Dankbarkeit: Wie sie Glück und Erfolg fördert

Mehr Dankbarkeit zeigen – das klingt altmodisch oder nach positiver Psychologie. Doch nie war es aktueller als heute. Dankbarkeit ist der beste und zugleich edelste Weg zu mehr Glück und Zufriedenheit – und sie ist das perfekte Gegenmittel gegen Frust, Neid und Ärger. Letztlich ist sie sogar das, wonach wir uns selbst am meisten sehnen: nach Anerkennung und Wertschätzung für Geleistetes, ein simples Danke für eine gute, großherzige Tat. Zu Recht ermahnen uns Schriftsteller, Philosophen und Großmütter regelmäßig, dankbar zu sein oder den Tag mit einem positiven Rückblick ausklingen zu lassen. Denn Dankbarkeit ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg und zu einem erfüllten Leben. Das belegen gleich mehrere Studien…

Dankbarkeit: Wie sie Glück und Erfolg fördert

Definition: Was ist Dankbarkeit?

Dankbarkeit DefinitionDankbarkeit ist mehr als ein simples Dankeschön, wenn einem jemand einen Gefallen getan hat. „Dankbarkeit ist das Gefühl des Staunens, des Dankbar-Seins und der Feier des Lebens„, sagt zum Beispiel Robert Emmons, eine der Koryphäen in der Dankbarkeitsforschung (Handbook of Positive Psychology 2002).

Dankbar zu sein, ist eine Haltung, ein Lebensgefühl. Dahinter steckt die positive Wertschätzung eines Zustandes oder die tiefe Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird, definiert es zum Beispiel Wikipedia. Oder wie ein Bonmot sagt: Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.

Schon die Freude über die kleinen Dinge des Lebens führt nachweislich zu mehr Glück. Wer eine dankbare Haltung in seinem Leben etabliert, der gibt sich Zeit zum Innehalten, zur geistigen Rast und Besinnung. Und es gibt eine Menge, wofür wir dankbar sein können – im Guten wie im Schlechten:

  • Die Gesundheit.
  • Unseren Partner und eine stabile Beziehung.
  • (Gesunde) Kinder.
  • Unsere Freunde.
  • Ein gemütliches Zuhause.
  • Die Gnade in einem freien und friedlichen Land geboren zu sein.
  • Genug zu essen und zu trinken.
  • Unsere Besitztümer (Wohnung, Auto, Kleidung, …).
  • Unseren Wohlstand und Reichtum.
  • Die verfügbare Freizeit.
  • Unseren Job.
  • Die baldige Beförderung.
  • Ein Lächeln.
  • Überhaupt unser Leben (bisher).

Fragen Sie sich selbst, wofür Sie dankbar sein können! Sie werden sicher noch mehr finden…

Ohne diese Dankbarkeit indes entwickelt sich eine Mängelsicht: Das Leben – es besteht vor allem aus Lücken, Fehlendem, Leere. Wer sich und seine Umwelt nur noch so wahrnimmt, kann nur unzufrieden, neidisch und unglücklich werden.

Sicher, nicht jeder Tag ist gut, aber jeder Tag hat etwas Gutes – man muss es nur erkennen (wollen). Tatsächlich ist es so (siehe weiter unten), dass Dankbarkeit unser Leben verändern kann. Wer dankbar ist, der erlebt ein tiefes Gefühl des Glücks, der Befriedigung und Freude.

Dankbarkeit für das Leben: Bedeutung in der Religion

Historisch ist die Pflege der Dankbarkeit (englisch: Gratitude) eng mit der Religion verbunden. Hier führt sie oft zu innere Harmonie, zu Gottesfurcht und innerem Frieden. Dankbarkeit als erstrebenswerte Lebenseinstellung spielt in allen Weltreligionen eine fundamentale Rolle:

  • Dankbarkeit im Christentum

    Für Martin Luther war Dankbarkeit die „wesentliche christliche Haltung“. Im Kolosserbrief in der Bibel mahnt Paulus selbst die Gemeinde, dass sie „in Dankbarkeit überströmt“. Und der Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb einst treffend: „In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. In ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart.“ Gottseidank!

  • Dankbarkeit im Judentum

    Im Judentum ist Dankbarkeit ein zentraler Bestandteil des Gottesdienstes und durchzieht jeden Lebensaspekt des Gläubigen. In den Psalmen heißt es beispielsweise: „Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit“. Dankgebete („Bracha“) sind gerade bei orthodoxen Juden selbstverständliche Alltagsrituale, die den Tagesablauf begleiten.

  • Dankbarkeit im Islam

    Auch der Koran, die Heilige Schrift der Moslems ist voll von Dankbarkeit. In Sure 14 heißt es zum Beispiel, dass der Dankbare mehr von Gott erhält. Der Prophet Mohammed wiederum soll einst gesagt haben: „Dankbarkeit für die Fülle, die ihr erhalten habt ist die beste Garantie dafür, dass diese Fülle nicht aufhört.“ Und nicht zuletzt werden Gläubige im Islam dazu ermuntert fünfmal am Tag zu Gott zu beten, um ihm für seine Güte zu danken.

  • Dankbarkeit im Hinduismus

    Der hinduistische Glaube definiert vier Lebensziele: Dharma (Rechte und Pflichten der Generationen), Artha (Umgang mit Geld), Kama (Freude und Genuss), Moksha (Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod). Im Dharma ist zugleich verankert, stets dankbar gegenüber der älteren Generation zu sein. Diese Dankbarkeit zu empfangen, ist wiederum ein Recht der Älteren.

  • Dankbarkeit im Buddhismus

    Der Buddhist ist angehalten stets dankbar gegenüber dem Leben, seinen Geschenken und abverlangten Opfern zu sein. Zugleich sieht der Buddhismus in der Dankbarkeit einen wesentlichen Weg aus dem Kreislauf der Schuld.

Intensiv diskutiert wurde die Dankbarkeit aber auch später von zahlreichen Moralphilosophen, unter anderem von Adam Smith und seiner Theorie der ethischen Gefühle von 1759. Das systematische Studium der Dankbarkeit innerhalb der Psychologie begann allerdings erstaunlicherweise erst um das Jahr 2000.

Dankbarkeit Spruch Zitat Danke

Positive Psychologie: Ein dankbares Leben macht glücklich und gesund

Auch in der modernen Wissenschaft, insbesondere in der positiven Psychologie, ist eine dankbare Haltung als wirkungsintensive Lebenseinstellung längst angekommen. So gibt es inzwischen zahlreiche empirische Untersuchungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob und wie Dankbarkeit auf unser Leben insgesamt und die Gesundheit und unser Wohlbefinden im Besonderen wirkt.

Um es kurz zu machen: Sie wirkt – uns zwar auf unser Physis genauso wie auf unsere Psyche. Dankbarkeit als Grundhaltung hat zahlreiche Auswirkungen auf Gehirn, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Dankbare Menschen sind optimistischer, glücklicher, einfühlsamer, gesünder und belastbarer als andere.

Ein paar Beispiele aus der Psychologie und Medizin-Forschung:

  • Dankbarkeit macht glücklich.

    Für ihre Experimente teilten Robert Emmons und Michael McCullough die Probanden in zwei Gruppen ein: Die einen ließen sie ein paar Minuten darüber nachsinnen, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind, die anderen sollten einfach an irgendetwas denken. Diese kurzen Reflexionsübungen wiederholten die Forscher jede Woche, ganze zehn Wochen lang. Resultat: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Dankbaren über den gesamten Zeitraum des Experiments mehr Motivation, größeren Optimismus, sogar ihre Gesundheitswerte und die Immunabwehr verbesserten sich. Kurz: Die regelmäßigen, dankbaren Gedanken machten die Probanden glücklicher und gesünder.

  • Dankbarkeit verbessert Beziehungen.

    Die Psychologie-Professorin Sara Algoe von der Universität von North Carolina in Chapel Hill ließ frisch verliebte Paare zwei Wochen lang ein Tagebuch schreiben, in dem diese abends festhalten sollten, ob sie ihrem Partner an dem Tag etwas Gutes getan hatten; ob ihr Partner ihnen selbst etwas Gutes getan hatte und wie sie sich dabei gefühlt hatten sowie wie sie sich mit ihrem Partner an dem Tag verbunden fühlten und über die Partnerschaft dachten. Ergebnis: Die Paare notierten, dass sie ihrem Partner zu 35 Prozent des Tages einen Gefallen taten oder zuvorkommend waren. Umgekehrt hatten sie zu 40 Prozent des Tages das Gefühl, ihr Liebster oder ihre Liebste würde mit ihnen genauso verfahren. Und beide berichteten dabei jedes Mal darüber wie dankbar sie dafür waren und dass sie sich mit ihrem Partner besonders verbunden fühlten. Die Männer – nebenbei bemerkt – sogar minimal mehr als die Frauen.

  • Dankbarkeit stärkt das Herz.

    Laut Studien sinkt Dank der Haltung das Risiko für einen Herzinfarkt, die Herzfrequenzvariabilität erhöht, die Beschwerden von Patienten mit Herzinsuffizienz verringern sich.

  • Dankbarkeit hilft gegen Schlafstörungen.

    Das wiederum ist das Ergebnis von Studien (PDF) um Alex M. Wood von der Universität von Manchester, einem der weltweit renommiertesten Dankbarkeitsforscher. Sein Forscherteam konnte zeigen, dass Dankbare besser und tiefer schlafen und auch leichter einschlafen. Kurz: Sie litten im Vergleich zu Kontrollgruppen signifikant weniger unter Schlafstörungen und waren dadurch insgesamt leistungsfähiger.

  • Dankbarkeit senkt Stress.

    Dankbarkeit macht sogar resistenter gegenüber Stress. Das konnten Untersuchungen von Martin Seligman und Tracy Stehen von der Universität von Pennsylvania nachweisen. Ihre – dankbaren – Probanden konnten so den empfundenen Stress reduzieren und zeigten sich auch widerstandsfähiger gegenüber psychischen Erkrankungen.

Dankbar zu sein, hat heute sogar in der Therapie von Depressionen oder Angststörungen einen enormen Einfluss.

Das bestätigen etwa Studien von Forschern um Prathik Kini von der Universität von Indiana. Sie ließen Patienten, die wegen Depressionen oder Angststörungen in professioneller Behandlung waren, dreimal pro Woche für 20 Minuten Briefe schreiben, in denen Sie den Empfängern ihre Dankbarkeit ausdrücken sollten.

Drei Monate später wurden die Hirnscans dieser Patienten mit denen einer Kontrollgruppe verglichen. Die Dankschreiben hatten bei den Patienten zahlreiche Gehirnregionen wie den Frontal-, den Parietal- und Hinterhauptlappen aktiviert – mehr Hirnaktivitäten als bei vielen anderen positiven Gefühlen. Und je öfter und regelmäßiger die Probanden dieses Gefühl der Dankbarkeit übten und verinnerlichten, desto dauerhafter und intensiver veränderte es ihr Gehirn und gab ihnen ein (neues) positives Lebensgefühl.

Die insgesamt günstige Grundstimmung, die Dankbarkeit erzeugt, führt zu einem sogenannten Broaden-and-Built-Effekt (PDF), wie es Wissenschaftlerin Barbara Fredrickson nennt. Kurz gesagt bedeutet der, dass gelebte Dankbarkeit immer weitere positive Effekte nach sich zieht.

Danke sagen – per Brief oder Karte

Dankbarkeit per DankschreibenDankbarkeit, insbesondere in schriftlicher Form, verkommt in der rauen Realität des Geschäftslebens immer mehr zur Ausnahme. Dankschreiben, besonders in Briefform, wirken auf manche wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Leider! Denn gut gemachte Dankschreiben können Sympathien wecken, Beziehungen stärken und nicht zuletzt den Ausschlag geben, ob einer den Auftrag oder Job bekommt oder nicht.

Haben Sie jemals ein Dankschreiben wutschnaubend zerrissen und den Verfasser als heuchlerischen Zeitdieb beschimpft? Eben. Denken Sie zum Beispiel an die Geschichte von Rafael J. Hernandez:

Eines Tages verlor der seinen Job bei einer Agentur. Hernandez entschied sich, über die Kündigung nicht narzistisch gekränkt zu sein, sondern schrieb seinem Ex-Boss einen Brief – und zwar einen sehr netten.

Darin bedankte er sich für die Chance, für diese Agentur wenigstens eine zeitlang arbeiten zu dürfen, für die gute Zeit und die vielen Dinge, die er dabei gelernt hatte. Das Dankschreiben verfehlte seine Wirkung nicht: Über seine ehemaligen Kollegen hörte Hernandez, dass sich sein ehemaliger Chef über so viel menschliche Größe und das Lob gefreut hatte. Er bekam den Job zwar nicht zurück, blieb aber in positiver Erinnerung. Jahre später – Hernandez arbeitete inzwischen für eine andere Agentur – verlor er wieder seinen Job. Diesmal aber meldete sich sofort sein Ex-Chef bei ihm. Sein Brief blieb ihm über all die Jahre im Gedächtnis, und nun wollte er ihm eine neue Stelle anbieten, sogar zu besseren Konditionen. Ein einfaches Dankeschön – mit nachhaltiger Wirkung.

Versuchen Sie es doch auch einmal mit einem Dankschreiben. Tipps und kostenlose Vorlagen für Dankschreiben aller Art finden Sie HIER.

Erfolgsschlüssel Dankbarkeit: Schutz vor Versuchungen aller Art

Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach… Die meisten Menschen denken so und ziehen die sofortige Belohnung einer künftigen vor – selbst wenn diese größer ausfällt.

Deshalb fällt uns zum Beispiel Sparen so schwer und Konsum so leicht. Und deshalb sind wir auch so leicht zu verführen – sei es mit riskanten Aktiengeschäften an der Börse, mit ungesundem Essen oder sexuell mit einer Affäre trotz intakter Beziehung.

Die Instant-Lust obsiegt über die vernünftige Vorausschau.

Wissenschaftler beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit der Fähigkeit zur Selbstbeherrschung – oder wie es im Fachjargon heißt: der Fähigkeit zum Gratifikationsverzicht. Sie gilt als starkes Indiz für langfristigen Erfolg.

Es gibt allerdings noch einen weiteren wissenschaftlich gesicherten Impfstoff gegen Versuchungen aller Art: Dankbarkeit.

Als zum Beispiel der Psychologe David DeSteno von der Northeastern Universität mit seinen Kollegen von der Universität von Kalifornien in Riverside und der Harvard Kennedy School dazu Studien anstellte, fanden die Forscher bald heraus: Die Dankbaren unter ihren Probanden bewiesen mehr Geduld und waren auch bereit, auf Instantbelohnungen zu verzichten, was ihnen – nebenbei bemerkt – deutlich höhere Gewinne bescherte.

Sagen wir es, wie es ist:

Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch unsere Einstellung und Lebensfreude.

Was einleuchtend klingt, wird jedoch immer wieder dort vergessen, wo es am stärksten wirkt: im Berufsleben. Dort, wo Aufträge und Anweisungen zum Alltag gehören, unterstreichen Bitte und Danke gegenseitigen Respekt.

Wer immer nur nimmt, ohne wenigstens ein Danke zurückzugeben, der manipuliert. Der wahre Profi hingegen schafft sogar, dass der Dank nicht nur wie eine hohle Phrase klingt.

Es gibt dazu ein wunderbares Zitat, das ein wenig in Vergessenheit geraten ist, im Job aber genau deshalb große (positive) Überraschung und Wirkung entfaltet:

Wenn dir jemand ein Geschenk gibt – schicke ihm ein Dankeschön!
Wenn dir jemand einen Gefallen tut – schicke ihm ein Dankeschön!
Wenn dir jemand etwas Nettes sagt – schicke ihm ein Dankeschön!

Kleine Gesten ermuntern und ermutigen. Warum also nicht ab und an einem netten Menschen, einem Kollegen oder gar dem Chef ein kurzes Dankeschön per Mail oder Karte schicken? Oder morgens an den Schreibtisch kommen – und eine Tasse Kaffee mitbringen?

Fehlende Dankbarkeit im Alltag: Undank ist ein Karrierekiller

Umgekehrt gibt es Menschen, die stöhnen über zu viel Arbeit und zu wenig Gehalt. Und sehr oft behaupten sie, dass sie zufriedener wären, wenn sie mehr Geld hätten. Für sie ist das Gras nebenan immer grüner, der Himmel blauer und das Auto des Nachbarn sowieso viel schöner.

Derlei Undank ist gefährlich!

Schon Goethe betonte, er habe nie gesehen, „dass tüchtige Menschen undankbar gewesen wären“. Und die Geschichte gibt ihm recht: Nicht diejenigen, die viel hatten, waren die Erfolgreichen, sondern die Dankbaren. Kein Mensch wird für künftige Erfolge dankbar sein, wenn er das nicht schon bei gegenwärtigen sein kann.

Mehr noch: Undank kann zum Karrierekiller mutieren.

Damit ist nicht das fehlende „Dankeschön“ gemeint, falls der Kollege einen Kaffee ausgibt oder die Tür aufhält – obwohl selbst das, laut Umfragen, selten ist (56 Prozent der Deutschen glauben, dass es mehr undankbare als dankbare Menschen gibt, Quelle: Allensbach).

Bei Undank geht es um mangelnde Erkenntlichkeit – und die wird unterschieden in zwei Arten:

  • fehlende Dankbarkeit für Unterstützung
  • Vergesslichkeit.

Der erste Punkt ist ein Klassiker:

Selbst Genies sind bisweilen auf die Hilfe anderer angewiesen. Sei es, dass diese sie mit nützlichen Informationen versorgen, sie rechtzeitig warnen oder aktiv protegieren. Je mehr Mentoren einer hat, desto besser. Ein funktionierendes Beziehungsnetz wirkt wie ein Karriereturbo.

Es wird aber auch leicht zum Killer, wenn man es sich mit seinen Kontakten verscherzt. Und das geht ganz leicht: Einfach den Erfolg ans eigene Revers heften und verschweigen, dass daran andere beteiligt waren…

Vergesslichkeit wiederum wiegt noch schwerer.

Kein Mensch erwartet eine sofortige Gegenleistung für einen Gefallen. Nur wer diese Schuld vergisst, der betreibt Selbstsabotage erster Güte. Undank ist kein Kavaliersdelikt, sondern der grobe Verstoß gegen ein ehernes Berufsgesetz: Eine Hand wäscht die andere.

Dankbarkeit Gluecklich Sprueche Zitat Weisheit

Dankbarkeit lernen: So verstärken Sie das Gefühl

Leider – das muss man ebenso feststellen – verhält es sich mit der Dankbarkeit wie mit einem Muskel: Wird sie nicht regelmäßig trainiert, erschlafft sie.

Wir Menschen neigen dazu, kaum noch wertzuschätzen, was wir schon haben. Wir werden sprichwörtlich blind für vorhandenen Reichtum und halten. Damit verpufft zugleich die positive Wirkung der Dankbarkeit. Ein klassischer Gewöhnungseffekt. Es ist wie mit der Gesundheit: Wie wertvoll sie ist und eben keine Selbstverständlichkeit, merken wir erst, wenn wir krank werden.

Umso wichtiger ist es, sich immer wieder bewusst zu machen, wofür wir dankbar sein können und sollten. Denn dabei verändern wir auch uns.

Das alles ändert sich, wenn wir dankbar werden:

  • Wir wertschätzen unser Leben wieder mehr.
  • Vor allem die kleinen Dinge.
  • Wir werden selbstbewusster.
  • Wir strahlen mehr Zufriedenheit aus und wirken so anziehender auf andere.
  • Wir können Versuchungen besser widerstehen, weil wir weniger brauchen.
  • Wir reagieren auf Veränderungen mit weniger Stress.
  • Wir haben weniger Ängste.
  • Wir erkennen mehr Chancen und Möglichkeiten.
  • Wir werden gelassener gegenüber Krisen und können diese schneller bewältigen.
  • Wir werden resilienter.
  • Wir stärken unser Wohlbefinden und Selbstwertgefühl.
  • Wir ebnen die Bahn für ein erfülltes Leben.

Wie aber lässt sich dann Dankbarkeit lernen und verstärken?

Auch dazu gibt es inzwischen zahlreiche Empfehlungen und Tipps, die wir Ihnen gerne vorstellen…

  1. Die 5-Finger-Methode: Ein Dankeschön mit jedem Finger

    Unter den verschiedenen Tipps und Methoden, sich daran zu erinnern, wofür man dankbar sein könnte, gibt es eine besonders schöne von Elsbeth Martindale, die – statt sich irgendwelche Knoten ins Taschentuch zu machen – nur eine Hand braucht und eine kleine Fingerübung.

    So empfiehlt die Psychologin:

    Wenn Sie mal wieder unzufrieden sind oder einen kleinen Motivationskick brauchen, dann zählen Sie einfach Ihre Finger durch und erinnern Sie sich dabei an schöne, befriedigende und ermutigende Dinge in Ihrem Leben…

    Dankbarkeit 5 Finger Methode Grafik

    • Kleiner Finger Nennen Sie eine Sache, für die Sie in Ihrem Leben zutiefst dankbar sind.
    • Ringfinger Erinnern Sie sich an eine Zeit und einen Menschen, den Sie aus tiefsten Herzen lieben oder geliebt haben sowie andere Menschen für die Sie innige Gefühle haben.
    • Mittelfinger Nennen Sie eine Sache, die Sie für einen anderen Menschen getan haben und wofür Sie sich gut fühlen. Überlegen Sie sich, bei wem Sie das wiederholen können. Etwa heute.
    • Zeigefinger Zeigen Sie auf etwas Schönes in der Natur. Entdecken Sie etwas in Ihrem Umfeld, das Sie inspiriert und begeistert.
    • Daumen (hoch) Benennen Sie etwas, worauf Sie stolz sind. Machen Sie sich Ihr Stärken und Talente bewusst – und seien Sie stolz auf sich.

    Die Handidee hat vor allem deshalb Charme, weil sie erstens eingängig ist und sich zweitens jederzeit wiederholen lässt. Und sie verfehlt nie ihre Wirkung.

    Denn sie sorgt dafür, dass wir uns vergegenwärtigen, wie wichtig es ist etwas weiterzugeben und zu teilen. Wer stets den ganzen Kuchen für sich alleine haben will, bekommt davon nur Bauchschmerzen, lautet ein schönes Sprichwort. Die selbstlose Tat und ein Dankeschön dagegen zahlen sich viel mehr aus.

  2. Das Dankbarkeits-Tagebuch

    Dabei handelt es sich im Grunde um eine Variante des Erfolgstagebuchs – mit dem Unterschied, dass Sie darin täglich die Frage beantworten: Wofür bin ich heute dankbar?

    Sinn und Zweck dieser Übung ist es, sich mithilfe dieses positiven Tagesrückblicks nicht nur bewusst zu machen, wie gut es uns eigentlich geht, sondern auch die Sinne dafür zu schärfen, wofür es sich lohnt, dankbar zu sein. Der Effekt ist, dass wir die Beziehungen und Erfahrungen im Alltag so künftig mehr genießen und bewusster erleben. Und meist sind es eben die kleinen, aber vergessenen Dinge des Alltags – ein freundliches Wort, ein geschenktes Lächeln, ein wunderschöner Sonnenuntergang…

    Empfohlen wird in der Regel, das Dankbarkeitstagebuch in Form eines Abendrituals zu pflegen. Sie können das aber genauso gut als Teil Ihrer Morgenroutine etablieren. Sie entscheiden allein, wann es Ihnen mehr und besser hilft.

    Der 5-Münzen-Trick

    Von Hyler Bracey, dem Vorsitzender und CEO der Atlanta Consulting Group, stammt der sogenannte 5-Münzen-Trick. Bracey steckt sich dazu jeden Tag fünf Münzen in die Tasche seiner Anzugjacke. Jedes Mal, wenn er im Laufe des Tages einen Mitarbeiter für seine gute Arbeit lobt, steckt er eine Münze in die andere Tasche. Diese Technik hat ihm dabei geholfen, das Loben zur Gewohnheit zu machen. Denn alle Münzen müssen täglich die Tasche wechseln.

    Der Trick lässt sich aber ebenso gut adaptieren, um die eigene Dankbarkeit zu verstärken: Stecken Sie sich ebenfalls fünf Münzen in eine Tasche und trainieren Sie am Tag mindestens fünf Erlebnisse bewusst zu erkennen, für die Sie dankbar sein können.

  3. Achtsamkeits-Übungen

    Das Konzept der (dialogischen) Achtsamkeit sieht vor, den einzelnen Augenblick bewusst zu erleben – im Hier und Jetzt. Es ist vergleichbar mit der sogenannten Stop-Look-Go-Technik, also dem kurzen Innehalten und Gewahrwerden des Augenblicks und (schönen) Moments, bevor wir gleich wieder zum nächsten hetzen.

    Wenn Sie beispielsweise mal wieder etwas Leerlauf im Büro haben, gönnen Sie sich drei Minuten Pause und schauen Sie sich bewusst um: den Arbeitsplatz, den Schreibtisch, die Pflanzen im Büro – achten Sie auf kleine Details und lassen Sie sich Zeit, diese einzeln zu betrachten, am besten sogar noch zu berühren, abzutasten und zu fühlen. Folgen Sie dabei nur spontanen Impulsen: Was Ihnen vor die Sinne kommt, dem schenken Sie Ihre volle Aufmerksamkeit. Hauptsache, Sie lassen in dem Moment alles andere (im Job) los – und werden dankbar für die guten Gefühle, die Sie dabei erleben.

  4. Dankbarkeits-Onlinetraining

    Psychologen der Leuphana Universität in Lüneburg haben eigens ein Dankbarkeits-Onlinetraining entwickelt, das durch eine Smartphone-App ergänzt wird. Das Angebot richte sich vor allem an Menschen „mit einer starken Grübel– und Sorgenneigung„, sagen die Initiatoren.

    Da das Onlinetraining im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie stattfindet, kostet es die Teilnehmer (die allerdings begrenzt sind) nichts – außer Zeit. Die vor allem, um einige Fragebögen auszufüllen.

Wissenschaftler sind sich heute sicher (PDF), dass solche Dankbarkeitsübungen das Glücksniveau um 25 Prozent steigern, sowie stressbedingte Erkrankungen lindern können.

Wer Dankbarkeit übt und trainiert tut sich und seiner (mentalen) Gesundheit also einen Gefallen. Und seinen Mitmenschen womöglich auch.

Dankbare Menschen Sprueche Dankbarkeit Grafik

So reagieren Sie richtig auf ein Dankeschön

Umgekehrt: Sollten Sie Dankbarkeit erfahren, gibt es natürlich auch noch ein paar Empfehlungen, wie man darauf höflich reagiert…

  • Annehmen.

    Wenn Ihnen jemand dankt, zieren Sie sich nicht – vorausgesetzt das Dankeschön war berechtigt. Nehmen Sie es an. Einfach so, ohne große Geste oder viele Worte.

  • Freuen.

    Zeigen Sie unbedingt, dass Sie sich über die nette Geste freuen. Schon aus Höflichkeit. Ein Lächeln genügt oft schon, oder auch ein „Gern geschehen“.

  • Danken.

    Leider kommt Dankbarkeit selten vor. Ermutigen Sie deshalb jene, die es dennoch tun – und bedanken Sie sich für das Dankeschön. Ein herzliches „Danke“ reicht völlig. Oder wie es Erhard Blanck mal ausgedrückt hat: „Danke! – Ist zwar kurz und prägnant, aber den wenigsten bekannt.“

Leserstimmen und Leserbriefe zur Dankbarkeit

In meinem Leben spielt das Danken seit jeher eine wichtige Rolle. Sei es, dass ich über die Straße gehen kann, weil ein Autofahrer anhält, dass mir die Tür aufgehalten wird, oder dass ich an der Supermarktkasse vorgelassen werde, weil ich weniger Artikel einkaufe. Es gibt unendlich viele Gelegenheiten und in jedem dieser Fälle gibt es von mir ein Lächeln und ein Danke zurück. Zumindest bemühe ich mich. Ich finde es nämlich wichtig, diese Geste, die keinem weh tut, Tag für Tag zu leben und anderen damit vorzuleben, wie einfach es sein kann. Ich jedenfalls habe große Freude daran, Dankbarkeit zu zeigen und mein Gegenüber auch spüren zu lassen, dass ich es ernst meine. Deswegen, liebe Karrierebibel, auch an euch ein dickes DANKE. Ihr macht einen tollen Job und ich empfehle Euch weiter, wo immer ich kann.

Wert geben und Wert empfangen, das ist das Wichtigste in zwischenmenschlichen Beziehungen. Energievampire leben nicht bewusst, dankbare Menschen hingegen umso bewusster im Hier und Jetzt.

Mit meinen 27 Jahren musste ich schon mehrfach feststellen, wie wahr der Spruch doch ist: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Daran denke ich immer und versuche auch in schwierigen Situationen das Positive zu sehen und dankbar zu sein, für all das Positive das mir auf meinem Weg bisher widerfahren ist. Trifft man die betroffene Person sechs Monate oder drei Jahre später, kann man sich in die Augen sehen und niemand hegt Groll gegen den anderen. Was will man mehr!

Für mich gehört aktives und ausdrückliches Danken zum Alltag. Ich bin immer wieder erstaunt, wie vielen Menschen es nicht in den Sinn kommt, sich für Gefälligkeiten zu bedanken – manchmal nicht einmal für sehr große. Aber vielleicht sind sie innerlich dankbar und können es nur nicht so zeigen.

Dankbarkeit ist für mich ein Teil der Besinnung auf die Dinge, die für mich selbstverständlich sind – für andere Menschen auf der Welt jedoch unerreichbar scheinen.

Ich selbst habe auch schon viele positive Erfahrungen mit dem Fokus auf die Dankbarkeit gemacht. Um mich immer wieder darauf zu konzentrieren, tauschen meine Frau und ich uns jeden Abend darüber aus, wofür wir an diesem Tag dankbar waren.

Danke ist so ein kleines Wort, hat aber eine Riesenwirkung. Es ist mindestens genauso schön ein Danke zu vergeben, wie zu erhalten. Meine beste Freundin hat sich bei mir einmal beschwert, dass ich undankbar gewesen sei. Damals hatte ich mir viele Gedanken über Dankbarkeit gemacht und mir vorgenommen, mehr darauf zu achten. Sender und Empfänger halt. Wenn wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, entdecken wir viel mehr bei anderen, da sie sich durch ehrliche Dankbarkeit auch mehr zu öffnen scheinen. Jedenfalls habe ich das so empfunden.

Seit knapp fünf Jahren bin ich achtsamer gegenüber Dankbarkeit. Und seit drei Jahren habe ich für meine Söhne und mich ein Dankbarkeitsbuch angelegt. Anfangs haben nur ich Beobachtungen notiert, für die ich im Zusammenleben mit ihnen dankbar bin. Allein das hat schon in meiner Selbstwahrnehmung wahre Wunder bewirkt. Inzwischen übernehmen meine Söhne die Einträge – jeder für sich. Und am Ende des Monats gibt es einen kleinen (immer dankbar angenommenen) Taschengeldbonus. So wird es für die Teenager erlebbar, dass sich Dankbarkeit lohnt.

Dank ist doch eine der schönsten Formen der Wertschätzung. Muss für ein Dankeschön immer ein konkreter Anlass vorliegen? Ich glaube nicht. Ein Wort des Dankes schweißt zusammen – im Beruf, wie im Privatleben.

Es ist so wichtig, dass mehr Menschen davon erfahren, wie sie die Qualität ihres eigenen Lebens und das ihrer Mitmenschen gleichzeitig verbessern können. Menschen brauchen Anerkennung und Wertschätzung um zufrieden zu sein. Durch ein aufrichtiges Dankeschön kann man so viel geben und gleichzeitig erreichen. In meiner Berufspraxis stoße ich immer wieder auf frustrierte Menschen, die es aufgegeben haben, sich zu engagieren. Sie alle sagen: „Es dankt einem hier sowieso keiner!“ Da zeigt sich, wie wichtig es für Führungskräfte ist, sich mit dem Thema Dankbarkeit zu beschäftigen. Wer glaubt, es ginge dabei ausschließlich um weiche Faktoren wie Glück und Zufriedenheit, der irrt. Genau genommen liegt es an der Führung wie gut sie die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter und damit die Produktivität des Unternehmens fördert. Und da spielt die Dankbarkeit für Engagement und Leistung eine ganz wichtige Rolle.

Ich habe nun einen wundervollen Job gefunden in dem ich glücklich und für den ich jeden Tag dankbar bin. Ich persönlich bedanke mich gerne, auch für Kleinigkeiten und hoffe niemals auf mehr als ein Danke für Gefälligkeiten, die ich gerne tue. Auch ich habe mir angewöhnt, oft darüber nachzudenken, wofür ich dankbar bin um Belangloses nach einem langen Tag einfach mal bei Seite schieben zu können.

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[Bildnachweis: Weidong by Shutterstock.com]
22. Juli 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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