Fehler NACH der Beförderung: Bitte vermeiden!

Von der großen Karriere träumen viele. Manch einer denkt, wenn er die Beförderung erst mal in der Tasche hat, kann nichts mehr schiefgehen – Irrtum! Fehler nach der Beförderung sind gar nicht so selten, wie man meinen könnte. Heißt im Klartext: Mit der Beförderung ist keineswegs Ausruhen in der geistigen Hängematte angesagt. Im Gegenteil, Sie erhalten nun die Chance zu zeigen, was in Ihnen steckt. Damit Ihnen das gelingt, erklären wir, welche Fehler nach der Beförderung vermieden werden sollten…

Fehler NACH der Beförderung: Bitte vermeiden!

Beförderung: Endlich Chef?

Wer lange auf eine Sache hingearbeitet hat, wünscht sich nach Erreichen des Ziels meist eine Verschnaufpause. Das ist in der Prüfungsphase an der Schule oder an der Uni nicht anders. Im Berufsleben hingegen schon. Es wird zwar niemand von Ihnen erwarten, dass Sie nun rund um die Uhr in der Firma sind, allerdings gehen mit einer Führungsposition auch andere Erwartungen an Sie einher.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass eine Beförderung aufgrund gestiegener Verantwortung höher vergütet wird. Zum anderen befinden sich viele Führungskräfte nach einer Beförderung in einer undankbaren Sandwichposition: Die Geschäftsleitung erwartet entsprechende Zahlen und die Mitarbeiter wollen gehört und verstanden werden.

Sich bequem zurückzulehnen und zu meinen, der neue Posten sei unverrückbar oder Ihre Person unantastbar, wäre daher leichtsinnig. Stattdessen geht es darum, sich fit für die neue Situation zu machen und sie genau zu analysieren.

Eine Beförderung ist eine Bewährungsprobe. Für den Arbeitgeber besteht das Risiko, dass er Sie in eine Position versetzt, in der Sie Fehler machen, die größere Konsequenzen nach sich ziehen als in der alten und dass er sich in Ihnen geirrt hat. Um das zu verhindern, müssen Sie ihn in der Zeit unmittelbar nach der Beförderung vom Gegenteil überzeugen.

Was kann alles schief gehen?

Diese Fehler nach der Beförderung sollten Sie vermeiden:

  • Sie können nicht loslassen.

    Statt Ihre Mitarbeiter die Aufgaben erledigen zu lassen, machen Sie (immer noch) dieselbe Arbeit wie zuvor. Dieser Fehler hat zwei Komponenten. Einerseits können Sie offenbar nicht gut delegieren. Vielleicht sind Sie in der neuen Rolle noch nicht angekommen? Auf der anderen Seite zeigt sich hier mangelndes Vertrauen den Mitarbeitern gegenüber, Motto: Wenn Du willst, dass es gut gemacht wird, musst Du es selbst machen. Und falls dann doch Aufgaben abgegeben werden, versuchen Sie immer noch alles zu kontrollieren – ganz gleich aus welchem Grund: Sie geben so Ihrem Team nicht die Chance, sich zu beweisen. Darüber hinaus blockieren Sie Ihre eigene, für andere Aufgaben dringend benötigte Energie.

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  • Sie werden überheblich.

    Eng mit dem vorherigen Punkt verknüpft ist dieser Fehler: Sie glauben, die absolute Wahrheit zu kennen. Alles muss so gemacht werden, wie Sie es machen würden, denn Ihr Weg ist der einzig richtige. Das ist ja nur logisch – warum sonst sollten Sie nun im Chefsessel sein? Diese Denke ist allerdings gefährlich. Denn abgesehen davon, dass sie den Blick für die eigenen Unzulänglichkeiten verstellt, machen Sie sich so auf Dauer Feinde. Zwar mag es Ihnen egal sein, ob Sie bei Ihren Mitarbeitern beliebt sind, allerdings wirkt sich Ihr Führungsverhalten auf das Betriebsklima aus. Im schlimmsten Fall führt das zu Kündigungen und damit Wissensverlust und/oder personellen Engpässen. Gerade wenn Leistungsträger darunter sind, schneiden Sie sich also ins eigene Fleisch.

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  • Sie handeln nicht vorausschauend.

    Klar, auch Führungskräfte können nicht hellsehen. Allerdings wird von Ihnen erwartet, dass Sie bestimmte Ereignisse antizipieren können. Als Vorgesetzter müssen Sie einen Plan B haben, um das Team nicht sehenden Auges in die nächste Katastrophe zusteuern zu lassen, sondern frühzeitig zu reagieren. Treten beispielsweise in einer Projektphase bereits Schwierigkeiten auf, die sehr wahrscheinlich zu Verzögerungen führen, müssen Sie rechtzeitig handeln, um das Schlimmste zu verhindern. Wichtig ist dafür, dass Sie sich immer mit Informationen auf dem Stand der Dinge halten. Das gilt für aktuelle Projekte Ihres Teams und allgemein im Unternehmen, aber natürlich auch für Entwicklungen in der Branche. Das ermöglicht es Ihnen, entsprechende Entwicklungen absehen oder aus den Informationen anderer gegensteuernde Maßnahmen ableiten zu können.

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  • Sie haben keinen klaren Kurs.

    So schädlich es ist, gleich mit harter Hand das Regiment zu führen, so nachteilig ist das Gegenteil. Wer keinen klaren Kurs hat und uneindeutige Signale aussendet, wird es schwer mit seinem Team haben. Bei einigen Mitarbeitern wird das für Verwirrung sorgen. Sind Sie als Juniorchef noch unsicher, werden gerade ältere, langgediente Mitarbeiter tendenziell ein Problem mit Ihnen haben, da Sie das übliche Senioritätsprinzip aushebeln. Durch Ihr Verhalten sind dann andere, selbstbewusstere Mitarbeiter versucht, in das „Machtvakuum“ hineinzustoßen. Damit lassen Sie zu, dass Ihre Autorität untergraben wird.

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  • Sie sind nicht ehrlich zu sich selbst.

    Manchmal ist das Wunschdenken stärker ausgeprägt als die Fähigkeit zur Einsicht. Vielleicht haben Sie immer von exakt dieser Stelle geträumt. Oder Sie hängen an dem damit verbundenen Prestige, den Annehmlichkeiten, die sie Ihnen ermöglicht. Sich selbst einzugestehen, dass eine andere Person vielleicht besser für die Stelle geeignet wäre, ist nicht leicht. Das hängt nicht zuletzt mit dem in Deutschland weit verbreiteten Blick aufs Scheitern zusammen. Statt den Erkenntnisgewinn zu sehen und andere Möglichkeiten wie beispielsweise eine horizontale Karriere in Erwägung zu ziehen, klammern sich viele an liebgewonnene Vorstellungen. Und machen sich und anderen das Leben damit unnötig schwer.

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  • Sie unterschätzen die Konkurrenz

    Sind Sie von außen auf die neue Stelle befördert worden? Oder sind Sie womöglich direkt aus der Mitte Ihrer ehemaligen Teamkollegen als Führungskraft bestimmt worden? In dem Fall haben Sie mit der Beförderung das ehemalige Hierarchiegefüge durcheinander gebracht. Nicht jeder will Führungskraft werden und Verantwortung übernehmen. Ganz gleich, ob von außen oder aus der Teammitte: Häufig gibt es Mitarbeiter, die ihrerseits auf die Stelle spekuliert hatten und nun den kürzeren gezogen haben. Wenn Sie Pech haben, spinnt Ihr Mitbewerber Intrigen gegen Sie. Ein Fehler wäre, solche möglichen Konflikte nicht auf dem Radar zu haben. Ist Ihnen Ihr direkter Konkurrent bekannt, sollten Sie klare Kante zeigen. Zudem haben Sie die Möglichkeit, ihn sich gewogen zu machen, indem Sie seine Expertise anerkennen und ihn beispielsweise als Vertretung einplanen oder ihm besondere (wichtige) Aufgabenbereiche anvertraut.

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So vermeiden Sie Fehler nach der Beförderung

Um in der neuen Position wirklich anzukommen, reicht es nicht, die oben genannten Fehler nach der Beförderung einfach zu unterlassen. Wichtiger ist, dass Sie systematisch an die Sache herangehen:

  • Planung

    Bereiten Sie die Zeit nach der Beförderung vor. Dazu gehört, einen Vergleich zwischen der alten und der neuen Position zu ziehen. Was ändert sich für Sie? Welche Rahmenbedingungen, welche Personen (denen Sie nun Bericht erstatten müssen) sind neu? Antizipieren Sie, was diese Änderungen bedeuten können, unter Umständen entsteht Konfliktpotenzial (zum Beispiel ehemalige Kollegen, die neidisch sind).

  • Werte

    Entwerfen Sie ein Szenario für bestimmte Situationen. Klären Sie für sich, was Ihnen wichtig ist und was Sie (als Vorbild) vermitteln wollen. Wie werden Sie mit schwierigen Situationen umgehen, welche Erwartungen haben Sie an das Team, welche Aufgabenfelder haben Sie für die jeweiligen Personen vorgesehen, was wollen Sie gemeinsam mit Ihren Leuten erreichen? Nur wenn Sie sich im Vorfeld Gedanken über solche Dinge machen, können Sie Ihre Ziele und Erwartungen klar kommunizieren.

  • Beratung

    Holen Sie sich Beratung. Profitieren Sie von den Erfahrungen anderer, indem Sie sich beispielsweise einen Mentor suchen, idealerweise aus demselben Unternehmen (der kennt die internen Besonderheiten). Das kann ein erfahrener Kollege auf derselben (neuen) Hierarchiestufe sein oder aber in der Hierarchie über Ihnen stehend. Setzen Sie sich mit Ihrem Vorgesetzten und dem Personaler zusammen und beraten gemeinsam, wie Sie Ihre neue Position nach außen kommunizieren.

[Bildnachweis: Aaron Amat by Shutterstock.com]
13. Mai 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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