Quarterlife-Crisis: Tipps gegen die Krise

Die moderne Kommunikationswelt bringt es mit sich: Jeder kann sich zu allen Themen im Internet informieren. Damit ist das Risiko des ständigen Vergleichs verbunden: Andere haben mehr Erfolg als ich, sehen besser aus, haben mehr Freunde und so weiter. Das kann zu einer Quarterlife-Crisis führen. Die vermeintliche Erkenntnis, von der Norm abzuweichen, verbunden mit dem Druck, alles richtig zu machen und möglichst erfolgreich zu sein, stürzt gerade junge Menschen immer häufiger in die Krise. Wir erklären, wie sich die Quarterlife-Crisis äußert und geben Tipps dagegen…

Quarterlife-Crisis: Tipps gegen die Krise

Quarterlife-Crisis Definition: Was ist das und wie äußert es sich?

Quarterlife-Crisis überwinden was tun Test Depression Trennung MännerGalt vor vielen Jahren die Midlife-Crisis als typisches Merkmal überwiegend von Männern in den Vierzigern, ist mittlerweile bekannt, dass diese Sinnkrise ebenso gut Frauen betrifft. Und die damit verknüpften Fragen machen auch vor jungen Menschen nicht Halt.

Quarterlife-Crisis beschreibt genau dies. Menschen im ersten Quartal ihres Lebens – immer schön positiv von 100 Jahren ausgehend – erwischt teilweise über Nacht die Erkenntnis: Ich bin erwachsen. Der Ernst des Lebens hat angefangen. Typischerweise tritt dies im Alter zwischen 21 und 29 Jahren auf, einer Zeit, in der sich viele am Übergang zwischen Studium und Berufsleben befinden.

Als Begriff bekannt wurde die Quarterlife-Crisis durch das Buch der amerikanischen Autorinnen Abby Wilner und Alexandra Robbins, die ihre eigenen Erfahrungen in dem Lebensalter verarbeiteten.

Typische Merkmale sind Gefühle des Verlusts, Angst, Einsamkeit oder Durcheinanders im Hinblick darauf, welcher Schritt als nächstes ansteht. Nicht selten geht es um den Übergang ins Berufsleben, teilweise auch die Gründung eines eigenen Hausstands – etwa bei Studenten, die während des Studiums noch Zuhause gewohnt haben.

Das erste Mal von Zuhause weg, ohne die Unterstützung der Eltern, oftmals mit nur wenigen finanziellen Mitteln ausgestattet: Das erweckt nicht nur ein Gefühl von Frust, Isolation und Hilflosigkeit, sondern auch Panik, dass es vielleicht nicht klappt wie geplant. Hier ist teilweise der größte Haken, es gibt nur wenig bis gar keine Pläne.

Quarterlife-Crisis ist eine Zeit des Reflektierens

Diese Veränderungen im Status – Erwachsener statt Kind, Studierender statt Schüler, Absolvent statt Ersti – lösen bei vielen jungen Erwachsenen einen Reflexionsprozess aus. Nicht selten führen diese Umbrüche zu einer Trennung: Von den Eltern, von Schulkameraden, vielleicht von der ersten großen Liebe.

Kein Wunder, dass Ängste und Unsicherheiten bestehen, denn selbst bei denen, die während des Studiums noch Zuhause wohnen konnten, stellt sich danach meist die Frage eines Wohnortwechsels.

  • War das Studium die richtige Wahl?
  • Werde ich einen Job finden?
  • Wo werde unterkommen?
  • Werde ich finanziell abgesichert sein?
  • Wie stehe ich im Vergleich mit anderen (Freunde, Kommilitonen, Rivalen) da?
  • Wieso fällt anderen alles mühelos in den Schoß?

Nicht immer fallen die Antworten positiv aus. Und in eingen Fällen kann eine Quarterlife-Crisis zu einer Depression führen. Einer aktuellen Studie (PDF) der Barmer Ersatzkasse zufolge erkrankt jeder sechste Student an einer psychischen Erkrankung.

In dem Report heißt es dazu:

Allein zwischen den Jahren 2005 bis 2016 ist der Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit psychischen Diagnosen um 38 Prozent und darunter bei Depressionen um 76 Prozent gestiegen.

Psychische Erkrankungen bedeuten hier nicht nur Depressionen, sondern auch Angststörungen oder Panikattacken. Und die Studie zeigt, dass die Gefahr daran zu erkranken bei älteren Studierenden deutlich zunimmt.

Erkrankten im 18. Lebensjahr 1,4 Prozent der Studierenden erstmals an einer Depression, waren es bei den Nicht-Studierenden mit 3,2 Prozent mehr als doppelt so viele. Dieses Verhältnis kehrt sich zehn Jahre später um: Da liegt der Anteil der Studierenden bei 3,9 Prozent und bei den Nicht-Studierenden bei 2,7 Prozent.

Selbsttest: Stecken Sie in einer Quarterlife-Crisis?

Biographien von Menschen verlaufen unterschiedlich, weshalb kein exaktes Alter angegeben werden kann. Es gibt dennoch vergleichbare Phasen und Erlebnisse im Leben vieler Menschen, bestimmte Stationen, die die meisten irgendwann durchlaufen. Dazu gehört der Besuch der Schule, daran anschließend eine Form der Ausbildung – entweder in einem Ausbildungsberuf oder einem Studium.

Darauf folgt nach dem Abschluss im Regelfall die Berufstätigkeit und dann häufig eine Familienphase. Diese Vorhersehbarkeit macht einigen Menschen Angst, da sie es für ein unaufhaltsames Schicksal halten und manche Bereiche sogar als Bedrohung empfinden.

Machen Sie den Test und fragen Sie sich, ob Ihnen folgende Gedanken bekannt vorkommen:

  • Die Jugend ist vorbei.

    Zumindest, wenn es darum geht zu akzeptieren, dass der Ernst des Lebens in Form diverser Verpflichtungen angefangen hat – Sie müssen selbst Ihren Alltag organisieren, dafür sorgen, dass die Rechnungen bezahlt werden (und davon flattern mehr ins Haus als einem lieb ist), die Miete überwiesen wird. Ist die Ausbildung oder das Studium beendet, beginnt ein weiterer, neuer Lebensabschnitt. Es gibt keine drei Monate Semesterferien mehr, dafür vielleicht vier Wochen Urlaub. Manche fürchten, plötzlich unentrinnbar in einem Hamsterrad gefangen zu sein.

  • Das kann doch nicht alles sein.

    Es gibt auch die Sorte Absolventen, die ein Bilderbuchstudium hinlegen: Das Einser-Abi, der hervorragende Uni-Abschluss mit den nötigen Praktika und dem Auslandssemester und alles natürlich in Regelstudienzeit. Der Berufseinstieg läuft glatt, im Job werden tausend Prozent gegeben – tagein, tagaus. Bis zur totalen Erschöpfung. Sie folgen einem Ideal der Leistungsgesellschaft und fragen sich eines Tages: Ist das das Leben, das ich führen will? Wo sind meine Ideale hin? Wo die Lebensqualität? Bin ich vielleicht bei meinen Entscheidungen irgendwo falsch abgebogen?

  • Mir rennt die Zeit davon.

    Gerade wenn alte Schulkameraden eine Ausbildung gemacht haben, während man selbst studiert, treten die unterschiedlichen Lebenswege mitunter stark in den Vordergrund: Während Sie selbst vielleicht noch studieren und nicht so genau wissen, wohin die Reise führt, planen andere bereits den Nachwuchs und denken über den Erwerb von Immobilien nach. Nicht jeder fühlt sich in dem Alter reif genug, zusätzlich zum eigenen Leben auch noch Verantwortung für neues Leben in Form einer Familiengründung oder Hauskredite zu übernehmen. Auch Langzeitstudenten packt mitunter die Panik – sie haben wenig Orientierung, wie es weitergehen soll, gleichzeitig sitzen ihnen Familie, Freunde und die Gesellschaft im Nacken.

  • Wie soll ich das alles schaffen?

    Es ist kein Zufall, dass besonders Studierende von Ängsten geplagt werden. Zum einen hat der Leistungsdruck über die Jahre hinweg kontinuierlich zugenommen. Damit einher gehen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste. Häufig sind Arbeitsverhältnisse befristet, Examenskredite müssen bezahlt werden. Zum anderen lädt die freie Zeiteinteilung und die Organisation des Studiums häufiger zum Grübeln ein. Auszubildende stecken meist in einem stark verschulten Tagesablauf und haben wenig Gelegenheit, sich fernab der Ausbildung Gedanken darüber zu machen, wie es anschließend weitergeht, zumal die meisten Ausbildungen ein sehr klares Berufsbild haben, da sie nah an der Praxis orientiert sind.

  • Was will ich vom Leben?

    Gerade mal erwachsen und dann soll schon das restliche Leben feststehen – das ist unmöglich zu leisten. Aber mit einer Festlegung auf ein bestimmtes Studium und einen bestimmten Beruf scheint genau das erforderlich zu sein. Entscheidungen von weitreichender Konsequenz sollten am besten schon gestern getroffen worden sein. Dabei wird heutzutage eine Flexibilität vom Arbeitnehmer verlangt, die genau konträr dazu steht. Statt wie vor 40 Jahren von der Ausbildung bis zur Rente in einem Betrieb zu arbeiten, sind ungerade Berufsbiographien keine Seltenheit mehr. Und die Optionen rund um den Beruf sind vielfältig: Nach dem Abi vielleicht erst einmal Work and Travel? Oder doch eine Ausbildung? Auch Beziehungsmodelle, religiöse Ansichten sind längst nicht mehr so eindeutig wie früher, das ewige anything goes eröffnet zwar viele Möglichkeiten, birgt aber eben auch viele Unsicherheiten und Orientierungslosigkeit.

So überwinden Sie die Krise

Sie beschleicht das ungute Gefühl, dass Sie sich mitten in der Quarterlife-Crisis befinden? Sie fragen sich, was Sie tun können?Vielleicht tröstet es Sie zu wissen, dass viele Menschen diese Phase durchmachen und es für gewöhnlich eben nur das ist: eine Phase. Das heißt, es geht vorüber. Nehmen Sie sich am besten etwas Zeit, um den Prozess aktiv zu beschleunigen:

  • Die Ruhe bewahren.

    Die oberste Regel bei Dingen, die innere Unruhe und Ängste hervorrufen, ist die Ruhe zu bewahren. Das klingt leichter gesagt als getan. Aber es gibt Methoden, die dabei helfen. Atmen Sie tief ein und aus, das aktiviert den Solarplexus. Was sich häufig bewährt: Bewegung. Wenn Sie einen akuten Panikschub merken, bewegen Sie sich. Gehen Sie vor die Tür, treiben Sie Sport, werden Sie das überschüssige Adrenalin los, das den Fluchtreflex aktiviert. Gehen Sie in die Natur. Beobachten Sie das Leben und nehmen Sie Kleinigkeiten wahr; etwa den Wind in den Haaren, die Sonne oder den Regen auf der Haut.

  • Die richtigen Freunde haben.

    Sprechen Sie mit Freunden, tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus. Wie sind andere Menschen mit ähnlichen Problemen umgegangen? Wenn Sie merken, dass Ihre Freunde und Ihre Familie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kann Mentoring eine Möglichkeit sein. Mentoren können Sie außer in Ihrem privaten Umfeld im Job oder in beruflichen Netzwerken finden.

  • Die Situation in Relation stellen.

    Je nach Persönlichkeitstyp und abhängig davon, wie akut Sie gerade in einer Quarterlife-Crisis stecken, wird die gegenwärtige Situation als besonders bedrohlich und schlimm empfunden. Versuchen Sie dennoch, einen realistischen Blick auf die Dinge zu werfen und Ihre Situation im Gesamtkontext zu sehen. Halten Sie sich dafür Ihre Erfolge vor Augen. Nicht wenige neigen dazu, die kleinen Erfolge als zu gering einzuschätzen und sich unnötig selbst herunterzumachen. Selbst wenn Sie noch mitten im Studium stecken und unsicher sind, ob Sie Ihr Studium abbrechen wollen: Das wäre kein Beinbruch. Und es heißt nicht, dass Sie bisher alles falsch gemacht haben.

  • Die eigenen Werte bestimmen.

    Finden Sie für sich heraus, was Ihnen im Leben wichtig ist. Es geht nicht darum, eine Karriere hinzulegen, bei der Sie möglichst viel Geld scheffeln, wenn Sie in dem Job kreuzunglücklich sind. Wenn die Lebensqualität nicht stimmt und Ihnen die Tätigkeit keinen Spaß macht, werden Sie in den seltensten Fällen gut sein in dem, was Sie tun. Erfolg muss nicht Erfolg im Beruf bedeuten. Gerade die Generation Y bewertet die Vereinbarkeit von Freizeit, Familie und Beruf heutzutage deutlich höher als das vorangegangene Generationen tun. Eine Lebenskarriere ist dabei eine Alternative zum klassischen Karriereverständnis.

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]
24. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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