klebeeffekt hilflos ausgeliefert und müssen hoffen, dass Sie früh genug befördert werden? Zum Glück nicht! Mit den folgenden Tipps können Sie dem Klebeeffekt entkommen:

  • Bringen Sie das Thema selbst ins Gespräch

    Nur passiv darauf warten, dass der Chef Sie bei der nächsten Beförderung berücksichtigt? Keine gute Idee, da dies den Klebeeffekt eher begünstigt. Zeigen Sie stattdessen Eigeninitiative und Motivation. Sprechen Sie Ihren Chef aktiv auf Ihren Wunsch nach einer Beförderung an und bitten Sie um ein Gespräch, indem Sie die Möglichkeiten gemeinsam erörtern können.

  • Belegen Sie Ihre aktuellen Leistungen

    Erstellen Sie eine umfangreiche Dokumentation Ihrer aktuellen Leistungen und Erfolge, die Sie der Führungskraft vorlegen können. Gerade Ihre Entwicklungen sollten daraus ersichtlich werden. So zwingen Sie den Chef dazu, sich ein neues Bild von Ihnen zu machen und nicht zu sehr an seinen alten Einschätzungen zu kleben. Eine solche Leistungsmappe empfiehlt sich auch, wenn Sie eine Gehaltserhöhung anstreben.

  • Streben Sie einen Jobwechsel an

    Wollen Sie beruflich weiter aufsteigen, kleben aber seit geraumer Zeit in Ihrer Position fest, kann ein Jobwechsel ein letzter Ausweg sein. Stellt sich Ihr Arbeitgeber immer wieder quer und übergeht Sie bei Beförderungen, obwohl Sie Ihren Aufstiegswunsch kommuniziert haben, qualifiziert sind und gute Leistungen bringen, kann ein Wechsel des Unternehmens Ihre Chancen auf eine höhere Hierarchiestufe verbessern.

Zeitraum für berufliche Veränderung

Personalberater, Headhunter und auch Karriereberater nennen in dem Zusammenhang regelmäßig zwei Zahlen:

  • 3 Jahre
    Dies gilt als guter Richtwert für den Zeitraum in einer Position, um nicht als Jobhopper zu gelten und etwas Quantifizierbares bewirken zu können. Wer häufiger bereits nach einem Jahr den Job wechselt, kann bei Bewerbungen in Erklärungsschwierigkeiten kommen.
  • 5 Jahre
    Spätestens nach fünf Jahren sollte eine berufliche Veränderung eintreten. Dies muss kein externer Jobwechsel sein. Eine interne berufliche Veränderung geht auch: andere Abteilung, größeres Team, mehr Verantwortung… Hauptsache relevant. Also nicht nur ein anderes, gleichartiges Projekt managen. Sollte das nicht passieren, setzt der Klebeeffekt ein – oder der typische Jobzyklus.

Positiver Klebeeffekt bei Zeitarbeit

Der Begriff Klebeeffekt wird in Bezug auf Zeitarbeit auch in einem positiven Zusammenhang genutzt: Der Zeitarbeitnehmer macht seinen Job bei dem ausleihenden Unternehmen so gut, dass dieses ihm gleich ein reguläres Jobangebot macht. Er bleibt also kleben, im positiven Sinne.

Kritiker sagen allerdings, diese Variante des Klebeeffekt mache allenfalls 7 Prozent aus. Mehr Leiharbeiter würden nicht übernommen. Die Zeitarbeitsfirmen sprechen erwartungsgemäß lieber von einer Übernahmewelle von rund 30 Prozent. Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen.

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[Bildnachweis: Alexander_P by Shutterstock.com]

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