Selbstpräsentation Assessment Center: So geht’s

Zu einem Assessment Center eingeladen zu werden ist bereits die halbe Miete: Offenbar war Ihre Bewerbung ansprechend genug, um Sie persönlich kennenlernen zu wollen. Jetzt kommt der knifflige Teil: Eine Selbstpräsentation im Assessment Center. Selbstpräsentationen sind immer wieder Bestandteil im Berufsleben und treiben vielen Menschen den Schweiß auf die Stirn. Dabei kann man auch das Darstellen der eigenen Persönlichkeit trainieren. Denn darum geht es im Assessment Center ja letztlich: Wie überzeugend ist Ihre Selbstpräsentation für die Personaler, das Unternehmen, um Sie auch tatsächlich einzustellen? Damit Ihre Performance überzeugend wird, haben wir die wichtigsten Kriterien zusammengestellt.

Selbstpräsentation Assessment Center: So geht’s

Die andere Hälfte der Miete: Selbstpräsentation Assessment Center

Sie haben bereits sehr viel Energie in Ihre Bewerbung gesteckt? Umso wichtiger ist es nun, diesen Vertrauensvorschuss nicht zu vergeuden. Denn genau das ist es: Ein Vertrauensvorschuss – Personaler haben für gewöhnlich keine Zeit zu verschenken.

Das gilt umso mehr für Bereiche, in denen eine Vielzahl von Bewerbungen auf eine eher überschaubare Stellenanzahl trifft. Der Auswahlprozess ist mitunter langwierig.

Vergeudung wäre es ebenfalls, jetzt auf halber Strecke schlapp zu machen. Eine gute Selbstpräsentation im Assessment Center ist daher das A und O. Das fällt nicht jedem gleich leicht. Grund dafür ist zum einen, dass eine offene Selbstdarstellung häufig als Prahlerei empfunden wird.

Gerade Frauen tun sich damit oftmals schwer, werden sie doch eher zur Zurückhaltung erzogen. Aber auch Männer sind mitunter zu bescheiden. Zum anderen ist nicht jeder der geborene Entertainer.

An dieser Stelle muss klar gesagt werden: Das Assessment Center ist der falsche Ort für Bescheidenheit.

Lampenfieber in gewissem Ausmaß ist in Ordnung. Das lässt sich in den Griff kriegen, wenn Sie sich entsprechend fit machen. Der große Vorteil bei einer Selbstpräsentation ist: Sie können über etwas reden, worin Sie richtiger Experte sind – wer könnte Sie besser kennen als Sie selbst?

Die Kunst ist dabei, die berufsrelevanten Fähigkeiten und Erfahrungen Ihrer Person für die Selbstpräsentation herauszuarbeiten.

Wie das funktionieren kann, sehen Sie hier:

  1. Vorbereitung: Informationen sammeln

    Als erstes holen Sie Informationen über Ihren potenziellen Arbeitgeber ein. Oftmals bieten Firmen, die ein Assessment Center durchführen, auf ihrer Website nähere Informationen dazu. Weitere Quellen für Informationen können auch Foren wie zum Beispiel Karrierefragen.de sein, wo sich Bewerber Rat sowohl von anderen Bewerbern als auch von Experten einholen können.

    Nicht zu vergessen Ihr eigenes Netzwerk: Vielleicht gibt es auch dort Freunde und Bekannte mit wertvollen Hinweisen. Da es auch im Bereich der Assessment Center bestimmte Moden gibt, kann es durchaus sein, dass die eine oder andere Komponente sich im Laufe der Jahre verändert hat. Sich allein darauf zu stützen ist also nicht ratsam. Dennoch werden Ihnen auch solche Informationen erstmal ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

  2. Selbstreflexion: Fähigkeiten reflektieren

    Für die Selbstpräsentation ist es unerlässlich, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Selbstreflexion anhand Ihres Lebenslaufes wird Ihnen dabei helfen, Ihre Stärken und Schwächen zu ermitteln. Gleichen Sie außerdem die Stellenausschreibung mit Ihrem Lebenslauf ab: Welche Bestandteile daraus könnten für dieses Unternehmen von besonderer Bedeutung sein? Welche persönliche Motivation hat Sie bewogen, warum sind Sie der richtige Kandidat/die richtige Kandidatin für diesen Job?

    Es geht nicht darum, den eigenen Lebenslauf einfach auswendig zu lernen und vorzutragen. Vielmehr werden Sie ihn für Ihre Selbstpräsentation zuschneiden: Dabei können Sie Punkte, die nicht so gut passen auslassen und andere dafür betonen.

  3. Aufbau: Selbstpräsentation planen

    Selbstpräsentationen können zwischen drei und zehn Minuten dauern – am besten, Sie planen eine Kurz- und eine Langfassung ein. Je länger Ihre Selbstpräsentation wird, desto selbstverständlicher sollte auch der Einsatz von Medien sein – Sie demonstrieren nicht nur Ihren sicheren Umgang damit, sondern tragen erheblich zur Auflockerung des Vortrags bei.

    Wie Sie Ihre Selbstpräsentation aufbauen, hängt von Ihrem persönlichen Geschmack und auch Ihrem Werdegang ab. Ähnlich wie bei einem Lebenslauf ist die Frage, ob Sie chronologisch oder umgekehrt chronologisch vorgehen wollen.

    Sind Sie Berufserfahrener, dann wäre eine Möglichkeit, auf diejenigen (letzten) Arbeitsplätze zurückzugreifen, die Ihrer anvisierten Stelle inhaltlich am nächsten kommen. Je nach Umfang Ihrer Erfahrung ist auch denkbar, die letzten zehn Jahre Ihres Werdegangs unter besonderer Berücksichtigung der letzten Jahre zu schildern. Wenn Sie es besonders gut machen wollen, dann versuchen Sie eine Präsentation anhand eines roten Fadens oder Leitmotivs.

    Manchmal gibt es der persönliche Background her: Nehmen wir an, jemand ist als Kind iranischer Eltern in Deutschland geboren, zweisprachig aufgewachsen und hat hier studiert. Dieser Bewerber könnte aufgrund seiner Kenntnisse über beide Kulturkreise ein attraktiver Kandidat für die Deutsch-Iranische Handelskammer sein und entsprechend seiner Herkunft argumentieren.

    Bestandteile einer Selbstpräsentation

    Extra-Tipp-IconManche Menschen tun sich schwer mit einem kreativen Einstieg in die Selbstpräsentation – es hat auch nicht jeder bereits von Kindesbeinen an auf exakt diese Stelle hingearbeitet (auch wenn man es gerne suggerieren möchte). Daher hier die Bestandteile einer klassischen Präsentation als Gerüst:

    • Name
    • Herkunft
    • Alter
    • Ausbildungsort/Universität
    • Fachrichtung und Schwerpunkte
    • Begründung für die Studienwahl
    • Auslandserfahrungen
    • Praxiserfahrungen
    • Jobs und Praktika
    • Motivation für diesen Job

    Je nach Umfang Ihres beruflichen Werdegangs kann dies schon die Variante für die zehnminütige Selbstpräsentation sein. Da die dreiminütige naturgemäß kürzer ausfällt, können Sie sich dafür an einem einfachen Ich bin, ich kann, ich will orientieren.

  4. Performance: Selbstpräsentation üben

    Nun folgt die Generalprobe: Übung macht den Meister. Das gilt auch fürs Vortragen. Am besten, Sie üben Ihre Selbstpräsentation vor dem Spiegel oder mit Freunden. Das hilft beim Einprägen der jeweiligen Stationen, kann aber auch verdeutlichen, wo vielleicht noch Schwachpunkte sind. Ist alles schlüssig dargelegt?

    Das Feedback anderer ist wertvoll. Idealerweise üben Sie auch außerhalb Ihres direkten Umfelds – zum Beispiel auf Barcamps, Messen oder als Teilnehmer in Diskussionen. Auch wenn Sie dort nicht unbedingt Ihren Lebenslauf vortragen: Es wird Ihnen Sicherheit geben. Sie gewöhnen sich daran, exponiert zu sein und frei zu formulieren.

    Wer eher zu Hemmungen neigt, für den ist langfristig betrachtet auch das Improvisationstheater eine gute Möglichkeit, sich auf spontane Situationen vorbereiten zu können. Toben Sie sich aus, denn dafür sind Übungen da. Unsicherheiten, die Ihnen jetzt auffallen, können Sie noch korrigieren.

  5. Assessment Center: Selbstpräsentation halten

    Der große Tag ist gekommen, nun heißt es die Vorbereitungen umzusetzen. Die Basics – entsprechende Kleidung, ordentlicher Händedruck zur Begrüßung und ein offener Blick in die Runde – spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Manchen Leuten fällt es bis ins hohe Erwachsenenalter nicht leicht, andere Leute anzublicken. Wenn Sie dazu gehören sollten: Ein alter Trick ist, sich die Leute gegenüber nackt vorzustellen.

    Aber auch Ihre Körpersprache ist wichtig: Bewahren Sie Haltung, im wahrsten Sinne des Wortes. Gerades Sitzen oder Stehen vermittelt nicht nur Selbstbewusstsein, sondern hilft auch dabei, sich klar zu artikulieren. Eine feste, nicht zu schwache Stimme ist eben auch Bestandteil einer gelungenen Selbstpräsentation.

    Auch hier ein Tipp gegen Nervosität: Lassen Sie sich wenige Sekunden Zeit mit der ersten Antwort. Atmen Sie am besten schon im Vorfeld durch den Mund aus. Je bewusster Sie dies tun, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Sie keine gepresste Luft und Beklemmungsgefühle mit in die Selbstpräsentation nehmen.

    Neben der geraden Haltung ist es wichtig, dass Sie auch während der Selbstpräsentation immer den Blickkontakt halten. Prinzipiell empfiehlt es sich, nicht mit dem Rücken zum Publikum zu stehen, sondern seitlich vom Whiteboard oder Flipchart. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden, wenn Sie zum Beispiel etwas anschreiben müssen.

    Denken Sie dennoch daran, sich immer wieder von den diversen Medien – also der Beamerprojektionsfläche, dem Metaplan oder vom Flipchart zurück zu den Zuhörern zu drehen. Das ist nicht nur wichtig, weil Sie keiner versteht, wenn Sie zur Wand reden, sondern auch, um den Blickkontakt zu allen Anwesenden zu halten. Am Ende Ihres Vortrags bedanken Sie sich bei den Zuhörern.

Andere Präsentationsformen

Extra-Tipp-IconNeben der üblichen Selbstpräsentation kann Sie auch eine andere Art der Präsentation erwarten. Denkbar ist zum Beispiel:

  1. Das Team

    Es werden Teams gebildet, in denen der eine Bewerber den anderen vorstellen soll. Sie sprechen bei der Selbstpräsentation also nicht über sich, sondern über den Sitznachbarn oder das Mitglied Ihres Teams.

    Ziel

    Sie müssen innerhalb einer kurzen Vorbereitungszeit möglichst viel über den Mitbewerber in Erfahrung bringen. Das Ganze soll anschließend vorgetragen werden. Hier geht es gar nicht darum, sämtliche Details erinnern zu können, sondern Sie stehen auch hier im Fokus: Es wird auf das Wie Ihrer Präsentation geachtet, also ob Sie besonders unterhaltsam und flüssig vortragen und gegebenenfalls kleine Lücken auch kaschieren können.

  2. Der Gegenstand

    Man erwartet von Ihnen, dass Sie sich anhand eines Bildes oder Gegenstandes selbst präsentieren.

    Ziel

    Ihre Selbstpräsentation wird zu einer Herausforderung, da ein unerwartetes Element hinzugefügt wird. Hier wird Ihre Flexibilität und Vorstellungsgabe überprüft.

  3. Die Stehgreifpräsentation

    Sie sollen zu einem aktuellen Thema Stellung beziehen. Das kann beispielsweise zum Klimaschutz oder auch Fahrverbot in Innenstädten sein.

    Ziel

    Es wird überprüft, ob Ihr Vortrag einen roten Faden (dafür am besten in Einleitung, Hauptteil und Schluss gliedern) hat und inwieweit Sie die Zuhörer von Ihrer Darstellung überzeugen können.

Die Grenzen der Selbstpräsentation

Sie haben nun also viel Zeit in Ihre Vorbereitungen gesteckt. Sich informiert, kreative Gedanken zu Ihrer Vortragsart gemacht und trainiert. Worauf es letztlich immer ankommt: Dass Sie Ihre beruflichen Stationen authentisch argumentieren können. Bleiben Sie sachlich und lassen Sie sich auch durch kritische oder provokante Nachfragen nicht aus dem Konzept bringen, sondern versuchen Sie, professionell darauf zu antworten.

Was Sie allerdings nicht beeinflussen können, sind Kriterien wie Sympathie oder auch fixe Vorstellungen. Auch werden geübte Beispiele nicht eins zu eins so im Assessment Center auftauchen, das heißt, ein Restrisiko bleibt immer. Dennoch helfen auch diese Vorbereitungen – und sei es nur für eine zukünftige Assessment-Center-Einladung.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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17. November 2016 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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