Bullshit Rules: Brechen Sie diese dummen Regeln!

Ein Gastbeitrag + Buchauszug von Julien Backhaus

„Vermeide Fehler“, „Denke langfristig“, „Kenne deinen Preis“ – willkommen in der Welt der schwachsinnigen Regeln, den „Bullshit Rules“! Bei diesen allein bleibt es nicht. Tatsächlich werden wir im Laufe unseres Lebens mit vielen dummen Regeln konfrontiert, die uns limitieren, ohne, dass wir es bemerken. Ich möchte Sie ermutigen, diese Bullshit Rules zu erkennen und zu brechen. Zumindest sollten Sie beginnen, sie zu hinterfragen…

Bullshit Rules: Brechen Sie diese dummen Regeln!

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Erfolg kennt keine Regeln

Vielleicht haben Sie sich schon mal gefragt, warum es Menschen gibt, denen scheinbar alles gelingt. Sie sind erfolgreich, glücklich und verdienen einen Haufen Geld. Was machen diese Leute anders? Die Antwort lautet: Sie halten sich nicht an Regeln.

Die größten Fortschritte hat die Welt gesehen, wenn jemand Regeln oder sogar Gesetze brach. Als einige Mutige wie Nelson Mandela die Apartheidsgesetze brachen, wurde ein Wandel eingeleitet, der die ganze Welt infizierte. Erst als Elon Musk unbeirrt seine revolutionären elektrischen Autos baute, begann eine ganze Industrie sich zu wandeln. Was jahrzehntelang als „nicht umsetzbar“ galt, war plötzlich salonfähig.

Hinterfragen Sie angebliche Regeln!

Es gibt zwei Typen von Menschen: Auf der einen Seite gibt es die rebellischen Typen, die sich von Natur aus nicht an Regeln halten oder sie zumindest so lange hinterfragen, bis sie keinen Sinn mehr ergeben. Und ja, diesen Menschen gelingt der Erfolg immer etwas leichter.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die an Ordnung und Regeln glauben und denen es besonders schwer fällt, sie infrage zu stellen geschweige denn zu brechen. Sie sollten die Regeln dennoch aus mehreren Blickwinkeln betrachten und die Logik hinterfragen, die ihnen zu Grunde liegt. Dabei wird schnell klar, wie unsinnig viele Regeln sind und dass sie eine schädliche Wirkung auf unsere Entwicklung haben.

Hier gebe ich Ihnen eine sinnvolle Regel: Wenn Sie merken, dass Ihr Pferd tot ist, steigen Sie ab. Was so viel bedeutet, wie: Wenn etwas keinen Sinn ergibt, hören Sie auf damit.

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Sie sind der Boss

Der Einzige, der Macht über Ihr Leben ausüben darf, sind Sie selbst. Machen Sie, was Sie wollen! Wenn Sie an schwachsinnige Regeln glauben wollen, ist das Ihr Problem.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Hey, zügle deine Zunge!“ Nein, werde ich nicht. Denn das ist wieder so eine Regel, die ich zerlegen möchte. Ich habe hierfür meine eigene Erfolgsregel: Ich vertrete meinen Standpunkt und entschuldige mich nicht dafür. So tun es viele erfolgreiche Menschen dieser Welt, die teilweise außergewöhnliches erreicht haben. Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Politik, in der Gesellschaft oder im Showgeschäft.

Super-Erfolgreiche halten sich nicht an Regeln

Ist das alles nur Hypothese, oder lässt sich das auch beweisen? Sind wir wirklich erfolgreicher, wenn wir Regeln und Bullshit Rules brechen? Vor über 15 Jahren habe ich begonnen, dieser Frage auf den Grund zu gehen und seit über zehn Jahren beschäftige ich mich beruflich mit den Erfolgsprinzipien der Super-Erfolgreichen.

Als Medienmacher treffe ich viele Ausnahmepersönlichkeiten: Die berühmtesten Hollywood-Schauspieler, Megastars im Musikgeschäft, Sportlegenden, Staatschefs, Milliardäre und Entertainer. Und immer wieder, wenn ich mich mit ihnen unterhalte und sie besser kennenlerne, muss ich feststellen, dass sie vor allem deshalb so erfolgreich geworden sind, weil sie sich kaum an Regeln halten. Zumindest nicht an die, die der Gesellschaft eingebläut werden.

Man soll nicht überheblich sein, auf seine Sprache achten, Fehler vermeiden und realistische Ziele setzen. An all diese Bullshit Regeln glauben Super-Erfolgreiche nicht. Arnold Schwarzenegger, den ich 2018 in München traf, hat mich motiviert, ein Buch darüber zu schreiben. Denn eine seiner sechs Erfolgsregeln lautet: „Break the rules.“ Ich kann nur hoffen, dass Sie ernsthaft mit diesen Regeln ins Gericht gehen, die bisher einen so großen Teil Ihres Lebens bestimmt haben.

Hier ein paar diese Bullshit Rules und Karrieremythen, die Sie hinterfragen sollten:

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1. Bullshit Rule: Tu, was dein Job von dir verlangt

Es gibt viele Gründe, warum dies ein besonders irreführender Ratschlag ist und zu den Bullshit Rules zählt. Zum einen klingt es nach einer Aufforderung zu blinde Loyalität gegenüber Arbeitgeber oder Auftraggeber. In diese Falle sind schon viele Untergebene getappt – ob an der Wall Street oder bei Volkswagen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Softwareentwickler in Wolfsburg und entdecken, dass die Abgassoftware falsche Zahlen ausspuckt. Nachdem Sie dies Ihrem Abteilungsleiter mitgeteilt haben und er mit seinem Chef gesprochen hat, werden Sie aufgefordert, den Vorfall zu vergessen. Solche Geschichten werden in vielen Gerichten auf der Welt aus unterschiedlichen Branchen erzählt. Auch in der Politik sind solche Vorkommnisse nicht selten. Ist es also eine gute Idee, sich mitschuldig zu machen, nur weil es der Job verlangt? Natürlich nicht. Wenn es hart auf hart kommt, ist es mit der Loyalität Ihres Arbeitgebers Ihnen gegenüber auch nicht mehr weither.

Arbeiten Sie überhaupt in Ihrem Traumjob?

Zum anderen sollte Ihr Job jederzeit der Probe standhalten, ob es nach wie vor der richtige für Sie ist. Viele Menschen haben nach der schulischen Ausbildung einen Job angenommen, einfach, um damit Geld zu verdienen. Da wir Menschen uns schnell an Dinge gewöhnen, hinterfragen wir bald nicht mehr, ob es eigentlich unser Traumjob ist. Diese Frage sollten Sie aber jeden Morgen, wenn der Wecker klingelt, begeistert mit „Ja“ beantworten können. Ansonsten ist es Zeit, sich umzusehen.

Wer an seiner Karriere arbeiten will, muss nicht das tun, was sein Job von ihm verlangt. Sondern man muss tun, was der nächst höhere Job von einem verlangt. Eine eiserne Karriereregel besagt: Wer weiterkommen will, muss mehr tun, als verlangt wird. Darum schauen Sie lieber, was Ihr Vorgesetzter oder Ihr erfolgreicherer Mitbewerber tut. Wer durch überdurchschnittliche Leistung auffällt, wird vorgeschickt und befördert. Kein Chef belohnt Mittelmaß.

Sie müssen auch erkennen, dass sich manche Jobs dramatisch verändern. Sie müssen proaktiv an der Zukunftsfähigkeit Ihres Jobs arbeiten – ob Sie nun angestellt oder selbstständig sind. Wenn sich die Rahmenbedingungen auf der Welt ändern, muss sich auch Ihre Arbeit dem anpassen. Hier müssen Sie auch den Mut entwickeln, sich gegen Traditionen zu stellen. Letztlich steht Ihr eigenes Überleben auf dem Spiel. Das sollten Sie auch durch falsche Loyalität nicht riskieren.

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2. Bullshit Rule: Vermeide Fehler

Der dümmste Ratschlag, den Sie überhaupt bekomme können, ist, Fehler zu vermeiden. Er beeinflusst Ihr Denken und damit Ihre Handlungen auf fatale Weise. Noch dazu von Anfang an: Niemand macht gerne Fehler. Wir kommen uns dabei dumm vor. Wir sehen all die anderen Menschen, die scheinbar fehlerfrei durchs Leben gehen und fragen uns, warum das immer nur uns passiert. Die Wahrheit ist natürlich, dass alle anderen ebenfalls Fehler machen, wir aber zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind, um sie bei anderen wahrzunehmen. Übrigens: Die anderen nehmen Ihre Fehler umgekehrt auch nicht wahr, denn sie sind ebenfalls mit sich selbst beschäftigt.

Zu denken, wir sollten Fehler vermeiden, macht uns – unbewusst – inaktiv. Um Fehler zu vermeiden, beginnen wir Dinge gar nicht erst. Um im Leben Erfolg zu haben, müssen wir uns aber zwingend fortbewegen – und dabei auch Fehler zulassen. Insbesondere dann, wenn wir neue Dinge tun, müssen wir durch Fehler lernen.

Glauben Sie ernsthaft, ein Kunstradfahrer ist zu Beginn seiner Karriere nie vom Rad gefallen? Jeder ist sich bewusst, dass die meisten blauen Flecken zu Beginn einer Tätigkeit entstehen. Durch Wiederholung werden wir immer besser. Natürlich wird ein Kunstradfahrer auf Olympianiveau kaum noch Fehler machen – aber nur, weil er sich zu Beginn erlaubt hat, viele davon zu machen. Selbst Profisportler müssen sich vor Wettkämpfen zwingen, sich nicht auf die Fehlervermeidung zu fokussieren, sondern auf die eingeübte Performance.

Wir können keine Nicht-Ziele setzen

Auch Sie haben das sicher schon erlebt: Sie haben sich eingeredet „Das darf jetzt nicht passieren. Das darf ich nicht vergessen.“ Und dann ist genau das eingetreten. Unser Gehirn kann verneinende Botschaften nur schwer verarbeiten. Daher fällt es auch so vielen Süchtigen schwer, „nicht mehr zu rauchen oder zu trinken“. Wir können immer nur ein Ziel setzen, aber kein „Nicht-Ziel“.

Besonders im deutschsprachigen Raum werden Sie Ihre Mühe haben, Fehler als etwas Wertvolles anzunehmen. In unseren Breitengraden achten wir mehr auf Fehler und prangern diese auch öffentlichkeitswirksam an. Ihre Aufgabe besteht darin, diesen Rufen keinen hohen Stellenwert mehr einzuräumen und sich mehr auf sich und Ihr Fortkommen zu konzentrieren. Nicht auf derlei Bullshit Rules.

3. Bullshit Rule: Denke langfristig

Die Welt dreht sich in einem wahnwitzigen Tempo. Noch nie schien sie einem so großen Wandel zu unterliegen, wie heute. Historiker gehen davon aus, dass es bis 1900 immer rund 100 Jahre gedauert hat, bis sich das Wissen der Menschen verdoppelte. Je nach Lesart soll es heute nur noch ein Jahr dauern, bis sich der Wissensstand verdoppelt. IBM-Forscher wollen sogar rausgefunden haben, dass die Künstliche Intelligenz diese Verdopplung künftig in elf bis zwölf Stunden schafft.

Selbst wenn es nicht so extrem werden wird, können wir noch immer darin übereinstimmen, dass sich unser aller Leben ungeahnt verändern wird. Die Zukunft, in der wir nächstes oder übernächstes Jahr leben, könnte eine vollkommen andere sein, als die, von der wir bisher ausgehen. Auch die COVID-19 Pandemie hat uns gelehrt, dass globale Ereignisse unser aller Leben womöglich für immer verändern können.

Lebensziele in Stein meißeln – Wege in Sand zeichnen

Kleine, unberechenbare Ereignisse setzen Kettenreaktionen in Gang. Sie hatten vielleicht das Karriereziel, bei Ihrem Arbeitgeber – einem Einzelhändler – Geschäftsführer zu werden. Sie haben Ihr Haus in der Nähe gebaut, Ihre Kinder in der örtlichen Schule angemeldet, am Sonntag die Besprechungen der Woche organisiert und haben Ihrem Arbeitgeber die volle Konzentration gewidmet. Dann machte er Pleite. Nicht nur, dass Ihr Plan nicht mehr aufgehen wird, Sie haben auch Ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet.

Bei Ihren Zukunftsplänen müssen Sie eine Regel beachten: Ihre Lebensziele meißeln Sie in Stein, den Weg dort hin zeichnen Sie in den Sand.

Natürlich benötigen Sie langfristige Ziele, die sich auf Ihre Familie, Karriere und Finanzen beziehen. Nur wird es fast unmöglich sein, die Details zu planen. Dass Sie heiraten wollen, können Sie als langfristiges Ziel setzen. Aber wen Sie heiraten, können Sie nicht planen. Ihr Lebensglück sollten Sie konsequent verfolgen. Aber lassen Sie sich nicht von den Stolpersteinen aufhalten, denen Sie auf dem Weg begegnen.

Was Sie auf jeden Fall in der Hand haben, ist der heutige Tag. Was Sie heute tun oder nicht tun, hat großen Einfluss auf Ihre Zukunft. Wen Sie heute kennenlernen, kann ihr ganzes Leben verändern.

4. Bullshit Rule: Kenne deinen Preis

Wir alle wollen Geld verdienen. In der Regel möglichst viel davon. Die Schule will uns weismachen, unsere Noten und unser späteres Einkommen würden unmittelbar zusammenhängen. Je höher und besser der Schulabschluss, desto mehr Geld könnten wir verdienen. Diese Feststellung könnte kaum falscher sein. Zwar gibt es Indizien, dass der Durchschnitt der guten Schüler mehr Gehalt erzielt. Aber das gilt eben nur im Durchschnitt.

Je höher das zugrunde gelegte Einkommen, desto geringer ist der Zusammenhang zu Schulnoten oder Abschlüssen. Reiche Unternehmer sind oft nur mittelmäßig in der Schule gewesen. Schaut man sich die reichsten Menschen der Welt an, wird es sogar noch krasser: Einige dieser UHNWI (Ultra High Net Worth Individuals – so werden die Ultrareichen in der Forschung genannt) haben nicht einmal einen Schulabschluss.

Statt Bullshit Rules: Kenne deinen Wert!

Was ist also mit dem Rat „Kenne deinen Preis“ gemeint? Studenten verstehen ihn so, dass man mit einem hohen Studienabschluss in eine gewisse Gehaltsklasse rutscht (siehe: Mincer Koeffizient). Man zählt sich selbst einkommenstechnisch zu einer Art Güteklasse und nimmt an: Ein Bachelor-Absolvent wird einmal ein bestimmtes Gehalt verdienen.

Dieser Ratschlag ist deshalb dumm und zählt zu den Bullshit Rules, weil man sich damit selbst limitiert. Für ein Unternehmen zählt nur eine Kennzahl: Die Wertschöpfung. Wie viel Geld verdient ein Mitarbeiter umgerechnet für das Unternehmen? Entspricht es dem Durchschnitt, wird tatsächlich nur ein Durchschnittslohn gezahlt. Spielt er oder sie dem Unternehmen überdurchschnittlich viel ein, muss er oder sie auch entsprechend bezahlt werden. Die Konkurrenz um wertvolle Arbeitskräfte ist enorm.

Übrigens wird auch der Unternehmer ausschließlich nach diesem Prinzip entlohnt: Er ist an dem Wert beteiligt, den sein Unternehmen erwirtschaftet. Daher ist der bessere Rat: Kenne deinen Wert!

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[Bildnachweis: Julien Backhaus]

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