Diese Wörter behindern Sie im Job

Hat Sie schon einmal jemand überrascht angeguckt, weil Sie etwas gesagt haben, das Ihr Gegenüber nicht kannte? Das passiert Menschen häufig, wenn Sie neues Wissen erwerben und mit Fachbegriffen um sich werfen. Aber wussten Sie auch, dass bestimmte Wörter sich eher negativ auf Ihre Karriere auswirken? Dazu zählen beispielsweise typische Worthülsen, die Zweifel an der eigenen Substanz nähren. Andere Begriffe lassen auf ein geringes Selbstwertgefühl schließen. Je nach Situation und Umfeld können solche Wörter negative Auswirkungen haben: Wer möchte schon als Phrasendrescher oder Angsthase wahrgenommen werden? Welche Worte das sind und wie Sie diese meiden…

Diese Wörter behindern Sie im Job

Wir sind, was wir sprechen

Wie wir uns ausdrücken, welche Sprache wir benutzen, welche Wörter wir wählen – alles das sagt etwas über uns aus. Und tatsächlich ist mit Sprache hier keine Landessprache gemeint, sondern etwas anderes. Abhängig von Alter, Beruf, Situation, aber auch Bildung und Herkunft verwenden wir bestimmte Wörter. Das ist völlig normal und fällt erst dann auf, wenn wir uns in einem neuen Lebensumfeld bewegen.

Oder aber wir übertragen einen Begriff aus dem einen Bereich in einen anderen – das kann dann schon mal komisch wirken. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Lehrer Wörter von Jugendlichen übernehmen. Jugendliche sprechen anders als Erwachsene. Das hängt zum einen mit dem Alter und dem Erfahrungsschatz zusammen, dient seitens der Jugendlichen aber vor allem der Abgrenzung.

Eine Kategorie von weitestgehend überflüssigen Wörtern sind die Füllwörter:

  • Füllwörter Variante 1: Wenn der Sprecher kein Ende findet

    Es gibt Wörter, die für sich genommen gar keinen richtigen Sinn haben. Sie werden dennoch – mehr oder weniger bewusst – eingesetzt. Diese Wörter werden gerne in Vorträge eingebaut.

    Legendär ist wohl die Rede des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zum Transrapidprojekt zwischen Münchener Hauptbahnhof und Flughafen.

    Aber auch andere Reden machen es den Zuhörern nicht leicht, gedanklich beim Thema zu bleiben, weil der Redner ein ständiges äh einwirft. Zu diesen Wörtern gehören…

    • Partikel wie „halt“, „auch“, „eben“
    • Ausrufe wie „äh“, „tja“
    • Adverbien wie „eigentlich“, „vielleicht“, „irgendwie“

    Genau das ist das Bedauerliche an solchen Reden: Durch die Verwendung von äh und tja werden ellenlange Schachtelsätze formuliert. Der Redner signalisiert, dass er noch nicht fertig ist. Er möchte vermeiden, dass er unterbrochen wird, weil noch etwas ganz Wichtiges folgt.

    Dem Zuhörer jedoch geht gerade bei solchen Endlos-Monologen die Konzentration flöten.

    Das passiert zusätzlich dadurch, dass die Stimmlage weiterhin oben bleibt, während ein Satz an den nächsten aneinander gereiht wird. Üblicherweise geht unsere Stimme am Ende eines Satzes nach unten. Das künstliche „Oben halten“ steigert anfangs die Aufmerksamkeit, weil der Zuhörer in eine Erwartungshaltung geht. Nur leider wird diese Erwartung nicht erfüllt und auf Dauer wirkt es ermüdend.

    Wörter wie auch, halt, eben ziehen die Sätze in die Länge, bieten ebenfalls wenig Informationsgehalt. Natürlich kann es Situationen oder Vorträge geben, in denen diese Wörter absolut angemessen sind – etwa wenn Ihre Kollegin Sie fragt, ob Sie auch zum Mittagessen mitgehen wollen.

    Tipp

    Häufig greifen wir aus Gewohnheit zu bestimmten Wörtern. Versuchen Sie Füllwörter wie äh, tja, halt, eben, auch, vielleicht, eigentlich zu vermeiden. Besser wäre es, kurze Sätze zu formulieren und am Ende mit der Stimme nach unten zu gehen. Das entspricht der üblichen Sprachmelodie im Deutschen: Nach oben geht die Stimme für gewöhnlich nur bei Fragen.

  • Füllwörter Variante 2: Wenn der Sprecher unsicher ist

    Aber die letztgenannten Adverbien haben noch einen anderen Nachteil, als einfach nur Sätze unnötig in die Länge zu ziehen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie ein Wort wie vielleicht hören? Klingt ganz schön vage, oder? Das gleiche gilt für:

    • eigentlich
    • irgendwie
    • sozusagen

    Klingt nach einer Einschränkung. Denn genau das ist es – gerade Frauen neigen dazu, sich fast schon entschuldigend auszudrücken.

    Dahinter steht die Befürchtung, dass das Gegenüber meine Wünsche als dreist oder vermessen wahrnehmen könnte. In Kombination mit hätte, würde, könnte wird dieser Eindruck erst recht zementiert. Sie schwächen Ihre Aussagekraft somit ab und machen sich selbst nur unnötig klein damit.

    Tipp

    Trauen Sie sich etwas. Verzichten Sie auf diese Abschwächungen und drücken sich klar aus. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass Sie Ihren Kollegen unhöflich gegenüber treten sollen. Das lässt sich umgehen, indem Sie Sätze beispielsweise aus der Ich-Perspektive formulieren:

    Nein, für mich bedeutet dies und das, dass ich…

    oder auch

    Mir ist wichtig, dass…

    Wie bei so vielem: Die Dosis macht das Gift. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie sich mit anderen unterhalten, wie häufig Sie oder die andere Person solche Füllwörter benutzt. Oder Ihnen fällt im Rückblick auf, dass Sie besonders die Vorträge langweilig finden, in denen Leute mit Bandwurmsätzen arbeiten.

  • Negativ besetzte Wörter: Wenn der Sprecher hilflos ist

    Während manche Wörter Unsicherheit signalisieren, legen andere sogar Hilflosigkeit oder Ratlosigkeit nahe. In diese Gruppe gehören Wörter wie…

    • Problem
    • Fehler
    • leider
    • nicht
    • nie
    • falsch
    • schlecht
    • unmöglich
    • gestört

    Sie vermitteln dem Zuhörer eine pessimistische Haltung. Aber auch bei demjenigen, der sie nutzt, kann es sich nachteilig auswirken: Wenn man sich auf ein Problem konzentriert, werden positive Signale nicht mehr gesehen und das raubt Energie. Sprache schafft Wirklichkeit.

    Tipp

    Eine positive Grundhaltung spiegelt sich auch im Vokabular wider. Versuchen Sie sachlich und lösungsorientiert zu bleiben, so kommen Sie auch weiter. Statt von Problem können Sie von Herausforderung sprechen, das signalisiert: Es könnte etwas schwieriger sein als üblich, aber es ist zu schaffen.

    Zu den negativen Wörtern gehören auch die Verneinungen nicht und kein. Hier handelt es sich um einen Sonderfall, bei dem sich ein psychologischer Kniff anbietet. Das Gehirn kann nicht und kein nicht verarbeiten. Mit anderen Worten: Man stellt sich exakt das vor, was eigentlich vermieden werden soll. Der Satz…

    Denken Sie nicht an das rosafarbene Kaninchen.

    wird dazu führen, dass Sie sich ein rosafarbenes Kaninchen vorstellen.

    Tipp

    Um zu vermeiden, dass sich Ihr Gesprächspartner etwas Falsches vorstellt, können Sie umformulieren. Lernen Sie nicht aus Ihrem Wortschatz zu streichen.

    Statt

    Ich will nicht den Projektbeginn verschieben.

    können Sie besser sagen:

    Ich will das Projekt rechtzeitig beginnen lassen.

    Statt

    Machen Sie sich keine Sorgen.

    können Sie besser sagen:

    Sie werden das schon schaffen.

  • Stress produzierende Wörter: Wenn der Sprecher unter Strom steht

    Achtsamkeit ist ein Konzept, das über die Jahre immer mehr Anhänger gefunden hat. Kein Wunder, fühlen sich doch viele Menschen zunehmend gestresst. Dass dieser Stress sich bereits in der Art und Weise ausdrückt, welche Worte wir benutzen, haben die Sprachwissenschaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf und der Neurowissenschaftler Theodor von Stockert herausgefunden.

    Sie gründeten das Sprach- und Kommunikationskonzept Lingva Eterna, das sich verstärkt der Achtsamkeit in Wort und Ausdruck widmet. Angeführt wird die Spitze der Wörter, die es zu vermeiden gilt von dem Modalverb müssen.

    In Kombination mit den Wörtern mal eben, schnell, kurz – allesamt Begriffe, die Schnelligkeit, Hektik oder gar Hetze signalisieren – produzieren wir unseren eigenen Stress. Aber auch die Verwendung der „falschen“ Zeitform halst uns zusätzlichen Stress auf. Wir sagen:

    Ich gehe ins Büro.

    Ich muss mal eben die Präsentation fertig machen.

    Morgen haben wir das Meeting.

    Tatsächlich meinen wir aber:

    Ich werde ins Büro gehen.

    Ich werde die Präsentation beenden.

    Morgen werden wir ein Meeting haben.

    Dadurch, dass das Zukünftige in die Gegenwart gepackt wird, entsteht schnell zusätzlicher Druck. Das passiert unbewusst und entspricht dem üblichen Sprachgebrauch, ist aber wenig zielführend.

    Sämtliche Modalverben wie können, wollen, dürfen, sollen, mögen lassen sich häufig ersetzen. Und Scheurl-Defersdorf zufolge liegt da ein Geheimnis erfolgreicher Menschen: Sie nutzen keine Hilfsverben, sie machen einfach.

Die Sprache beim Wort genommen

Sicherlich ist es anfangs gewöhnungsbedürftig, sämtliche Anregungen umzusetzen. Viele Gewohnheiten haben sich eingeschlichen, oftmals übernehmen wir auch einfach Begriffe von Menschen, weil sie uns sympathisch sind und hinterfragen sie nicht weiter.

Aber es ist ganz hilfreich zu wissen, welche Wörter welche Wirkung vermitteln. Wollen Sie als verängstigt und unsicher gesehen werden? Oder lieber als selbstbewusste Persönlichkeit wahrgenommen werden, die Dinge anpackt und bereit ist, zukünftig mehr Verantwortung zu übernehmen? Ein Großteil Ihrer Möglichkeiten steckt auch in der Sprache.

[Bildnachweis: AJR_photo by Shutterstock.com]
6. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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