Proaktiv: So handeln Sie selbstbestimmt

Gesucht: Marketingspezialist, proaktiv und lösungsorientiert… solche Stellenanzeigen und ähnliche lesen Bewerber immer häufiger. Aber was verbirgt sich hinter dem Adjektiv proaktiv eigentlich? Die meisten kennen aktiv und das Gegenteil passiv. Es scheint schon einmal etwas Positives zu sein, wenn diese Eigenschaft ausdrücklich erwünscht ist. Was es mit dem Modewort proaktiv auf sich hat und wie Sie proaktiv werden können…

Proaktiv: So handeln Sie selbstbestimmt

Proaktiv Definition: Kleines Wort mit großer Bedeutung

Proaktiv synonym reaktiv Duden anderes Wort Gegenteil konnotiertes AntonymZerlegt man das Wörtchen proaktiv in seine Bestandteile, erhält man pro = für und aktiv von Lateinisch activus = tätig. Es handelt sich hier um eine Wortneuschöpfung, die an das englische proactivity, also „Proaktivität“, angelehnt ist.

Der Duden beschreibt proaktiv als…

durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend.

Das Gegenteil von proaktiv ist reaktiv; reaktive Menschen stellen wir uns als eher träge, behäbige Personen vor, die nicht von sich aus aktiv werden, sondern erst reagieren, wenn äußere Umstände oder andere Personen eine Handlung hervorrufen.

Somit ist proaktiv ein positiv konnotiertes Antonym zu reaktiv: Wir stellen uns eine dynamische Person vor, die Dinge anpackt. Synonym zu proaktiv könnte man daher von vorausschauend sprechen. Je nach Kontext bekommt der Begriff eine völlig andere Bedeutung, dann ist proaktiv ein anderes Wort für präventiv oder perspektivisch.

Sprachkritiker bemängeln, dass mit proaktiv selbst Gegenständen Eigenschaften zugeschrieben werden, die bei genauerer Betrachtung absurd seien – etwa proaktive Nahrungsmittel. Ganz zu schweigen davon, dass kein Unterschied zwischen sehr aktiv und sehr proaktiv zu erkennen sei.

Proaktiv: Vorausschauend planen

Durch den österreichischen Neurologen und Psychiater Viktor Frankl fand der Begriff proaktiv Eingang in die psychologische Fachliteratur und damit in den deutschen Sprachraum.

Einem größeren Publikum ist er allerdings erst durch das 1989 erschienene Buch „7 Wege zur Effektivität“ (The Seven Habits of Highly Effective People, 1989) des amerikanischen Schriftstellers Stephen R. Covey bekannt.

Mittlerweile wird gerne im Change Management und überall dort von proaktiv gesprochen, wo es darum geht, eine Änderung einzuleiten. Natürlich ist die Sprachkritik völlig berechtigt; es gibt nichts, was sprachlich nicht bereits ausgedrückt werden könnte oder auch wird, wenn jemand etwas mit proaktiv benennt.

Andererseits muss man klar sagen: Mit einer Formulierung wie „werden Sie aktiver“ ist kein Blumentopf zu gewinnen. Proaktiv meint eher eine Geisteshaltung, die sich sowohl im Handeln als auch in der Kommunikation widerspiegelt. Proaktiv stellt keinen Widerspruch zu aktiv dar, sondern ist gemäß einer Definition von Christian Scholz die Weiterentwicklung.

Aktives Handeln erfordert zwar ebenfalls, dass jemand vorausdenkt und plant. Proaktives Handeln setzt jedoch noch früher an und ist differenzierter. Das heißt, es werden mehrere Szenarien einkalkuliert und bei der Planung bedacht.

Proaktiv handeln: Eine Frage der Geisteshaltung und Sprache

Proaktiv zu handeln bedeutet, die Initiative zu ergreifen. Nicht jeder Mensch ist ein Hans Dampf in allen Gassen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das eigene Handeln zu beschleunigen und gewisse phlegmatische oder sogar ausbremsende Verhaltensweisen abzulegen.

Ein erster Schritt dazu ist, sich das eigene Kommunikationsverhalten zu verdeutlichen. Es gibt Wörter, die Sie im Job behindern.

Dazu gehören negativ besetzte Wörter:

  • falsch
  • Fehler
  • kein
  • nicht
  • niemals
  • Problem

Wenn diese Wörter ausgesprochen werden, tragen Sie die Barriere im Kopf direkt mit sich herum: Welche Herausforderung auch immer es zu meistern gilt – so erscheint sie eher als ein Ding der Unmöglichkeit. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass das Gehirn das Wort nicht nicht verarbeiten kann.

Infolgedessen stellen wir uns beim Aussprechen also genau das vor, was geändert werden soll – aber eben nichts anderes. Um die Gedanken frei fließen zu lassen und kreatives Denken zu ermöglichen, ist es besser, positiv zu formulieren. Denn proaktives Denken ist vorwärtsgewandt statt an einem Punkt zu verharren.

Proaktivität vermehrt Ihre Möglichkeiten

Ebenso einschränkend sind Formulierungen wie ich muss, ich darf nicht, ich kann nicht: Sie bergen äußere Zwänge und behindern ebenfalls in der eigenverantwortlichen Handlungsweise. Überlegen Sie gut, welche Formulierung ehrlicherweise eher durch ich ziehe vor, ich will, ich möchte ersetzt werden sollten.

Eine Formulierung wie ich muss noch schnell diese Aufgabe erledigen lässt Sie eher wie einen Getriebenen wirken, während womöglich etwas ganz anderes dahinter steckt: Ich will diese Aufgabe noch vor dem Feierabend erledigt wissen, damit ich entspannt ins Wochenende gehen kann.

Dies wäre die proaktive Betrachtung, denn Sie haben bereits im Vorfeld diverse Möglichkeiten erwogen und genau entschieden, warum Sie nun so handeln. Sie haben durch diesen Denkansatz eine viel größere Auswahl an Möglichkeiten, während eine überwiegend negative Betrachtungsweise Sie behindert.

Die führt eher dazu, eine Opferhaltung einzunehmen und die Bereiche zu ignorieren, in denen etwas geändert werden könnte. Proaktiv zu sein hat daher auch mit einer positiven Grundhaltung, einer Zuversicht zu tun.

Tipps für mehr Proaktivität

Proaktiv werden ProaktivitätBis zu einem gewissen Grad ist proaktives Verhalten an die Persönlichkeit geknüpft: Wer eher zu den introvertierten Menschen gehört, wird sich schwer damit tun, plötzlich eine 180-Grad-Wende hinzulegen und proaktiv auf andere zuzugehen.

Aber vielleicht muss das gar nicht sein. Für solche Menschen können die folgenden Tipps eine Inspiration für mehr Proaktivität sein. In den meisten Fällen sind Arbeitnehmer eine Mischung aus mehreren Anteilen.

In manchen Situationen passiv, dann reaktiv und in anderen Bereichen, in denen die Kernkompetenzen liegen, plötzlich aktiv und proaktiv.

  • Konfliktmanagement betreiben

    Wichtig für die Arbeitsatmosphäre sowie die Unternehmenskultur insgesamt ist ein konstruktiver Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Idealerweise beugt man diese vor, bevor daraus veritable Teamkonflikte entstehen. Haben Sie ein Gespür für eine angespannte Stimmung? Greifen Sie am besten frühzeitig ein und nicht erst, wenn das Problem offensichtlich wird.

  • Ideen äußern

    Proaktive Menschen wissen um ihre Stärken – warum nicht andere auch daran teilhaben lassen? Wenn Sie sehen, wo Arbeitsabläufe optimiert, Verbesserungen vorgenommen werden können, dann gehen Sie auf Ihren Chef zu. Warten Sie nicht erst, bis Sie um Ihre Meinung gefragt werden.

  • Verantwortung übernehmen

    Eine Stufe weiter geht dieser Punkt. Beispiel: Sie wurden gebeten, ein Konzept auszuarbeiten. Halten Sie sich nicht damit auf, lediglich mögliche Wege aufzuzeigen. Sprechen Sie klare Empfehlungen aus und demonstrieren Sie so proaktives Handeln.

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21. Dezember 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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