Dem Entree haftet mitunter eine schier unerträgliche Bedeutungsschwere an. Wie du kommst gegangen, so du wirst empfangen, lautet ein schon angejahrtes Bonmot. Etwas eleganter, dafür aber auch finaler, klingt: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. In der Regel beziehen sich beide Zitate auf persönliche Begegnungen - auf einen Kongress zum Beispiel, auf ein Meeting oder das Bewerbungsgespräch. Die Wirkungsweise des Intros lässt sich aber ebenso gut auf den Schriftverkehr übertragen - vor allem auf dessen heute alltäglichste Form: die E-Mail. Wie wichtig die korrekte E-Mail-Anrede ist, lesen Sie hier...

E Mail Anrede mehrere Personen freundlich

E-Mail-Anrede: Hierarchie und Situation spielen eine Rolle

Die E-Mail als schnelles Kommunikationsmedium verleitet nicht nur zu Rechtschreibfehlern, sondern unter Umständen auch zu einer salopperen Anrede, als es mitunter angemessen wäre. Einige Hochschulen geben mittlerweile sogar Leitfäden heraus, wie Dozenten korrekterweise von ihren Studenten angesprochen werden sollten.

Aber auch im späteren Berufsleben sollte sich jeder gut überlegen, wen er wie anschreibt. Und tatsächlich: Wie einer seine E-Mail beginnt, verrät bereits viel über dessen Intention, Kinderstube und Beziehungsgrad.

Ebenfalls lassen sich die Hierarchie, der Berufsstand und sogar die Region aus entsprechenden Grußformeln ablesen und beeinflussen somit die Wahl der jeweiligen E-Mail-Anrede. So ist im süddeutschen Raum und Österreich beispielsweise "Grüß Gott" als Grußformel weit verbreitet, ohne dass damit religiöse Intentionen verbunden wären.

Weiterhin macht es einen Unterschied, ob Sie in Ihrer E-Mail-Anrede lediglich eine Person oder mehrere Personen adressieren: Müssen sie alle namentlich erwähnt werden? Wer wird in welcher Reihenfolge genannt? An wieviele Personen adressiere ich überhaupt eine Mail?

Positionierung der Namen

E-Mail-Anrede mehrere PersonenWenn Sie mehrere Personen anschreiben, können Sie theoretisch die Namen direkt nebeneinander schreiben, also:

  • Lieber Herr Meier, lieber Herr Müller,

Allerdings wird es unübersichtlich, wenn Sie mehr als zwei Personen anreden oder aber die Namen besonders lang sind. Die Schreibweise untereinander bietet den Vorteil, dass es deutlich übersichtlicher ist, vor allem, wenn eine Person einen Doppelnamen trägt:

  • Liebe Frau Schniegelsiepen-Huttenstedt,
    lieber Herr Müller,

E-Mail-Anrede: Unter Kollegen

Nicht besonders kompliziert, dafür allerdings auch recht allgemein gehalten sind die folgenden Anredebeispiele. Wer tagtäglich miteinander arbeitet, sich womöglich duzt, hat natürlich ein anderes Vertrauensverhältnis zueinander als Menschen, die sich kaum sehen und keine direkten Kollegen sind.

  • Hallo zusammen, / Hallo allerseits,

    Diese Anrede eignet sich, wenn der Absender mit den Personen gut vertraut ist - etwa im Freundeskreis oder im Team, wenn alle Angesprochenen untereinander per Du sind.

  • Hallo Kollegen, / Schönen guten Morgen Kollegen,

    Wenn die Mail unternehmensintern verschickt wird, eignet sich für Empfänger auf derselben Hierarchieebene auch diese E-Mail-Anrede.

  • Liebe Kolleginnen,
    liebe Kollegen,

    Mit einer persönlicheren Note steigen Sie in Ihre E-Mail ein, wenn Sie diese Formulierung wählen. Zwar werden die Adressaten nicht einzeln genannt, allerdings klingt diese E-Mail-Anrede herzlicher.

E-Mail-Anrede: Nicht empfehlenswert

Anrede mehrere Personen geschäftlich Anrede mehrere Personen privatEinige E-Mail-Anreden sollten Sie vermeiden. Die oben genannte Empfehlung gilt übrigens auch, wenn sämtliche Adressaten männlich sind: "Sehr geehrte Herren" als E-Mail-Anrede ist äußerst unpersönlich, so dass bei Ihrem Gegenüber der Eindruck der mangelnden Wertschätzung oder gar Bequemlichkeit entstehen könnte.

Nebendem kursieren mitunter noch solche Formen der Anrede:

  • Werter Herr Maier
  • Verehrte Frau Müller

Beide Formulierungen muten allerdings sehr gestelzt an. Sie gelten zurecht als veraltet und sollten damit vermieden werden. Ein "Hallo Frau/Herr..." hingegen wirkt deutlich zu vertraut und sollte den Personen vorbehalten sein, mit denen Sie sich duzen.

Wollen Sie mehr als drei Personen gleichzeitig ansprechen, sollten Sie jeder Person eine eigene Nachricht mit persönlicher E-Mail-Anrede zukommen lassen.

E-Mail-Anrede: Bei Geschäftspartnern

Weniger salopp, dafür nicht minder korrekt sollte die Anrede bei Geschäftspartnern gewählt werden. Eine allgemeine E-Mail-Anrede wie "Sehr geehrte Damen und Herren," ist eher förmlich.

Allerdings handelt es sich um eine Notlösung und empfiehlt sich nur, wenn der Adressat nicht ermittelt werden konnte oder Sie mehr als zwei Personen ansprechen wollen. Die folgenden Beispiele zeigen die Unterschiede, wenn die Namen der Adressaten bekannt sind:

  • Sehr geehrte Frau Vollmers,
    sehr geehrter Herr Meier,

    In diesem Fall handelt es sich um zwei Geschäftsleute auf derselben Hierarchieebene. Die Frau wird daher zuerst adressiert. Wäre Herr Meier allerdings Frau Vollmers' Vorgesetzter, würde er zuerst genannt.

  • Sehr geehrter Herr Fietzke,
    sehr geehrter Herr Meier,
    sehr geehrter Herr Vollmers,

    Alphabetisch wird sortiert, wenn es sich bei bei den Geschäftspartnern um Personen handelt, die hierarchisch in derselben Position sind. Sollte Herr Vollmers allerdings in der Unternehmenshierarchie über Herrn Fietzke und Herrn Meier stehen, müsste erst Herr Vollmers genannt werden.

  • Liebe Frau Müller,
    lieber Herr Meier,

    Bei einem langjährigen Geschäftskontakt kann auch ein freundschaftlicher Ton gewählt werden. Eine Formulierung mit "Liebe/lieber" ist deutlich persönlicher und kann gewählt werden, um das gute Vertrauensverhältnis zu unterstreichen.

Bedenken Sie Folgendes, wenn Sie eine E-Mail an mehrere Personen verfassen, die nicht unternehmensintern bleiben soll: Wenn Sie die Namen der Adressaten ins Adressfeld oder ins CC (Carbon Copy) setzen, sind die Empfängeradressen für jedermann sichtbar.

Nicht jeder möchte seine E-Mail-Adresse für andere sichtbar machen und auch Vertraulichkeit kann ein wichtiger Aspekt sein. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie daher das BC-Feld (Blind Copy) wählen.

Was das Intro über die Absichten des Absenders offenbart

Anrede mehrere personen geschäftlich anrede mehrere personen privatNatürlich dürfen Sie die folgenden Beispiele nicht allzu ernst nehmen - so sind sie auch nicht gemeint. Aber in jedem zugespitzten Spaß steckt auch ein Funken Wahrheit.

Deshalb, daher und darum: Heute etwas E-Mail-Etiketten-Voodoo...

Was schon die E-Mail-Anrede verrät

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    Heißt übersetzt: Ich hab keine Ahnung, wen diese E-Mail erreicht. Und es ist mir auch völlig schnuppe, du Flitzpiepe! Formal ist die Anrede natürlich okay, aber was folgt, könnte eine Kündigung sein. Oder Spam. Oder Post von einem Bewerber, die seine Hausaufgaben vergessen hat.

  • Mein Freund.

    Einer Ihrer Erbonkel dritten Grades in Nigeria ist verstorben. Er hat Ihnen Vierhunderttrölfzig Mirdonen Euro hinterlassen, aber leider Ihre Kontonummer vergessen. Immerhin: Sein freundlicher Nachlassverwalter wird sich um alles kümmern - vorausgesetzt, Sie bezahlen ihm vorab eine kleine Bearbeitungsgebühr, denn komisch: Daran hat der reiche Onkel auch nicht gedacht. War vermutlich schon sehr alt...

  • Hey!

    "Hey" heißt: Ich hab keinen Bock, lange drumrum zu reden, aber ich will was von dir! Netter Versuch.

  • Hallo!

    Ein simples "Hallo" kann bedeuten, dass dem Absender gerade nichts Besseres eingefallen ist. Oder dass er sich noch viel mehr Gedanken darüber macht, was er anschließend in die E-Mail packt. Kann was Gutes sein, kann aber auch nicht. Besser Sie stellen sich schon mal eine Flasche Whiskey neben den Laptop.

  • Hi

    Verrät: Der Absender glaubt, er sei wichtig und könne sich den Ton leisten.

  • Hi!!!

    Bedeutet: Sie sollten die E-Mail löschen, ohne sie zu lesen.

  • Lieber...

    Gefährlich. Falls Sie sich gut kennen: Glück gehabt, alles bestens. So beginnen freundliche Mails. Falls es sich um einen verhassten Kollegen oder gar die dritte Mail vom Chef handelt: Anschnallen! Mit derart geheuchelter Freundlichkeit beginnen verbale Beerdigungen.

  • Harald!

    Bedeutet nichts Gutes. Nie. Jetzt gibt's gleich den Wischmop ins Gebiss...

  • ..., Harald.

    Offenbart: Sie haben beim letzten Einkauf in irgendeinem Online-Shop vergessen, den Haken für die Newsletter-Bestellung rauszunehmen, und jetzt bekommen Sie das, was Sie verdienen: personalisierten Werbemüll. Selber schuld.

  • Werter Herr...

    Du mich auch!

  • Hallo zusammen,

    Obacht! Hier versucht jemand Verantwortung zu delegieren. Besonders verräterisch: Die eingebaute Empfangsbestätigung. Hinterher heißt es dann: Wieso? Die Mail haben doch alle gelesen.

  • Moin Moin

    Saloppe Begrüßung unter Freunden - im Süddeutschen auch "Servus". Geht eigentlich. In den meisten Fällen aber stammt die Anrede von einem Möchtegern-Nordlicht mit Pseudo-Understatement.

  • Was geht?

    Als Sie das letzte gemeinsame Bier mit diesem Kumpel getrunken haben, war Madonna noch eine Art Jungfrau und ein Ex-Cowboy Präsident der Vereinigten Staaten. Leider wird Ihr Buddy es auch dieses Mal nicht zu Ihrer Familien-Geburtstagsfeier schaffen. Aber vielleicht können Sie ihm aus alter Freundschaft gerade etwas Geld leihen?

  • Guten Tag.

    Der ist bestimmt nicht gut gelaufen, der Tag. Erboste Kunden beginnen so Ihre E-Mail. Aber auch völlig Fremde, die keine Ahnung haben und sich informieren wollen. Oder Trolle, die gerade Munition sammeln. Genau lesen! Jedes weitere Wort könnte ironisch sein.

  • Mein Liebster... (Alternativ: Liebste...)

    Sie werden gleich darüber informiert, dass Sie a) Vater geworden sind; b) endlich heiraten sollen; c) sich beim letzten Sex womöglich angesteckt haben. Oder sie werden abserviert. Aber mit höflicher Anrede.

Welche typische Anrede fehlt?

Das sollten Sie auch noch lesen:

Wir können natürlich auch ernsthaft... In dem Fall lesen Sie bitte hier weiter:

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