E-Mail-Anrede: Tipps für mehrere Personen

Dem Entree haftet mitunter eine schier unerträgliche Bedeutungsschwere an. Wie du kommst gegangen, so du wirst empfangen, lautet ein schon angejahrtes Bonmot. Etwas eleganter, dafür aber auch finaler, klingt: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. In der Regel beziehen sich beide Zitate auf persönliche Begegnungen – auf einen Kongress zum Beispiel, auf ein Meeting oder das Bewerbungsgespräch. Die Wirkungsweise des Intros lässt sich aber ebenso gut auf den Schriftverkehr übertragen – vor allem auf dessen heute alltäglichste Form: die E-Mail. Wie wichtig die korrekte E-Mail-Anrede ist, lesen Sie hier…

E-Mail-Anrede: Tipps für mehrere Personen

E-Mail eröffnet viele Möglichkeiten

Zunächst einmal ist die moderne E-Mail als Kommunikationsmedium nicht mehr wegzudenken. Schneller und günstiger als die Post, aber auch die problemlose Vervielfältigung haben dazu beigetragen, den klassischen Brief nahezu abzulösen. Eine E-Mail ist schnell geschrieben – und genau da liegt gleichzeitig das Problem:

Briefen muten etwas formelhaft an und der Aufwand war größer. Die E-Mail als schnelles Kommunikationsmedium verleitet nicht nur zu Rechtschreibfehlern, sondern unter Umständen auch zu einer salopperen Anrede, als es mitunter angemessen wäre. Einige Hochschulen geben mittlerweile sogar Leitfäden heraus, wie Dozenten korrekterweise von ihren Studenten angesprochen werden sollten.

Gleichzeitig führen die verschiedenen Möglichkeiten zur Vervielfältigung auch zu neuen Fragen:

  • Wie formuliert man eine E-Mail-Anrede an unbekannte Personen? – Beispielsweise bei einem Unternehmen, dessen E-Mail mit [email protected] beginnt.
  • Wie schreibt man eine E-Mail-Anrede an mehrere Personen?
  • Sagt man noch „liebe Frau Soundso“ oder „lieber Herr Soundso“?
  • Welche Anreden gibt es überhaupt?
  • Und ist die Anrede „per Du“ im Geschäftsbrief beziehungsweise einer geschäftlichen Mail erlaubt?

Was müssen Sie für die korrekte E-Mail-Anrede beachten?

Ganz gleich, ob an der Uni oder im späteren Berufsleben: jeder sollte sich gut überlegen, wen er wie anschreibt. Die korrekte E-Mail-Anrede enthält viele Informationen für denjenigen, der sie bewusst einsetzt. Manche Grußformeln sind vertrauter als andere und deshalb je nach Adressat mal mehr, mal weniger geeignet.

Diese Informationen lassen sich bereits der E-Mail-Anrede entnehmen:

  • Intention

    Sie kennen das sicher von guten Freunden und Kollegen: „Duuu, ich habe da mal eine Frage…“. So ähnlich verhält es sich mit der schriftlichen Anrede: Wird hochoffiziell formuliert, ist bereits klar, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit gefragt ist. Rechnungen, Mahnungen oder Behördenbriefe werden nie mit einem „Hi“ oder ähnlichem beginnen.

  • Beziehungsgrad

    Wie formuliert wird, liegt aber auch an der Vertrautheit – Bekannten gegenüber kann eine E-Mail-Anrede problemlos mit „Hi“ oder „Hallo“. Bekannt heißt allerdings nicht, dass Sie die Person kennen, sondern freundschaftlich mit ihr verkehren.

  • Kinderstube

    Und genau diesen Unterschied zu kennen, macht die (gute) Kinderstube aus – daher der Leitfaden für den E-Mail-Verkehr von Dozenten.

  • Hierarchie

    Bei hierarchisch höher stehenden Personen, aber auch bestimmten Berufsständen, die gesellschaftlich immer mit hohem Ansehen verbunden sind, wird mitunter noch der entsprechende Titel genannt. Beispielsweise „Exzellenz“ oder „Hochwürden“ für kirchliche Würdenträger, „Frau Ministerin“ oder „Herr Bürgermeister“ für hochrangige Politiker.

  • Region

    Einfluss auf die Wahl der jeweiligen E-Mail-Anrede nimmt auch die jeweilige Region. So ist im süddeutschen Raum und Österreich beispielsweise „Grüß Gott“ als Grußformel weit verbreitet, ohne dass damit religiöse Intentionen verbunden wären.

  • Anzahl

    Weiterhin macht es einen Unterschied, ob Sie in Ihrer E-Mail-Anrede lediglich eine Person oder mehrere Personen adressieren: Müssen sie alle namentlich erwähnt werden? Wer wird in welcher Reihenfolge genannt? An wieviele Personen adressiere ich überhaupt eine Mail? Dazu unten mehr.

E-Mail-Anrede an mehrere Personen: Positionierung der Namen

E-Mail-Anrede mehrere PersonenWenn Sie mehrere Personen anschreiben, können Sie theoretisch die Namen direkt nebeneinander schreiben, also:

  • Lieber Herr Meier, lieber Herr Müller,

Allerdings wird es unübersichtlich, wenn Sie mehr als zwei Personen anreden oder aber die Namen besonders lang sind. Die Schreibweise untereinander bietet den Vorteil, dass es deutlich übersichtlicher ist, vor allem, wenn eine Person einen Doppelnamen trägt:

  • Liebe Frau Schniegelsiepen-Huttenstedt,
    lieber Herr Müller,

E-Mail-Anrede unter Kollegen

Nicht besonders kompliziert, dafür allerdings auch recht allgemein gehalten sind die folgenden Anredebeispiele. Wer tagtäglich miteinander arbeitet, sich womöglich duzt, hat natürlich ein anderes Vertrauensverhältnis zueinander als Menschen, die sich kaum sehen und keine direkten Kollegen sind.

Eine Anrede mit „liebe“ oder „lieber“ kann daher völlig in Ordnung sein:

  • Hallo zusammen, / Hallo allerseits,

    Diese Anrede eignet sich, wenn der Absender mit den Personen gut vertraut ist – etwa im Freundeskreis oder im Team, wenn alle Angesprochenen untereinander per Du sind.

  • Hallo Kollegen, / Schönen guten Morgen Kollegen,

    Wenn die Mail unternehmensintern verschickt wird, eignet sich für Empfänger auf derselben Hierarchieebene auch diese E-Mail-Anrede.

  • Liebe Kolleginnen,
    liebe Kollegen,

    Mit einer persönlicheren Note steigen Sie in Ihre E-Mail ein, wenn Sie diese Formulierung wählen. Zwar werden die Adressaten nicht einzeln genannt, allerdings klingt diese E-Mail-Anrede herzlicher.

E-Mail-Anrede bei Geschäftspartnern

Weniger salopp, dafür nicht minder korrekt sollte die Anrede bei Geschäftspartnern gewählt werden. Eine allgemeine E-Mail-Anrede wie „Sehr geehrte Damen und Herren,“ ist eher förmlich.

Allerdings handelt es sich um eine Notlösung und empfiehlt sich nur, wenn der Adressat nicht ermittelt werden konnte oder Sie mehr als zwei Personen ansprechen wollen. Die folgenden Beispiele zeigen die Unterschiede, wenn die Namen der Adressaten bekannt sind:

  • Sehr geehrte Frau Vollmers,
    sehr geehrter Herr Meier,

    In diesem Fall handelt es sich um zwei Geschäftsleute auf derselben Hierarchieebene. Die Frau wird daher zuerst adressiert. Wäre Herr Meier allerdings Frau Vollmers‘ Vorgesetzter, würde er zuerst genannt.

  • Sehr geehrter Herr Fietzke,
    sehr geehrter Herr Meier,
    sehr geehrter Herr Vollmers,

    Alphabetisch wird sortiert, wenn es sich bei bei den Geschäftspartnern um Personen handelt, die hierarchisch in derselben Position sind. Sollte Herr Vollmers allerdings in der Unternehmenshierarchie über Herrn Fietzke und Herrn Meier stehen, müsste erst Herr Vollmers genannt werden.

  • Liebe Frau Müller,
    lieber Herr Meier,

    Bei einem langjährigen Geschäftskontakt kann auch ein freundschaftlicher Ton gewählt werden. Eine Formulierung mit „Liebe/lieber“ ist deutlich persönlicher und kann gewählt werden, um das gute Vertrauensverhältnis zu unterstreichen.

Bedenken Sie Folgendes, wenn Sie eine E-Mail an mehrere Personen verfassen, die nicht unternehmensintern bleiben soll: Wenn Sie die Namen der Adressaten ins Adressfeld oder ins CC (Carbon Copy) setzen, sind die Empfängeradressen für jedermann sichtbar.

Nicht jeder möchte seine E-Mail-Adresse für andere sichtbar machen und auch Vertraulichkeit kann ein wichtiger Aspekt sein. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie daher das BC-Feld (Blind Copy) wählen.

Diese Formen der Anrede sind nicht empfehlenswert

Anrede mehrere Personen geschäftlich Anrede mehrere Personen privatEinige E-Mail-Anreden sollten Sie vermeiden. Die oben genannte Empfehlung gilt übrigens auch, wenn sämtliche Adressaten männlich sind: „Sehr geehrte Herren“ als E-Mail-Anrede ist äußerst unpersönlich, so dass bei Ihrem Gegenüber der Eindruck der mangelnden Wertschätzung oder gar Bequemlichkeit entstehen könnte.

Nebendem kursieren mitunter noch solche Formen der Anrede:

  • Werter Herr Maier
  • Verehrte Frau Müller

Beide Formulierungen muten allerdings sehr gestelzt an. Sie gelten zurecht als veraltet und sollten damit vermieden werden. Ein „Hallo Frau/Herr…“ hingegen wirkt deutlich zu vertraut und sollte den Personen vorbehalten sein, mit denen Sie sich duzen.

Wollen Sie mehr als drei Personen gleichzeitig ansprechen, sollten Sie jeder Person eine eigene Nachricht mit persönlicher E-Mail-Anrede zukommen lassen.

E-Mail-Anrede auf Englisch

Eine große Gemeinsamkeit weißt die E-Mai-Anrede auf Englisch mit der deutschen auf: In beiden Fällen hängt die Wahl der E-Mail-Anrede davon ab, in welcher Beziehung Sie zum Adressaten stehen. Auch werden Mails im privaten als auch geschäftlichen Umfeld generell informeller gehandhabt als Briefe.

Bevor wir uns den eigentlichen E-Mail-Anreden widmen, eine Vorbemerkung: Im Deutschen wird nach der Anrede ein Komma gesetzt und klein weitergeschrieben. Im Englischen ist das Satzzeichen abhängig davon, ob Sie an einen Gesprächspartner in Großbritannien oder in die USA schreiben:

  • Großbritannien

    Das Komma ist optional. Setzen Sie jedoch eins, sollten Sie nach der Grußformel am Schluss ebenfalls eins setzen. Außerdem wird im Haupttext groß weitergeschrieben.

  • USA

    Ein Satzzeichen ist Pflicht – allerdings haben Sie die Wahl zwischen Komma oder Doppelpunkt. Auch hier wird im Haupttext groß weitergeschrieben.

Welche Anreden gibt es?

  • Dear Mr / Dear Ms

    Hier handelt es sich um die Standardformulierung für englische Briefe oder E-Mails. Sie entspricht unserem „Lieber Herr, liebe Frau…“ und gilt als formell-höfliche E-Mail-Anrede. Wichtig: Im Gegensatz zu früher wird kein Wert mehr auf die Unterscheidung zwischen verheirateten oder unverheirateten Frauen gelegt. So wie im Deutschen Fräulein als Anrede unüblich ist, wird im Englischen auf Miss verzichtet. Die Abkürzung Ms wird mit stimmhaften S wie in Sand gesprochen.

  • Dear Gary / Dear Andrea

    Sie können in der E-Mail-Anrede auf Englisch auch Dear nur mit dem Vornamen einer Person kombinieren. Allerdings handelt es sich hierbei um eine persönliche Anrede, die nur bei Personen gewählt werden sollte, mit denen Sie gut bekannt sind. Für Kollegen oder Geschäftspartner ist diese E-Mail-Anrede ebenfalls möglich, wenn es bereits ein persönliches Kennenlernen gab.

  • Dear Sir or Madam

    Bei dieser E-Mail-Anrede hingegen handelt es sich um eine Notlösung: Es ist das Pendant des deutschen Sehr geehrte Damen und Herren…. auf Englisch. Und wie im Deutschen sind immer Anreden vorzuziehen, die persönlich sind. Aber es kann Fälle geben, in denen sich der Name partout nicht ermitteln lässt. Eine gesteigerte und noch deutlich formellere Variante ist die Formulierung To whom it may concern, zu Deutsch etwa: Wen es betrifft.

Wollen Sie eine informelle Mail an mehrere Leute verfassen, schreiben Sie in Großbritannien Dear people oder Dear all. In den USA Hi there,… oder Hi all,…

Was das Intro über die Absichten des Absenders offenbart

Anrede mehrere Personen geschäftlich privatNatürlich dürfen Sie die folgenden Beispiele nicht allzu ernst nehmen – so sind sie auch nicht gemeint. Aber in jedem zugespitzten Spaß steckt auch ein Funken Wahrheit.

Deshalb, daher und darum: Heute etwas E-Mail-Etiketten-Voodoo

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    Heißt übersetzt: Ich hab keine Ahnung, wen diese E-Mail erreicht. Und es ist mir auch völlig schnuppe, du Flitzpiepe! Formal ist die Anrede natürlich okay, aber was folgt, könnte eine Kündigung sein. Oder Spam. Oder Post von einem Bewerber, die seine Hausaufgaben vergessen hat.

  • Mein Freund.

    Einer Ihrer Erbonkel dritten Grades in Nigeria ist verstorben. Er hat Ihnen Vierhunderttrölfzig Mirdonen Euro hinterlassen, aber leider Ihre Kontonummer vergessen. Immerhin: Sein freundlicher Nachlassverwalter wird sich um alles kümmern – vorausgesetzt, Sie bezahlen ihm vorab eine kleine Bearbeitungsgebühr, denn komisch: Daran hat der reiche Onkel auch nicht gedacht. War vermutlich schon sehr alt…

  • Hey!

    „Hey“ heißt: Ich hab keinen Bock, lange drumrum zu reden, aber ich will was von dir! Netter Versuch.

  • Hallo!

    Ein simples „Hallo“ kann bedeuten, dass dem Absender gerade nichts Besseres eingefallen ist. Oder dass er sich noch viel mehr Gedanken darüber macht, was er anschließend in die E-Mail packt. Kann was Gutes sein, kann aber auch nicht. Besser Sie stellen sich schon mal eine Flasche Whiskey neben den Laptop.

  • Hi

    Verrät: Der Absender glaubt, er sei wichtig und könne sich den Ton leisten.

  • Hi!!!

    Bedeutet: Sie sollten die E-Mail löschen, ohne sie zu lesen.

  • Lieber…

    Gefährlich. Falls Sie sich gut kennen: Glück gehabt, alles bestens. So beginnen freundliche Mails. Falls es sich um einen verhassten Kollegen oder gar die dritte Mail vom Chef handelt: Anschnallen! Mit derart geheuchelter Freundlichkeit beginnen verbale Beerdigungen.

  • Harald!

    Bedeutet nichts Gutes. Nie. Jetzt gibt’s gleich den Wischmop ins Gebiss…

  • …, Harald.

    Offenbart: Sie haben beim letzten Einkauf in irgendeinem Online-Shop vergessen, den Haken für die Newsletter-Bestellung rauszunehmen, und jetzt bekommen Sie das, was Sie verdienen: personalisierten Werbemüll. Selber schuld.

  • Werter Herr…

    Du mich auch!

  • Hallo zusammen,

    Obacht! Hier versucht jemand Verantwortung zu delegieren. Besonders verräterisch: Die eingebaute Empfangsbestätigung. Hinterher heißt es dann: Wieso? Die Mail haben doch alle gelesen.

  • Moin Moin

    Saloppe Begrüßung unter Freunden – im Süddeutschen auch „Servus“. Geht eigentlich. In den meisten Fällen aber stammt die Anrede von einem Möchtegern-Nordlicht mit Pseudo-Understatement.

  • Was geht?

    Als Sie das letzte gemeinsame Bier mit diesem Kumpel getrunken haben, war Madonna noch eine Art Jungfrau und ein Ex-Cowboy Präsident der Vereinigten Staaten. Leider wird Ihr Buddy es auch dieses Mal nicht zu Ihrer Familien-Geburtstagsfeier schaffen. Aber vielleicht können Sie ihm aus alter Freundschaft gerade etwas Geld leihen?

  • Guten Tag.

    Der ist bestimmt nicht gut gelaufen, der Tag. Erboste Kunden beginnen so Ihre E-Mail. Aber auch völlig Fremde, die keine Ahnung haben und sich informieren wollen. Oder Trolle, die gerade Munition sammeln. Genau lesen! Jedes weitere Wort könnte ironisch sein.

  • Mein Liebster… (Alternativ: Liebste…)

    Sie werden gleich darüber informiert, dass Sie a) Vater geworden sind; b) endlich heiraten sollen; c) sich beim letzten Sex womöglich angesteckt haben. Oder sie werden abserviert. Aber mit höflicher Anrede.

Welche typische Anrede fehlt?

Das sollten Sie auch noch lesen

Wir können natürlich auch ernsthaft… In dem Fall lesen Sie bitte hier weiter:

[Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]

4. März 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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