Wendepunkte im Leben: So nutzen Sie diese richtig

Es gibt immer wieder Wendepunkte im Leben, an denen wir vor der Wahl stehen: Weitermachen wie bisher oder eine neue Richtung einschlagen, an die wir vorher vielleicht noch nie gedacht haben? Auf der einen Seite ist damit eine große Chance verbunden. Auf der anderen Seite fallen Veränderungen vielen Menschen schwer. Groß ist die Angst, dass die eingeschlagene Richtung sich als falsch herausstellen könnte. Es erfordert daher einigen Mut, sich selbst und anderen einzugestehen, wenn es Zeit für einen Richtungswechsel ist. Dabei sollte der Blick viel stärker auf die Chancen gerichtet werden. Welche Wendepunkte im Leben es gibt, wie wir sie erkennen und wie wir damit umgehen können…

Wendepunkte im Leben: So nutzen Sie diese richtig

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Was sind Wendepunkte im Leben?

Es ist gar nicht so leicht zu definieren, was Wendepunkte bedeuten. Fragt man einen Mathematiker, was Wendepunkte sind, so erhält man die Antwort, dass ein Wendepunkt der Punkt ist, an dem der Funktionsgraph sein Krümmungsverhalten ändert. Das kann sowohl in von einer Rechts- in eine Linkskurve oder umgekehrt passieren. So ähnlich verhält es sich gefühlt auch im Leben von Menschen: Das nimmt auf einmal eine völlig andere und vor allem entscheidende Wende. Der Eindruck, dass man immer wieder extremen Wendepunkten unterworfen ist, kommt durch verschiedene Fehleinschätzungen zustande:

Das Leben verläuft linear.

In der Vorstellung vieler Menschen haben Brüche oder Unvorhergesehenes keinen Raum. Es gibt ein großes Ziel, auf das hingearbeitet wird, die Stationen auf dem Weg stehen seit längerer Zeit fest und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Teile wie bei einem Puzzle zusammenfügen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Wer so denkt, sitzt dem sogenannten Straight-Line-Instinct auf.

Wendepunkte passieren plötzlich.

Wer einmal Menschen befragt, welche Ereignisse in ihrem Leben einen Wendepunkt darstellten, lässt sich Folgendes beobachten: Erstens handelt es sich oft um Ereignisse, die sich im Leben fast aller Menschen ereignen, es gibt also eine gewisse Wahrscheinlichkeit für ihren Eintritt. Zweitens spielt offenbar die Wahrnehmung eine erhebliche Rolle, denn bestimmte Kausalitäten werden einfach ausgeblendet.

Wendepunkte müssen drastisch sein.

Wenn wir das Bild der Straße an dieser Stelle bemühen, muss eine Links- statt einer Rechtskurve nicht zwangsläufig ein völlig anderes Ergebnis bedeuten. Wir fahren vielleicht immer noch auf einer Straße – nur weil wir links abgebogen sind, muss da nicht plötzlich ein Abgrund folgen und selbst das Ziel kann immer noch erreicht werden – aber nun über einen anderen Weg, der vielleicht sogar kürzer ist.

Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.“ (Leo Tolstoi)

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Krise als Wendepunkt im Leben

Eine Krise als Wendepunkt im Leben ist der Klassiker. Wir verspüren über einen längeren Zeitraum eine innere Unruhe, haben womöglich Stress und können uns die Ursache gar nicht so richtig erklären. Einzig die Tatsache, dass wir es negativ bewerten und womöglich körperliche Symptome haben, lässt uns gewahr werden, dass etwas nicht stimmt. Deshalb sind Krankheiten auch ein typisches Beispiel für einen Wendepunkt. Plötzlich kann es notwendig sein, dass Sie Ihr bisheriges Leben ändern, vielleicht einem anderen Job nachgehen, schlechte Gewohnheiten ablegen oder eine längere gesundheitliche Pause einlegen. Auch Unfälle oder Sinnkrisen fallen in diesen Bereich. Wird der berufliche Frust zu groß oder die eine private Beziehung bereitet Ihnen mehr Sorgen als Freude, kann eine Neuorientierung angebracht sein, um durch die Veränderung wieder zufriedener mit sich und der eigenen Situation zu werden.

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Weitere Beispiele für Wendepunkte im Leben

Was führt dazu, dass wir einen bestimmten Weg einschlagen? Um Wendepunkte im Leben von Menschen verstehen zu können, muss das Leben allgemein betrachtet werden. Verschiedene Umstände wirken sich aus:

Kultur

Westliche Industrienationen zeichnen sich durch ein besonders individuelles, weitestgehend selbstbestimmtes Leben aus. Die Fülle an Möglichkeiten kann manchmal als erdrückend empfunden werden; wer nicht das Maximum aus sich selbst herausholt (Stichwort: Selbstoptimierung), gilt in manchen Kreisen als Versager. In anderen Kulturen gibt es von vornherein deutlich weniger Möglichkeiten, daher womöglich auch weniger Wendepunkte oder andere.

Ereignisse

Viele Menschen benennen typische Lebensereignisse wie die Geburt eines Kindes, den Tod eines geliebten Menschen als Wendepunkt. Auch das Ende der Schulzeit, der Abschluss der Ausbildung oder des Studiums, der Eintritt in die Berufswelt oder ein Jobwechsel sind typische Wendepunkte im Leben jedes Menschen. Das Leben verläuft nun scheinbar anders als zuvor. Dabei wird der Fokus auf einen bestimmten Bereich gerichtet, denn andere Dinge sind unverändert.

Stillstand

Sinnigerweise ist nicht nur das, was passiert relevant, sondern auch das, was nicht passiert: So ist beispielsweise anhaltender Stillstand ein Anzeichen für einen sich anbahnenden Wendepunkt. Wenn Sie das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten und einfach nicht mehr voranzukommen, ist dies ein Indiz dafür, dass Sie die falsche Richtung eingeschlagen und sich festgefahren haben.

Zufälle

Wer eine Fortbildung macht, kann einen anderen Job bekommen und infolgedessen sein Gehalt steigern – hier ist eine klare Einflussnahme erkennbar. Manche Dinge lassen sich nicht beeinflussen. Wenn ein völlig unbekannter Onkel aus Amerika Ihnen plötzlich Haus und Hof vermacht, eröffnen sich natürlich ganz andere Fragestellungen.

Alter

Alle Menschen altern. Und dennoch trifft manche die Erkenntnis wie ein Schlag. Dabei wird niemand über Nacht dreißig oder vierzig. Die Null am Ende ist für einige Menschen Anlass genug, einen Kassensturz zu machen: Was habe ich erreicht, wo will ich hin? Fällt die Antwort negativ aus und gesellt sich dazu die Erkenntnis, dass die Möglichkeiten mit 50 nicht mehr dieselben wie mit 25 sind, kann das ein Schock sein und dazu führen, dass Menschen das Ruder herumreißen. Diese Phasen im Leben eines Menschen sind normal. Jüngere Menschen treffen solche Grübeleien in Form der Quarterlife-Crisis, Menschen mittleren Alters haben die bekannte Midlife-Crisis.

Ein Wendepunkt deines Lebens liegt nicht so sehr in den Ereignissen, als in den nachhaltigen Eindrücken, die deine Empfindungen von ihnen erhalten.“ (Paul Lanzky)

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Eigene Wahrnehmung relevant für Bewertung

Aus psychologischer Sicht ist es interessant zu sehen, dass Wendepunkte von vielen Menschen als überraschend wahrgenommen werden, dass das Leben plötzlich so anders als vorher ist. Häufig geht eine Bewertung in Wendepunkte zum Guten oder zum Schlechten damit einher. Für einige Ereignisse muss man kritisch konstatieren, dass dem eine gewisse Naivität zugrunde liegt. Ist etwas wirklich unvorhergesehen oder blinder Fleck?

Bestimmte Entscheidungen – ob unbewusst oder bewusst getroffen – führen bestimmte Konsequenzen herbei. Ganz banal: Die Geburt eines Kindes sollte nicht überraschend sein, wenn zuvor nicht verhütet wurde. Die Wahrnehmung ist maßgeblich für das Empfinden. Nicht wenige Menschen sind der Meinung, das Leben entscheide, wohin die Reise ginge. Damit wird aber dem Schicksal (was immer das sein soll) eine deutlich größere Rolle zugeschrieben als den eigenen Entscheidungen.

Beziehungsweise das eigene Handeln und die eigene Einflussnahme werden so gering eingeschätzt, dass aufgrund dieser Wahrnehmung eigentlich absehbare Ereignisse als unausweichliche Wendepunkte wahrgenommen werden. Unbewusste Mikroentscheidungen spielen hier mit hinein. Das kann leicht zu selbsterfüllenden Prophezeiungen führen oder dazu, dass jemand sich in die Opferrolle begibt – frei nach dem Motto: Das konnte ja nur so kommen.

Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“ (Konfuzius)

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Wendepunkte können einen Wechsel markieren

Wendepunkte können Momente in Ihrem Leben sein, an denen Sie vor einer Wahl stehen und einen Richtungswechsel überdenken. Auf solche Kreuzungen werden Sie auf Ihrem Lebensweg immer wieder treffen, diese können sich in ihrer Form aber durchaus von einander unterscheiden. Es sind Momente, die vor allem von drei Faktoren geprägt sind:

Reflexion

An einem Wendepunkt hinterfragen Sie Ihren bisherigen Weg, machen sich Gedanken über die Entscheidungen, die Sie bisher getroffen haben. Sie reflektieren, ob Sie wirklich in der Richtung unterwegs sind, die Sie sich persönlich wünschen und die Sie zu Ihren Zielen bringt.

Planung

Jeder Wendepunkt beinhaltet immer auch die Frage nach der eigenen Lebensgestaltung. Sie müssen sich Ihre Prioritäten bewusst machen, Ihre Ziele kennen oder diese möglicherweise neu definieren und einen Plan erarbeiten, wie Sie diese vom aktuellen Ist-Zustand aus erreichen können.

Entscheidung

Egal, an welchem Wendepunkt in Ihrem Leben Sie sich gerade befinden, sie stehen immer vor einer Entscheidung: Wollen Sie so weiter machen wie bisher oder wollen Sie etwas verändern? Wofür Sie sich entscheiden hängt dabei von der vorangegangenen Reflexion und Planung ab. Allerdings ist alles beim Alten belassen in einigen Situationen keine Alternative, schließlich war es genau das, was Sie erst an den Wendepunkt gebracht hat.

Es ist Ihre Aufgabe, einen Wendepunkt im Leben als solchen zu erkennen. Einige sind offensichtlich und lassen sich nicht übersehen. Vor anderen verschließen wir gerne die Augen und machen es uns stattdessen weiterhin in unserer Komfortzone gemütlich.

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Veränderungen sind unbeliebt

Veränderung ist unbeliebt und so werden Wendepunkte mit großer Skepsis oder direkt offener Ablehnung betrachtet. Viele Menschen möchten ihr Leben gerne genauso wie es im Moment ist – keine Neuerungen, kein Richtungswechsel. Dafür wird gerne auf mögliche Verbesserungen verzichtet. Ein großer Fehler, denn Wendepunkte müssen nicht negativ sein. Vielmehr bietet sich Ihnen die Chance, selbst die Verantwortung für Ihr Leben zu übernehmen und mit diesem Einfluss die aktuelle Situation zum Besseren zu ändern.

Das kann ein Jobwechsel sein, der nötig ist, weil Sie an jetziger Wirkungsstätte unglücklich oder gar krank geworden sind. Es kann auch einfach eine Korrektur in den Dingen bedeuten, für die Sie täglich Ihre Zeit opfern, obwohl Sie eigentlich eine ganz andere Vorstellung von Ihrem Leben hatten. Manchmal führen die Umstände Sie vielleicht an einen Wendepunkt. Und manchmal – mit der richtigen Einstellung – sollten Sie selbst in regelmäßigen Abständen eine ganz bewusste Wende auf Ihrem persönlichen Weg einfügen.

Nicht die stärksten Spezies werden überleben, sondern jene, die sich Veränderungen am besten anpassen können.“ (Charles Darwin)

Entscheidende Wendepunkte richtig nutzen

Wendepunkte gehören zum Leben, Sie können ihnen nicht aus dem Weg gehen, denn in diesem Moment treffen Sie auch bereits eine Entscheidung. Wichtig ist deshalb, wie Sie das Beste aus den Wendepunkten in Ihrem Leben machen. Aber wie funktioniert das? Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, Wendepunkte zu nutzen und gestärkt daraus hervorzugehen:

Bleiben Sie ehrlich zu sich selbst

Manche, die an einem Wendepunkt stehen, haben Angst und neigen dazu, sich selbst zu belügen. Widerstehen Sie dem Drang, sich die eigene Situation schönzureden. Nutzen Sie die Chance, ein ehrliches Fazit zu ziehen und bringen Sie die nötige Selbstkritik auf, die eine Reflexion benötigt. Ehrlichkeit am Wendepunkt ist wichtig und genauso schwierig. Es bedeutet, dass Sie sich möglicherweise Fehler eingestehen müssen. Das fällt nicht jeden leicht, aber so können Sie einsehen, dass es wirklich notwendig ist, etwas anders als bisher zu machen.

Überwinden Sie Hindernisse

Die Veränderungen, die an einem Wendepunkt notwendig werden, können schwierig in der Umsetzung sein und einige Hindernisse mitbringen, die Sie überwinden müssen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Es lohnt sich, die nötige Energie zu investieren und den Mut aufzubringen, den es braucht. Häufige Hindernisse an Wendepunkten sind die Erwartungen und Meinungen anderer. Nicht jeder kann es beispielsweise nachvollziehen, dass Sie einen sicheren Job aufgeben wollen, um Ihrer Leidenschaft zu folgen. Lernen Sie, die Meinung anderer nicht über Ihre eigene zu stellen und entschlossen für Ihre Bedürfnisse und Wünsche einzustehen.

Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung

Haben Sie sich zu einer Veränderung entschieden, sollten Sie diese langfristig verfolgen und den Neuerungen eine faire Chance geben. Es wird sich nicht innerhalb von einigen Tagen alles zum Positiven wandeln. Doch bringt es nichts, frühzeitig einzuknicken und wieder in alte Muster zu verfallen. Im Volksmund heißt es „Gut Ding will Weile haben“. Geben Sie sich selbst genügend Zeit, um wirklich zu sehen, ob die neue Richtung das hält, was Sie sich versprochen haben. Sollte sich herausstellen, dass Sie falsch lagen, kommen Sie gleich an den nächsten Wendepunkt in Ihrem Leben.

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[Bildnachweis: Creativika Graphics by Shutterstock.com]
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28. Oktober 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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