Rollenspiele im Assessment Center: Nicht schauspielern!

Rollenspiele im Assessment Center sind ein typischer Bestandteil dieses Auswahlverfahrens. Allein der Gedanke an ein Assessment Center beschert manchen Bewerbern schlaflose Nächte. Einen ganzen Tag unter Beobachtung zu stehen ist etwas anderes als nach einer Dreiviertelstunde wieder aus dem Vorstellungsgespräch herauszuspazieren. Andererseits steht und fällt alles mit der richtigen Vorbereitung. Wenn Sie wissen, was Sie bei Rollenspielen im Assessement Center erwartet, können Sie sich darauf einstellen und mit der richtigen Performance die Personaler von sich überzeugen…

Rollenspiele im Assessment Center: Nicht schauspielern!

Rollenspiele Assessment Center: Sinn und Zweck

Für Unternehmen sind Assessment Center eine gute Gelegenheit, mehrere Bewerber gleichzeitig zu testen, um mit möglichst wenig Aufwand den geeigneten Bewerber herauszufiltern. Manche Übungen finden im Team, manche als einzelner Teilnehmer statt.

Rollenspiele im Assessment Center sind ebenso klassischer Teil der Übungen wie etwa Gruppendiskussionen oder die Postkorbübung.

Sowohl Gruppendiskussionen als auch Rollenspiele sind eine wichtige Übung, wenn es darum geht, die Soft Skills der Bewerber zu testen.

Inhaltlich beschäftigen sich Rollenspiele im Assessment Center mit Situationen, die so oder ähnlich auch im Berufsalltag vorkommen könnten.

Solche Rollenspiele im Assessment Center werden meist dann durchgeführt, wenn der potenzielle Mitarbeiter später Kundenkontakt hat oder Personalverantwortung übernehmen soll. Ganz gleich, ob das bei Ihrer Position der Fall sein wird: Es ist immer besser, wenn Sie für den Ernstfall vorbereitet sind, da Ihre Performance darüber entscheidet, ob Sie für die Stelle infrage kommen oder nicht.

Rollenspiele Assessment Center: Das wird vom Bewerber erwartet

Es geht darum, das Rollenspiel im Assessement Center zu absolvieren, und die typischen Fallstricke zu vermeiden. Denn meistens wird es sich um eine irgendwie geartete Dilemma-Situation handeln – so beispielsweise, wenn Sie mit einen Low Performer ein ernstes Gespräch führen sollen.

Oder Sie haben es mit einem aufgebrachten Kunden zu tun, der beschwichtigt werden soll oder Ähnliches. Die Kunst liegt darin, bei alledem nicht ins Schauspielern zu verfallen, sondern möglichst authentisch zu bleiben. Das ist gerade deshalb nicht einfach, da die Situationen meist doch deutlich überdrehter als im Alltag sind.

Es geht weniger darum, möglichst dominant die Rolle eines Vorgesetzten einzunehmen, sondern vielmehr Einfühlungsvermögen zu zeigen:

Wie würden Sie handeln, wenn Sie als Chef, Mitarbeiter oder Kunde in einer bestimmten Situation wären? Da sind nicht nur die Insignien der Macht oder irgendwelche Dominanzgesten gefragt.

Bei aller Authentizität darf allerdings nicht vergessen werden, dass Sie in Ihrem Verhalten die Ziele und Interessen des Unternehmens zu vertreten haben. Am Ende des Rollenspiels im Assessment Center wird eine konkrete Lösung beziehungsweise Vereinbarung erwartet.

Rollenspiel Assessment Center: Auf diese Soft Skills kommt es an

Soft Skills sind in jedem Beruf von Bedeutung. Ihr Fachwissen mag Ihnen eine Stelle verschaffen, aber ob Sie sie behalten, hängt letztlich von sozialen Kompetenzen wie den folgenden ab:

  • Stressresistenz: Die erste Herausforderung hier ist, in möglichst knapper Zeit sich mit der Situation und der eigenen Rolle vertraut zu machen. Sie müssen sich dabei ein Konzept überlegen, wie Sie auftreten und möglichst überzeugend zu einem Ergebnis kommen wollen. In der Regel wird Sie niemand in die Pfanne hauen wollen, allerdings müssen Sie mit Widerständen rechnen: Ihr Gegenüber wird nicht bei erstbester Gelegenheit Ihren Argumenten zustimmen und sofort herrscht fröhliches Einvernehmen.
  • Kommunikationsfähigkeit: Sie werden daran gemessen, wie Sie sich Ihrem Gesprächspartner gegenüber verhalten. Hier spielen nonverbale Kommunikation wie Mimik und Gestik eine Rolle, aber auch der Tonfall. Es wird erwartet, dass Sie auf Ihren Gesprächspartner eingehen können – im Falle eines Kundengesprächs würde hier von Kundenorientierung gesprochen. Stellen Sie zwischendurch Fragen, um sicher zu gehen, dass Sie das Problem beziehungsweise die Ansicht des Gesprächspartners richtig verstanden haben.
  • Gelassenheit: Selbst bei hartnäckigeren Fällen müssen Sie die Contenance wahren. Wenn Sie beispielsweise in einem Rollenspiel im Assessment Center den Vorgesetzten spielen und Ihr Gesprächspartner in der Rolle des Mitarbeiters plötzlich laut wird, dürfen Sie sich nicht zu unüberlegten Reaktionen hinreißen lassen. Hier gilt es Ruhe zu bewahren und darauf zu warten, bis die andere Person sich beruhigt hat. Strahlen Sie Gewissheit aus, dass Sie auf jeden Fall zu einem Ergebnis kommen werden. Denn das ist letztlich das, worauf es bei Rollenspielen im Assessment Center ankommt: Es wird ein irgendwie gearteter Kompromiss, eine Lösung erarbeitet. Wer nur versucht, ohne Rücksicht auf andere seine Meinung durchzuboxen, wird diesen Teil der Prüfung nicht bestehen.
  • Konfliktfähigkeit: Von großer Bedeutung ist die Art und Weise, wie Sie zum Ziel gelangen: Wer zuhören kann und Fragen stellt, statt von irgendwelchen Grundannahmen auszugehen, ist klar im Vorteil. Geachtet wird auch darauf, ob der Bewerber seinen Gesprächspartner ausreden lässt, sich fair verhält oder ob er mit Totschlagargumenten aggressiv vorgeht.
  • Entscheidungsfindung: Wichtig ist, dass Sie am Ende zu einem tragfähigen Kompromiss beziehungsweise klaren Vereinbarung kommen – im Falle eines Mitarbeitergesprächs mit einem unpünktlichen Mitarbeiter heißt das, dass beispielsweise ein klares Prozedere erarbeitet wurde, wie er sein Verhalten ab sofort ändert und Sie das Verhalten kontrollieren. Stellen Sie während dieser Zeit sicher, dass Sie das Hauptanliegen nicht aus dem Blick verlieren und sich auf Nebenschauplätzen tummeln.

Rollenspiele Assessment Center: So können Sie trainieren

Assessement Center Rollenspiel Konfliktgespräch Beispiel mit Lösungen Mitarbeitergespräch Führungskräfte KundengesprächLeider ist das Konkurrenzdenken in Assessment Centern weit verbreitet, weshalb Sie nicht mit allzu viel Entgegenkommen seitens Ihrer Mitbewerber rechnen sollten. In jedem Fall wäre es sowieso zu spät, sich allein darauf zu verlassen, um für Rollenspiele im Assessment Center zu trainieren.

Schnappen Sie sich Familienmitglieder oder Freunde und gehen Sie Situationen wie die oben beschriebenen durch. Daneben gibt es professionelle Anbieter, die sich auf das Training für Assessment Center spezialisiert haben. Zu den preisgünstigeren gehören hier häufig die Volkshochschulen (VHS).

Noch ein paar allgemeine Tipps:

  • Haben Sie die Zeit im Blick, nehmen Sie immer eine Uhr mit.
  • Gewichten Sie Ihre Argumente in einer sinnvollen Reihenfolge. Nutzen Sie dabei den Rezenz-Effekt, das heißt, das stärkste Argument sollte am Ende kommen, da das dem Personaler im Kopf bleibt.
  • Lassen Sie sich nicht vom patzigen Ton anderer mitreißen, bleiben Sie immer höflich und freundlich.

Assessment Center Rollenspiele mit Lösungen

Meist werden Sie gemeinsam mit anderen Teilnehmern in einen Raum geführt, in dem Sie Zeit haben, sich auf das Thema vorzubereiten. Dazu erhalten Sie Materialien mit den nötigen Informationen und Rahmenbedingungen.

Denkbar ist, dass Sie beispielsweise als Führungskraft ein Gespräch mit einem unpünktlichen Mitarbeiter führen müssen. Das ist der Fall, wenn Sie sich als Führungskraft oder als Mitarbeiter im Bereich Human Ressources beworben haben.

Ebenso möglich ist, dass Sie als Mitarbeiter mit einem aufgebrachten Kunden sprechen müssen, beispielsweise, wenn Sie sich für eine Stelle im Verkauf oder Vertrieb beworben haben. Sowohl im Mitarbeitergespräch als auch im Kundengespräch sind es in diesen Beispielen Konfliktgespräche, das heißt, Sie müssen entsprechend deeskalierend vorgehen.

Die üblichen Rahmenbedingungen:

  • Vorbereitung: zwischen fünf und 15 Minuten
  • Dauer: zwischen zehn und 30 Minuten
  • Teilnehmer: meist zwei Personen; Sie und ein Mitbewerber oder ein Beobachter
  • Assessment Center Rollenspiel: Mitarbeitergespräch

    Aufgabe:

    Einer Ihrer Mitarbeiter ist durch andauernde Verspätung aufgefallen und nun ist es Zeit, das Fehlverhalten des Mitarbeiters zu kritisieren und zu korrigieren. Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihr Gesprächspartner nicht sofort reumütig Besserung geloben wird: Seine Rollenanweisung wird vermutlich beinhalten, dass er sich nach bestem Wissen herausreden wird. Rechnen Sie daher mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen.

    Lösung:

    Weisen Sie freundlich, aber bestimmt auf das Problem hin. Klären Sie die Fakten. Schildern Sie, welche negativen Auswirkungen dieses Verhalten auf die Kollegen und das Unternehmen hat, etwa schlechte Arbeitsmoral, höhere Umsatzeinbrüche. Gehen Sie einfühlsam vor, wenn es darum geht, die Gründe des Mitarbeiters beziehungsweise seine Sicht der Dinge zu erfragen.

    Damit sein Fehlverhalten korrigiert werden kann, müssen Sie gemeinsam mit dem Mitarbeiter zu einer Zielvereinbarung kommen. Die kann im Falle des unpünktlichen Mitarbeiters so aussehen, dass die versäumte Arbeitszeit mit Überstunden ausgeglichen wird oder der Mitarbeiter anderweitig nacharbeitet.

    Signalisieren Sie, dass Sie eine Änderung im Verhalten dahingehend erwarten, dass der Mitarbeiter an bisherige Maßstäbe anknüpft und Sie sein Verhalten in nächster Zeit kontrollieren werden.

  • Assessment Center Rollenspiel: Kundengespräch

    Aufgabe:

    Sie sollen einen ehemaligen Kunden zurückgewinnen, der aufgrund mangelhafter Produkte unzufrieden war und den Vertrag mit Ihrem Unternehmen gekündigt hatte. Da der Kunde aus gutem Grund den Vertrag gekündigt hat, werden Sie in diesem Fall Ihre ganze Überzeugungskraft aufbringen müssen, um ihn wiederzugewinnen.

    Lösung:

    Hören Sie gut zu, welche Argumente der Kunde bringt. Zeigen Sie Verständnis für den Ärger in der Vergangenheit. Machen Sie deutlich, dass Ihnen an einer guten Geschäftsbeziehung gelegen ist, verweisen Sie auf die guten Aspekte der alten Geschäftsbeziehung.

    Verweist der Kunde auf Mittbewerber, können Sie argumentieren, dass Sie beispielsweise über eine längere Erfahrung in dem Bereich verfügen. Erklären Sie dem Kunden, dass Ihr Unternehmen aus Fehlern lernt und die Fehlerquelle mittlerweile beseitigt ist. Bieten Sie ihm beispielsweise ein Schnupperangebot an, um sich von der neuen, exzellenten Qualität zu überzeugen und/oder gewähren Sie günstigere Konditionen.

[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]
6. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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