Beförderung ablehnen Tipps
Endlich! Nach langer, harter Arbeit steht die ersehnte Beförderung an. Ihr Chef hat Sie ausgewählt, die nächste Stufe der Karriereleiter ist in Reichweite. Bei aller berechtigter Begeisterung und Euphorie: Sind Sie sicher, dass die Beförderung der richtige Schritt ist? Oder sollten Sie die Beförderung ablehnen? Tatsächlich gibt es gute Gründe dafür ein solches Angebot auszuschlagen - erst recht, wenn es sich dabei um eine sogenannte vergiftete Beförderung handelt...

Warum wollen Sie die Beförderung?

Wem eine Beförderung angeboten wird, der fühlt sich erst einmal geschmeichelt. Der Chef findet, Sie sind zu Höherem berufen - klasse. Der Beifall von Freunden und Familien ist Ihnen sicher...

Beförderungen führen in der Regel zu einer besseren Position in der Hierarchie, sie steigern das Ansehen im Unternehmen und im sozialen Umfeld. Und der neue Titel bringt meist auch eine bessere Bezahlung mit sich. Der schöne Schein kann aber trügen.

Auch wenn das Ego gerade tanzt, sollte man sich den Fortschritt genau ansehen und hinterfragen, ob der Sie Ihrem Karriereziel tatsächlich näher bringt:

  • Hatten Sie womöglich eine ganz andere Position angestrebt?
  • Sind Sie mit dem aktuellen Job eigentlich rundum zufrieden?
  • Bringt Sie der neue Job wirklich weiter oder führt er in eine Sackgasse?
  • Steigert die Beförderung Ihren Marktwert?
  • Lassen sich Arbeitszeiten und neue Verantwortung mit dem Familienleben vereinbaren?
  • Ist die Beförderung echt - oder versteckt sich hinter dem Lametta eine Falle?

Eine Beförderung ablehnen und dem Chef einen Korb geben - das ist kein ungefährlicher Schritt. Schon gar nicht sollte diese Entscheidung vorschnell getroffen werden. Aber um die Frage besser beantworten zu können, hilft es oft, sich zuerst eine andere Frage zu stellen:

Warum wollen Sie die Beförderung überhaupt?

Dabei geht es in erster Linie darum, ob die Motivation für die Beförderung intrinsischer oder extrinsischer Natur ist. Nicht wenige hoffen auf einen solchen Aufstieg, um damit andere zu beeindrucken oder weil sie Erwartungen erfüllen wollen, nicht weil sie es wirklich selber wollen.

Beförderung: Eine Gefahr für die Gesundheit?

Beförderung: Eine Gefahr für die Gesundheit?Eine Beförderung bringt in der Regel mehr Aufgaben, mehr Verantwortung und eine höhere Arbeitsbelastung mit sich. Forscher vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit der Universität Gatwick haben diese Zusammenhänge einmal näher untersucht (PDF) und dabei festgestellt: Die psychische Belastung nach einer Beförderung nimmt um satte 10 Prozent zu. Zwar nahmen parallel auch die Arztbesuche um etwa 20 Prozent ab. Die Forscher weisen aber daraufhin, dass dies vor allem auf den Zeitmangel zurückgeht. "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich die Gesundheit der Beförderten verbessert", sagt Chris Boyce, einer Studien-Autoren. Dafür nehme der Stress aber deutlich zu.

Beförderung ablehnen: Wann ist "Nein sagen" sinnvoll?

Lange ersehnt, aber nicht gewollt: Tatsächlich gibt es einige Gründe, die für eine Ablehnung der Beförderung sprechen. Die sind allerdings nicht allgemein gültig, sondern müssen zu Ihnen und Ihrer Situation passen. Umgekehrt sollten Sie eine Beförderung aber auch nie ablehnen, nur weil der Aufstieg gerade unbequem ist oder die Position zunächst suboptimal wirkt. Das wäre auch kein kluger Schachzug.

Wann also ist es sinnvoll, eine Beförderung abzulehnen?

Das gilt es zu bedenken:

  • Abweichende Karrierepläne

    Kein Plan übersteht die Realität, lautet ein zynisches Bonmot. Aber Ihre Karriereziele komplett ignorieren, sollten Sie auch nicht. Passt die Beförderung so gar nicht in Ihren Plan und sehen Sie in der neuen Aufgabe keine Perspektive, sollten Sie die Beförderung ablehnen. Sonst laufen Sie sehenden Auges in eine Karriere-Sackgasse, aus der Sie womöglich nur schwer wieder herausfinden.

  • Individuelle Prioritäten

    Die angebotene Beförderung passt im Grunde zu Ihrem Karriereplan? Dann sollten Sie allerdings noch prüfen, ob die neue Aufgabe - inklusive der wachsenden Belastung - auch zu Ihrer Lebensplanung passt: Wie wichtig ist Ihnen das Familienleben, die Work-Life-Balance? Sind vielleicht Kinder geplant? Letztlich liegen kurz nach einer Beförderung die Prioritäten eindeutig auf dem Beruf. Der private Bereich muss (zumindest für einige Zeit) hinten anstehen, um im neuen Job Fuß zu fassen und sich zu bewähren. Womöglich kommt das aber zum falschen Zeitpunkt.

  • Eingeschränkte Flexibilität

    Die neue Aufgabe passt zu Ihrer Karriereplanung und kollidiert auch nicht mir den privaten Plänen? Dann gilt es noch einen letzten Punkt zu bedenken: die höhere Bindung an das Unternehmen. Nehmen Sie eine Beförderung an, geben Sie damit in der Regel einen Teil Ihrer beruflichen Flexibilität auf. Natürlich kann man auch kurz nach der Beförderung kündigen, doch hinterlassen Sie damit vermutlich verbrannte Erde und schaden Ihrer Reputation und den Zukunftschancen in der Branche.

Skeptisch machen sollten Sie zudem typische Überzeugungsphrasen à la "Das ist Ihre Chance, noch mal was zu bewegen." Oder: "Lassen Sie doch auf etwas Neues ein und beweisen Sie, was in Ihnen steckt."

Hinter derlei Gewissensbiss-Rhetorik steckt nicht selten der Versuch, ein minderwertiges Angebot oder gar eine perfide Falle zu überschminken (siehe auch Peter-Prinzip).

Bei der sogenannten vergifteten Beförderung werden Mitarbeiter, die in Ungnade gefallen sind, einfach mit vermeintlichen Herausforderungen geködert, die in Wahrheit aber unlösbare Aufgaben darstellen. Der Rest ist dann nur noch eine fiese Masche: Der Beförderte wird zunehmend unter Druck gesetzt, bekommt noch mehr Aufgaben, macht aber auch mehr Fehler, wird dafür abgemahnt und erhält schließlich die fristlose Kündigung.

Kurz: Die Beförderung dient lediglich dazu, Kündigungsgründe zu provozieren und so teure Abfindungen oder langen Kündigungsfristen auszuweichen.

Besonders perfide wirkt die Masche bei Geschäftsführern und leitenden Angestellten. Die freuen sich vielleicht noch über ihre steile Karriere, vergessen aber, dass sie in der Position keinen Kündigungsschutz mehr genießen. Diese unliebsamen Führungskräfte werden Unternehmen also besonders schnell los.

Beförderung ablehnen: So geht es richtig

Beförderung ablehnen Tipps für die AbsageKommen Sie zu dem Schluss, dass die angebotene Beförderung nicht passt, stehen Sie dem heikelsten Teil: Wie lehnen Sie die Beförderung ab, ohne den Chef vor den Kopf zu stoßen und Ihre Position im Unternehmen zu schwächen?

Immerhin hat Sie Ihr Vorgesetzter (hoffentlich) aufgrund fachlicher Erwägungen für die Beförderung vorgeschlagen und ausgewählt - setzt jetzt eine gewisse Hoffnung in Sie. Vielleicht musste er seine Wahl sogar gegen Widerstände in der Chefetage oder Unternehmensführung durchsetzen. In jedem Fall erwartet er von Ihnen eher Begeisterung als Ablehnung.

Henry Ford hat es einmal so ausgedrückt:

Geld und eine Beförderung sind die konkreten Mittel, mit denen ein Unternehmen jemandem bescheinigt, dass er der wertvollste Mitspieler ist.

Entsprechend müssen Sie viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl beweisen, wenn Sie eine Beförderung ablehnen und dem Chef eine Abfuhr erteilen.

Ihre Entscheidung sollten Sie daher immer persönlich und unter vier Augen mit dem Chef besprechen. Im persönlichen Gespräch können Sie mögliche Missverständnisse sofort klären und er verliert auch niemand sein Gesicht.

Für das Gespräch selbst gilt:

  • Machen Sie unbedingt deutlich, dass Sie sich über die Chance freuen und die dadurch gezeigte Anerkennung zu schätzen wissen.
  • Erklären Sie, dass die Entscheidung Ihnen nicht leicht fällt, für Sie aber unzweifelhaft richtig ist. Rechtfertigen Sie sich bitte nicht.
  • Ihr Chef sollte hören und wissen, dass Sie das Unternehmen, das Team und ihn selbst selbstverständlich weiterhin loyal unterstützen werden.
  • Vermitteln Sie den Eindruck, dass Sie auf der bisherigen Position Ihre Stärken und Talente viel besser für das Unternehmen einsetzen können und dort von größerem Nutzen sind.
  • Um sich einen späteren Aufstieg nicht ganz zu verbauen, können Sie erwähnen, sich in ein bis zwei Jahren aber durchaus eine neue Herausforderung vorstellen zu können.
  • Idealerweise können Sie, wenn Ihr Chef dafür offen ist (!), Impulse und Vorschläge für alternative Kandidaten einbringen.

Entscheidend ist, dass Sie nach dem Gespräch Taten folgen lassen und durch fortgesetzt hohes Engagement Ihre Loyalität unter Beweis stellen.

So mancher Chef nimmt die Verweigerung und eine abgelehnte Beförderung persönlich oder unterstellt Ihnen eine nahende und geplante Kündigung. Umso wichtiger ist, dass Sie die Zweifel zerstreuen - nicht durch Worte, sondern Taten.

Ablehnung mit Folgen

Es sollten Ihnen allerdings auch die Konsequenzen der Ablehnung bewusst sein.

Nach einer abgelehnten Beförderung werden die Betroffenen für längere Zeit keine neue Chance bekommen, im Unternehmen aufzusteigen. Wer eine Beförderung ausschlägt, begibt sich also in eine selbstverursachte vorübergehende Werdegangspause.

Das muss nichts Schlimmes sein, Sie wollten es ja so. Aber es bedeutet eben auch, seine berufliche Weiterentwicklung in Zukunft unter Umständen extern suchen zu müssen.

[Bildnachweis: Who is Danny by Shutterstock.com]

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