Umgangsformen
Beim Thema Umgangsformen denken viele zunächst an die Regeln und Empfehlungen, die Adolph Freiherr von Knigge in seinem Werk Über den Umgang mit Menschen im Jahre 1788 beschrieben hat. Und das, obwohl die Benimmregeln, die heutzutage mit dem Knigge verbunden werden, in diesem ursprünglichen Werk gar nicht enthalten waren. Trotzdem sind Umgangsformen ein aktuelles Thema und ein gutes Benehmen wird sehr geschätzt. Gerade am Arbeitsplatz können diese über den Eindruck, den Sie bei einem Kollegen, Kunden oder Geschäftspartner machen, entscheiden. Dabei gibt es jedoch immer wieder Missverständnisse, was genau gute Umgangsformen eigentlich sind. Wir erklären, was Umgangsformen ausmacht, welche am Arbeitsplatz besonders wichtig sind und worauf Sie dabei achten sollten...

Umgangsformen: Mehr als nur Bitte und Danke

Umgangsformen Definition am Arbeitsplatz SynonymBitte und Danke sagen, die Tür aufhalten und Freunde oder Arbeitskollegen grüßen, wenn man ihnen begegnet. Beim Thema Umgangsformen kreisen die Gedanken sofort um die klassischen Beispiele, an die sich jeder auch noch aus seiner Kindheit erinnern kann, als die Eltern einen dazu ermahnt haben, sich besser zu benehmen. Aber was genau heißt es, sich besser zu benehmen und gute Umgangsformen an den Tag zu legen?

Die Antwort darauf hängt von der Gesellschaft ab. Umgangsformen sind grundsätzlich nichts anderes als das Verhalten, dass die Gesellschaft als positiv und wünschenswert betrachtet. Die Umgangsformen einer Person zeigen sich deshalb hauptsächlich in der direkten zwischenmenschlichen Interaktion.

Wie gut die Umgangsformen sind, wird dabei in der Regel mit der Erziehung in Verbindung gebracht. Dabei kommt den Eltern sicherlich eine wichtige Bedeutung zu, um Werte zu vermitteln, die sich auf das Benehmen auswirken. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass sich das Verhalten auch später noch ändern kann - sowohl zum Guten als auch zum Schlechten.

Sich an die Umgangsformen zu halten, kann dabei große Auswirkungen haben. Schneller als einem lieb ist, entsteht ein schlechter Ruf, der lange haftet. Ungehobelt, grob, schlecht erzogen, frech und dreist sind dann die wohl noch netteren Beschreibungen.

Als Synonyme für Umgangsformen werden häufig auch Anstand, eine gute Kinderstube, Betragen, Manieren, Stil und auch Etikette. Der Begriff der Etikette bezeichnet meist jedoch eher die Vorgaben und Regeln, an die sich in bestimmten Situationen gehalten werden soll.

Die wichtigsten Umgangsformen am Arbeitsplatz

Auch am Arbeitsplatz sind gute Umgangsformen ein wichtiger Aspekt, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Jeder versteht sich besser mit dem Kollegen, der sich zu benehmen weiß und wenn Sie mit entsprechenden Umgangsformen glänzen, tun sich nicht nur etwas für Ihr Image, sondern auch für das Betriebsklima allgemein.

Hinzu kommt: Wer die Umgangsformen beherrscht, wirkt auf andere ganz automatisch kompetenter und vertrauenswürdiger. Kurz gesagt: Stimmt Ihr Benehmen, trauen Kollegen und auch der Chef Ihnen gleich mehr zu und sind eher dazu bereit, Ihnen Verantwortung zu übertragen. Auch im Vorstellungsgespräch achten Personaler meist sehr genau auf das Verhalten eines Kandidaten, dieser soll schließlich nicht nur die nötigen Qualifikationen mitbringen, sondern auch ins Team passen.

Gute Umgangsformen können somit auch den beruflichen Erfolg beeinflussen, was die Frage aufwirft: Welche Umgangsformen sind am Arbeitsplatz besonders wichtig und werden von Unternehmen, Vorgesetzten und Kollegen gerne gesehen?

Gar nicht so leicht, schließlich beeinflusst das Umfeld, was als gute Umgangsform gilt und somit können die Erwartungen von Arbeitgeber zu Arbeitgeber variieren. Es gibt allerdings einige Benimmregeln und Umgangsformen, die am Arbeitsplatz allgemein als wichtig gelten:

  • Höflichkeit

    Der Klassiker unter den Umgangsformen hat auch am Arbeitsplatz eine große Bedeutung. Höflichkeit und freundliches Auftreten gehören im Job einfach dazu, nicht nur im Kundenkontakt, sondern auch den Kollegen gegenüber. Dazu gehören nicht die allseits bekannten Manieren des Bitte und Danke, sondern auch eine allgemein freundliche und aufgeschlossene Art.


  • Aufmerksamkeit

    Sie sollten einem Gesprächspartner immer Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen, alles andere ist ein Zeichen von fehlendem Respekt. Wenn Sie sich gerade unterhalten, dabei aber ständig im Raum umhersehen, auf Ihrem Smartphone tippen oder gelangweilt drein schauen, sagen Sie nichts anderes als: Das was du da erzählst, ist mir absolut egal und ich habe Besseres zu tun...


  • Pünktlichkeit

    Auch Pünktlichkeit ist ein Zeichen von Respekt den Mitmenschen gegenüber. Natürlich kann sich jeder einmal verspäten, doch dann sollte man das möglichst frühzeitig bekannt geben, damit der Wartende sich darauf einstellen kann. Ohne Erklärung und immer wieder zu spät zu kommen ist ein absolutes NoGo und hinterlässt den Eindruck, dass Sie die Zeit des anderen nicht respektieren, die dieser sich für ein Treffen mit Ihnen nimmt.


  • Zuverlässigkeit

    Gerade im Job ist Zuverlässigkeit besonders wichtig. Gibt der Chef Ihnen eine Aufgabe oder bittet ein Kollege darum, dass Sie sich um etwas kümmern, müssen diese sich darauf verlassen, dass Sie dieser Verantwortung auch wirklich nachkommen. Unzuverlässigkeit ist ein Stempel, den Sie nur schwer wieder loswerden und haben Sie das Vertrauen einmal verspielt, wird man Ihnen in Zukunft keine wichtige Dinge mehr überlassen.


  • Hilfsbereitschaft

    Kann ich dir dabei vielleicht helfen? Manchmal sind es schon die kleinen Gesten, die sich als wichtige Umgangsform herausstellen. Hilfsbereitschaft macht sehr sympathisch und zeigt, dass Ihnen nicht nur das eigene Wohl, sondern auch die Interessen Ihrer Kollegen am Herzen liegen. Allerdings sollten Sie trotzdem aufpassen, sich nicht ausnutzen zu lassen.


  • Tischmanieren

    Ob in der Mittagspause beim Essen mit den Kollegen, ein gemeinsames Essen mit dem Chef oder bei einem Kundentermin: Auch im Job können Tischmanieren ein wichtiger Aspekt sein. Gerade beim Essen gibt es einige Fettnäpfchen, die Sie besser umgehen sollten - dazu zählen zum Beispiel unappetitlichemsSchlürfen oder Kleckern über den gesamten Tisch.


  • Begrüßung

    Es ist klar, dass Sie einen Gegenüber begrüßen sollten. Aber wie? Und wen zuerst? Gerade im Beruf kann man dabei einiges falsch machen, zu den guten Umgangsformen gehört es jedoch, bei der Begrüßung einen guten Eindruck zu machen. Das Wichtigste: Ein kurzer, fester Händedruck, Blickkontakt halten und im Job wird der Ranghöchste zuerst begrüßt.


  • Taktgefühl

    Wer Taktgefühl besitzt, kann sich und sein Verhalten an verschiedene Situationen anpassen. Im Job sollten Sie beispielsweise wissen, wann bestimmte Dinge angebracht sind und wann Sie lieber darauf verzichten sollten. Das gilt besonders für Kommentare, die in einem Moment vielleicht sehr lustig sein können, zu einem anderen Zeitpunkt aber eher deplatziert wirken.


  • Toleranz

    Gerade in der heutigen Zeit, in denen Unternehmen immer globaler werden, spielt Toleranz eine zunehmende Rolle. Voreingenommenes Denken oder gar Ablehnung von anderen Meinungen und Einstelungen katapultiert Sie schnell ins Aus.

Besonders schön: Mit guten Umgangsformen lassen sich die Kollegen oftmals anstecken. Wenn Sie also mit gutem Beispiel voran gehen, profitieren Sie langfristig auch selbst davon, dass die Kollegen Ihnen mit einem besseren Benehmen begegnen.

Umgangsformen: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Umgangsformen am Arbeitsplatz Tipps Beispiele SynonymWie gewonnen, so zerronnen... Mit guten Umgangsformen können Sie zwar punkten, doch leider besteht auch die Gefahr, dass der gute Ruf schnell wieder in die Brüche geht. Tatschlich kann bereits ein einziger Patzer reichen und schon stehen Sie nicht mehr als der freundliche und hilfsbereite Kollege da, sondern gelten als eigensinniger Einzelgänger.

Besonders einige Fehler sollten Sie in Ihren Umgangsformen vermeiden, da Sie bei den Mitmenschen auf besonders große Abneigung stoßen und sehr negativ auffallen:

  • Aufdringlichkeit.

    Die meisten Menschen legen sehr großen Wert auf Ihre Selbstständigkeit und lassen sich in dieser nur ungern einschränken. Wenn Sie zu aufdringlich sind und versuchen, jemand anderem Ihren Willen aufzuzwingen, erreichen Sie damit meist nur das genaue Gegenteil.

  • Wutausbrüche.

    Jeder kann mal wütend werden - auch auf jemand anderen. Allerdings sollten Sie es sich möglichst verkneifen, einen Wutausbruch direkt am Empfänger auszulassen, diesen anzuschreien oder gar zu beleidigen. Ziehen Sie sich lieber erst einmal zurück, lassen Sie die Wut verrauchen und klären Sie die Lage, nachdem Sie sich beruhigt haben.

  • Respektlosigkeit.

    Kaum etwas zeugt so sehr von schlechten Umgangsformen wie respektloses Verhalten anderen Menschen gegenüber. Dahinter steht meist nur der Versuch, sich selbst besser zu fühlen, indem andere herabgesetzt werden. Wer dies nötig hat, verrät deutlich mehr über sich, als über andere.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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