Muss- und Kann-Anforderungen: Was sie für die Bewerbung bedeuten

Stellenangebote enthalten häufig eine Vielzahl an Informationen, durch die der Bewerber erst einmal durchfinden muss. Ein elementarer Bestandteil sind die Muss- und Kann-Anforderungen. Sie zeigen Ihnen an, was für das Unternehmen oberste Priorität hat und was eher zweitrangig ist, so dass Sie in Ihrer Bewerbung entsprechend darauf eingehen können. Damit Sie durch den Dschungel der Stellenangebotssprache hindurchfinden, zeigen wir Ihnen, worauf es ankommt…

Muss- und Kann-Anforderungen: Was sie für die Bewerbung bedeuten

Muss- und Kann-Anforderungen: Wünsche des Arbeitgebers

Gerade Berufseinsteiger sind verunsichert, wenn Sie die Stellenanzeigen etlicher Arbeitgeber lesen: Da wird ein Bild vom Unternehmen gezeichnet, das einschüchtert und die Anforderungen an den Bewerber sind nicht ohne: Teilweise wird die eierlegende Wollmilchsau verlangt.

Es gibt dafür zweierlei Gründe: Ist mit einem hohen Bewerberaufkommen zu rechnen, wird durch die anspruchsvollen Muss- und Kann-Anforderungen bereits eine Vorauswahl getroffen. Zum anderen will jedes Unternehmen Bewerber, die sich ihrer Stärken sicher und nicht von Selbstzweifeln geplagt sind.

Das heißt, sie sollten sich nicht von solchen Formulierungen abschrecken lassen. Wichtiger ist es, Stellenanzeigen richtig zu lesen, denn bestimmte Formulierungen lassen darauf schließen, was zu den Muss-Anforderungen gehört, vom Bewerber also zwingend erfüllt werden sollte.

Andere Formulierungen signalisieren, dass diese Voraussetzungen zwar wünschenswert sind, aber zu den Kann-Anforderungen gehören. Sie sind gewissermaßen das Goodie, das Sie als ohnehin qualifizierter Bewerber dem Unternehmen obendrein mitgeben.

Unterschied Muss- und Soll-Kriterien

In manchen Bewerbungsratgebern stoßen Sie womöglich auf die Unterscheidung zwischen Muss- und Soll-Anforderungen oder auch als Soll- und Kann-Anforderungen bezeichnet.

Gerade das erste Beispiel ist eher verwirrend, da die Verben müssen und sollen in jedem Fall eine hohe Dringlichkeit implizieren. Diese Bezeichnungen stammen aus dem Projektmanagement, wo anhand des Muss-Soll-Kann-Schemas Prioritäten in unterschiedlichen Abstufungen gesetzt werden.

Gleiches gilt für die Muss- und Kann-Anforderungen, die letztlich nichts anderes bezeichnen.

Muss-Anforderungen: Ohne geht es nicht

Einer gut aufgebauten Stellenanzeige können Sie auf den ersten Blick entnehmen, wen und was das Unternehmen sucht. Die Muss-Anforderungen sind von elementarer Bedeutung und stehen in einer Annonce häufig an erster Stelle, oftmals noch durch Fettdruck oder Schriftgröße hervorgehoben.

Wenn Sie diese Voraussetzungen nicht erfüllen, dann ist eine Bewerbung zwecklos, es sei denn, Sie lesen eine Formulierung wie: „oder vergleichbarer Abschluss“ beziehungsweise „vergleichbare Kenntnisse“. Erkennen können Sie die Muss-Anforderungen beispielsweise an solchen Formulierungen:

  • Perfekte Kenntnisse in XY setzen wir voraus.
  • Wir berücksichtigen nur Bewerbungen mit Abschluss / Erfahrungen in XY.
  • Unbedingt notwendig sind Erfahrungen in XY.
  • Wir suchen einen Mitarbeiter mit guten Kenntnissen in XY.
  • Zwingend erforderlich ist Erfahrung in XY.
  • Sie verfügen über nachweisliche Erfolge im Bereich XY.
  • Eine abgeschlossene Ausbildung als XY ist Voraussetzung.
  • Sie passen zu uns, wenn Sie XY mitbringen.
  • Wir erwarten sehr gute Kenntnisse in XY.
  • Sie besitzen einen Führerschein der Klasse B / Gabelstaplerschein.
  • Regelmäßige Dienstreisen sind für Sie selbstverständlich.
  • Sie haben Ihr Hochschulstudium in XY mit sehr guten Noten abgeschlossen.
  • Ein freundliches Wesen und gute Kommunikation zeichnen Sie aus.
  • Sie bringen Erfahrungen im Bereich XY mit.

Kann-Anforderungen: Bringen Sie weiter

Folgerichtig sind die Kann-Anforderungen von geringerer Bedeutung. Allerdings können Sie Ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn beispielsweise mehrere Bewerber über dieselben Muss-Anforderungen verfügen, aber nur Sie einen Großteil der Kann-Anforderungen abdecken.

Nicht zu vergessen: Kann-Anforderungen können ein Hinweis dafür sein, in welche Richtung ein Unternehmen sich weiterentwickeln will. Für Sie als Bewerber und aussichtsreicher Kandidat ist es nur von Vorteil, zukünftige Entwicklungen abschätzen zu können, denn so sind frühzeitige Vorbereitungen möglich.

Sie sparen dem Unternehmen außerdem Zeit und Geld bei der Einarbeitung, da Sie bereits über Fähigkeiten verfügen, die für die Stelle relevant sein können.

Erkennen lassen sich Kann-Anforderungen daran, dass sie deutlich weicher formuliert sind, beispielsweise so:

  • Erfahrungen in XY sind erwünscht.
  • Von Vorteil sind Kenntnisse in XY.
  • Wenn Sie zusätzlich noch XY mitbringen, sollten wir uns kennenlernen.
  • Grundkenntnisse im Bereich XY runden Ihr Profil ab.
  • Erste Erfahrungen in XY sind wünschenswert.
  • Idealerweise verfügen Sie über XY.
  • Erwünscht sind Kenntnisse in XY, jedoch keine Bedingung.
  • Ausbaufähige Kenntnisse in XY sehen wir gerne.
  • Gerne sehen wir Erfahrungen im Bereich XY.

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Was bedeutet „wünschenswert“ in Stellenausschreibung?

Formulierungen wie die oben aufgeführten bringen zum Ausdruck, dass der potenzielle Arbeitgeber erfreut wäre, wenn der Bewerber über diese Fähigkeiten verfügt. „Wünschenswert“ und „erwünscht“ formulieren einen Wunsch – aber nicht immer werden Wünsche erfüllt, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.

Wer unsicher ist, inwieweit eine Formulierung noch eine Kann-Anforderung ist oder schon eine Muss-Anforderung darstellt, kann sich durch einen Anruf beim Unternehmen rückversichern.

Idealerweise haben Sie sich noch einige andere Fragen zurechtgelegt, die nicht durch die Recherche auf der Unternehmensseite zu beantworten sind. So haben Sie einen Aufhänger und können in Ihrem Anschreiben zusätzlich auf das Telefonat zu sprechen kommen:

Sehr geehrte Frau Meyer,

vielen Dank für das freundliche Gespräch am xx.xx.xx, in dem Sie mich so viel Zeit genommen haben. Die zahlreichen Informationen bestärken mich einmal mehr, Teil des Teams in Ihrem Unternehmen werden zu wollen. Wie vereinbart, sende ich Ihnen hiermit meine vollständigen Bewerbungsunterlagen.


Das sollten Sie beachten

Misstrauisch sollten Sie übrigens werden, wenn so gar keine Muss- und Kann-Anforderungen oder lediglich Kann-Anforderungen auftauchen: Das ist ein Hinweis auf eine unseriöse Stellenanzeige, ebenso wenn mit einem weit über dem Durchschnitt liegenden Gehalt gelockt wird.

Was gibt es zu beachten, wenn Sie nicht alle Muss- und Kann-Anforderungen erfüllen? Bewerben Sie sich trotzdem. Kein Bewerber erfüllt 100 Prozent der Anforderungen und selbst wenn, ist das nicht allein ausschlaggebend. Bereits bei 70 bis 80 Prozent erfüllter Anforderungen kann es sein, dass Sie infrage kommen.

Entscheidend ist außerdem, woran es mangelt: Ein Hochschulstudium werden Sie nicht mal eben nachholen können, wenn das zu den Muss-Anforderungen zählt. Wenn allerdings eine Formulierung wie „…begrüßenswert sind Französischkenntnisse“ in der Ausschreibung steht, fällt das erstens unter die Kann-Anforderungen.

Zweitens lassen sich Sprachkenntnisse schnell auffrischen beziehungsweise nachholen. In einigen Fällen stellt sich sogar im Nachhinein heraus, dass diese Voraussetzungen längst nicht so notwendig sind, wie zuvor behauptet.

Das können Sie aber vorab nicht beurteilen, daher gilt:

  • Wettbewerbsvorteil

    Je mehr, desto besser: Sämtliche Muss- und ein Großteil der Kann-Anforderungen schaffen gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung. In Branchen mit hoher Nachfrage können dennoch Anpassungen bei den Muss-Anforderungen vorgenommen werden, wenn der Bewerber beispielsweise nicht den passenden Abschluss hat, aber über langjährige Berufserfahrung verfügt.

  • Nachweise

    Damit das Unternehmen sich selbst von Ihren Kenntnissen ein Bild machen kann, sollten Sie nach Möglichkeit die Kann-Anforderungen belegen, also Zertifikate von Sprachtests beilegen, ehrenamtliche Tätigkeiten bescheinigen lassen und dergleichen mehr.

  • Engagement

    Heben Sie in Ihrem Bewerbungsanschreiben hervor, dass Sie die gewünschten Kann-Anforderungen noch nicht beherrschen, aber im Begriff sind, auch diesen Punkt zu erfüllen. Beispielsweise so: Derzeitig befinde ich mich in einer Weiterbildung zu XY, die ich in drei Wochen erfolgreich abzuschließen gedenke.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]

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16. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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