Gesamteindruck: So wird die Bewerbung rund

Wenn fachliche Qualifikationen entscheidend für bestimmte Berufe sind, müssten Soft Skills uninteressant sein – allerdings ist bekannt, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Vielmehr ist es der Gesamteindruck, der darüber entscheidet, wie ein Bewerber auf ein Unternehmen wirkt. Bloß wie kommt dieser ominöse Gesamteindruck zustande? Als Bewerber steht immer die bange Frage im Raum, worauf Personaler besonders Wert legen – wann ist eine Bewerbung gut, wann wurde das entscheidende Detail vergessen? Basierend auf verschiedenen Arbeitgebermeinungen gehen wir der Frage nach, was es für eine gelungene Bewerbung braucht…

Gesamteindruck: So wird die Bewerbung rund

Definition: Was zählt zum Gesamteindruck?

Der Volksmund weiß: Für einen ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Das gilt im persönlichen Bereich, wenn Menschen sich erstmals begegnen, aber es gilt auch für die schriftliche Kommunikation.

Aus Bewerbersicht heißt das, dass sämtliche Anstrengungen unternommen werden, um einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen. Wer aber sehr gut anfängt und dann stark nachlässt, hinterlässt eben keinen guten Gesamteindruck. Denn das ist die Summe aller Eindrücke, die sich aus verschiedenen Aspekten speist. Dazu zählen:

  • Vorherige Kontaktaufnahme

    Hat der Bewerber vorab angerufen und Informationen eingeholt? Wenn ja, wie gestaltete sich die Kontaktaufnahme?

  • Zustand der Bewerbungsunterlagen

    Wenn eine Bewerbungsmappe angelegt wurde, ist sie geknickt, fleckig? Falls die Unterlagen digitalisiert wurden, welches Dateiformat wurde gewählt, wurde die Dateigröße komprimiert?

  • Inhaltliche Gestaltung

    Stimmen Anschreiben und Lebenslauf überein? Ist die graphische Gestaltung aus einem Guss? Sind die Unterlagen grammatikalisch und orthographisch fehlerfrei?

  • Im Vorstellungsgespräch

    Welchen Eindruck macht der Bewerber insgesamt? Decken sich die bisherigen Eindrücke mit der persönlichen Begegnung?

Der Gesamteindruck speist sich aus unzähligen kleinen Details und kann – beispielsweise bei einem „Zwischenstand“ – durch neue Informationen oder Begegnungen ergänzt oder sogar geändert werden.

Beispiele

  • Denkbar wäre, dass die Bewerbungsunterlagen einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben, da die fachlichen Qualifikationen zur Stelle passen, das Anschreiben sich schlüssig liest und alles akkurat angefertigt wurde. Im persönlichen Vorstellungsgespräch jedoch macht der Bewerber einen hypernervösen und extrem schlecht vorbereiteten Eindruck, wirkt fahrig. Unterm Strich ist der Gesamteindruck dann eher negativ, auch wenn anfangs alles sehr gut aussah.
  • Andersherum ein Positivbeispiel: Die Bewerbungsunterlagen sind in Ordnung, die fachlichen Qualifikationen passen größtenteils, allerdings will sich der Personaler im direkten Gespräch ein Bild machen. Und siehe da: Bei der Selbstpräsentation punktet der Kandidat überraschenderweise mit wichtigen Kenntnissen aus einer vorherigen Projektarbeit. Dazu kommt, dass die Chemie zwischen beiden stimmt – schon hat sich der Gesamteindruck zum Positiven gewandt.

Beeindruckende Bewerbungsunterlagen: Das zählt

Einiges wurde bereits zum Zustand und der inhaltlichen Gestaltung angemerkt. In den Gesamteindruck Ihrer Bewerbung fließen verschiedene weitere Faktoren, zunächst einmal geht es um Vollständigkeit.

Wie in der nachfolgenden Grafik sollten Sie Ihre Unterlagen anordnen – ganz gleich, ob es sich um eine Bewerbungsmappe handelt, die Sie postalisch verschicken, oder um digitalisierte Unterlagen, deren Dateien zusammengefügt werden:

Aufbau Bewerbungsmappe 2017 vollstaendige Unterlagen Bewerbung Reihenfolge

  • Anschreiben

    Mit Ihrem Anschreiben wecken Sie das Interesse des Personalers. Dabei gilt es nicht nur, längst veraltete Formulierungen zu vermeiden, sondern direkt im ersten Absatz die eigene Motivation, warum Sie ausgerechnet für dieses Unternehmen arbeiten wollen, überzeugend darbieten zu können.

    Hier lauert bereits ein erster Fehler: Es geht nicht darum, dass Sie schreiben, was Sie alles so toll an dem Unternehmen finden und sich zu denken, dass Sie außerdem viel Geld dort verdienen können – vielmehr geht es darum, Ihre Fähigkeiten in Übereinstimmung mit den Anforderungen im Unternehmen zu präsentieren.

    Dabei ist wichtig, dass Sie anhand von konkreten Punkten Ihre Aussagen belegen können. Eine bloße Aneinanderreihung Ihrer vorgeblichen sozialen Kompetenzen wird keinen Personaler überzeugen.

  • Lebenslauf

    Das Herzstück Ihrer Bewerbung ist der Lebenslauf, der zwei Seiten nicht überschreiten sollte. Er sollte Ihre wichtigsten Stationen enthalten und auf die jeweilige Stelle zugeschnitten sein.

    Achten Sie darauf, sowohl beim Anschreiben als auch beim Lebenslauf dieselben Schriftarten und Schriftgrößen zu verwenden, hinsichtlich grafischer Elemente nicht zu stark zu variieren, also nicht Fettdruck und unterstrichen und kursiv gesetzte Schrift.

    Ein typischer Fehler, wenn mehrere Bewerbungen geschrieben werden: Der Lebenslauf wird nicht erneut überarbeitet und Sie haben bei der anvisierten Stelle noch den Jobtitel Ihrer vorherigen Bewerbung stehen gelassen.

  • Zeugnisse und Anlagen

    Für Zeugnisse gilt, dass nur Berufsanfänger Ihr letztes Schulzeugnis in die Bewerbungsunterlagen einzufügen haben. Für den Gesamteindruck eher irritierend wäre also ein Bewerber mit mehrjähriger Berufserfahrung, der nach dem Motto viel hilft viel alles hineinpackt, was er finden kann.

    Entscheidend für die Bewerbung sind Zeugnisse, die das Studium und/oder die Ausbildung belegen und natürlich Arbeitszeugnisse. Diese sollten in der gleichen Reihenfolge wie Ihre beruflichen Stationen im Lebenslauf angeordnet werden, üblicherweise nach amerikanischer Art, das heißt antichronologisch.

    Nach Ihren Zeugnissen kommen – sofern vorhanden oder erwünscht – weitere Referenzen und Arbeitsproben hinzu. Achten Sie unbedingt darauf, diese Unterlagen auch hinzuzufügen, sofern Sie Anlagen im Anschreiben angekündigt haben.

Gesamteindruck: Das finden Personaler wichtig

Gesamteindruck Personaler MeinungViele Personaler sind deutlich gelassener, als so mancher Bewerber das fürchtet. Dahinter verbergen sich keine Monster, die sich die Mühe machen, akribisch auch noch kleinste Fehler zu entdecken. Was allerdings auch wahr ist: Es gibt bestimmte Standards. Manche Unternehmen mögen mehr Wert darauf legen, andere weniger.

Für Sie als Bewerber ist es wichtig, diese Standards zu kennen, denn nur dann können Sie entsprechend handeln und zu einem positiven Gesamteindruck beitragen. Dabei gilt: Im Zweifel den höheren/strengeren Standard anwenden, als das Ganze zu salopp zu sehen.

Das könnte den Verdacht erwecken, dass Sie entweder zu siegessicher sind (und damit latent arrogant wirken) oder aber die Bedeutung des Unternehmens und der Sache an sich unterschätzen. Andersherum: Es ist noch kein Mensch für zu höfliches, zu freundliches oder zu ordentliches Verhalten kritisiert worden.

Worauf wird also geachtet, was sind typische No-Gos?

  • Zustellung

    Große Unternehmen lassen Bewerbungen fast nur noch über eigene Onlineportale laufen. Dementsprechend sind postalische Bewerbungen immer seltener erwünscht. BASF stellt beispielsweise klar, dass Bewerbungen sowohl per Post, E-Mail oder übers Onlineportal akzeptiert werden. Bewerber sollten allerdings im Hinterkopf behalten, dass eine Bewerbung auf Papier für Unternehmen oft mit Umstand verbunden ist, da sie dann ihrerseits die Unterlagen digitalisieren müssen. Das bedeutet einen Mehraufwand – den Sie als Bewerber dem Unternehmen ersparen sollten, schon allein aus Zeitgründen. Außerdem könnte der Verdacht entstehen, dass Sie nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen oder aus Bequemlichkeit auf altbewährte Methoden zurückgreifen.

  • Inhalt

    Wenig überraschend: An erster Stelle schauen Personaler, was der Bewerber inhaltlich zu bieten hat. Bertelsmann stellt klar, dass der Bezug zum Unternehmen wichtig ist, wenngleich unkonventionelle Bewerbungen durchaus Erfolg haben können. Auch Detecon erwartet, dass sich Bewerber mit der Stelle und dem Unternehmen auseinandersetzen. Besonders wichtig: Welche Wechselmotivation ein Bewerber hat.

  • Rechtschreibung

    BMW meint: Ein Fehler ist noch kein Beinbruch. Es kommt auf die Menge an. Kelly Services dazu: Tippfehler wirken nachlässig und werfen kein gutes Bild auf den Bewerber. Hier werde mangelnde Sorgfalt vermutet. Allerdings käme es auf die Stelle an: Einem Techniker wird ein Fehler eher verziehen als einer Sekretärin.

  • Profil

    Studien zufolge googeln 21 Prozent aller Personaler ihre Bewerber. Ganz gleich, welche Suchmaschine genutzt oder ob direkt über berufliche Netzwerke gesucht wird: Bewerber sollten das im Hinterkopf behalten und dementsprechend ihr Social-Media-Profil pflegen. Denn das rundet im besten Fall Ihren Gesamteindruck ab – wenn es ergänzend oder zumindest bestätigend zu Ihren übrigen Bewerbungsunterlagen gestaltet ist.

  • No-Gos

    In dem Moment, wo Personaler Nachlässigkeit wittern, ist Schluss. Das gilt für Rechtschreibfehler, wenn die „schiere Menge“ den Eindruck vermittele, dass es dem Bewerber nicht wichtig sei (Capgemini). Auch bei Copy/Paste-Fehlern und der Erwähnung eines anderen Unternehmens, typische Fehler, wenn Bewerbungsunterlagen wiederverwendet und anschließend nicht gründlich gesichtet werden, verstehen Unternehmen wie Accenture keinen Spaß.

Im Jobinterview: So runden Sie den Gesamteindruck ab

Jedes Vorstellungsgespräch lässt sich in verschiedene Phasen einteilen:

Selbstpraesentation Gespraechsphasen Vorstellungsgespraech Grafik

Wer diese Phasen im Hinterkopf hat, kann sich bereits auf einige Punkte vorbereiten. Wichtige Stationen sind die Selbstpräsentation und die Vorstellung des Unternehmens. In diesen beiden Phasen geht es ans Eingemachte. Können Sie überzeugend Ihre bisherigen Erfolge und Kenntnisse so präsentieren, dass auf Anhieb der Nutzen fürs Unternehmen erkennbar ist?

Ebenfalls sehr wichtig: Wie gut haben Sie sich vorab über das Unternehmen informiert, können Sie durch kluges Nachfragen bei der Arbeitgebervorstellung signalisieren, dass Sie im Thema drin sind? Immer wieder kommt es vor, dass Kandidaten die Bringschuld offenbar beim Arbeitgeber sehen. Dazu Datev: Ein absolutes No-Go ist, wenn der Bewerber sich wenig oder gar nicht über uns informiert hat und dann erst einmal von uns Informationen einfordert.

Aber wie bei den Bewerbungsunterlagen zuvor gilt auch fürs Jobinterview: Der richtige Mix rundet den Gesamteindruck ab. Und dazu gehört auch die Form: Pünktlichkeit, angenehme Umgangsformen nebst der richtigen Kleidung fürs Vorstellungsgespräch werden bei Siemens als selbstverständlich gesehen.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]

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7. Juni 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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