Telefonverkauf: Alles auf einen Blick
- Definition: Telefonverkauf ist der direkte Vertrieb von Waren oder Dienstleistungen über das Telefon, meist gestützt durch strukturierte Gesprächsleitfäden.
- Inbound: Kunden rufen beim Unternehmen an, um sich zu informieren, Produkte kennenzulernen oder eine Bestellung aufzugeben.
- Outbound: Unternehmen kontaktieren proaktiv potenzielle oder bestehende Kunden. Sie unterbreiten Angebote und verkaufen über das Telefon.
- Einwilligung: Telefonverkauf bei Endkunden (B2C) ist nur mit vorheriger Zustimmung erlaubt. Für Geschäftskunden (B2B) braucht es „mutmaßliches Interesse“ (§ 7 UWG).
- Vertrag: Am Telefon geschlossene Verträge sind wirksam, es gibt aber ein 14-tägiges Widerrufsrecht.
- Einwände: Größte Herausforderung beim Telefonverkauf sind Einwände und Killerphrasen von Gesprächspartnern. Es braucht gute Vorbereitung, Schulung und Erfahrung, um diese zu entkräftigen.
Erfolgreicher Telefonverkauf ist eine zentrale Aufgabe im Vertrieb. Es ist aber auch eine große Herausforderung: Mehr als 70 % solcher Calls werden nicht angenommen – weil unbekannte Nummern unterdrückt werden oder gleich die Mailbox rangeht. So ist die durchschnittliche Erfolgsquote nur knapp über 2 %, selbst Top-Performer erreichen nur etwa 10 %.
Was ist Telefonverkauf genau?
Telefonverkauf ist eine Form des Direktvertriebs, bei der die Akquise, Beratung und Vertragsabschluss am Telefon stattfinden. Den telefonischen Vertrieb und die Kundengespräche übernehmen meist speziell geschulte Telefonverkäufer in einem Callcenter.
Was macht man im Telefonverkauf?
Ziele im Telefonmarketing und -vertrieb sind die Gewinnung potenzieller Kunden (sog. Leads), die Bedarfsanalyse und Marktforschung sowie Vorbesprechung („Vorqualifizierung“), Terminvereinbarung für den Außendienst, die Angebotsnachverfolgung (Nachfassen) und natürlich das eigentliche Verkaufen. Der Telefonverkauf wird von Unternehmen und Dienstleistern vor allem genutzt, weil er im Vergleich zu anderen Vertriebsformen deutlich kostengünstiger und effizienter funktioniert. Die persönliche Ansprache der Angerufenen erzeugt eine höhere Aufmerksamkeit, erlaubt die direkte Interaktion und spart Reisekosten. Überdies lassen sich heute viele Elemente der Telefonakquise automatisieren und so weitere Personalkosten einsparen.
Ist Telefonverkauf erlaubt?
Private Werbeanrufe bei Endverbrauchern ohne ausdrückliche Einwilligung – sogenannte „Cold Calls“ – sind in Deutschland gesetzlich verboten und daher illegal. Weil die Rechtslage bei Meinungs- oder Marktforschungsanrufen weniger eindeutig ist, blüht das aggressive Telefonmarketing neuerdings damit. Meist steckt aber auch dahinter nur ein getarnter Telefonverkauf und der Versuch, Neukunden zu akquirieren. Telefonverkauf bei Geschäftskunden ist erlaubt, wenn mutmaßliches Interesse vorliegt – das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Angebot direkten Bezug zum Geschäftsfeld eines potenziellen Kunden hat.
Telefonverkauf: Wie verkaufe ich am Telefon richtig?
Einer der großen Vorteile im Telefonverkauf ist seine Einfachheit: Sie benötigen lediglich eine Telefonliste und können – theoretisch – sofort loslegen. Allerdings wird dieses Vorgehen nicht allzu erfolgreich sein. Ein professioneller Telefonverkauf braucht gute Planung. Solide Vorbereitung ist das A und O für ein erfolgreiches Verkaufsgespräch. Nur wer seine Kunden kennt, kann überzeugen. Recherchieren Sie daher schon im Vorfeld, welche Probleme, Wünsche oder Bedürfnisse Ihre Zielkunden haben und wie Sie diese mit Ihrem Angebot schnell und einfach lösen können.
Klären Sie Ihre eigenen Ziele
Aber auch Sie selbst sollten sich über Ihre Gesprächsziele im Klaren sein: Wollen Sie zunächst nur informieren und Vertrauen aufbauen? Möchten Sie Ihre Wunschkunden besser kennenlernen, um eine maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln? Oder wollen Sie direkt überzeugen und Ihr Produkt verkaufen? Je nach Ziel benötigt ein solches Telefongespräch andere Argumente, einen anderen Ablauf und Leitfaden.
Telefonverkauf Leitfaden für den Ablauf
Erfolgreicher und professioneller Telefonverkauf folgt einem bewährten Muster und Leitfaden, der den Kunden Schritt für Schritt zum Abschluss führt. Nutzen Sie diesen Leitfaden für Ihre nächste Telefonakquise und Sie können Ihre Verkaufszahlen steigern:
1. Termin vereinbaren
Weil die Kaltakquise und ein Werbeanruf ohne Genehmigung in Deutschland gegenüber Privatkunden verboten sind, muss zum potenziellen Käufer schon ein Kontakt oder eine Geschäftsbeziehung bestehen. In dem Fall sollten Sie Betroffene trotzdem nicht mit einem „kalten“ Anruf überfallen. Vereinbaren Sie im Vorfeld – z.B. per E-Mail – einen passenden Termin oder bitten Sie um Terminvorschläge. Zwar kann es sein, dass Ihr Gesprächspartner den Telefonanruf ablehnt, dafür bleiben Sie professionell und nicht aufdringlich. Angerufene sollten nie das Gefühl haben, im Telefonverkauf bedrängt zu werden.
2. Zeit sparen
Niemand hat heute noch Zeit für Gelaber. Reden Sie also nicht lange um den heißen Brei herum und kommen Sie zum Punkt: Nach einer freundlichen Begrüßung und kurzem Smalltalk sagen Sie bitte direkt, was Sie bieten oder wollen. Eine gute Überleitung kann sein: „Warum ich Sie heute anrufe…“ Oder: „Der Grund, weshalb ich heute mit Ihnen sprechen wollte, ist…“
3. Aktiv zuhören
Wer fragt, der führt. Aus der Verkaufspsychologie ist bekannt, dass Menschen ein Gespräch dann besonders sympathisch und wertvoll finden, wenn sie selbst die meiste Zeit gesprochen haben.
Nutzen Sie das – und lassen Sie Ihre Kunden reden, statt einen Monolog zu halten. Die Macht des Zuhörens wird enorm unterschätzt. Durch aktives Zuhören erfahren Sie mehr über die Wünsche und Bedürfnisse Ihrer Kunden und können darauf später umso besser eingehen und die passenden Vorzüge Ihres Angebots hervorheben. Wichtig ist nur, dass Sie „offene Fragen“ stellen, sogenannte W-Fragen: was, wie, warum, wofür, welche, wann?
4. Psychologie beachten
Ein Telefongespräch führen Sie nicht nur durch Fragen, sondern ebenso durch die richtigen Formulierungen. Diese sollten nicht nur klar und präzise sein sowie gängigen Gesprächsregeln für eine erfolgreiche Kommunikation mit Kunden folgen. Achten Sie hauptsächlich auf folgende Punkte:
-
Keine Abschwächungen
Verzichten Sie grundsätzlich auf Phrasen, Füllwörter und Floskeln wie „irgendwie“, „gewissermaßen“, „quasi“ etc. Sie wirken unsicher und schwächen Aussagen ab.
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Kein Konjunktiv
Der Konjunktiv schwächt ebenfalls jedes Verkaufsargument und schürt subtil Zweifel an der Aussage. Beispiel: „Unser Produkt hätte den Vorteil“ Entweder es „hat“ den Vorteil oder nicht.
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Keine Verneinungen
Nutzen Sie durchweg positive Formulierungen. Statt zu sagen: „Heute können wir den Auftrag nicht mehr bearbeiten“ sagen Sie: „Wir werden uns so bald wie möglich um Ihren Auftrag kümmern.“ Der erste Satz fühlt sich wie eine Zurückweisung an, der zweite klingt nach Engagement.
Inzwischen gibt es zahlreiche Online-Kurse, Webinare, Rhetorik-Trainer und Bücher, die dabei helfen, bessere Kundengespräche zu führen und erfolgreich zu verkaufen. Nutzen Sie das Know-how der Ratgeber ebenfalls – ob nun als Sales-Manager oder Handelsvertreter im Außendienst
5. Emotionen nutzen
Wer überzeugen will, muss überzeugt sein! Ihre Stimme transportiert mehr als nur Worte. Man kann am Telefon hören, ob Sie selbstsicher, gut gelaunt und von Ihrem Angebot überzeugt sind oder nur einen Gesprächsleitfaden runterbeten. Langweilige Anrufer verkaufen nichts. Zeigen Sie also ruhig mehr (positive) Emotionen und seien Sie besonders. Das macht Sie nicht nur sympathischer – Sie gewinnen so auch mehr Aufmerksamkeit und Zeit. Bauen Sie ebenfalls hin und wieder den Namen des Angerufenen ein – nicht nur bei der Begrüßung oder Verabschiedung. Beispiel: „Das finde ich gut, Herr Muster!“ Aus der Psychologie wissen wir, dass das die Aufmerksamkeit und Verbindlichkeit erhöht.
6. Gespräch abschließen
Konnten Sie Ihr Gegenüber im Telefonverkauf überzeugen, dann sollten Sie zum Abschluss kommen und den Auftrag reinholen (Fachbegriff: „closen“). Dabei hat sich bewährt, die Kunden direkt zu einer konkreten Handlung aufzufordern (sog. Call-to-Action) – siehe auch: AIDA-Formel. Handelte es sich nur um ein unverbindliches Informationsgespräch, sollten Sie zumindest einen Termin für ein Follow-up vereinbaren. Hauptsache, Sie bleiben dran – bis der Auftrag erteilt ist. Danach sollten Sie mit einer freundlichen Verabschiedung enden und den Kunden in seiner Kaufentscheidung bestärken. Er oder sie sollte den Telefonverkauf stets mit einem guten Gefühl beenden.
7. Gespräch nachbereiten
Nach dem Telefonverkauf ist vor dem Telefonverkauf. Die Nachbereitung wird oft vergessen, sie gehört aber unbedingt zur Akquise dazu. Falls Sie keine spezialisierte Vertriebssoftware nutzen, schreiben Sie die wichtigsten Informationen tabellarisch auf, und richten Sie sich eine Erinnerung ein, wann Sie beim Kunden erneut anrufen. So haben Sie kleine Gesprächsanker und die Vorbereitung auf das nächste Telefongespräch ist schneller abgeschlossen.
Wichtige Informationen für die Nachbereitung sind:
- Wofür sucht der Kunde eine Lösung?
- Wie hoch ist sein Budget?
- Ist er offen für neue Angebote?
- Worauf reagiert er besonders positiv?
- Wovon lässt er sich überzeugen?
- Welche privaten Informationen können Sie nutzen (Geburtstage, Namen von Angehörigen, etc.)?
Einwandbehandlung: Typische Einwände – und wie Sie richtig reagieren
Auch das beste Gespräch läuft nicht immer reibungslos. Viele potenzielle Kunden äußern erstmal Einwände oder Vorwände, um Zeit zu gewinnen oder das Gespräch zu beenden. Wichtig ist jetzt: ruhig bleiben, Verständnis zeigen und geschickt reagieren. Hier sind die häufigsten Einwände samt Antwortstrategien:
- „Das kann ich gut verstehen. Ich brauche nur 2 Minuten, um kurz zu prüfen, ob das überhaupt interessant für Sie sein könnte. Wenn nicht, ist das vollkommen in Ordnung.“
- „Kein Problem, wann wäre ein günstigerer Zeitpunkt für einen kurzen Rückruf? Ich richte mich da ganz nach Ihnen.“
- „Gerne. Damit wir das Gespräch bestmöglich vorbereiten können: Wer müsste bei der Entscheidung noch einbezogen werden? Ich biete auch an, beim nächsten Gespräch direkt dabei zu sein.“
- „Gerne. Damit ich Ihnen wirklich passende Informationen zuschicken kann: Was genau interessiert Sie am meisten – eher [Option A] oder [Option B]?“
- „Ich verstehe, dass Investitionen gut überlegt sein müssen. Darf ich kurz aufzeigen, welche Kosten langfristig entstehen können, wenn das Problem nicht gelöst wird?“
- „Darf ich fragen, woran Sie die Investition festmachen – am Gesamtpreis oder eher am Nutzen für Ihr Unternehmen?“
„Ich habe gerade keine Zeit.“
So reagieren Sie: Zeigen Sie Respekt für die Zeit Ihres Gesprächspartners, aber bleiben Sie im Spiel:
Oder bieten Sie eine Alternative an:
„Lassen Sie uns später noch einmal sprechen.“
So reagieren Sie: Hinter dieser Aussage steckt oft Unsicherheit oder die Notwendigkeit, sich intern abzustimmen.
So zeigen Sie Entgegenkommen und entlarven mögliche Ausreden.
„Schicken Sie mir einfach Infos per E-Mail.“
So reagieren Sie: Das ist oft eine höfliche Art, das Gespräch zu beenden. Nutzen Sie die Gelegenheit, mehr über den Bedarf zu erfahren:
Wenn Sie Glück haben, kommen Sie so doch noch ins Gespräch.
„Das ist mir zu teuer.“
So reagieren Sie: Preise sind ein Klassiker unter den Einwänden – wichtig ist, den Wert in den Vordergrund zu stellen:
Oder:
So drehen Sie das Gespräch zurück zum Mehrwert.
Telefonverkauf Checkliste
- Bereiten Sie jedes Verkaufsgespräch gründlich mit einem Leitfaden vor.
- Seien Sie sich über Ihre Gesprächsziele im Klaren.
- Schaffen Sie gleich zu Beginn eine vertrauliche Atmosphäre.
- Stellen Sie viele offene Fragen.
- Finden Sie die drängenden Wünsche und Bedürfnisse des Kunden heraus.
- Suchen Sie für das Kundenproblem eine schnelle und einfache Lösung.
- Formulieren Sie Ihr Angebot stets positiv und überzeugt.
- Leiten Sie den Kunden souverän in Richtung Abschluss.
- Fordern Sie ihn konkret zu einer Handlung auf – und schließen Sie ab!
- Bestätigen Sie den Kunden in seiner Entscheidung.
- Vermitteln Sie ihm abschließend ein gutes Gefühl.
- Bereiten Sie jedes Kundengespräch nach.
- Planen Sie einen neuen Gesprächstermin (Follow-up).
Es mag Unterschiede geben, ob Sie das Verkaufsgespräch digital und online per Mail, am Telefon oder persönlich führen. Das Grundprinzip und der Leitfaden dahinter aber bleiben bei allen Akquisegesprächen gleich:
Telefonverkauf Jobs
Sie wollen im Bereich Telefonverkauf arbeiten und suchen nach Jobs im Callcenter? Dann nutzen Sie gleich unsere Jobbörse, um passende Stellen in der Nähe zu finden.
Lohnt sich Telefonverkauf heute noch?
KI übernimmt und „frisst“ inzwischen zahlreiche Jobs. Gerade dieser Trend ist aber eine Chance für den persönlichen Telefonverkauf! Bei komplexen, erklärungsbedürftigen oder hochpreisigen Produkten ist das Vertrauen der entscheidende Kauffaktor. Dieses bauen Sie aber nicht über eine KI-Stimme, einen Chatbot oder eine anonyme Website auf. Das Telefonat schafft eine persönliche Beziehung und bindet potenzielle Kunden. Als Gegenpol zur künstlichen Intelligenz zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Human-to-Human-Marketing (H2H) wird immer wichtiger: Kunden wollen keine Bots, sie wollen Experten, die ihnen zuhören und individuelle Lösungen liefern. Der Telefonverkauf wandelt sich hin zu mehr Qualität, tieferer Beratung und vertrauensvoller Kundenbeziehung.
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