Lebenskrise: So überwinden Sie sie

Wer eine Lebenskrise durchläuft, fühlt sich im ersten Moment völlig hilflos. Das Leben verlässt für eine gewisse Zeit die gewohnten Bahnen und die Person sieht sich einer Herausforderung gegenüber. Das kann eine Lebenskrise mit 50 sein, wenn der Arbeitsplatz infolge einer Insolvenz plötzlich in Gefahr ist und sich jemand nach langen Jahren der Beschäftigung plötzlich wieder damit konfrontiert sieht, sich als Bewerber Unternehmen zu präsentieren. Das kann ebenso gut die Lebenskrise einer Frau und Mutter sein, deren Kinder (meist nicht so) plötzlich flügge werden und ausziehen. Solche Erfahrungen gehören zum Leben dazu. Wie Sie sie überwinden können…

Lebenskrise: So überwinden Sie sie

Lebenskrise: Eine von vielen Stationen im Leben

Dem Wort Lebenskrise haftet nichts Positives an. Krise meint eine schwierige Lage, in der viele zunächst einmal nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Und im Begriff Lebenskrise schwingt erst recht etwas Existenzielles mit: Das ganze Leben so wie es bisher war, wird auf den Kopf gestellt.

Beispiele für so eine Lebenskrise können sein:

  • Ihnen wurde gekündigt.
  • Ihr Partner hat Sie verlassen oder betrogen.
  • Sie erleiden eine schwere Krankheit.
  • Sie haben sich extrem verschuldet.
  • Sie haben einen schweren Unfall überlebt.
  • Eine geliebte Person verstirbt.
  • Sie stellen den Sinn Ihrer Arbeit infrage.
  • Sie erleben Mobbing am Arbeitsplatz.

Eine Lebenskrise kann eine Identitätskrise sein: So kann ein Jobverlust dazu führen, dass seinen Wert infrage stellt. Bisher hatte er sich ausschließlich über die Arbeit definiert. Doch angesichts seiner Arbeitslosigkeit muss er sich erneut mit sich, seinen Werten, Interessen, Stärken und Schwächen auseinandersetzen.

Aber auch das Alter, das durch einen runden Geburtstag in den Fokus rückt, kann eine Lebenskrise auslösen – etwa in Form einer Midlife-Crisis. Letztlich spielt das Alter aber nicht zwangsläufig eine Rolle.

Auftauchen kann eine Lebenskrise mit 25, 30 oder 40 genauso wie in der Kindheit oder im hohen Alter. Entscheidend ist das persönliche Empfinden. Eine Lebenskrise ist eine Zeit der Gefährdung und häufig der Überforderung: Was soll ich jetzt tun? Wie geht es weiter? Wer kann mir helfen?

Lebenskrisen werden subjektiv empfunden

Wer sich manchmal wünscht, dass alles doch einfach nur so weiterlaufen möge, verkennt einen entscheidenden Aspekt von Lebenskrisen. Sie erinnern uns an den Wert dessen, was wir haben, selbst im Falle eines Verlustes. Bestes Beispiel ist die Gesundheit: Geht es uns gut, nehmen wir es als selbstverständlich hin. Das ist völlig normal.

Denn es tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Dass unsere Gesundheit aber eben keine Selbstverständlichkeit ist, wird uns in dem Moment bewusst, in dem wir erkranken. Und umso dankbarer sind wir anschließend, wenn die Krankheit überwunden ist, selbst bei einer schnöden Erkältung.

Gleiches gilt für Lebenskrisen. Wenn alles glatt läuft, nehmen wir gar nicht mehr zur Kenntnis, dass es anders sein könnte. Dabei gibt es immer auch Menschen, die es deutlich schwerer haben. Natürlich ist eine objektive Bewertung dessen, was eine Lebenskrise auslöst, nicht ganz einfach und teilweise sogar unmöglich.

Das subjektive Empfinden kann davon absolut abweichen: Für einen Grundschüler mag die erstmalige fünf in der Mathearbeit einer Katastrophe gleichkommen – verglichen mit der Insolvenz eines Unternehmens, das nun 20 Mitarbeiter entlassen muss, sind die Konsequenzen natürlich deutlich geringer.

Das ändert aber eben nichts am Empfinden des Schülers. Andererseits gibt es Ereignisse, die bei vielen Menschen eine Lebenskrise auslösen würden. Der entscheidende Punkt ist, dass für jemanden eine unerwartete Veränderung eintritt, auf die er so gar nicht vorbereitet war.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass man sich nicht auf alles vorbereiten kann. Bestimmte Dinge werden mit einer größeren Wahrscheinlichkeit eintreten, lassen sich aber dennoch nicht beeinflussen. Der Tod der Eltern vor dem eigenen gehört beispielsweise dazu.

Lebenskrise kann durch Symptome bewusst werden

Nicht alle Menschen haben einen direkten Zugang zu ihren Gefühlen, haben gelernt, sich zu fragen, wie es ihnen geht. Oder ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Bei manchen besteht ein diffuses Gefühl dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Aber die Hilflosigkeit wird nicht als solche erkannt und das Problem nicht angegangen. Manche Menschen haben auch nie gelernt, konstruktiv ihre Probleme zu lösen und haben sich negative Mechanismen zur Bewältigung ihrer Probleme angeeignet.

Manche Begleiterscheinungen können Symptome einer Lebenskrise sein, werden aber als solche nicht erkannt, da sie sich langsam eingeschlichen haben. Das können sein:

  • Besonders hoher Stress oder eine Lebenskrise werden mit Suchtverhalten kompensiert, etwa besonders starkes Rauchen, Fressattacken, Alkoholsucht.
  • Der Betroffene leidet unter Schlafstörungen. Er hat Schwierigkeiten durchzuschlafen oder Probleme beim Einschlafen.
  • Das gesundheitliche Befinden ist insgesamt nicht gut, häufige Infekte, aber nichts Greifbares.

Das sind nur drei Aspekte, die auf eine Lebenskrise hindeuten können. Es können weitaus mehr Symptome auftauchen. Dies ist abhängig davon, ob es sich noch um eine Krise handelt, die durch eine Veränderung der persönlichen Einstellung oder durch Coaching gelöst werden kann.

Oder aber ob diese Lebenskrise sich bereits zu einer Depression entwickelt hat. Die Symptome bei Depression und Lebenskrise können sich durchaus ähneln. Entscheidend für den Unterschied ist bei einer Depression vor allem die Dauer bestimmter Anzeichen.

Umgang mit einer Lebenskrise

Wie gut Sie eine Lebenskrise verarbeiten, hängt von Ihrer Resilienz, Ihrer Widerstandsfähigkeit ab. Manche Menschen werden schon durch kleine Vorkommnisse aus der Bahn geworfen, andere gehen aus Krisen gestärkt hervor.

Und das ist nicht zuletzt eine Willenssache: Entscheidend ist, was Sie daraus machen. Dafür bedarf es eines realistischen Optimismus und des Wunsches, etwas zu ändern und eigenständig Dinge anzupacken.

Wie Sie sich selbst helfen können:

  • Das Gute in jedem Tag sehen.

    Diese Idee hängst stark mit dem Konzept der Achtsamkeit zusammen. Es ist nie alles nur schlecht – es gibt immer etwas, das schön ist und wofür es sich zu leben lohnt. Aber manchmal verlieren wir den Fokus, weil wir uns nur auf das konzentrieren, was gerade nicht funktioniert. Dabei wird schnell vergessen, dass das andere nicht selbstverständlich ist. Achten Sie wieder bewusster auf Ihre Umgebung und registrieren Sie die angenehmen Dinge: Das kann der Scherz mit einer Kollegin sein. Das sonnige Wetter, das zum Eisessen einlädt. Die grüne Wiese hinterm Haus. Ein Waldspaziergang und dergleichen mehr – überhaupt eignet sich die Natur für faszinierende Entdeckungen.

  • Die eigenen Stärken erkennen.

    In einer akuten Lebenskrise entwickeln wir einen Tunnelblick. Das ist völlig normal, aber es ist wichtig, das zu wissen. Denn dieser Tunnelblick stellt lediglich einen Ausschnitt der Realität dar und führt dazu, dass wir diesen Ausschnitt als die ultimative Wahrheit missdeuten. Damit wird alles Momentane viel stärker gewichtet und das Vergangene beiseite geschoben. Wer beispielsweise seine Ausbildung abbricht, weil er merkt, dass die Inhalte in der Praxis so gar nicht sein Fall sind, könnte versucht sein zu denken, dass er so gar nichts kann. Dass dies der größte Fehler in der Menschheitsgeschichte sei und so weiter. Aber dieses Gefühl ist vor allem in der akuten Situation so stark. Es nimmt wieder ab. Nach etwas Zeit kommen wir zur Besinnung und dann sollten die eigenen Stärken bewusst gesehen werden: Dies ist nicht das erste Problem, was Sie in der Vergangenheit gemeistert haben. Danach ging es auch weiter. Erinnern Sie sich, wie Sie damals vorgegangen sind, was Ihnen gut getan hat. Zu wissen, dass man bereits aus eigener Kraft vieles bewältigt hat, verleiht Selbstvertrauen und die Zuversicht, auch künftige Lebenskrisen meistern zu können.

  • Das eigene Wohlbefinden fördern.

    Nehmen Sie sich Zeit, Ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und sich mit Problemen auseinanderzusetzen, etwa durch Meditation. Tun Sie etwas Gutes für sich. Nicht nur an einem Tag, an dem Sie sich (vermeintlich) mit etwas belohnen, das eher eine Sucht befriedigt (Tabak, Alkohol, Essen, Shopping…). Sondern dauerhaft, indem Sie gesunde Gewohnheiten einführen. Dazu kann beispielsweise das Kochen ohne Fertiggerichte gehören, ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln und eine größere Abwechslung. Oder aber sportliche Aktivitäten, indem Sie sich mehr bewegen, anfangen mit Joggen oder Wandern.

  • Die Hilfe anderer annehmen.

    Manche Menschen sind zu stolz oder schämen sich, Hilfe von anderen anzunehmen und erst recht, andere um Hilfe zu bitten. Das Eingeständnis, selbst an seine Grenzen gekommen zu sein, wird als Versagen empfunden. Dabei zeugt es von Selbsterkenntnis, seine eigenen Grenzen zu erkennen. Und wem sollten Sie Ihre vermeintliche Schwäche besser eingestehen können als Freunden? Ist das tatsächlich nicht möglich, müssen Sie sich fragen, ob diese Menschen wirklich Ihre Freunde sind? Tatsächlich ist es so, dass Freundschaften sich in einer Lebenskrise bewähren müssen. Hier trennt sich dann teilweise die Spreu vom Weizen – aber auch das hat etwas Gutes: Freunde, die keine sind, braucht niemand. Und auf der anderen Seite kann es Menschen geben, die einem beistehen, von denen man es vielleicht gar nicht erwartet hätte.

Wenn Sie dennoch merken, dass Sie an die Grenzen Ihrer psychischen Belastbarkeit kommen und nicht weiter wissen, sollten Sie sich therapeutische Hilfe suchen.

[Bildnachweis: frankie’s by Shutterstock.com]
9. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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